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March 21st, 2012

Tag #1243: Schubladendenken

Damit es auch über das hiesige Tag Grundeinkommen gefunden werden kann, sei hier kurz erwähnt, dass ich gestern ins neue Blog bei Wordpress einen Eintrag Schubladendenken geschrieben habe, der... (guckst Du selbst)
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January 20th, 2012

Tag #1175: Der Test geht weiter

Ich möchte auf zwei weitere Blogartikel von mir hinweisen, die ich derzeit wie gesagt testweise bei WordPress schreibe.
  • Blackout -- Fast hätte ich ihn verpasst, den Blackout. Bzw. meine Teilnahme daran. Schon getwittert hatte ich „Oops. #SOPA #PIPA #ACTA — und #schwarz ist nur mein Pullover. Hab ich doch glatt... (weiterlesen)

    [Veröffentlicht unter Keine Kategorie | Verschlagwortet mit ACTA, Blackout, Flickr, PIPA, Protest, SOPA, WordPress]
Wie man sieht (wenn man klickt und liest), beschäftige ich mich nicht nur mit WordPress, sondern auch mit Youtube und Flickr -- also mit Sites, auf denen man Texte, Videos und Fotos teilen kann. Auch Google+ und Facebook probiere ich zunehmend intensiver aus.

Wenn es nämlich so bleibt, dass man hier seine eigenen Kommentare nicht mehr kommentieren (und auch nicht editieren) kann -- wie es seit der "beta2" der Fall ist -- dann verlasse ich Ipernity. Außerdem ist seit der Umstellung die Hälfte der Funktionen Schrott geworden, und man findet teilweise nur mit Mühe, oder gar nicht, einen Workaround.

Schade. Wirklich schade. Es war schön hier. :-(
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January 4th, 2012

Tag #1159: Vorratsdaten veröffentlichen!

Sascha Lobo hat gestern bei Google+ einen Link auf seinen aktuellen Artikel in der S.P.O.N.-Kolumne geteilt. Es ging um... (weiterlesen)

Tags: Vorratsdatenspeicherung, Panopticon, Postprivacy, Verhaltensdruck, Angst, Privatsphäre, Archivierung, Kommunikation, Gesellschaft, Macht, Daten, Netzsperren, Kontrolle, Wissen, Kontrollverlust, Zensur, Intransparenz, Öffentlichkeit, Verbindungsdaten, Datensilo, Datenschutz, Profilbildung

(Ich schreibe ab sofort testweise in einem neuen Blog bei WordPress.)
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December 15th, 2011

Tag #1139: Datenschutz bei der Facebook-Timeline

Bei Facebook habe ich heute die neue Profilansicht freigeschaltet, also das neue Aussehen der Timeline, im Deutschen wohl Chronik genannt. Viele haben die schon lange, aber bisher musste man sich mittels einer Pseudo-App als Entwickler tarnen, um diese Funktion zu bekommen. Inzwischen ist das aber nicht mehr so. Man kann die Timeline jetzt einfach so unter https://www.facebook.com/about/timeline aktivieren. Sie schaltet sich dann erst nach 7 Tagen für die anderen scharf (vorher kann man sie nur selber sehen). Allerdings kann man darin "publish now" drücken. Dann ist sie sofort für alle zu sehen. Das habe ich gemacht.

Wenn man auch noch ein neues Hintergrundbild hinzufügt (es muss 851×315 Pixel groß sein), ist die neue Optik auch ganz nett. Ich habe ein Bild genommen, das ich 2009 im Stelenfeld-Mahnmal in Berlin auf der Demonstration "Freiheit statt Angst" geschossen hatte. Übrigens keine Demonstration pro Datenschutz, sondern eine Demonstration pro Transparenz. Das durch Überwachung erhobene Wissen wird ja nur dadurch zur unterdrückenden Macht, dass es nicht allen zur Verfügung steht. Erhebt der Staat Daten, die er dann nicht veröffentlicht, wird er selbst zur Quelle des Terrors. Das Erfinden unbelegter anderer Gefahren, ist ein einfältiger Versuch, davon abzulenken. Ebenso wird gerne von der Waffe Datenschutz abgelenkt, mit der effektiv nur verhindert wird, dass die Bürger untereinander aufklärende Daten austauschen können. Nicht Wissen ist Macht, sondern die Fähigkeit, die Ausbreitung des Wissens zu steuern. Dafür ist Datenschutz ein Instrument. Und Transparenz ein Instrument dagegen.

Das Bild mit diesem Entstehungshintergrund passt ganz gut als Hintergrundbild der neuen Facebook-Timeline, weil es diesbezüglich aktuell mal wieder lautes Geschrei nach mehr Datenschutz bei Facebook gibt. Eine gerade von Politikern bewusst geschürte Pseudodebatte, die die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Problem ablenken soll. Nämlich von dem, dass Plattformen wie Facebook der feuchte Traum aller Zensoren und Meinungsdiktatoren schlechthin sind. Ein Unterdrückungsstaat, wie er sich in Deutschland im fortgeschrittenen Aufbau befindet, braucht die Möglichkeiten der Filterung und der Ausbreitungshemmnisse von Daten für seine "Sendezeiten im Internet" und sein "Depublizieren" und sein "Digitales Vergessen" und für seine sonstigen ähnlich absurden Ambitionen. Deswegen will der Staat einen Fuß in die Tür der zentralistisch geführten sozialen Netze bekommen.

Und die Netze machen in Teilen notgedrungen mit. So wurde bei Google Streetview beispielsweise das Recht auf informationelle Selbstbestimmung mittels "Datenschutz" ausgehebelt, da eine öffentliche Fassadenansicht verpixelt wird, sobald nur ein einziger Anwohner das fordert. Das Recht aller anderen spielt dann keine Rolle mehr. So war das nicht gemeint vom Verfassungsgericht! Eher so: "control over personal information is control over an aspect of the identity one projects to the world, and the right to privacy is the freedom from unreasonable constraints on the construction of one's own identity" (Quelle: MIT Press, 1997, http://polaris.gseis.ucla.edu/pagre/landscape.html) Demnach ginge hier das Recht der anderen Anwohner auf Darstellung in Google Streetview vor.

Aber die Netze machen in Teilen auch freiwillig mit. Sie bewerben sich mit ihren Möglichkeiten, "Kreise" (Google+) oder "Listen" (Facebook) zu pflegen, als fortschrittlich in Sachen Datenschutz. Dabei ist das völliger Unsinn. Erstens lassen sich die verschiedenen Kreise im Alltag überhaupt gar nicht trennen, da personelle Überschneidungen (und vor allen Dingen Schwankungen) der Normalfall und nicht der Ausnahmefall sind. Zweitens läßt sich die weitere Verbreitung von Informationen, die man initial in irgendwelche Kreise publiziert hat, überhaupt gar nicht steuern, da einer einmal erzeugten Information keine Verbreitungsregeln mitgegeben werden können (die "Lock this post"-Option bei Google+ kann man da eher als Scherz abtun). Und drittens stehen alle diese "geschützten" Daten ja zur Auswertung dem Netzbetreiber vollumfänglich zur Verfügung. Dank "Datenschutz" aber eben NUR dem Netzbetreiber. Er vermehrt durch "Kreise" und "Listen" Geld und Macht -- mit Intransparenz.

Erstrebenswert wären also soziale Netze, in denen es Datenschutz-Einstellungen gar nicht gibt, aber dafür alle eingespeisten Informationen über gute APIs allen Nutzern gleich gut zur Auswertung zur Verfügung stehen. Google+ und Facebook gehen den umgekehrten Weg. Zum einen müssen sie, weil sie von "Datenschutz"-Gewalttätern aus der Politik dazu gezwungen werden (und Deutschland ist hier ganz vorne in der Welt!). Zum anderen wollen sie, weil sie die Intransparenz durch Handel mit den Informationen zu Geld machen können. Facebook schottet dazu (zumindest Benutzerseiten) komplett vom Web ab. Und Google+ hat nicht aus Versehen noch nahezu keine API.

Nun denn, ich habe wie gesagt also heute meine Facebook-Timeline aktiv geschaltet. Vorher habe ich im neuen "Activity Log" noch einmal sichergestellt, dass alle Einträge aus der Vergangenheit mit der maximalen Sichtbarkeit "Public" und der Einstellung "Allowed on Timeline" versehen sind. (Richtig öffentlich ist das Ganze leider trotzdem nicht, da ja nur für angemeldete Facebook-User zugänglich.) Was ich an der Timeline großartig finde, ist das Bewusstsein, dass sie bei den Facebook-Usern erzwingt: Jede noch so flüchtige Information, die Du heute noch so eingeschränkten Kreisen noch so nebenbei zur Verfügung stellst, wird ab morgen oder ab übermorgen und dann aber für immer Leuten geradezu aufgedrängt werden, die Du heute noch nicht einmal kennst. Damit kann das Fazit nur sein: Mach alles heute schon öffentlich -- oder mach es überhaupt nicht.

