hallo bukovski, ich hab dir doch neulich von dem brief meiner mutter erzählt. heute kam ich endlich dazu den dritten artikel zu lesen. er stand in der rubrik "live aus dem kino" kommt von der "stuttgarter zeitung" und der artikel selbst heisst "noch sieben tage zu leben" es geht um einen typ der montags immer in die sneak preview geht. immer ins gleiche kino. (filmtheater friedrichshain) das lustige ist, früher bin ich da auch immer hingegangen. hab da nämlich in der nähe gewohnt. ja ich war mal ein prenzlberger. aber zeiten ändern sich. und er erzählt von einem bestimmten film den er da gesehen hat. ICH HAB DEN AUCH GESEHEN! WIR WAREN AM SELBEN TAG IM SELBEN KINO!!! und jetzt jahre später schreibt er darüber in der stuttgarter zeitung, meine mutter liest das und schickts mir... unglaublich oder? oder er hat den film ähnlich aufgenommen wie ich. es war ein horror film. für ihn und für mich auch war es der erste horrorfilm im kino. ich weiß noch wie ich alleine nach hause laufen musste und echt angst hatte! und dann hat mich mein damaliger mitbewohner (amerikaner aus texas) noch verarscht und mir angst eingejagt (miete hat er auch nie bezahlt und dafür immer mein essen gegessen...) bukovski, hier ist dieser artikel. extra für dich.

Ich gehe ungefähr einmal pro Woche ins Kino. Manchmal gehe ich auch an zwei Tagen hintereinander oder einige Wochen lang gar nicht, weil ich verreist bin oder kein Geld habe. Aber im Schnitt komme ich auf 52 Kinobesuche im Jahr, das ergibt in den zwölf Jahren, die ich in Berlin lebe, 624 Filme. Bei einer Länge von durchschnittlich neunzig Minuten habe ich also bisher 936 Stunden meines Lebens in Berliner Kinos verbracht. Und den größten Teil dieser Zeit im Filmtheater am Friedrichshain. Das liegt zum Teil daran, dass es sich in der Nähe meiner Wohnung befindet, vor allem aber gibt es dort jeden Montag um 23 Uhr eine Sneak Preview. Ich mag es, wenn sich der Vorhang öffnet, das Licht ausgeht und ich keine Ahnung habe, was mich erwartet. Der Sneak Preview habe ich einige ungewöhnliche cineastische Erlebnisse zu verdanken. Ich habe dort eine Reihe Filme gesehen, die ich mir sonst nie angeschaut hätte.

An einen Film kann ich mich besonders gut erinnern. Ich war mit Christoph verabredet. Christoph hatte Liebeskummer, und ich hatte ihn überredet mit in die Sneak zu gehen, damit er auf andere Gedanken kam. Wir hatten keine Ahnung, was wir sahen, auch nicht als der Titel auf der Leinwand erschien. Es war ein amerikanischer Film, und es ging um Teenager, die ein Video ansahen und kurz darauf nicht mehr lebten. Als wir begriffen, dass es ein Horrorfilm war, war es zu spät. Der Film hatte einen so hinterhältigen Plot, dass er einen mit flachem Atem in den Sitz presste und es einem unmöglich machte, aufzustehen und den Kinosaal zu verlassen. Es war mein erster Horrorfilm im Kino. Christoph ging es ebenso. Naomi Watts, die Hauptdarstellerin, kämpfte verzweifelt gegen den Fluch des Videos, denn jeder, der es gesehen hatte, erhielt kurz danach einen Anruf mit der Ankündigung, dass er noch sieben Tage zu leben habe. Wir hatten das Video auch gesehen. Der Film hatte ein offenes Ende: Naomi Watts lebte nach Ablauf der sieben Tage immer noch, aber das Böse war nicht gänzlich besiegt. Christoph und ich traten aus dem Kino in die Berliner Nacht.

"Ich kann jetzt unmöglich nach Hause gehen", sagte Christoph. Das konnte ich auch nicht. Wir gingen ins "Unendlich", wo wir, wie sich herausstellte, nicht die einzigen Kinobesucher waren, und die meisten waren, wie wir, keine professionellen Horrorfilmgucker. Es dauerte nicht lange, bis wir alle um einen großen Tisch saßen und uns gegenseitig zu beruhigen versuchten, was mit fortschreitendem Alkoholkonsum immer weniger klappte. Als der Wirt uns um kurz nach drei rausschmiss, waren wir fest davon überzeugt, nur noch sieben Tage zu leben. Unter unseren Schicksalsgefährten war eine Frau, die Corinna hieß und Christoph schon den ganzen Abend über angesehen hatte.

"Normalerweise mache ich so etwas nicht", sagte sie, "aber ich habe einfach keine Zeit mehr zu verlieren." Sie nahm Christophs Gesicht zwischen ihre Hände und küsste ihn.

Christoph sah sie aus todgeweihten, betrunkenen Augen an. "Eigentlich habe ich ja Liebeskummer", sagte er langsam, "doch darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen."

Dann nahm er sie in die Arme und beide brachen in Tränen aus.

Nach dieser Nacht hatte Christoph keinen Liebeskummer mehr. Er hatte noch eine Woche lang Angst, zu sterben, aber er starb nicht. Keiner von uns starb. Wir trafen uns eine Woche später im Filmtheater am Friedrichshain wieder, um uns überraschen zu lassen, welchen Film wir diesmal sehen würden.

Vielen dank an Daniel Klaus der diesen Text geschrieben und veröffentlicht hat. sollte er was dagegen haben bitte melden.

schönes em abend noch. möge der bessere gewinnen.

nachdenken!

gute nacht.