es gibt ungefähr 6 mrd. menschen auf der erde. dementsprechend viel wird geschrieben und gesagt. von den 6 mrd. menschen habe ich bisher ungefähr - rechnen wir mal durchschnittlich mit ca. 500 personen im jahr, umgerechnet auf 30 jahre 'erwachsensein, und damit im erwerbsleben stehend'(die überschneidungen sind darin schon einbezogen) - immerhin die stolze zahl von 15 000 personen 'kennengelernt'. unter diesem 'kennen' verstehe ich, dass ich in direktem handlungsbezug mit den personen stehe, sie zumindest vom namen her kenne, und öfter mit ihnen zu tun habe.
die verkäuferin aus dem bäckerladen ist in der zahl nicht enthalten. ebensowenig enthalten sind personen, die ich nur durch briefe, mails, hier vom bloggen, audiocassetten, bücher, fernsehen und was es sonst noch alles gibt 'kenne'. von dem, was jemand geschrieben hat, rückschlüsse auf die person zu ziehen, ist schwer. und selbst, wenn das 'gesprochene' mehr anhaltspunkte bietet, der klang der stimme, die betonung der worte, die art und weise der aussprache, die sprechfähigkeit, die tageszeitliche unterschiede aufweist, -mich zum beispiel stossen leute ab, die morgens schon so laut reden, dass ich mir am liebsten nur noch die ohren zuhalten möchte. ein affront und eine situation, die sich als vorlage für eine karikatur eignet. aber ich kann nicht zeichnen. das einzige, was ich tun könnte, wäre, den gedanken in der entsprechenden situation in eine direkte tat umzusetzen. aber unter uns, das habe ich noch nie gemacht. ich hab morgens lieber meine ruhe. eine tatsache, die im lauf der zeit dazu geführt hat, dass ich meistens alleine frühstücke. ausnahmen, auf die ich mich aber 'vorbereiten' muss, indem ich mich auf eventuelle 'lautheit' einstelle, bestätigen diese regel. dann stehe ich meistens zwei stunden 'vor dem event' auf, um mir mein 'langsames in den tag hineinwachen', in aller ruhe zu ermöglichen, bevor ich mich, mit der mir eigenen zurückhaltung - auch hier bestätigen ausnahmen die regel - ins getümmel stürze-, menschen lernt man am besten dadurch kennen, dass man sie beobachtet.
|
|
|
doch das verlangt disziplin, die sich am deutlichsten darin äussert, trotz anwesenheit, quasi als 'abwesend' zu erscheinen, die 'kunst der zurückhaltung'. dazu ein beispiel: meine ausgezogenen schuhe stehen im winter draussen vor der eingangstür der wohnung. das ist nichts als die reine faulheit, ich hab nämlich keine lust, unnötig dreck wegzuräumen oder wegzuputzen. im sommer stehen sie folglich meistens, ausser wenn ich wirklich durch schmutz, schlamm oder ähnlich unsauberes gewatet bin, in der wohnung, links neben der türe. jeder besucher, jede besucherin wird unweigerlich mit diesem anblick konfrontiert. nun ist mir aufgefallen, dass dieser rein 'selbstbezogene akt', paradoxerweise genau dem entspricht, was ich vorher als 'kunst der zurückhaltung' bezeichnet habe. die tatsache meiner aus faulheit vor oder neben der tür abgestellten schuhe lässt enorme rückschlüsse auf das wesen der person zu, die mich besucht. da gibt es diejenigen, die den anblick ignorieren, frech über die schuhe wegsteigen und winters mit ihren vollgesifften schuhen nichts besseres zu tun haben, als meine wohnung vollzusauen. auch dieser gast ist könig, aber nur einmal! dann, was mir natürlich am besten gefällt, diejenigen, die den anblick zur kenntnis und zum anlass nehmen, um höflich zu fragen, ob sie auch die schuhe ausziehen sollen. diejenigen bekommen von mir dann auch ein paar hausschuhe oder warme socken angeboten. nicht, dass bei mir in der wohnung im winter minusgrade herrschen würden. nein, dieser gast IST könig und wird auch als solcher behandelt. übrigens, die lust, eigene spuren im fremden zu hinterlassen, treibt üppige blüten und ist ganz und gar nicht nur auf wohnungen bezogen. seit jahren rätseln meine kollegInnen und ich darüber, was jugendliche (und nicht nur jugendliche) dazu veranlasst, überall hinzuspucken - wir haben einige theorien aufgestellt, aber dem phänomen wirklich auf den grund gekommen, sind wir nicht. weitaus weniger unappetitlich ist, weil wir schon mal, beim stichwort 'hinterlassen von spuren' sind, wozu mir 'markierung von revier' einfällt, die spezies der sogenannten 'krümelmonster'. ich selbst bin bekennendes krümelmonster. das heisst, so sehr ich mich auch bemühe, - mit meinem bruder, der diese unangenehme eigenschaft nicht hat, habe ich dieses pikante thema mal erörtert, er hat mir sogar lektionen in der 'fähigkeit brötchen ohne krümel zu essen' erteilt: leichtes ansaugen beim zubeissen -, genutzt hat alles nichts; ich hinterlasse krümel! bei mir zuhause und im restaurant ist mir das ja egal. aber, wenn ich mich bei fremden leuten an den tisch setze, fühle ich mich verantwortlich, sie scherzhaft vor dieser eigenheit zu warnen. rausgeflogen bin ich wegen dieser eigenheit noch nirgends, aber vielleicht nur einmal reingekommen...... glück gehabt, oder auch nicht, wer weiss.
|
|
|
ein urteil reiht sich ans andere, laster bilden raster. wie leicht wird daraus ein vorurteil ..... ein vorureil krallt sich ins andere.... und aus dem raster entsteht ein cluster. und so entstehen leicht cluster von unterstellungen, die dann zu ausgrenzungen führen......