Der unterste Eintrag in der Timeline ist bei mir "Born" (die Information, dass ich geboren bin). Den kann man löschen.

Denkste. Informationen kann man nicht löschen. Und man kann sie nicht schützen. Man kann nur lernen, damit umzugehen: Filtersouveränität statt Datenschutz. Netzneutralität statt Kontrolle.

Das Protestgeschrei, das die Facebook-Timeline auslöst, ist das Geschrei alter dummer Menschen. Und dafür liebe ich sie!

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December 6th, 2011

Tag #1130: Zeitgeist

Die taz berichtete kürzlich, dass die “Occupy-Bewegung” sich dagegen zu wappnen trachte, von “obskuren Gruppen unterwandert” zu werden. Konkrete Fälle seien die “Zeitgeist-Bewegung”, die laut einer Berliner Behörde “teilweise inhaltliche Überschneidungen” mit der Scientology-Sekte habe, sowie die Partei Die Linke.

Gulli berichtete dann von der vom “Kollektiv Anonymous” durchgeführten “Operation Ghostbusters” gegen die Zeitgeist-Bewegung und nennt neben der Unterwanderung der Occupy-Bewegung und der Behauptung “dass Zeitgeist eng mit der Scientology-Sekte zusammenarbeite”, noch den Grund, dass Zeitgeist “bei externen Unternehmen Spendengelder lagert”.

Und Scoopertino berichtete schließlich, dass Zune-Wutbürger die Occupy-Apple-Bewegung ins Leben gerufen haben (“Angry Zune owners ignite Occupy Apple movement”).

Wer jemanden trifft, der mit Occupy-Schild und Anonymous-Maske herumläuft, der möge ihn bitte für mich fragen, was das soll.

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November 9th, 2011

Tag #1103: Neuigkeiten bei Twitter (und Facebook und Google+)

Wenn ich einfach so mal wieder in das Webfrontend von Twitter schaue, dann stelle ich fest, dass sich seit meinem letzten Besuch ein bisschen was getan hat. Insbesondere gibt es ein "Activity"-Tab, das mir bisher nicht aufgefallen war und vermutlich neu ist. Darin stehen Meldungen wie "A followed B and C" oder "A and B retweeted X" oder "A and B favorited X" oder "A and B added C to lists M and N and O".

Was im "Activity"-Tab vorkommt, sind also diejenigen Twitter-Verben, die sich auf ein Objekt beziehen (to follow und to add auf Accounts bzw. to retweet und to favor auf Tweets). Für das Verb "to tweet", das sich nicht auf ein Objekt bezieht, gibt es weiterhin das separate Tab "Timeline". Dort sind wie gehabt die Tweets der verfolgten Accounts -- und auch (als retweeted markiert) diejenigen von wiederum deren Retweets, deren Accounts man NICHT folgt. (Retweeted Tweets von Accounts, denen man folgt, sieht man nun im neuen "Activity"-Tab.)

Ein bisschen erinnert diese Trennung von "Timeline"- und "Activity"-Stream bei Twitter an Facebook. Dort gibt es auch seit einiger Zeit einen vom "News Feed" getrennten sog. "Ticker", in dem die Facebook-Verben vorkommen wie "A commented on X" (oder "A is attending E" oder "A and B are now friends" oder "A likes H" oder "A added a new photo" oder "A shared Z" oder "A was tagged at P", usw.). Allerdings kommen im Ticker auch normale Statusmeldungen vor (das Pendant zum Tweet), also insgesamt alles. Und im News Feed gibt es bloß voll-redundante Bereiche mit "top stories" und "more recent stories" und "from earlier" usw., die lediglich gefilterte Sichten auf den Ticker-Stream sind. Hier hat Twitter mit klarer Trennung des Contents bei den Tabs ein wesentlich durchschaubareres Konzept. Facebook bietet nur (und dazu recht intransparente) Relevanzfilter auf die ganze Soße.

So weit und einfach die Sache mit den Verben und Aktivitätsströmen. Krasser geworden (ich weiß nicht wie lange schon) scheint mir bei Twitter auch der multimediale Charakter von Tweets zu sein. Einer der Multimedia-Aspekte, die ich meine, ist die Sache mit den Links: So lassen sich mit der Desktop-Anwendung TweetDeck (obwohl Twitter sie kürzlich gekauft hat) z.B. Texte mit verkürzten Links via beispielsweise is.gd nicht mehr twittern ("to twitter" wird synonym für "to tweet" verwendet). Die Twitter-API weist das einfach ab. Der Abschickversuch in TweetDeck scheitert. Über das Webfrontend geht es noch, allerdings werden dort alle Links auf den Twitter-eigenen Verkürzungsdienst t.co umgebogen, ohne dass man das im Tweet sieht. Jeder Link verbraucht so unabhängig von seiner Länge genau 20 der maximal 140 Zeichen eines Tweets (1 mehr als is.gd), wird in der Anzeige (auch in TweetDeck) aber auf 30 Zeichen beschränkt. Damit müssen pro enthaltenem Link bis zu 10 Zeichen mehr dargestellt werden (was TweetDeck wiederum aber nicht kann und daher viele Tweets einfach abschneidet, sie also nicht vollständig anzeigt). Das Ganze macht nicht nur Anwendungen wie TweetDeck unbrauchbar, sondern auch alle Linkverkürzungsdienste.

Der andere Multimedia-Aspekt, den ich meine, sind Bilder: Im Account-Profil im Webfrontend von Twitter werden "Recent images" dargestellt. Darunter eigene, die man auf Dienste wie twitpic hochgeladen und per Link bei Twitter erwähnt hat, aber auch fremde, die als Link in Tweets vorkamen, die man auf klassische Weise per RT-Konvention retweeted hat ("RT @someone: " dem von @someone kopierten Text voranstellen). Man navigiert durch diese Bilder komplett im Twitter-Webfrontend selber (also nicht im externen Dienst, wo sie eigentlich hingeladen wurden), und sie werden Betrachtern inkl. der fremden Bilder auch noch als eigene Bilder präsentiert. Ich halte das für äußerst kritisch. Auch in der Webdarstellung einzelner Tweets mit verlinkten Bildern, werden jene Bilder übrigens eingebettet dargestellt. Vorbei die Zeit, wo ein Tweet ein einfacher Text mit 140 Zeichen war. Völlig vorbei! Ebenso die Zeit externer Bilderdienste.

Was mit externen Apps auch nicht mehr geht, ist Listen pflegen. So habe ich mit Gravity (meiner Handy-App für Twitter) z.B. eine Liste "lustige" angelegt. Diese läßt sich nun aber (auch über das Webfrontend) weder löschen noch umbenennen noch mit Accounts befüllen. Und benenne ich eine andere Liste in "lustige" um -- was geht -- so wird jene automatisch zu "lustige-5". Eine Liste "lustige" kann ich von meinem Account also nie wieder publizieren. Mit dem Webfrontend angelegte Listen lassen sich zwar noch auf der Handy-App befüllen, aber die berechtigte Frage ist, wie lange noch. Twitter hat mit der Vernichtung von diversen populären (aber eben externen) Diensten und Apps quasi das gesamte Ökosystem der Plattform zerstört. Was bleibt, ist ein Webfrontend und Millionen kommerzieller Marken-Accounts. Von normalen Usern wird man schon lange nicht mehr verfolgt. Wozu das Ganze dann überhaupt noch? Könnte man sich wohl berechtigterweise fragen.

Eine abschließende Bemerkung noch zu Google+, das es ja noch nicht so lange gibt: Nicht-User-Accounts, sog. Pages, gibt es dort ja nun auch. Wie bei Facebook (und anders als bei Twitter) mit leicht anderer Funktionalität als bei User-Accounts. Bei Google+ liked man Pages aber nicht, um ihnen zu folgen (wie bei Facebook), sondern man kreist sie ein. Man nimmt dort also wie bei Twitter User und Pages gleichwertig in seine Listen (die bei Google+ "Circles" heißen) -- und danach können auch die einem dann folgen. Was ich davon halten soll, weiß ich noch nicht. Mir wird Google+ immer suspekter. Es hat mir einfach zu viel von Twitter. (Z.B. auch die im Account gespeicherten Suchanfragen -- ein Feature, das ich bei Facebook noch nicht gesehen habe und dort auch nicht vermissen würde.)

