Ausgelöst durch eine sehr emotionale Diskussion über die rechtlichen Aspekte von KI-Bildern, bin ich mir erst der Bedeutung bewusst geworden, die verschiedene Leute der KI geben und auch den Mythen und Unklarheiten, wenn nicht sogar Unwahrheiten, die hierzu in den Köpfen der Leute herrschen. Deshalb wollte ich den Zeitpunkt zum Anlass nehmen, mich allgemein über die Problematik KI auszutauschen und Euch meine Sicht der Dinge hierzu mitzuteilen.
Meine Absicht ist es nicht, irgend jemandem nun auf diesem Wege zu einem Verbot der KI zu bewegen, aber ich möchte doch einige Aspekte beleuchten, die man meistens nicht bedenkt, wenn es um KI geht, das, was sie kann, aber auch was sie als Nebenwirkungen mit sich bringt.
Ich bin absolut kein Gegner von KI. Früher war ich sogar ein sehr großer Anhänger davon und begeistert vom Potential dieser Techniken. Ich habe 1991 mein Ingenieur Diplom in Informatik abgeschlossen mit dem Schwerpunkt Wissensbasierte Systeme, also KI.
Damals waren die technischen Voraussetzungen aber noch nicht gegeben, weder die benötigte Rechenleistung noch die enormen Datenspeicher waren da, um eine Entwicklung und Verbreitung von KI-Techniken zu fördern. Heute ist dies alles da, und die Techniken, die es im Prinzip schon damals gab, finden ihre volle Anwendung.
Noch immer fasziniert und begeistert mich KI, vor allem in spezialisierten Anwendungsgebieten wie Medizin, aber auch im Bereich der automatischen Übersetzung – ich bin ein absoluter Fan von DeepL.
Da wo ich die aktuelle Verwendung von KI kritischer sehe ist im Bereich der Gen-AI, generative AI und “general purpose” AI.
Im Bereich der Sprache und Textgenerierung ist hier zu bedenken, dass noch immer das Prinzip “Garbage in – garbage out” gilt. Die KI kann ihre Antwort nur aus den Texten heraus zusammenstellen, die sie zu ihrer Verfügung hat. Sind die Quellen unvollständig oder voreingenommen, so wird auch ihre Antwort nicht komplett und nicht ausgewogen sein. Außerdem haben heutige KI Systeme die Tendenz zu halluzinieren, wenn die vorliegenden Informationen ihnen kein Material für eine schlüssige Antwort geben, eine KI kann in dem Fall durchaus “Bullshit” “erfinden”. Die KI also zu einem Thema zu befragen und dann ihre Antwort als einzig wahre und vollständige Antwort anzusehen, ist ein Fehler. Wenn man so etwas also machen will, sollte man zumindest versuchen die Quellen zu überprüfen, respektiv die Antwort mit eigner Recherche zu verifizieren. Ich selbst benutze solche KIs, wie typischerweise ChatGPT, in Fällen wo ich mir schnell einen Text generieren lassen will, in einem Gebiet das ich aber beherrsche und wo ich das Resultat der Anfrage dann mit meinem Wissensstand und Wissen überarbeiten und vervollständigen kann.
Was nun die Bilder angeht, ist die Frage ja weniger ob die Bilder “richtig” und komplett sind, und eigentlich könnte man meinen, somit gibt es hier keine Bedenken.
Allerdings gibt es einerseits den rechtlichen Aspekt. Um Bilder zu generieren, brauchen KIs andere Bilder, Unmengen von anderen Bildern, und somit werden, unter anderen Quellen, zugängliche Quellen abgegrast und Bildmaterial wird gesammelt, ohne die Besitzer der Bilder um Erlaubnis zu fragen. Wenn solche Bots auf unsere ipernity Datenbanken Zugriff haben können, geschieht das auch mit unseren Bildern. Das Problem ist nun, das anhand dieser Bilder von der KI neue Bilder generiert werden, denn die KI hat ja keine eigene Fantasie oder schöpferische Gabe. Wenn jemand ein solches Bild veröffentlicht, ist es ein Plagiat vieler anderer Bilder, und genau hier ist der Punkt der problematisch ist und potentiell auch ein (finanzielles) Risiko für Ipernity werden kann sollte es zu einem Rechtstreit kommen. Rechtlich gesehen liegt hier noch vieles in einer Grauzone, deshalb sollte man diesen Punkt nicht aus den Augen verlieren.
