Als ich vom Hauptbahnhof aus vorbei an den neuen Bauten der Fachhochschule die Bauhausstrasse entlang gehe und von ferne bereits die Bruecke des Bauhauses erblicke, ueberfaellt mich ein Gefuehl der Ueberwaeltigung, wie ich es lange nicht mehr gespuert habe. Meine eigenen Augen sehen das legendaere Bauhaus, das ich von so vielen unzaehligen Fotos und Abbildungen her kenne, zu kennen glaube, und nun gehe ich diese Strasse herunter, wie dereinst Mies oder Gropius oder Klee oder Schlemmer und sehe das Bauhaus, diesen Fokus der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts mit meinen Augen, wie diese Grossen es damals gesehen haben muessen. Naeherkommend entdecke ich die Balkone des Atelirtraktes, bevor der Werkstattfluegel dahinter erkennbar wird, orientiere mich, umrunde das Gebaeude. Dass ich mit meinen Gefuehlen nicht allein bin, deuten die Gesichter derer an, die ebenfalls das Gebaeude ansehen und wie getrieben vom Geist des Ortes fotografieren, was die Kameras hergeben. Sie betrachten diesen sachlichen, dreigeschossigen Hochschulbau, wie die Touristen in Berlin den Reichstag betrachten oder das Brandenburger Tor: mit leicht geoeffneten Mund. Sie blicken auf das graue, fast unscheinbare Gebaeude und sehen mehr als ein graues, unscheinbares Gebaeude. Sie sehen das wegweisende Design der zwanziger Jahre, dass hier entworfen wurde. Sie sehen die Architektursprache, die hier damals formuliert wurde, und die die Weltarchitektur so stark beeinflusst hat. Vielleicht sehen sie Walter Gropius oder Paul Klee, die hier gelehrt haben. Ich sehe auch die Gemaelde und Zeichnungen von Oskar Schlemmer mit seinen seltsamen, geometrischen Figurinen. Auch ich beginne das Bauhaus von allen Seiten zu fotografieren, was schwierig ist, da staendig andere Fotografen in den Schussweg treten.