Vielleicht sollte ich noch mal die drei Funktionen von Listen aka. Kreisen untersuchen, die ich schon vor einigen Monaten betrachtet hatte. Facebook hat sich ja seitdem von Google+ treiben lassen und diverse Dinge nachgemacht. So wurden z.B. Streams von Listen eingeführt und die Listen in die vorderste Präsenz gerückt. Außerdem gibt es nun neben "Friends" auch noch "Subscribers" und "Subscriptions", also asymmetrisches Folgen. Und die Pflege von Listen geht nun sogar noch geschmeidiger als die von den Kreisen in Google+. Google+ hingegen hat in der Zeit fast nichts verbessert. Inbesondere das Fehlen eines Activity-Stroms (bei dem Twitter und Facebook ja besonders zugelegt haben), Permalinks an Kommentaren (an Enties gibt es immerhin inzwischen welche), sowie die Reihenfolge der Beiträge nach Datum des letzten Kommentars, und die Nichtverfolgbarkeit geteilter Beiträge (die Ripples sind eine Lachnummer!), usw., machen Google+ nach wie vor unbrauchbar. Und Dinge wie das Exportieren/Importieren von Kreisen sind geradezu absurd, da dort nur Account-Referenzen kopiert werden. Bei Twitter hingegen bleiben verfolgte Fremdlisten auch fremd-kuratiert. Erst das stiftet ja den Nutzen! Hier ist Google+ bei dem Versuch, ein weiteres Twitter-Feature nachzumachen, elendig gescheitert. Und Hiden kann man auch noch nichts. (Bei Twitter bisher allerdings auch keine Accounts, sondern nur deren Retweets. Hier ist Facebook am weitesten vorne.)

Ok, all das ging mir durch den Kopf, als ich mir eben Twitter mal wieder genauer angesehen habe. Wie Facebook und Google+ lebt es und entwickelt sich. Verändert sich stark. Und weil mich das interessiert, werde ich es weiter beobachten...

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October 20th, 2011

Tag #1083: Gestern in der Villa Ichon

Dieser Beitrag wird das Durchschnittsniveau meiner Blogeinträge senken. Jedenfalls vermute ich das, denn ich möchte was über das gestrige 1. Treffen der Bremer Attac-AG "Genug für alle" (zum Thema Grundeinkommen) schreiben, habe aber nicht wirklich was zu berichten. Und wenn keine Story da ist, steht auch zu erwarten, dass keine rüberkommt. Ich schreibe trotzdem einfach mal drauflos.

Ich weiß noch, wie ich in Berührungsängste über meine Teilnahme an einem Treffen der LAG BGE der Bremer Linken berichtete. Es ging um Ziele und Selbstverständnis von Organisationen und den in ihr aktiven Personen. Damals schrieb ich "Ich möchte zum einen die emanzipatorische Komponente in der Grundeinkommensbewegung stärken und zum anderen den Diskurs um das BGE in meiner Partei (der Piratenpartei) am Leben erhalten."

Heute habe ich solche Ziele überhaupt nicht mehr. Aus der Piratenpartei bin ich vor vier Monaten ausgetreten, und die Grundeinkommensbewegung in eine bestimmte Richtung hin stärken, will ich auch nicht mehr. Mich interessiert es heute mehr, Leute anzuregen, sich völlig ergebnisoffen mit dem Thema BGE zu beschäftigen. Es gibt keine "richtigen" und "falschen" BGE-Ansätze, sondern nur verschiedene dahinterstehende Zielstellungen. Und ein Parteien-Kontext ist beim Thema Grundeinkommen schon gar nicht sinnvoll.

Ich weiß auch noch, wie ich einen Blogpost später in Verkürzt dargestellt über meine Teilnahme an einem Treffen des Bremer Initiativkreis Grundeinkommen (BIG) berichtete. Ich schrieb dort dann "Einer redet zweieinhalb Stunden lang. Wahrscheinlich noch viel länger, aber länger hatte ich mir das nicht angetan. Nach zwei Stunden sagt er zu mir, dass ich noch gar nichts gesagt habe und ihn meine Meinung sehr interessieren würde. Er redet aber weiter. Ununterbrochen. Nach einer weiteren halben Stunde bin ich dann gegangen."

Gestern in der Attac-AG erfuhr ich, dass die BIG heute nur noch aus einer einzigen Person besteht. Von dieser Person wusste ich, das sie zwei Tage zuvor Gast auf einem Themenabend Grundeinkommen der Bremer Piratenpartei war (da war ich aus o.g. Gründen nicht dabei). Es handelt sich um jenen Einen aus dem Zitat im letzten Absatz! Dass mit dem niemand mehr zusammenarbeiten will, überrascht mich also nicht. (Ich hatte ihn allerdings noch ein paar mal anderswo deutlich harmloser erlebt, u.a. auf einer gemeinsamen Fahrt nach Hamburg zu einer Versammlung des bundesweiten Netzwerks Grundeinkommen.)

Wie dem auch sei: Die Leute von der LAG und die von Attac sind nicht mehr bei der BIG aktiv, sondern haben nun eine Bremer Genug-für-alle-AG gegründet, von denen es bundesweit bereits zahlreiche gibt. Bei deren Gründungsveranstaltung mit Werner Rätz war ich auch anwesend gewesen, weshalb ich nun also auch zum ersten Treffen gekommen war. Und damit bin ich wieder beim Thema: Ich weiß nicht wirklich, was ich darüber berichten soll. Ich versuch's einfach:

Es begann mit einem Rückblick auf die Bremer Veranstaltungen zur zurückliegenden Woche des Grundeinkommens. Diese liefen noch unter der Flagge der BIG und hatten Attac als "Mitveranstalter" und die LAG BGE als "Partner" gelistet. Der Bremer Dialog Grundeinkommen (das ist diese Wählervereinigung, die ich hier in meinem Blog zuletzt als "Götz-Werner-Anbetungsverein" bezeichnet hatte, und die mittlerweile recht gute Kontakte zu den Bremer Piraten hat) ist mir, nebenbei erwähnt, dieses Jahr durch keine einzige Veranstaltung zur Woche des Grundeinkommens aufgefallen. So war nun also hier auf dem Attac-Treffen deren vollständige Retrospektive. (Eine Veranstaltung folgt noch hinterher, am 14.11.)

Im Anschluss wurde dann auf von mir unterstütztem Wunsch eines Teilnehmers über Ziele und Selbstverständnis der neu gegründeten Gruppe gesprochen. Genau das interessiert mich bei allen Gruppen ja am meisten: Was wollen die Teilnehmer, warum nehmen sie teil, was wollen sie wirklich, und was entsteht in der Gruppe daraus. Es waren im Prinzip zwei Dinge: 1. Einen Grundstock an Wissen erarbeiten. 2. Aktionen durchführen (Filmvorführungen, Demoteilnahmen, Vernetzung).

Einer merkte an, dass die Diskussion in der Gesellschaft längst in ausreichendem Maße stattfinde, dass man sie aber dringend unterfüttern müsse. Und dass man in der Argumentation nicht auf Ebene der Wünsche bleiben dürfe, da das dann keine Folgen habe. Man müsse konkrete Forderungen benennen und auch Bündnispartner suchen. Das Thema BGE allgemein sei zu sehr diffus.

Ein anderer merkte an, dass solche Themen generell erst nach einer Katastrophe politisch interessant werden. (Er nannte dann mehrere Beispiele, von denen ich alle bis auf die Anti-Atom-Bewegung vergessen habe. Die spannende Diskussion ließ mich nur wenige Notizen machen.) Man müsse sich aber jetzt dennoch mit dem Thema Grundeinkommen beschäftigen, damit man dann vorbereitet sei.

Eine Teilnehmerin merkte an, dass die derzeitigen Protestbewegungen bürgerlich seien, also von Leuten in geregeltem Lohn und Brot. Der Trend, sich mit den von der BGE-Thematik berührten Aspekten der Gesellschaft zu beschäftigen, sei hingegen in der öffentlichen Diskussion rückläufig. Ihre Worte waren besser als diese, aber auch hier habe ich leider keine Notizen. Nur eines habe ich mir gemerkt: "Bilder prägen ungeheuer.". Daher ihr Faible für Aktionen. Ich persönlich finde ja eher: "Bilder prägen Ungeheuer." ;-)

Zwischendurch gab es immer wieder Diskussionen und Berichte. So war auch von Prof. Segbers und Matthias Dilthey die Rede. Über die beiden hatte ich anlässlich zweier Vorträge in Bremen in Wann ist ein Grundeinkommen emanzipatorisch? auch in diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Die Darstellung von Dilthey in der Attac-Runde teilte ich durchweg. Die von Segbers hingegen überhaupt nicht. Dies dort darzustellen, dazu kam ich aber nicht. Ich selber habe an dem Abend nicht viel Geistreiches von mir gegeben. So hatte ich mich z.B. total bei dem Versuch verhaspelt, darzustellen, wie sehr die jeweiligen Herkunfts-Kulturkreise meiner Bekannten den Ausschlag geben, wie sie reagieren, wenn ich das Thema Grundeinkommen anspreche.