Es bestehen noch andere, ethische und moralische Probleme, bei KI Bildgenerierung.
Eine dieser Problematiken war mir bis vor wenigen Wochen überhaupt nicht bewusst, ich habe bei einem Vortrag auf der Arbeit davon erfahren, über den Dokumentarfilm “les sacrifiés de l’IA” (https://www.franceinfo.fr/replay-radio/info-medias/les-sacrifies-de-l-ia-dans-son-documentaire-henri-poulain-revele-les-coulisses-d-une-industrie-qui-exploite-la-misere-humaine_7038260.html) Der Film, sowie die verschiedenen Links die ich dazu gefunden habe, ist in Französisch, ich weiß nicht ob es den Film in anderen Sprachen gibt. Falls es Euch möglich ist, seht Euch die Dokumentation an, sie ist absolut sehenswert.
In dem Film deckt der Filmemacher die Arbeitsbedingungen von Menschen in wenig favorisierten Ländern in Afrika auf, die für die großen Firmen der KI arbeiten. Ihr Job ist es jeden Tag 8 oder 10 Stunden lang, Bilder zu sichten, um sie für die KI Systeme des jeweiligen Unternehmens zu klassifizieren. Grob gesagt, weiß eine KI ja erstmal nicht was eine Katze oder ein Haus ist, und so besteht die Arbeit dieser Leute von morgens bis abends daraus, sich Bilder anzuschauen, die Bilder und die Dinge die darauf dargestellt sind zu klassifizieren, damit die KIs aus diesen ganzen Angaben lernen können, selbst Sachen zu erkennen und Bilder richtig einzuordnen.
An und für sich ist hieran nichts Verwerfliches, die Leute haben eine Arbeit und sie werden dafür bezahlt. Aber, einerseits sind die Arbeitsbedingungen sehr schlecht und sie werden regelrecht ausgebeutet: schlechte Bezahlung, unmenschliche Arbeitszeiten, ebenso schlechte Arbeitsplätze.
Der andere Aspekt ist noch bedenklicher. Eine KI hat keine Moral, deshalb muss man ihr auch beibringen, welche Bilder für Menschen moralisch inakzeptabel und verwerflich sind Und so müssen diese Arbeiter der KI sich auch stunden-, tage und wochenlang schlimmstes Bildmaterial, mit Gewaltverherrlichung, Morden, sexueller Gewalt und sexueller Gewalt an Kindern anschauen, um sie für die lernenden KIs zu klassifizieren. Im Dokumentarfilm werden Interviews mit Menschen gezeigt, die diese Arbeit tun müssen und die dadurch schwere psychologische Traumata erlitten haben, ohne irgendwelche psychologische Unterstützung oder Hilfe zur Verarbeitung zu erhalten.
Ein weiterer Aspekt sind die Ressourcen, enorme Mengen an Energie und Wasser, die aufgebracht werden müssen, um die Rechner und Datenspeicher, die von der KI-Industrie gebraucht werden, zu betreiben – und das in einer Welt, wo diese Ressourcen an anderen Ecken bitter fehlen.
Ich will die KI nicht verteufeln, aber zumindest sollte man sich auch dieser Fakten einmal bewusst sein, bevor man sich über den KI-Prompt das hundertste Bild von einem niedlichen Kätzchen oder der hübschen Fee oder dem drolligen Einhorn generieren lässt.
