Früher, also damals, als ich noch kein Pärchen war, da hasste ich Pärchenabende!

Ich fühlte mich jedes Mal wie das fünfte Rad am Wagen – also total überflüssig, ja manchmal fühlte ich mich sogar durchsichtig und irgendwie nicht vorhanden. Da hat man sich dann mal zum Essen verabredet, weil man eine Freundin schon ewig nicht mehr gesehen hat. Sie ist auch sofort begeistert von der Idee, weil sie mir ja auch endlich ihren neuen Freund vorstellen will und so. Also gut, da sitzen wir nun im Restaurant und wollen das Essen bestellen. Das ständige Gebusssel, Gegrabsche und Rumknutschen übersehe ich einfach, aber die Ohren abzuschalten ist schwierig. "Du Schatzi, was willst du denn essen?" (Küsschen) "Sollen wir
uns eine Pizza teilen, Schnuckiputz? Wir müssen ja bisschen auf unser Figürchen achten..." Dabei streichelt sie liebevoll und lächelnd über seinen Bauch, der im Vergleich zu meinem wie ein Adonissixpackbauch aussieht.

Und wer achtet auf meine Figur? Wer will sein Essen mit mir
teilen?


Das Gespärch plätschert so dahin, und ich erfahre alles, was an ihrem neuem Freund so toll ist. Der sitzt einfach nur da und lächelt schüchtern. Wir kennen uns nicht, aber auch er kennt wahrscheinlich solche Abende und zuckt zwischendurch fast entschuldigend mit den Schultern.

Glück gehabt, du neuer Freund! Nächstes Mal bin ich das
Pärchen!


Nun wie gesagt, jetzt bin ich ein Pärchen und erlebe solche Abende von einer ganz anderen Seite. Vielleicht liegt das ja auch am Alter oder so, aber ich habe beobachtet, dass man das oben beschriebene Problem einfach damit umgehen kann, dass man sich als Pärchen einfach nur noch mit Pärchen trifft. Das ist wirklich total praktisch! Man muss das Gegrabsche der anderen nicht mehr übersehen, sondern kann endlich selbst grabschen! Ich frag mich immer, was die Kellner wohl denken. – Ach Gott, schon wieder so ein Pärchentisch, soll ich warten, bis alle fertig gegrabscht haben, oder soll ich gleich fragen, was sie bestellen wollen?

Irgendwann fällt auf, dass Karin lächelnd eine Apfelschorle nach der anderen bestellt, während alle anderen an ihrem Bier nippen. Das eine Pärchen schaut erst sich fragend an und dann das andere Pärchen.

"Du bist schwanger?!"

Dann gibt es für die nächsten Stunden kein anderes Thema mehr. Moment, so stimmt das nicht. Es gibt für die nächsten Jahre kein anderes Thema mehr. Das Pärchen mit Kind fragt zwar höflich und interessiert aussehend, wie es einem so geht und was man so macht, will aber eigentlich nur wissen, ob man selbst endlich ein Kind erwartet oder heiratet, oder ob man von einem anderen Pärchen so etwas weiß. Ist das abgehakt, dann erfährt man alles, wie es
ihr in der Schwangerschaft geht, wie er mitleidet, wie toll die Geburt war, wie es ist, nachts aufzustehen und dass die Kleine einfach keinen Brei mag.

Allerdings kann ich auch von ganz anderen Pärchenabenden berichten. Neulich wurden wir von der Freundin meines Freundes eingeladen. Er hatte an diesem Tag Geburtstag und
sie hat Freunde von ihm zum Essen eingeladen. Er wusste das nicht. Also ein Überraschungsgeburtstagessen. Tolle Idee! Nichts mit krasser Komasaufen-Geburtstagsparty bis morgens um 5 oder so was. Nein, einfach ein gemütlicher Abend am Wohnzimmertisch. Bei dem man sich nicht schämen muss, wenn man (obwohl nicht schwanger) nur Wasser trinkt.

Seit diesem Abend habe ich das Gefühl, endlich
dazuzugehören! Angekommen zu sein im Pärchenleben!
Angekommen im Erwachsenenland.

Willkommen im Leben!