Generell sind solche Abende unter der Woche einfach nicht mein Ding. Auch gesundheitlich bekommt es mir besser, wenn ich abends zur Ruhe komme. Ich bin ein "männlicher weißer Erwerbsarbeiter" und mache meinen Job intensiv und gerne. Grundeinkommen ist nur ein Hobby. Ich werde es mir nicht leisten können (und auch nicht wollen), an jedem weiteren Treffen der Genug-für-alle-AG teilzunehmen. Ich muss aber zum 1. Treffen dieser Gruppe ein klares Fazit abgeben: Es ist die spannendste Gruppenveranstaltung (also Diskussionsrunden nach Vorträgen nicht mitgerechnet), die ich je in Bremen mitgemacht habe.

Und vielleicht hat das Durchschnittsniveau meiner Blogeinträge durch diesen Bericht darüber ja doch nicht so sehr gelitten wie anfangs befürchtet.

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October 10th, 2011

Tag #1073: Weltrohkosttag

Heute vor einem Jahr -- also am 10.10.10 -- war der 1. "Weltrohkosttag". Keine Ahnung, wer den ausgerufen hat (ich war's nicht, isch schwör), aber laut www.weltrohkosttag.de gibt's sogar eine "potluck location" in Bremen. (Der Typ, der da "Open air im Schrebergarten" macht, ist laut Xing Handelsvertreter für www.lifefood.de .) Berichte, ob da jemand hingegangen ist, habe ich nicht gefunden.

Die Marketing-Maschine für den jährlichen Weltrohkosttag (der 2. war am 28.08.11, der 3. ist am 26.08.12) läuft seit dem ersten Event auf Hochtouren: twitter.com/weltrohkosttag hat bis heute insgesamt genau einen Tweet: "Am 10.10.2010 ist Weltrohkosttag!". Von dem gibt's bei germanygoesraw.de/rohkost-treffen/weltrohkosttag auch Fotos im Netz, aber der von diesem Jahr ist offenbar komplett offline geblieben.

Ein bisschen weitergoogeln (und -facebooken) sagt mir, dass die Welt in der Nähe des Begriffs "Rohkost" voller Blogs und Shops (und noch mehr Shops) von Spinnern und Heilern ist. Außerdem erfahre ich, dass es ein "Radprofi" war, der den 1. Weltrohkosttag ausgerufen hatte. Das reicht aber nicht mal für www.facebook.com/unnutzeswissen . So muss ich die Frage aus der Herkunftsverwandschaft unbeantwortet lassen, wo denn da dieses Jahr was abgeht in Sachen Weltrohkosttag.

Ich fordere Internetzwang für alle Senioren. Dann können die nach ihrem Kram selber googeln!

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September 29th, 2011

Tag #1062: Warten beim Frisör

Beim Warten beim Frisör glitt mir heute diverse höhere Literatur durch die zarten Fingerchen. U.a. der diesen Montag erschienene Spiegel. Darin war ein Bericht über das "Opera"-Projekt (was ich mir dank des gleichnamigen Browsers merken konnte ;-)), was Messergebnisse vom CERN analysiert hatte. Der Satz "Zudem nimmt die Masse eines Körpers mit seiner Geschwindigkeit zu." blieb mir ebenfalls in Erinnerung. Man liest diesen Unsinn ja immer wieder.

Den kompletten Absatz hinter "Neutrinos knacken die Lichtgeschwindigkeit." habe ich mir eben nochmal ergooglet. Er lautet: "Das würde Einsteins spezieller Relativitätstheorie widersprechen. Die auch Laien durch die Gleichung E=mc² bekannte Theorie postuliert unter anderem, dass die Lichtgeschwindigkeit von der Bewegung eines Systems unabhängig ist, es sich also um eine Naturkonstante handelt. Zudem nimmt die Masse eines Körpers mit seiner Geschwindigkeit zu. Bei Lichtgeschwindigkeit würde sie unendlich groß werden. Daher gilt sie als oberste Grenze."

Mich wundert immer wieder, dass kein Wissenschaftsredakteur über die Texte schaut. Dem Laien ist klar, dass zwischen Masse und Geschwindigkeit gerade in der Relativitätstheorie kein Zusammenhang bestehen kann, denn Masse ist dort eine alleinige Eigenschaft des Objekts, und Geschwindigkeit eine alleinige Eigenschaft des Betrachters. Auch der Physiker meint das, für den die universelle Energie-Impuls-Beziehung eigentlich E=SQRT(m²c^4+p²c²) lautet und sich somit nur in den Sonderfällen Masse m=0 (Licht) zu E=pc bzw. Impuls p=0 (Teilchen im Ruhesystem) zu E=mc² vereinfacht.

Würde man mit E=mc² auch bei bewegten Masseteilchen rechnen, hätte man gar keine skalare Masse mehr, sondern ein mathematisches Konstrukt, das physikalisch völlig unsinnig ist, da nur dessen skalarer Anteil eine physikalische Größe beschreibt. Klar, Einstein selber hatte das ursprünglich getan, hatte dann aber zu recht so seine Schwierigkeiten, z.B. Raumkrümmungen zu berechnen, da diese ja auch nur von der echten Masse abhängen -- also der, die eben nicht geschwindigkeitsabhängig ist.

Die Lichtgeschwindigkeitsgrenze hat mit Masse überhaupt nichts zu tun, sondern mit Information. Was sich nicht schneller als Licht ausbreiten kann, ist ein Kausalzusammenhang zwischen Ereignissen, also eben Information. Wenn "Neutrinos knacken die Lichtgeschwindigkeit." stimmen würde, hieße das, dass diese Teilchen keine Information transportiert hätten. Aus der Beobachtung des Messvorgangs am Detektor würde somit nicht folgen, dass das angekommene Teilchen überhaupt je losgeflogen ist. Dass Neutrinos eine solche Eigenschaft haben können, ist mir völlig neu, und ich glaube nicht dran. Ich glaube an einen Messfehler.

Aber selbst wenn sie diese Eigenschaft haben könnten, wäre das dann keine Überlichtgeschwindigkeit. Z.B. einer Zerstörung von Superpositionen verschränkter Teilchen ordnet man ja auch keine Geschwindigkeit zwischen den verschränkten Teilchen zu. (Mal abgesehen davon, dass es Superpositionen in der Quantenmechanik selber gar nicht gibt, sondern nur in einigen Deutungen ebendieser. Auch sie haben keine physikalische Existenz.) Und auch das Durchtunneln von Strecken, um ein weiteres Beispiel jenseits der Lichtgeschwindigkeit zu nennen, bemisst man nicht sinnvoll mit Geschwindigkeiten.

Fazit: Wenn es kein Messfehler ist mit den Neutrinos (wovon ich wie gesagt aber ausgehe), dann ist es ein Quanteneffekt. Aber eine echte Überlichtgeschwindigkeit -- also eine Zeitmaschine, denn dann würde sich Information rückwärts durch die Zeit bewegen --, ist es ganz bestimmt nicht. Ich bin gespannt, was die Erklärung für diese Beobachtung sein wird. Ich sehe aber nicht, dass dafür irgendein Naturgesetz "umgeschrieben werden" muss. Da phantasiert der Spiegel ungefähr so wie bei der ausgedachten geschwindigkeitsabhängigen Masse. Ein Unfug, der zu jedem Anlass erneut verbreitet wird.

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August 8th, 2011

Tag #1010: “Wachstum”

Es passte wie die Faust auf's Auge: Während Sigmar Gabriel in der heutigen 20-Uhr-Tagesschau sinngemäß sowas sagte wie "Wir brauchen keine Transferunion der Krisen, sondern eine Transferunion des Wachstums" war ich in einem Buch von Wolfgang Engler gerade auf Seite 252, wo dieser genau das über die Sozialdemokratie schreibt, was ich jedesmal denke, wenn ich Gabriels hemmungslosen Schwachsinn hören oder lesen muss:

"Man muß in der neueren Geschichte schon weit zurückgehen, um auf eine politische Bewegung zu stoßen, die sich mit vergleichbarer Energie dem Nachweis ihrer Überflüssigkeit gewidmet hat"

Als ich dann auf spd.de nachrecherchieren wollte, was genau und in welchem Kontext Gabriel gesagt hat, war ich allerdings erstmal angenehm überrascht: "Wir führen derzeit Wartungsarbeiten am System durch" war dort zu lesen.

Schön wär's!

Den anhaltenden Verfall der Sozialdemokratie mitzuerleben, ist immer wieder eine Tragödie. Wen glauben solche Witzfiguren wie Gabriel mit Begriffen wie "Wachstum" oder "Vollbeschäftigung" eigentlich heute noch verdummen zu können? Selbst die Klientel, die auf darauf abfährt, dürfte sich mit Abscheu abwenden, wenn es von der SPD kommt. Und alle anderen sowieso.