Ich wollte der ipernity Gemeinschaft diese Punkte aufzeigen, um Euch zumindest dafür zu sensibilisieren, dass KI auch ihre Schattenseiten hat und ich nicht glaube, dass man diese vollkommen ignorieren kann oder soll.
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herzlichen Dank für diesen Artikel. Er ergänzt viele Gespräche mit meinem Sohn, der seinen Master ebenfalls über wissensbasierte Systeme gemacht hat.
Was die Urheberrechtsthematik betrifft, wird es wohl noch ein langes Ringen der mächtigen globalen Teamplayer geben, was man in den entsprechenden Gesetzen wie definieren will. Denn in der Rechtssprechung gilt nicht das "gesunde Rechtsempfinden", sondern der ausgehandelte Codex und das daraus sich entwickelnde Richterrecht. Im kodifizierten Recht, wie es in den meisten europäischen Ländern gilt, ist eine Tat erst strafbar, wenn sie unter Strafandrohung verboten wurde. Beispielsweise darfst Du heute eine chemische Substanz XYZ frei im Tonnenmaßstab verkaufen, wenn sie weder durch das BtMG noch durch das NpSG oder das GüG verboten ist. Sie kann stärker sein als Kokain - niemand kann es Dir untersagen oder Dich bestrafen. (Ich schreibe das als sachkundiger Chemiker). Und so ist es auch mit dem Urheberrecht. Strafbar sind allein kodifizierte Straftatbestände. Ob es solche geben wird im Hinblick auf KI-Anwendung, muss man abwarten. Wobei die Meinung von uns kleinen Individuen nett, aber unmaßgeblich ist. Das machen die ganz Großen unter sich aus.
Nachsatz dazu: Im Vergleich zu den großen Social-Media-Plattformen sind wir marginal. Wir können beruhigt im Windschatten segeln, schauen, was bei den ganz großen passiert, und uns dann anpassen. Beeinflussen können wir sowieso nichts.
Ich möchte den Blick aber noch weiter schweifen lassen. KI ist in der Welt und wird nie wieder verschwinden. Sie wird Umwälzungen hervorrufen, die wir womöglich nicht mal ahnen. Mein früherer Brotberuf (Ghostwriter) ist extrem davon betroffen. Entweder wird man arbeitslos, oder man erreicht als Star die zehnfache Produktivität. In meinem erlernten Beruf (Chemiker) erlaubt sie retrosynthetische Recherchen, mit denen man tausende potenziell wirksame Varianten pharmazeutischer Wirkstoffe auf die Synthesewege abklopfen kann. Früher hatte ein Chemiker monatelang zu tun, um ein halbes Dutzend Varianten in der Bibliothek zu recherchieren. Heute bekommt es nach einer Stunde 300 Seiten mit erfolgversprechenden Vorschlägen, aus denen er aussuchen kann. Dieser Tage las ich, dass mit Hilfe von KI mehr als 700 neue Objekte in den Millionen Bildern von Hubble gefunden wurden, die von den Astronomen übersehen worden waren. KI macht viele viel produktiver - mit allen Schattenseiten.
Dazu privat: Als junger Student hatte ich Elektronik als Hobby. Und ich habe während des Studiums an einer IBM360 im Rechenzentrum der Uni mit Lochkarten in FORTRAN IV und C programmiert. Nur so zum Spaß. Hätte nie gedacht, dass ich mal eine Website und eine App programmieren könnte.
Voilà: Hier ist sie: Cameraclub St. Johann in Ttirol
Aufwand: 500 dokumentierte Arbeitsstunden, 16.000 Zeilen Code
Mein Hilfsprogrammierer (ChatGPT) und ich verstehen uns blendend.
Wenn ich gute Fragen stelle, sind wir zusammen sehr produktiv.
Wenn ich einen schlechten Tag habe, nervt er mich. Er ist ein sehr guter Spiegel.
