Die Einführungswoche ist vorüber, geblieben ist nach vielen Stunden vor allem eine beträchtliche Anzahl von Infomaterialen. Wer Wohnheime kennt, ahnt eventuell, wie gut sich Broschüren als Farbtupfer machen! Die tägliche Informationsbeschallung ab 9 Uhr morgens waren allerdings gut organisiert, hat wirklich genügend Bereiche des studentischen Alltags abgedeckt und lässt mich nun glauben: „Vielleicht sind die Finnen manchmal die richtigen Klischee-Deutschen…“ Denn zu beachten hat man diese und jene Regeln, Ämter zu besuchen, im Wohnheim ja nicht zu laut zu sein – und dies wirklich ernst zu nehmen!!! Für Auflockerung sorgten dabei diverse Unikate, wie der IT-Verantwortliche T.J. (die Kombination aus Udo Lindenberg und Robin Williams in „Good Morning Vietnam“), ein smart-eloquenter Vertreter des lokalen Debattierklubs oder der Unichor der Sozialwissenschaften, der uns das finnische Happy Birthday (paljon onnea vaan) beigebracht hat. Alle älteren Offiziellen haben übrigens ausnahmslos ein paar Kilo mehr auf den Knochen, was auffällig mit einem Schild im Bus zusammenpasst…

Zur guten Organisation der Einführungstage zählen auch die Tutoren, StudentInnen, die uns bereitwillig an alle wichtigen Ort in der Stadt geführt haben – so viel menschlicher Beistand, der etwas kollidiert mit neuen, Hightech-ausgestatteten Uni-Gebäuden und einer Bibliothek, bei der man nicht mal beim Buchleihen oder -zurückgeben mit Menschen kommunizieren muss. Ja, hier ist es keine Seltenheit, wenn sich selbst Freunde mal eine viertel Stunde anschweigen… Nahezu ein Muss sind dafür kleine Reflektoren, die an der Jacke baumeln und nicht nur Erstklässler davor retten, angefahren zu werden! Und da die Uni sehr reich ist, hat die Fakultät sogar eigene. Natürlich habe ich voller Stolz mein Exemplar angebracht

Jenseits des Organisatorischen kommt ERASMUS-feeling auf, denn mindestens Europa kommt zusammen, wenn zur Willkommensparty „reindeer balls“ serviert werden, zusammen gegessen und gekocht wird oder man den alkoholfreien Glühweinverschnitt (Glögg) genießt. Ein wahres Bierparadies stellt Finnland hingegen für zwei lockere Norweger (Henrik & Christoffer) dar, andere Alkoholpreise gewohnt sind. Wir haben neben den chicen Bars im Zentrum auch das studentische Viertel Kallio besucht, wo im Club Liberté der Barkeeper ein Stück Weltgewandtheit gezeigt hat. Denn er konnte genau einschätzen, für wen die Preise ungewohnt hoch oder niedrig sind. Die sphärische Musik aus Frauenstimme und Harmoniumtönen kommt aber an allen Ohren an, egal aus welchen nationalen Grenzen diese stammen.