Tun euch Frauen leid?

Anton: Nein. Wieso sollten sie uns denn leid tun? Frauen sehen toll aus, werden von den Männern angesprochen, warum sollten sie uns leid tun?
Carlos: Ich finde auch, Frauen sollten nicht bemitleidet werden.
Anton: Also diese Menstruationssache ist schon Scheiße.
Carlos: Ja, und Kinder kriegen ist auch hart... Da gibt’s so einen Spruch, den ich irgendwie cool fand: Ich bin eine Lesbe, gefangen in einem Männerkörper.

Habt ihr eure Lebensgefährtin gewählt?

Anton: Das kann man nicht wählen. Das ist halt so ein Gefühlsding. Von dreien passt es bei einer und wenn man dann zusammenkommt, ist es schön. Es ist ja nicht so, dass man nimmt, was kommt.
Carlos: Ja ,schon. Sicher basiert vieles auf Zufall, aber je länger eine Beziehung dauert, desto gewollter ist es doch. Je länger die Beziehung, desto weniger Zufall. Also ja, schon persönlich ausgesucht.

Was bezeichnet ihr als weiblich?

Carlos: Brüste!
Anton: Kurven!
Carlos: Katzen! Und rumzicken, wobei ich auch Männer kenn', die verdammt gut zicken können...
Anton: Zartheit ist weiblich oder das Wort gefühlvoll. Das ist auch sehr weiblich.
Carlos: Du brauchst noch irgendwelche Charaktereigenschaften, oder was willst du eigentlich hören? Also fürsorglich sein ist zum Beispiel total weiblich, find ich. Oder so gut zuhören wie Frauen, können Männer auch nicht. Weißt du, was ich meine? Also Frauen haben halt dieses Helfersyndrom.
Anton: Nee!
Carlos: Na gut, gibt auch Männer, die ein Helfersyndrom haben.

Warum müssen wir Frauen nicht verstehen?

Anton: Weil wir Männer sind.
Carlos: Weil das ein Vorurteil ist.
Weil man(n) das entweder nicht will oder weil einfach nicht alles relevant oder wichtig ist, was die Frauen sagen. Also, ich will das jetzt nicht so absolut sagen, aber ich hab zum Beispiel keine Lust, über Kalorien und Kochen oder so was zu sprechen.
Ach, ich finde diese Frage kategorisierend! Sexistisch! Vorurteilsbeladen!

Beneidet ihr Tiere, die ohne Hoffnung auszukommen scheinen, z.B. Fische im Aquarium?

Anton: Nein.
Carlos: Nö. Gehört doch dazu, also Trauer und so.
Anton: Wenn man das beneiden würde, heißt das doch, dass man mit dem menschlichen Leben nicht zurechtkommt und lieber ein Tier sein will.

Welche Hoffnung habt ihr aufgegeben?

Carlos: Irgendwann Geld zu haben. Ich hab nämlich gemerkt, dass Geld Quatsch ist. Also ,die Hoffnung war mal, Geld zu haben, aber wenn man nicht 1000% dahinter steht ,wird das nichts.
Anton: Hoffnungen sind Erkenntnissen gewichen. Ich hab die nicht aufgegeben. Sie sind halt den Erkenntnissen gewichen. Ich hab die Hoffnung verloren oder aufgegeben und die Erkenntnisse gewonnen.

 

Sind denn Träume und Hoffnungen nicht eigentlich das Gleiche?

Carlos: Ich glaube nicht, dass Hoffnung Träume sind. Träume sind weiter gefasst. Oft unerreichbar.
Anton: Aber Hoffnungen können auch unerreichbar sein.

 

Wenn ihr jemanden mit einer unheilbaren Krankheit kennt, macht ihr ihm dann Hoffnung, die ihr selbst als Trug erkennt?

Anton: Kommt auf die Situation an. Wenn er es braucht, dann ja.
Carlos. Man könnte ja mit Alternativen kommen. Ich würde es so drehen, dass er die Zeit, die er noch hat, sinnvoll nutzen soll.
Ich will ihm keine falschen Hoffnungen machen, sondern ihn ablenken. Ihm Alternativen zeigen.

Habt ihr Humor, wenn ihr alleine seid?

Carlos: Klar, na ja, also bei mir ist das mehr so ein innerliches Grinsen.
Anton: Ja, ich lache schon über mich selbst, zum Beispiel bei eigenen kleinen Missgeschicken, wie zum Beispiel wenn ich stolpere. Oder wenn ich im gelben Regencape auf dem Fahrrad durch die Stadt fahre. Dann sehe ich mich selbst und muss lachen.
Aber auch, wenn ich endlich ein schwieriges Telefongespräch mit Erfolg hinter mich gebracht habe, eines, das ich so ewig vor mir hergeschoben habe, dann geht’s mir richtig gut, und ich freu mich über mich selbst. Sehr überschwänglich.