Ich behaupte heute: Wenn es noch zwei, drei Enthusiasten gäbe, könnten wir gemeinsam mit ChatGPT oder Claude in zusammen 2.000 Arbeitsstunden eine moderne Neuauflage von ipernity programmieren, die auf Smartphones und Laptops gleichermaßen gut läuft - zu einem Zehntel der Betriebskosten. Voraussetzung: Es gibt keine Grabenkämpfe im Hinblick auf das Design. Denn eins ist klar: So altbacken kann es nicht bleiben. Wenn wir junge Menschen begeistern wollen, müssen wir sie in ihrer jungen Welt abholen.
Ich lasse das mal als Ballon steigen. Mal schau'n, wer ihn sieht.
Corinne Pommerell club has replied to Bergfex clubAllerdings ist die Ipernity Plattform mehr und wesentlich komplexer als ein paar Seiten für den Internetauftritt eines Fotoclubs. Für so eine Entwicklung braucht es anderer Tools als ChatGPT und Konsorten.
GenAI ist nun mal nicht die eierlegenden Wollmilchsau.
Bergfex club has replied to Corinne Pommerell clubich glaube, mein Gedanke ist etwas missverstanden worden.
Ich habe nicht behauptet, dass man mit ChatGPT „mal eben“ eine Plattform wie ipernity aus dem Boden stampft. Dass eine solche Entwicklung erheblich komplexer ist als eine Vereinswebsite, liegt auf der Hand. Dafür braucht es Architektur, Datenmodell, Rechteverwaltung, Sicherheit, Wartbarkeit und klare konzeptionelle Entscheidungen.
Mein Punkt war ein anderer: KI-Assistenz verändert die Produktivität in der Softwareentwicklung ganz erheblich.
Natürlich gibt es Website-Baukästen und CMS, mit denen man ohne große Vorkenntnisse ansehnliche Seiten erstellen kann. Für viele Anwendungsfälle genügt das vollkommen. In unserem konkreten Fall beim Cameraclub wären wir damit jedoch deutlich stärker an vorgegebene Strukturen gebunden gewesen. Sobald man Funktionen, Abläufe oder Darstellungen wirklich passgenau auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden will, stößt man mit Standardlösungen früher oder später an Grenzen oder muss sie mit erheblichem Aufwand verbiegen. Ich hatte mich beispielsweise stundenlang darum bemüht, in unserem Vereinsprojekt eine Standard-Lightbox aus GitHub so anzupassen, wie wir sie für unsere Club-Website haben wollten. Das war mühsam und letztlich wenig ergiebig. Schließlich habe ich diesen Ansatz aufgegeben und die Lightbox selbst programmiert. Genau für solche Aufgaben sind Werkzeuge wie ChatGPT oder Claude inzwischen bemerkenswert leistungsfähig.
Die Website unseres Cameraclubs war von mir auch nicht als Größenvergleich mit ipernity gemeint. Sie war nur als praktisches Beispiel dafür gedacht, was heute mit einer Kombination aus Fachkenntnis, Ausdauer und KI-Unterstützung möglich ist. Was früher für kleine Gruppen oder Einzelpersonen kaum realistisch war, ist heute zumindest denkbar geworden.
Darum ging es mir: nicht um die Behauptung, GenAI sei eine eierlegende Wollmilchsau, sondern um die Feststellung, dass sich die Ausgangslage grundlegend verändert hat. Kleine Teams können heute sehr viel mehr leisten als noch vor wenigen Jahren. Wie Du selbst schreibst, hat sich ein völlig neuer technischer Möglichkeitsraum eröffnet.
