Es ist seit geraumer Zeit still um mich. Das liegt daran, dass ich die ersten Monate immer erst im Dunkeln vom meinem Schreibtisch gen Feierabend gehuscht bin. Inzwischen muss ich zwar manchmal mit Sonnenbrille auf der Nase den Heimweg antreten, aber spät ist es trotzdem, die Wochenenden gehen für alles andere drauf und für Ftografie reicht die Zeit trotzdem nicht.

Immerhin habe ich den Schreibtisch am Fenster stehen, gucke auf eine große Kirche und die Straße davor. Da spielen sich manchmal Einparkszenen ab, die müsste man eigentlich filmen. Am Montag war ich ziemlich fassungslos... und das gleiche Auto hat mich jetzt 3 Tage sehr aufmerksam beobachten lassen.

Montag: wow – wasn Schauspiel vorm Fenster eben.
Alte Frau (irgendwas zwischen 75 und 85) kommt mit nem viel zu großen BMW angetuckert. Es ist am Strassenrand ausnahmsweise Platz für 4-5 parkende Autos. Deutlich hörbar rastet die Felge an der Bordsteinkante ein. Unablässig bewegt sich mümmelnd ihr Mund, so wie das alte Menschen manchmal machen. Dass die noch Auto fährt…
Aber ok, sie muss das nicht allein tun. Der Beifahrer (wird ihr Sohn sein, so um die 60) greift mehrfach ins Lenkrad und kurbelt bis zum Anschlag, sie darf dazu Gas geben und so wird das Auto zurechtgerückt.
Der Karosse sieht man an, dass die sowas öfter praktizieren – und manchmal klappts dann vielleicht so wie heute, wenn der Straßenrand frei ist. Ich behalte das Fahrzeug wohl im Auge, nur 5 Meter dahinter parkt der Silberfisch…


Dienstag:
das Auto steht noch und ich parke vorsorglich woanders.

Mittwoch: Gerade eben gab es Fortsetzung des vorgestrigen Schauspiels (sehr alte Frau im Auto, das sie nicht beherrscht), sie musste wieder ausparken und losfahren. Kein Meter Platz nach vorn zum Schlachtschiff meines Geldgebers, einen Meter dahinter parkt auch was.
Die alte Dame wirft sich auf ihren Fahrersitz, wird vom Beifahrer angeschnallt und mümmelt vor sich hin. Der Beifahrer bedient die Gangschaltung und zeigt Ihr fuchtelnd, wohin sie das Lenkrad drehen soll. Das Auto hopst nach vorn und ich gehe zum Fenster, dass näher an der Haustür ist. Der Beifahrer sorgt dafür, dass das Auto beim nächsten Versuch nach hinten hopst, gibt Anweisungen zur Lenkradstellung und ich höre die Bordsteinkante. Jetzt noch mal nach vorn… mit einem Satz schnippst das Auto aus seiner Parklücke und ich hoffe sehr, dass dieses Gespann hat wenigstens eine Automatikschaltung im Fahrzeug hat.
Das Schlachtschiff davor wurde um Haaresbreite verfehlt – dank Beifahrer, der in jede Richtung einen sehr langen Hals machte um gucken zu können. Sie gibt nur Gas, lenkt nach Anweisung und sieht vermutlich auch nicht mehr gut. Jetzt denke ich den ganzen Tag darüber nach, wie die beiden mit einem Schaltgetriebe-Auto wohl durchs Stadtzentrum hoppeln würden – am besten im Berufsverkehr an der Brühlbaustelle vorbei. Irgendwie hab ich Angst, denen im rollenden Verkehr zu begegnen.
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Ernsthaft - und jetzt erst recht: ich bin für eine Fahrtauglichkeitsuntersuchung ab einem gewissen Alter.