Wie gesagt: Es passte wie Arsch auf Eimer. Die SPD ist vorbei, das zeigt sich immer deutlicher. Und das heißt: Deutschland wird anders. Denn die Grünen sind zutiefst liberal-konservativ. Eine Pseudo-Öko-Variante von CDU und FDP. Aber alle drei -- CDU, FDP und Grüne -- sind immer noch sozialer als eine Gabriel-SPD. Die SPD steht für überhaupt nichts mehr. Außer für das Endstadium der Verblödung.

Kann das nicht mal jemand ändern? Ich meine, so richtig ändern!

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July 26th, 2011

Tag #997: Ach Gottchen

Ach Gottchen, was für ein Drama. Ausgetreten sind sie! Die Leute von der "Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen - Berlin". Ausgetreten aus dem "Netzwerk Grundeinkommen". Wie schön!

Endlich ist mal wieder was los in der Grundeinkommensbewegung. Bei Facebook erscheint die Meldung in meinem Stream. Bei Google+ in meinen Sparks. Und auch bei Twitter rauscht es. Die Grundeinkommensbewegung beschäftigt sich mit sich selbst. Was für eine neue Erkenntnis!

Die vermutlich von Ralph Boes verfasste Begründung will ich hier gar nicht verlinken (oops, da habe ich es doch getan), denn so viel Pathos kann für die schwachen Herzen so mancher durchsnetzstreifend geneigten Leserinnen und Leser doch leicht zu viel werden. Den gleichen Text hätte man auch ohne Austritt verfassen können, nur wäre er dann nicht ach so dramatisch geraten.

Vielleicht sollte ich sowas auch mal machen! Immerhin bin ich im Juni nach auf den Tag genau zwei Jahren Mitgliedschaft aus der Piratenpartei ausgetreten. Da drängt sich ein Blogeintrag voller Pathos doch regelrecht auf. Die Partei, die alles falsch macht wird verlassen von mir, der alles besser weiß! Und nun wird sie untergehen ohne mich!

Na ja, wer auf die entsprechende Erklärung von mir wartet, der kann lange warten. Ich erkläre hier lieber was anderes, nämlich folgendes: Ich bin vor zwei Jahren aus genau den Gründen ins Netzwerk Grundeinkommen eingetreten, aus denen Boes jetzt austritt. Wobei wir dann auch wieder beim Thema wären. Ein Beispiel: Ein Netzwerk, dessen Netzwerkrat sich nicht kritisch zur albernen Petition von Susanne Wiest, zur fragwürdigen Organisation mancher Grundeinkommens-Demos und zu abstrusen Gedanken zur reinen Konsumsteuerfinanzierung äußert, könnte ich niemals ernst nehmen.

Ich möchte das Netzwerk Grundeinkommen als Gegenpol zur von u.a. Daniel Häni und Götz Werner aufgespannten Medienwelt, die so seltsame Blüten bis hin zur absurden 3sat-Doku "Bedingungslos glücklich -- Freiheit und Grundeinkommen" treibt. Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit des Netzwerks. Viele Götz-Werner-Anbetungsvereine, darunter z.B. der Bremer Dialog Grundeinkommen sind da nicht Mitglied. Gut so!

Ich unterstütze trotzdem alle Initiativen im Grundeinkommensbereich. Der Bremer Dialog Grundeinkommen bekam z.B. meine Unterstützungsunterschrift, um zur vergangenen Bürgerschaftswahl zugelassen zu werden. Ich will, dass BGE-Initiativen sichtbar sind. Alle. Egal, ob sie sich in Richtung meiner Meinung zur Thematik orientieren oder vollkommen entgegengesetzt. Meine Meinung ist ohnehin nicht fest. Ich strebe nicht danach, sie zu verteidigen. Ich strebe danach, sie zu verändern.

Also: Viel Glück, Ralph Boes, auch ohne Mitgliedschaft im Netzwerk Grundeinkommen. Ob man da Mitglied ist oder nicht, ist letztlich vollkommen irrelevant.

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July 13rd, 2011

Tag #985: Senf zu Google+

Es macht wenig Sinn, selbst etwas über Google+ zu schreiben, denn das Netz ist voll von guten Artikeln darüber. Besonders hinweisen möchte ich auf Google+ Spagat: Follower-Modell & reale Namen. Dort wird thematisiert, was mich am meisten an Google+ stört: Das Follower-Modell (wie bei Twitter) mit Realnamen (wie bei Facebook).

Facebook entstand ja als Menge von getrennten Subnetzwerken, insbesondere an Hochschulen. Dort kannte schon jeder jeden vom sehen, und über die Facebooks wurde die Vernetzung auf Realnamenbasis in die jeweils abgeschotteten Onlinebereiche ausgedehnt. Zugang hatte man nur mit E-Mail-Adressen in der jeweiligen Uni-Domäne, und Verbindungen mussten zusätzlich auch noch von Anfang an von beiden Kontakten bestätigt werden. So traten sehr schnell fast alle an den Hochschulen bei, und Privatsphäre war kein Thema.

Heute sind alle ehemaligen Subnetze zu einem verbunden, und man kann sich auch ohne Subnetzzugang zu Facebook anmelden. Zum Zeitpunkt der Zusammenführung existierten aber bereits so viele Realnamen-Accounts, dass Facebook sich auch zum Wiederfinden alter Realkontakte eignete. So konnte sich die Realnamen-Kultur bei Facebook auch weiter durchsetzen und besteht noch heute, wo Like-Buttons das gesamte Web auch jenseits von Facebook durchseuchen. Klickt man auf "gefällt mir", so hinterlegt man Namen und Gesicht an dieser Stelle. Selbst bei Leuten, die nicht bei Facebook angemeldet sind, wird mit deren Bekannten für Facebook geworben (was geht, weil Facebook über diese Buttons so viel Daten sammelt, dass es quasi alle Internetnutzer kennt). Und so melden sich immer mehr an -- auch mit ihrem Realnamen. Auch schon deshalb, weil ihnen sonst fast sämtliche Inhalte verborgen und die Partizipation versagt bleibt.

Twitter kommt aus einer ganz anderen Ecke. Es war von Anfang an global und ohne gegenseitige Kontakt-Bestätigung. Man publizierte (in der Regel anonym) ins komplett Öffentliche und stalke völlig unabhängig davon (entsprechend auch anonym) anderen hinterher. Selbst wenn im Profil dann doch ein Realname steht, so ist die Identifikation trotzdem nahezu immer ein Pseudonym. Gäbe es nur Realnamen als Identifikation, wäre Twitter in seiner heutigen Größe undenkbar. Es lebt vom publizieren und stalken, also 1. von der völligen Öffentlichkeit und 2. von der Anonymität des ersten Blicks -- und nicht von der persönlichen sozialen Vernetzung.

Google+ versucht nun genau dieses Twitter, aber eben mit Realnamen. Google wurde groß mit persönlichen Online-Tools wie Kalender, Online-Office, Webseiten-Feed-Reader, Such-Alerts, Bookmarks, usw., die man für sich alleine benutzte, sowie mit privaten Korrespondenz-Tools wie GMail, für die man Realnamen verwendete. Google investierte in Kollaborationstools (wie Wave) und kommt auch sicher bald mit Whiteboards und Screencasts. Es drängt also auch ins Berufliche und in Vereine, d.h. es basiert auch bei Google alles auf Realnamen -- nur eben bisher ohne Netz. Jetzt stülpt Google ein Netz über die Tools, aber eben nicht nach dem Facebook-Prinzip, sondern nach dem von Twitter.

Mir gefällt das nicht.

Wie bei Twitter kann man Leuten folgen, und man kann sehen, wer einem folgt -- ohne dass das gekoppelt wäre. Wie bei Twitter kann man sich auch nicht übersichtlich anzeigen lassen, bei wem von den Verfolgten man nicht in einem Kreis ist. Bei beiden Netzen soll man ausdrücklich nicht das Gegenseitige anstreben, sondern unabhängig voneinander publizieren und stalken. Nur eben mit Realnamen.

Ich finde das blöd.

Alle Leute, die mich in einen ihrer Kreise packen, ordne ich auch einem meiner Kreise zu, strebe also konsequent das Gegenseitige an. Und aktiv packe ich nur Leute in meine Kreise, die ich persönlich kenne. Fremden folge ich somit nicht, wenn sie mir nicht selbst schon folgen. Damit fehlen mir bei Google+ aber zwei wichtige Features von Facebook: Die Freundschaftsverweigerung (für Leute, die ich nicht kenne) und das Autoverbergen (für Freunde, für die ich mich nicht interessiere).

Kurzum: Wollte ich interessante Streams, müsste ich in Google+ (wie bei Twitter) 1. Freunde entfolgen und 2. Fremden folgen. Damit baute ich aber anders als bei Facebook eben KEIN Realkontaktnetzwerk auf. Das heißt im Umkehrschluss, dass ich bei Google+, das ich wegen der Realnamen als zweites Realkontaktnetzwerk verwenden möchte, keine interessanten Stream haben kann! Warum aber sollte ich dann darin aktiv werden?