Hinzu kommt aus meiner Sicht ein technischer Aspekt, der nicht unterschätzt werden sollte: Die heutige Infrastruktur von ipernity ist erkennbar auf eine ganz andere Größenordnung ausgelegt, als wir sie tatsächlich noch benötigen. Soweit ich Einblick hatte, läuft ipernity auf 16 miteinander verbundenen Servern; allein für die Datenbank werden vier ältere Server betrieben. Das mag für eine Plattform mit hunderttausenden Nutzern einmal sinnvoll gewesen sein. Für die heutige Größenordnung von ipernity erschien uns das schon vor sechs Jahren nicht mehr wirtschaftlich. Deshalb hatten wir zusammen mit INNOVATIONS ON geprüft, die Datenbank nicht mehr auf eigenen Instanzen zu betreiben, sondern auf einen verwalteten AWS-Dienst (Amazon RDS bzw. Aurora) umzustellen. Wegen der hohen technischen Hürden innerhalb der gewachsenen ipernity-Software ließ sich dieser Ansatz jedoch nicht umsetzen. Eine moderne Neuaufstellung könnte nun die Chance bieten, Komplexität und Betriebskosten deutlich zu reduzieren.
Bisher war eine Neuprogrammierung von ipernity als Auftragsarbeit finanziell kaum realistisch, und aus eigener Kraft schien sie erst recht unerreichbar. Diese Ausgangslage hat sich inzwischen verändert. Darin sehe ich zumindest die Möglichkeit, dass sich ein neuer Weg auftut.
Corinne Pommerell club has replied to Bergfex clubWie bei der Erstellung eines Textes kann man (und tut man in der Regel) entsprechende KI Tools unterstützend benutzen, aber wie beim erstellten Text muss man auch bei der SW Entwicklung das Resultat überprüfen und finetunen. Und vor allem muss man für ein solches Projekt Kompetenzen haben in IT-Architektur, Cybersecurity, Datenbanken, SW Entwicklung, etc, auch wenn man sich mit KI Tools helfen lässt.
Und ansonsten bin ich ganz bei Dir, die aktuelle historisch gewachsene Plattform müsste überdacht werden, eine komplette neue Architektur aufgesetzt werden, um den heutigen Gegebenheiten angepasst zu sein, neben einem erheblichen Facelifting der Benutzeroberfläche. Aber wo finden wir die Leute, die das machen können, wie finanzieren wir das Ganze? Da wird KI uns nicht wesentlich helfen können, fürchte ich.
Bergfex club has replied to Corinne Pommerell clubImmerhin lässt es optimistisch bleiben.
Und nun geh' ich raus in die Natur, was noch gesünder für mein Wohlbefinden ist.
;-))
et je fais référence
www.ipernity.com/blog/213644/4745630e aux articles publier sur mon site
www.ipernity.com/blog/213644/4744940
et pour terminer
L'intelligence artificielle nous rend-elle moins intelligents ? Une étude du MIT révèle que rédiger avec ChatGPT altère profondément notre cerveau, jusqu'à perturber mémoire et contrôle cognitif.
Vous pensiez gagner du temps en écrivant avec ChatGPT ? C'est peut-être votre cerveau que vous sacrifiez. Une équipe du MIT vient de publier, ce jeudi 19 juin, une étude inédite de 206 pages sur les effets neurologiques de l'usage répété de l'IA.
Nous étions une belle communauté avec de belles rencontres nous partagions beaucoup entre les contacts et IA est pour moi un robot qui n'a rien d'humain et ne remplacera pas nos vrais échanges sincères dans la vraie vie ou ici ...
Guido Werner club has replied to Annaig BZH clubwww.edtechinnovationhub.com/news/mit-study-shows-chatgpt-reshapes-student-brain-function-and-reduces-creativity-when-used-from-the-start
Bei der Studie wurden Studenten in Gruppen eingeteilt, die einmal ganz ohne Hilfsmittel, einmal mit Unterstützung durch konventionelle Google-Suchen und einmal mit Unterstützung durch generative KI Texte schreiben sollten. Dabei wurden die Gehirnaktivitäten gemessen. In einer zweiten Phase haben die Studenten die Methode gewechselt und dann weiter an ihren Texten gearbeitet.