Kennt ihr Tiere mit Humor?

Anton: Nö, also ich amüsier mich manchmal über Tiere, aber ich hab eh nicht so den Bezug zu Tieren.
Carlos: Nein. Also ich lach auch über Tiere, aber selbst haben die doch keinen Humor. Wenn, dann wäre der aber bestimmt ein sehr schwarzer...
Anton: Schwarzer Humor ist ja eh der beste...
Carlos: Ach so, wenn dann Katzen, die haben bestimmt Humor, die grinsen immer so komisch.

Gesetzt den Fall, ihr glaubt an einen Gott: Kennt ihr Anzeichen dafür, dass er Humor hat?

Anton: Wieso denn gesetzt den Fall? Natürlich glaube ich an Gott. Und natürlich hat er auch Humor. Gott ist doch in uns allen. Dann hat er auch Humor. Er hat ihn ja schließlich auch erfunden.
Carlos: Also ich weiß nicht. Bei all den absurden Dingen auf der Welt. Da kann ja nur Gott drauf kommen. Ich glaub aber irgendwie nicht, dass das was mit Humor zu tun hat, ich glaub eher, dass Gott sadistisch veranlagt ist.
Hat Dante nicht was über Humor geschrieben? Moment, ich schau mal. (Er schaut, findet aber nichts.)

Haltet ihr die Dauer einer Freundschaft für einen Wertmaßstab dieser?

Carlos: Eigentlich schon. Es kommt aber nicht wirklich auf die Dauer an, sondern auf die Intensität.
Anton: Bei einer Freundschaft ist Zeit kein Faktor. Ich glaube auch, dass es wirklich auf die Intensität ankommt.
Freundschaften können sich aber auch abflachen weil man sich einfach auch verändert. Jeder verändert sich ja, das ist doch normal.
Carlos: Ich hab 'nen Kumpel, den kenn ich schon 15 Jahre. Wir sehen uns vielleicht zweimal im Jahr, aber wenn, dann ist das nicht nur Small Talk. Das ist immer wieder spannend, find ich. Dass wir uns nach so langer Zeit immer noch so viel zu sagen haben, obwohl wir uns so wenig sehen.
Anton: Ich kenn das auch mit Freundschaften, die man selten sieht, aber das Level verändert sich nicht. Und wenn man dann immer über das Gleiche spricht, suche ich mir dann lieber neue Freunde.
Carlos: Also muss sich für dich eine Freundschaft weiterentwickeln?
Anton: Nun ja, wie gesagt, man ändert sich ja auch.
Carlos: Ist aber auch 'ne schwierige Frage.
Ich hab da auch so Leute an der Uni, da will ich gar nicht, dass sich das entwickelt...

Was fürchtet ihr mehr: das Urteil eines Freundes oder eines Feindes?

Beide: Das eines Freundes.
Anton: Bei 'nem Feind ist mir das egal. Da kann ich den Modus einschalten; hey den kenn ich nicht, ist mir doch egal, was der sagt.
Von einem Freund trifft mich das mehr. Freundschaft kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden.
Carlos: Also bei mir hört die Freundschaft bei Ungerechtigkeit auf oder wenn der andere sehr beleidigend wird.

Wie viel Aufrichtigkeit ertragt ihr von einem Freund?

Carlos: 90% lacht...
Na ja, kommt halt auch wieder auf die Intensität an.
Anton: Ich finde, das kommt auf den Kontext an.

Wie steht ihr zu Säuglingen?

Anton: Ach herrje.
Carlos: Es gibt ja Mütter, die bis drei säugen. Das sind ja dann immer noch Säuglinge. Lacht. Ansonsten eher neutral.

Aber du hast ja ein eigenes Kind? Wie war das da bei dir?

Carlos: Du kannst als Mann ja nicht viel machen am Anfang. Die Mutter säugt halt...
Und es gibt ja am Anfang kaum richtiges Feedback. Aber trotzdem hast du ja diese Hormone (ausgeschüttet), die dich dieses Kind lieben lassen.
Anton: Ich glaube, ich könnte da erst was dazu sagen, wenn ich selbst Vater wäre. Sonst hatte ich da bisher nicht so den Bezug dazu.

Möchtet ihr mit vollem Bewusstsein sterben oder lieber plötzlich, z.B. durch einen herabfallenden Ziegel?

Carlos: Also dann schon lieber Ziegel.
Anton: Das ist keine Frage von wollen, sondern das entscheidet der liebe Gott...
Carlos:... mit Humor.

 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Dieses Interview führte ich mit zwei Freunden im Auftrag von www.misstilly.de Auf Wunsch habe ich die Namen geändert.

Das Fraueninterview findet man hier