Außerdem erschließt sich mir bei Google+ nicht, wie man denn sieht, was man zuletzt gemacht hat. Also wo ist das Aktivitätenprotokoll? Wen habe ich zuletzt zu einem Kreis hinzugefügt? Wo habe ich zuletzt kommentiert? Welchen Kommentar habe ich zuletzt ge-+1-t? Bei Facebook hat jeder Kontakt diese Ereignisse in seiner Timeline, und man selbst sie auf seiner Wall. Bei Google+ findet man den Kram nicht einmal selber wieder. Wie soll man da an seiner seiner Vernetzung arbeiten? Antwort: Man soll nicht.

Fazit: Google+ hat nichts von Facebook -- außer den Realnamen. Aber alles von Twitter -- und das passt nicht zu Realnamen. Damit kann ich mit Google+ nichts anfangen.

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July 9th, 2011

Tag #980: Schon wieder Grundeinkommen

Am Montag ab 19:30 Uhr ist der 7. "Stammtisch Grundeinkommen" im Kapovaz in Bremerhaven. Diesmal gibt es ein wahnsinnig konkretes Thema: "Warum, oder auch nicht, soll es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben und wie kommen wir dahin? Was soll uns das Ganze bringen!".

Eigentlich wollte ich gar nicht hingehen, weil mir im Moment nicht nach solchen Diskussionen ist. Vielleicht gehe ich auch wirklich nicht hin. Aber mir gefällt die letzte Frage (die, die mit einem Ausrufungszeichen endet ;-) ), also die nach dem, was uns das denn bringen soll. Auf die Antworten wäre ich mal gespannt: Was soll das eigentlich?

Im Ernst: Wenn man da mal gegentritt, hat man schon den Begriff "bedingungsloses Grundeinkommen" schnell zerlegt, insbesondere was die Grundidee "alle bekommen es" angeht:

1. Jeder BGE-Ansatz, den ich kenne, muss in andere Sozialsysteme reinwachsen, da er diese auch vom Anspruch her teilweise übernimmt. Wenn aber z.B. Renten als Rechtsanspruch realisiert sind, dann müssen sie beim BGE somit teilweise angerechnet werden.

2. Jeder BGE-Ansatz, den ich kenne, muss auch durch Änderungen am Steuersystem mitfinanziert werden. Damit überlagern sich steuerliche Veränderungen mit dem ausgezahlten Grundeinkommen.

3. Jeder BGE-Ansatz, den ich kenne, hat auch eine irgendwie geartete grundsätzliche Abgrenzung. Irgendwer bekommt es, irgendwer nicht -- und manche nicht in voller Höhe.

Damit ist bei jedem Ansatz die unter'm Strich an den Einzelnen ausgezahlte (oder einbehaltene) Geldmenge jeweils höchst individuell. Sie wird bestimmt durch unterschiedliche Anrechnungseffekte und unterschiedliche Steuereffekte -- und durch die allgemeine Abgrenzung. Kurz: Ein BGE ist eigentlich ein gesamtgesellschaftlicher Eingriff in die Einkommensstruktur der Bevölkerung. Für die einzelnen Bürger aber ist es weder bedingungslos noch in gleicher Höhe.

Außerdem kann kein BGE einfach so eingeführt werden. Auch nicht schrittweise in Stufen. Jeder BGE-Ansatz, den ich kenne, bedarf eines Prozesses, in dem die einzelnen Steuerungsmaßnahmen laufend nachjustiert werden müssen. Maßgeblich für einen Erfolg ist also nicht die Konzeption des vorgedachten Ansatzes, sondern die nachgelagerten Entscheidungen bei der kontinuierlichen Nachjustierung.

Und damit, Stichwort Erfolg, sind wir genau bei jener obigen Frage, was uns das Ganze denn überhaupt eigentlich bringen soll. Das Problem ist ja wohl, dass die Organisation der Gesellschaft über Erwerbsarbeit nicht mehr funktionieren kann und die bisherigen Änderungsversuche (u.a. die Einführung von Niedriglohnsektoren und des Sanktionsregimes) kein tragfähiges Lösungskonzept darstellen. Also braucht es andere Steuerungsmaßnahmenpakete mit mutigeren Ideen.

Aber das Erwerbsarbeitsproblem ist ja nicht das einzige Problem des 21. Jahrhunderts. Auch der Kapitalismus, das Patriarchat und die Religionen kehren verstärkt zurück und drohen zu ernsteren Macht- und Unterdrückungsstrukturen zu werden als je zuvor. Diese Dinge greifen mehr ins Private ein, als es ein Staat je könnte. (Abgesehen vielleicht vom Sozialismus, der diese Machtstrukturen alle gleichzeitig durch eine einzige noch menschenverachtendere zu ersetzen versucht.) Jeder BGE-Ansatz, den ich kenne, berührt aber immer auch in erheblichem Maße alle diese Fragen. Und das meistens zum Negativen.

Man hört sie sehr oft, diese Befürchtung: Ein Grundeinkommen, das von Erwerbsarbeit emanzipiert, öffnet Tür und Tor für die Unterdrückung der Menschen. Aber ein Grundeinkommen, das nicht von Erwerbsarbeit emanzipiert, verstärkt die Gewalt von Niedriglohnsektoren und Sanktionsregime, unterdrückt also genauso. Und tatsächlich muss man diese Befürchtung teilen, da ein einmal ins Rollen gebrachter BGE-Einführungsprozess bzgl. seiner kontinuierlichen Nachjustierung kaum steuerbar sein dürfte. Jeder BGE-Ansatz, den ich kenne, macht sich auf einen Weg, dessen Ziel er nicht vorhersehen kann.

Warum dann also überhaupt Grundeinkommen? Warum ein so großer und unkalkulierbarer veränderlicher Eingriff in die Einkommensstruktur der Bevölkerung? Wird die nächste Krise noch beherrschbar, wenn man zugleich solche Experimente wagt? Und selbst wenn es so ist, dass eine Gesellschaft von klugen freien Menschen nicht ohne Grundeinkommen machbar ist (daran glaube ich), so gilt dennoch auch umgekehrt, dass eine Gesellschaft mit Grundeinkommen nicht ohne kluge freie Menschen möglich ist. Und die Einführung eines Grundeinkommens alleine wird keine klugen freien Menschen hervorbringen.

Also zusammengefasst: 1. So etwas wie ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt es eigentlich gar nicht. 2. Wohin die Einführung eines BGE-Ansatzes die Gesellschaft am Ende geführt haben wird, ist kaum steuerbar. 3. Ein Grundeinkommen kann zugleich manche Unterdrückungsstrukturen abschwächen und andere, schlimmere, stärken. Für das, was man diesbezüglich erreichen will, gibt es aber überhaupt keinen gesellschaftlichen Konsens. 4. Bevor man ein Grundeinkommen einführt, muss man es erst einmal möglich machen. 5. Auch für einen BGE-Ansatz stellt sich die Frage der Nachhaltigkeit. Gut gewollt ist nicht unbedingt auch gut gekonnt.

Es gibt also noch sehr viel zu diskutieren. Und die Frage, was das Ganze denn bringen soll, ist eine der spannendsten. Vielleicht gehe ich am Montag ja doch noch mal zu dem Stammtisch...

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July 8th, 2011

Tag #979: Wandel

Im Juni war kein Tweet. In der letzten Mai- und ersten Juli-Woche auch nicht.

Das ist aber Zufall. Ich hatte nie vor, das Twittern einzustellen. Ansonsten wäre mein letzter Tweet sicher nicht dieser Quatsch-Tweet geworden: "Meine Herrschaft ist legitimiert durch das Gottesgnadentum. Mein sind die geistlichen UND weltlichen Schwerter. Gesalbt ist mein Haupt." Ich hatte da einfach gerade in der Wikipedia den Eintrag zu Gottesgnadentum gelesen. Und wie Twitter so ist: Man haut einfach so Sachen raus. Aber irgendwie habe ich da momentan offenbar keine Lust mehr zu. Jedenfalls wird heute wohl der 45. tweetfreie Tag hintereinander. Ohne Absicht. Das Schöne ist: Es interessiert keine Sau.

Facebook wiederum fand ich schon immer grottendämlich. Es kann viel, aber das schlecht. Einsteigern erschließt sich überhaupt nicht, welche Tätigkeiten welche Sichtbarkeit haben und wie man das steuern kann. Je mehr man versteht, desto klarer wird die Mächtigkeit -- aber auch die chaotische Komplexität und die Unvermittelbarkeit dieser Möglichkeiten. Facebook ist historisch gewachsen und dadurch sehr umfangreich geworden, aber inzwischen von Grund auf verrottet. Ich habe es nun verstanden. Das reicht mir.