Ein Ergebnis war, dass bei der Gruppe, die in der ersten Phase mit KI-Unterstützung gearbeitet hat, die neuronalen Aktivitäten im Gehirn am geringsten war. Ferner konnten sich die Studenten, die in der ersten Phase generative KI als Hilfsmittel verwendet hatten, in der zweiten Phase mit deutlichem Abstand am schlechtesten an ihre in der ersten Phase erstellten Texte erinnern.
Diese Ergebnisse finde ich nicht überraschend. Sie haben aus meiner Sicht Implikationen darauf, wie man im Bildungssystem generative KI einsetzen sollte oder auch nicht. Die Ergebnisse bedeuten aber nicht, dass das Gehirn nach dem Einsatz von generativer KI per se schlechter funktioniert als vorher. Vielmehr bedeuten die Ergebnisse zunächst einmal nur, dass sich das Gehirn während der Nutzung generativer KI die damit erzeugten Ergebnisse schlechter einprägt, als wenn es diese Ergebnisse ohne Hilfemittel erzeugt hätte. Allerdings könnten die Ergebnisse ein Indiz dafür sein, dass der exzessive Einsatz von generativer KI auch dazu führen kann, dass allgemeine kognitiven Fähigkeiten des Gehirns schlechter trainiert werden und daher auf Dauer leiden könnten.
Das wäre dann aber nicht unbedingt viel anders als bei körperlichen Aktivitäten: Wenn ich alle Strecken mit dem Auto zurücklege, alle Arbeiten im Haushalt von Maschinen ausführen lasse und nichts mehr manuell mache, was komplizierte motorische Abläufe erfordert, dann wird sich das negativ auf meine körperliche Leistungsfähigkeit, meine Muskelkraft, meine Ausdauer und meine motorischen Fähigkeiten auswirken.
Trotzdem wird kaum ein Mensch all die physischen Hilfsmittel abschaffen wollen, die die Menschen in den letzten paar hundert Jahren entwickelt haben. Klar ist aus meiner Sicht aber, dass der Wegfall von körperlichem Training, der sich aus all diesen Hilfsmitteln ergibt, irgendwie kompensiert werden sollte: Kinder sollten in der Schule Sportunterricht haben. Die Menschen sollten in ihrer Freizeit möglichst auch Dinge tun, die sie körperlich fordern und die Motorik schulen.
Der Vorteil all der Hilfsmittel, die uns körperliche Arbeit abnehmen, liegt insbesondere darin, dass sie uns Zeit und Kraft sparen, die wir dann für Dinge nutzen können, die wir gerne tun. Im Idealfall bleibt mir dann lästige körperliche Arbeit für Pflichtaufgaben erspart, ich kann mich aber einer Sportart widmen, die mir Spaß macht und mit der ich gleichzeitig auch etwas für meine körperliche Gesundheit tue. Dabei ist mir völlig klar, dass das nicht bei allen Menschen so funktioniert und sich daher auch Zivilisationskrankheiten verbreitet haben. Aber würden wir deshalb ein Verbot von Maschinen und Werkzeugen fordern, weil es Menschen gibt, die dadurch zur körperlichen Faulheit verleitet werden und gesundheitlich darunter leiden?
Ich behaupte nicht, dass man diese Überlegungen 1:1 auf den Bereich der kognitiven Fähigkeiten und die Auswirkungen von KI übertragen kann. Aber in gewissem Maße wird es so sein: Wenn mir eine KI dabei hilft, dass ich für ein lästiges Schreiben an eine Behörde drei Stunden weniger brauche, dann kann ich diese drei Stunden ggf. für ein kreatives Hobby nutzen, das mir Spaß macht und für meine kognitiven Fähigkeiten wesentlich mehr bringt, als wenn ich micht dazu zwinge, eine lästige Pflichtaufgabe ohne Hilfsmittel zu erledigen. Wenn ich bei der Arbeit durch den Einsatz von KI für die Erledigung einer Aufgabe 90% Zeit spare, habe ich das Arbeitsergebnis zwar vielleicht schlechter in meinem Gehirn gespeichert, als wenn ich keine KI eingesetzt hätte, kann aber in den eingesparten 90% der Zeit andere Dinge tun, bei denen in meinem Gehirn dafür andere Informationen zusätzlich gespeichert werden.
