Schaut euch das an! Dieses schräge Wintersonnenlicht, das die See samt Wolken vergüldet… Das Fest der Sinne ging weiter, als ich am Freitag in Helsinki gelandet war – ja, zwischen Bäumen tat sich wirklich ein Flughafen auf. Die Stimmung hier erinnerte aber eher an ein ruhiges, sächsisches Wohnzimmer zur besten Nachmittagszeit. Denn die Luft war von Kaffee- und Kuchenduft erfüllt statt von Stress. Ein Mitreisender bemerkte verständlicher Weise: „Hier ist die Welt in Ordnung.“ Mit der Annahme bin ich ja hier angereist, bis ich erfahren musste, dass im glanzvollen Pisa-Checkerland der Taxifahrer vorm Flughafen kein Englisch sprechen konnte! Stereotype fetzten… Er war aber positiv überrascht, als ich ihm finnisch mitteilen konnte, dass ich hier studiere etc. Mit dem Taxi war ich rechtzeitig im Zentrum, um meinen Wohnungsschlüssel vor Büroschluss abzuholen, sonst hätte ich keine Bleibe gehabt. Nach einer knappen halben Stunde Busfahrt ohne Haltestellenanzeigen oder –ansagen standen da zwei Luxemburgerinnen+Gepäck auf der Straße, Myriam und Estelle. Wir hatten das gleiche Ziel und haben uns gemeinsam auf die Suche begeben… und später gleich eine finnische Kneipe besucht. Erste Feststellungen zum Bier (olut): es ist zwar preislich mit irischem Gebräu vergleichbar, hat aber nahezu keinen Schaum; außerdem wird die Stärke mit einer römischen Zahl hinter dem Namen angegeben, z.B. Karhu IV. Fieser Weise ist auch Alkohol drin, wo ich beim Einkauf keinen vermutet hatte – in fruchtig etikettierten Flaschen nämlich. Dabei wolle ich nur irgendeine Limonade, der Plastiktrinkflasche wegen, bekam aber eine Art Cider…

In dem nahen Supermarkt stehen Spielautomaten gleich hinter den Kassen, rege genutzt von Jung und Alt. Ich scheine hier in einer Art Leipzig-Grünau Helsinkis gelandet zu sein, mit einschlägigen Bars und Platten-Ästhetik. Beim Sonnenschein der ersten Tage sah das aber sehr nett aus! Gestern zogen aber flink Wolken über die Stadt und versahen alles mit einer Schneedecke, nu is Winter. Die moderaten -5°C fühlen sich bei windigen Verhältnissen richtig eisig an, was dem Text einen Teil des Titels geschenkt hat.

 

Aber im goldenen Umluftkühlschrank kann ich mich trotzdem freuen! Besonders, nachdem so viele Leute an meinen (vergleichsweise einsamen) Geburtstag gedacht haben. Danke/Kiitos! In diesem kiitos erlebt ihr übrigens Globalisierung live. Gesalzenen Sonnenblumenkerne hergestellt irgendwo im Mittleren Osten, importiert nach Deutschland, auf Usedom getragen und verladen in eine Vliestasche, per Bahn, Auto und Flugzeug nach Helsinki transportiert und nun arrangiert auf der Mappe des Begrüßungspaketes für Austauschstudenten…

Bis bald, morgen beginnen die Einführungstage!