Also zusammengefasst: Die Lust an Twitter habe ich wohl verloren (jedenfalls bleiben meine Tweets offenbar aus), und den Frust an Facebook abgelegt. Dieses System will ich schlicht nicht. Dass Twitter aktuell mit 7 Milliarden und Facebook gar mit 70 Milliarden Dollar bewertet sind, scheint mir eine Blase zu sein. Für Myspace, Yahoo/Flickr oder MeinVZ interessiert sich heute auch niemand mehr. Modernere Systeme wie Google+ (ich hab's mir noch nicht angesehen) werden kommen.

Dass ich Facebook verstanden habe (wie ich oben schrieb), meinte ich übrigens nicht ernst. Zum Beispiel habe ich neulich einen Kontakt hinzugefügt, der mir die Freundschaftsbestätigung verschmäht, und dessen Wall ich auf seinem Profil auch nicht sehen kann. Seine Statusmeldungen und Shares sehe ich auf meiner Facebook-Seite aber trotzdem. Vielleicht ist es ja nur ein Bug, wie vielleicht auch dieser: Kürzlich hatte ich in einer privaten Statusmeldung (für 1 Person sichtbar) einen anderen Facebook-User erwähnt, und dadurch konnte der das automatisch auch sehen. Er war danach sogar ohne Meldung an mich zur Default-Positivliste meiner Statusleseberechtigen aufgenommen worden, d.h. mein nächster Status (der den anderen User nicht mehr erwähnt) war für 2 Personen sichtbar, ohne dass mir das mitgeteilt wurde. Toll, oder?

Ich bin gespannt, ob Google+ noch unverständlicher wird (ich kenne es wie gesagt noch nicht). Google schraubt ja auch an den alten Diensten gerade mächtig am Design herum. Bei Youtube habe ich über http://www.youtube.com/cosmicpanda mal Cosmic Panda aktiviert. Gleich sieht alles völlig anders aus. Und bei Blogger habe ich über http://draft.blogger.com/ auf "Make Blogger in Draft my default" geklickt. Auch hier plötzlich alles völlig anders. Auch in Google Docs kann man Dokumente auf den neuen Editor migrieren. Ich vermute, dass diese neuen Designs alle bald für alle zwangsausgerollt werden. Google Calendar sieht ja jetzt schon leicht geändert aus -- passend zu den ganzen Beta-Designs.

Was ich immer dämlich fand, ist dass man in Google Profiles und in Blogger (bald "Google Blogs") und in Picasa Web (bald "Google Photos") usw. jeweils eine eigene separate Profilseite hat. (Bei Youtube auch, aber das wird, denke ich, auch bleiben.) Mit jeweils eigenen Profilbildern. Und bei Google Contacts (für u.a. Google Mail) hat man noch wieder eins. Damit definierten die Apps quasi die sozialen Circle. Kein Wunder, dass bei Google Buzz, das sich quer eingehängt hatte, die Kritik groß war. Ich schätze mal, Google+ wird sich wieder überall quer reinhängen, dafür aber eine Circle-Verwaltung aufstöpseln. Mit individuellen Profilsichten auf den zu den Apps orthogonalen Circles -- und deutlich größeren Änderungen in den Apps.

Na ja, ich mutmaße hier über Kram, den ich mir auch einfach ansehen könnte. Aber das hat auch noch ein paar Wochen Zeit. Google+ für seinen Google Account zu aktivieren, soll ja gravierende Auswirkungen haben. Shared man z.B. ein Photo, sieht der andere dann angeblich gleich das ganze Album -- und kann es auch weitersharen. Seit kurzem nicht mehr ganz öffentlich, aber irgendwelche Autosharing-Geschichten innerhalb der Circles soll es geben. Gerüchte über Gerüchte... Entziehen kann man sich dem Hype irgendwie nicht. Man wird auch technisch gezwungen, denn u.a. kann man von Google+-Usern nicht einmal mehr deren Picasa-Fotos kommentieren, wenn man nicht selbst Google+ aktiviert hat -- auch dann nicht, wenn die ihre Picasa-Fotos gar nicht bei Google+ zeigen. Irgendwann probiere ich es aus -- obwohl mich das Konzept mit den "In X's circles" und "Have X in circles" ein wenig zu stark an Twitter erinnert...

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July 7th, 2011

Tag #978: Selektion

Auf tagesschau.de lese ich die Meldung Bundestag stimmt für begrenzte PID-Zulassung. Es werden Politiker zitiert:

"PID bedeutet Selektion. Unter den künstlich hergestellten Embryonen werden die einen ausgewählt und die anderen verworfen. Es wäre quasi eine Zeugung auf Probe." Wolfgang Zöller

"Die PID verhindert möglicherweise in einzelnen Fällen Leid, aber sie verhindert in jedem Fall das Lebensrecht von gezeugtem, menschlichen Leben. Wir sollten das nicht tun." Wolfgang Thierse

Was ist denn "gezeugtes Leben"? Eine befruchtete Eizelle ist doch nur eine Datenstruktur. Ein Stück Software. Leben ist es erst, wenn es losläuft, und das tut es wohl kaum vor der Implantation. Das Lebensrecht liegt auf dem Leben, also auf der (Hirn- und Nerven-)Aktivität, und damit erst mit Beginn dieser auch auf dessen Grundlage. Nicht vorher.

Wohlbemerkt: Ich argumentiere hier nicht für die PID, sondern nur gegen dieses eine Argument dagegen. Thierse überzeugt mich damit nicht. Mit dem gleichen Argument sind auch Kondome Mord, weil sie eine Zeugung verhindern und damit Leben töten, das zu leben bestimmt war. Ich hingegen meine: Was noch nicht lebt, ist noch kein Leben.

Das Argument von Zöller ist hingegen schon schwerwiegender, denn wenn man Selektion erlaubt -- wie definiert man die Grenzen? "In welchen Fällen die PID angewendet werden darf, soll eine Ethikkommission entscheiden" sagt die Tagesschau-Meldung. Das kann doch keine Lösung sein.

Beim Selektionsproblem ist auch der Zeitpunkt nicht entscheidend. Ein paar Tage nach der Implantation (wenn das Leben beginnt) wäre Selektion Euthanasie, also die Ausmachung und Tötung "unwürdigen Lebens". Bei der Präimplantationsdiagnostik (bzw. einer vor der Implantation daraus gezogenen Konsequenz) wird aber genauso selektiert. Anstatt unwürdiges Leben zu töten, verhindert man es gleich. Das macht jedoch genau gar keinen Unterschied. Man definiert Unwürdigkeit und redet sich mit Ethik raus. Das geht überhaupt nicht.

Allerdings: Selektion haben wir heute überall. Jeder Wettbewerb ist Selektion, und alles -- selbst Bildung und Sport -- ist heute auf Wettbewerb ausgerichtet. Die Konsequenzen sind hart und wirken drastisch auf die Existenz- und Teilhabemöglichkeiten der Menschen ein. Die Logik unserer Zeit ist, immer früher mit der Selektion zu beginnen und immer deutlicher zu spalten. Darum geht es bei der PID. Hier kann man bestimmtes Leben ganz verhindern, ohne zu töten. Früher und wirksamer geht Selektion nicht.

Diese Erkenntnis aber bricht auch das Argument von Zöller. Denn wenn wir Selektion überall machen (und ich sage nicht, dass das gut ist -- ich sage, dass das schlecht ist!), warum dann nicht auch hier? Es sei denn, ich habe falsch verstanden, was jene "künstlich hergestellten Embryonen" sind. Laut PID-Eintrag im der Wikipedia ist es hier etwas, das "aus sechs bis zehn Zellen besteht". Danach habe ich es also richtig verstanden: Leben ist es noch nicht, denn die Software läuft noch nicht. Alternativ Zellteilung an sich schon als Leben zu betrachten, wäre keine sinnvolle Definition.

Bleibt dennoch das Selektionsproblem. Aber das eben nicht nur bei der Präimplantationsdiagnostik. Es ist ein Kernproblem unserer gesamten Gesellschaft: Der Nützlichkeitsrassismus.

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June 12nd, 2011

Tag #953: Du siehst müde aus

Mit dem "Montagsinterview" der taz nord vom 30. Mai 2011 wurde die ganze Seite 23 bedruckt. Befragt von Maximilian Probst wurde der Hamburger Germanist Leonhard Fuest zum Thema "Literatur als Heilmittel gegen die Verzweiflung der Melancholie".

Dieser Text "Werdet Zwerge!" ist kostenlos auch im Archiv der Digitaz zu lesen, und ich finde es immer wieder überraschend, wie kurz so ein Text auf einer Webseite ist, der in der Zeitung nach so viel ausgesehen hat. Man liest im Netz offenbar mehr Text, als einem gewahr wird.