Ich halte es daher nicht für eine ausgemachte Sache, dass der Einsatz generativer KI dazu führt, dass wir - vereinfacht ausgedrückt - alle dümmer werden, aber der exzessive und falsche Einsatz birgt sicherlich Gefahren im Hinblick auf die kognitive Entwicklung. Dies gilt vor allem für Menschen im Kindes- und Jugendalter, wenn das Gehirn noch am besten lernt.
Diese Gefahren gibt es aber nicht nur bei der KI, sondern durch den Einsatz von Computerechnologie allgemein: Es gab mal Zeiten, wo es als Ideal galt, wenn schon alle Grundschulkinder für den Schulunterricht Laptops bekommen und diese dann intensiv im Unterricht eingesesetzt werden. Davon ist man meines Wissens schon lange wieder ab. Ich habe einige Artikel gelesen, wonach aus wissenschaftlicher Sicht der übermäßige Einsatz von Computern für die frühkindliche Entwicklung sehr schädlich sein kann: Das menschliche Gerhin lernt über die Wahrnehmung mit allen Sinnen, nicht nur Sehen und Hören, sondern auch Fühlen, Schmecken und Riechen. Wenn ein Kind einen Buchstaben mit einem Stift auf ein Blatt Papier schreibt, entstehen viel mehr neuronale Verknüpfungen im Gehirn, als wenn es den gleichen Buchstaben nur durch Druck auf eine Computertastatur erzeugt.
Mein Fazit wäre daher, dass es natürlich Gefahren durch generative KI für die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten gibt, es aber ähnlich wie bei der Entwicklung von Maschinen, die uns physische Arbeit abgenommen haben, nicht realistisch ist, das Rad wieder zurückzudrehen. Die Arbeitsvereinfachung und der Nutzen in vielen Bereichen sind einfach so groß, dass sich die Menschen den Einsatz nicht verbieten lassen werden. Der einzig gangbare Weg ist aus meiner Sicht deshalb, sich die Gefahren bewusst zu machen, und dann zu überlegen, wie man die negativen Auswirkungen beschränken oder kompensieren kann.
Ich bin im Übrigen keineswegs überzeugt, dass die Entwicklung der generativen KI am Ende für die Menschheit eine gute Wendung nehmen wird. Diese Frage wird sich aber nicht daran entscheiden, ob wir auf einer Plattform wie ipernity mit generativer KI erzeugte Bilder zulassen oder nicht. Ich würde mir daher wünschen, dass wir hier keine ideologischen Grabenkämpfe zu diesem Thema führen, sondern einen Weg im Umgang miteinander finden, bei dem wir respektvoll miteinander umgehen und nicht eine Seite des Meinungsspektrums ausschließen.
Dabei ist mir sehr bewusst, dass ich mich hier auch an meine eigene Nase fassen muss und diesem hehren Anspruch zuletzt leider auch nicht gerecht geworden bin. Bei Diskussionen auf Interneplattformen sitzt man den anderen Personen nicht direkt gegenüber. Dadurch fallen offenbar Hemmschwellen weg, mal schnell seinen Impulsen nachzugeben und eine drastische Antwort auf eine Meinungsäußerung herauszuhauen, die einen geärgert hat. Die Welt ist aber nicht schwarz-weiß und fast immer gibt es legitime Gründe, warum andere Menschen andere Ansicht vertreten. Wie man welche Argumente gewichtet und welche persönliche Meinung man daraus ableitet, ist am Ende eine Bewertungsfrage, auf die es keine eindeutig richtige oder falsche Antwort gibt.
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