Dafür lockt so eine Zeitung mit Haptik, Layout und mehr Fotos. (Und schwarzen Fingern.. ;-) ) Vor allen Dingen aber ist eine Zeitung ohne Gerät lesbar, und so konnte es passieren, dass es jenem Text über "Melancholie oder Utopie" gelang, mich zu erreichen, als ich draußen im Garten in der Sonne sitzend verweilte.

Tags zuvor hatte mich in einem Moment der Desillusionierung selber die Melancholie erwischt, ohne dass ich mir dessen gewahr wurde. "Deine Augen sehen traurig aus" beobachtete meine Liebste, und "Du siehst müde aus" noch am nächsten Tag meine Mutter. Den Zusammenhang mit meinem häufigen Sinnieren über Utopien erkannte ich nicht selbst.

Eigentlich war es das Foto in der Druckfassung des Interviews, das mich ansprach. (Wie so oft, fehlt es auf der Webseite. Fast immer sind in der Digitaz ja andere Fotos als im Print -- bei diesem Text war dort sogar gar kein Bild.) Die leuchtenden Augen des Interviewten, der laut Überschrift "über die dunklen Seiten des Lebens" schreibt und hier "ein Gespräch über das tägliche Grauen" führt -- sie waren so unmelancholisch.

Absurderweise habe ich mir die Seite aus der Zeitung ausgerissen, um dann später nach einem Fragment daraus zu googlen und den gefundenen Text dann online zu lesen. Er wirkt online so viel kürzer, so dass man ihn dort ganz lesen kann. Online lesen ist man außerdem gewohnt, während man trotz gleicher Textmenge eine ganze Zeitungsdruckseite zu lesen kaum noch schafft. Das Netz ist das führende System geworden, der Print nur noch Werbung für Netzlocations. Ich find's prima, denn Netzartikel kann man verlinken. Zeitungsartikel hingegen schmeißt man weg. Netz heißt Wissen archivieren und teilen. Print ist bloß Konsum.

Netz heißt aber auch: kopieren. Es heißt die Hoheit abgeben über die Verbreitung der Daten. Ein Urheberschutzrecht muss es geben, ein Verbreitungsschutzrecht aber nicht. Kopieren ist das Wesen des Netzes, und deswegen will ich nun auch dem erwähnten Text zu Ehren aus ebendiesem hier hemmungslos zitieren. Es geht um Melancholie. Meine Melancholie.

taz: Herr Fuest, was verstehen Sie unter Melancholie?

Leonhard Fuest: Erstmal ist der Begriff konnotiert mit radikaler Traurigkeit und Mattigkeit, Suizidalität. Und es gibt diesen Gedanken, dass der Melancholiker der enttäuschte Utopist ist. Der Melancholiker leidet daran, dass sich das, was er von der Welt erhofft hat, nicht realisieren lässt.

Die moderne Übersetzung der Melancholie ist Depression. Was halten Sie davon?


Nichts. An die Depression knüpft sich ein ganz anderer Diskurs. Nach Baudelaire ist die Melancholie die "erlauchte Freundin der Schönheit". Man muss die Melancholie mindestens ästhetisch lesen, man kann sie philologisch und philosophisch lesen, aber natürlich auch politisch.

Wieso politisch?

Der Melancholiker ist der Widerständige. Er ist ein unruhiger Geist, er begnügt sich nicht.

Wie wird man Melancholiker?

Vor allem über die Beobachtung der Welt, beispielsweise das Konsumieren der Medien. Das bedeutet: tägliche Konfrontation mit dem Grauen. Zeitung lesen heißt, an den Rand des Abgrunds treten.

Aber es gibt doch manchmal auch Freudiges zu vermelden.


Ja, aber am Ende läuft es doch hinaus auf das Problem des Nicht-Fertig-Werdens mit jenen Grausamkeiten und Dummheiten, die die Welt zu regieren scheinen.

Was also tun?

Da wird es schwierig. Der Melancholiker ist ja einer, der ein gestörtes Verhältnis zur Tat hat. Der Melancholiker schätzt die Unermesslichkeit des Wissens. Die aber verhindert die Tat, weil dazu immer die Entscheidung nötig ist, das Urteil, jetzt genug zu wissen.

Es gibt für den Melancholiker gar keine Lösung?

Doch, über das Schreiben. Obwohl auch hier gleich eine Einschränkung kommen muss: Denn kein Schreiber, und schon gar nicht wir im 21. Jahrhundert, könnte behaupten, dass sein Schreiben jemals etwas Wesentliches verändert hätte.

Das letzte Wort soll der Melancholiker haben?

Das auch nicht, denn das Letzte und Beste, was man sich selbst und seiner Sicht auf die Welt angedeihen lassen sollte, ist das Gelächter. Das Pathos, die Larmoyanz, all das, was die Melancholie ausmacht, das hat man naturgemäß zu korrigieren über den Witz. Sich selbst ernst nehmen ist die größte Katastrophe, die man sich leisten kann im Leben. Daran krankt ja die halbe Welt.


----------

Eine schöne Botschaft: Melancholie ästhetisch lesen -- sie über den Witz korrigieren -- sich selbst nicht ernst nehmen. Aber weiter über Utopien sinnieren.

Ich werde jedenfalls weiter meine Augen aufmachen. Nicht zu. Weiter nachdenken.

Auch wenn es immer wieder schmerzt.

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May 26th, 2011

Tag #934: Bremen -- Spanien oder Griechenland

Jetzt kommt was mit Zahlen -- nämlich was zum Wahlergebnis in Bremen:

Es ist was über das vorläufige Endergebnis der Bürgerschaftswahl 2011 ("Landtag" des Bundeslands Bremen) für den Bereich "Stadt Bremen" (also ohne Bremerhaven).

(Ich wohne in Bremen und Bremerhaven, habe aber gerade mal Lust, hier nur Bremen zu betrachten. Und das geht auch, weil die Sitze für Bremen und Bremerhaven ja getrennt ermittelt werden.)

  • 408.423 Personen waren wahlberechtigt
  • 234.781 davon haben gewählt (57,48%)
  • 1.113.143 von deren Kreuzchen waren gültig
  • 60.762 waren also verschenkt (5,46%)

Zählt man ein gültiges Kreuz als eine fünftel Stimme, dann wurden

  • 222.628,6 Stimmen abgegeben (54,51%)

Davon

  • 185.794,4 = 45,49% für Nichtwähler/Ungültige
  • 87.594,2 = 21,45% für SPD
  • 50.262 = 12,31% für GRÜNE
  • 45.396,6 = 11,12% für CDU
  • 12.947,2 = 3,17% für DIE LINKE
  • 4.206,4 = 1,03% für PIRATEN

An Sitzen (Listenbank+Personenbank) bekommen diese Parteien:

  • 14+16 = 44,12% für die SPD
  • 11+6 = 25,00% für die GRÜNE
  • 9+7 = 23,53% für die CDU
  • 3+2 = 7,35% für die DIE LINKE

Ein paar Parteien habe ich unterschlagen (z.B. FDP, BIW und NPD), weil ich einfach keine Lust auf noch mehr Zahlen hatte. Sitze haben die aber alle nicht.

Außerdem ging es mir hier nur um die beiden folgenden Erkenntnisse:

1. Die CDU erreichte 11% der möglichen Kreuzchen, die Linke 3%. Das ist zusammen gerade mal 14%. Dennoch bilden beide zusammen 100% der Opposition. Es stehen also 86% der Bevölkerung nicht hinter der Opposition!

2. Die Opposition hat 31% der Sitze bekommen, d.h. Rot-Grün hat eine satte 2/3 Mehrheit! Die Opposition ist also auch noch völlig machtlos. (In die Bürgerschaft insgesamt kommen aus Bremerhaven noch 6+4 rot-grüne und 4+1 Sitze von CDU+BIW dazu. Die 2/3 Mehrheit für die Regierung besteht also auch insgesamt.)

Was ich mich frage: Klar liegt all das an den (völlig inakzeptablen) Oppositionsparteien selber. Aber ist das gut für die Demokratie?

Andererseits steht hinter den beiden Regierungsparteien zusammen immerhin ein Drittel der möglichen Kreuzchen: 33,74%! Sind die vielleicht einfach nur wirklich so beliebt? Das heißt mit der Demokratie in Bremen ist alles fein?

Geht Bremen also nicht in Richtung Spanien? (Wo die Bevölkerung von der Politik nicht mehr repräsentiert wird und nur noch außerparlamentatisch opponieren kann.)

Und auch nicht in Richtung Griechenland? (Wo ein wirtschaftlicher Zusammenbruch droht, weil die finanzielle Einbindung ins Gesamtsystem so schräg ist, dass sie eine Selbstzerstörung aufoktroyiert.)

Oder haben wir in Bremen schon Spanien UND Griechenland und merken es bloß nicht?

Ich bin gespannt auf die nächsten 40 Jahre...

Published at 02:37PM ( 1 comment / 249 visits )
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