English Summary Below:

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10. Oktober 2008

An einem sonnigen Herbstmorgen schwebte ein Fesselballon im schönsten Gegenlicht im Gelsenkirchener Norden der Erde zu. Der optimale Moment für ein Foto war der, als ich gerade aus dem Auto zur Seite blickte. Ich hielt trotzdem ein paar Meter weiter an.









Da war plötzlich dieser Mann vor mir, torkelte, fiel vornüber neben dem asphaltierten Fahrradweg auf den schmalen Wiesenstreifen, rollte zur Seite auf den etwas tiefer gelegenen bereits gepflügten Acker, blieb auf dem Rücken liegen und kam nicht mehr hoch.
Noch während des Aussteigens war mir klar, ich würde - erstmals in meinem Leben - einen Volltrunkenen transportieren müssen, denn die knapp 2 km in den Ort würde er zu Fuß nicht schaffen. Mit ein bißchen Pech könnte er sogar so unglücklich in die Büsche stürzen, daß auch später passierende Radfahrer ihn nicht bemerken würden.

Eine Schnapsleiche wäre wohl das geringere Problem gewesen. Dieser Mann aber war desorientiert, rollte mit den Augen, war nicht ansprechbar, konnte nicht sprechen, schien verängstigt, versuchte lediglich den Kopf zu heben - vergeblich.

Am Horizont überquerte ein Mopedfahrer die Straße. Ich winkte ihm zu, und er kam. Keine Ahnung, ob das seine Richtung war, aber nun waren wir zu zweit. Während ich den Notruf wählte - das Telefon lag natürlich noch ausgeschaltet in den Tiefen der Tasche - kümmerte er sich weiter um den Mann. Noch bevor jemand in der Notrufzentrale antwortete, hielt ein weiteres Auto, und ein dritter Helfer stieg aus, holte umgehend eine Decke aus dem Wagen und schob sie dem Mann unter dem Kopf. Mit den vereinten Erinnerungen an lang zurückliegende Erste-Hilfe-Kurse konnten wir die Situation des Mannes notdürftig analysieren und der Einsatzzentrale durchgeben.


Wirklich helfen konnten wir nicht, außer den Mann zu beruhigen und mögliche Veränderungen zu beobachten. Er hatte sich ein wenig erholt und war unter Schwierigkeiten in der Lage, seinen Namen und Adresse zu nennen; Papiere trug er nicht bei sich. Keiner der Helfer machte Anstalten, den Ort zu verlassen, bis der Mann in den Krankenwagen geschoben wurde.

Der Krankenwagen kam nach ca. 15 Minuten. Kurz zuvor stoppte noch ein Auto, und eine junge Frau kam dermaßen entschlossen auf uns zu, daß ich zunächst an eine Presse-Hyäne dachte. Es war aber eine Krankenschwester, die das Moped gesehen hatte und vom Schlimmsten ausging. Auch sie vermochte keine differenziertere Diagnose abzugeben, was dem Mann wohl fehlte.

Die Sanitäter rochen etwas Alkohol, testeten aber auch auf Diabetes und schienen anschließend erleichtert. Zumindest erwogen sie, nach einem EKG mit entsprechendem Ergebnis den Notarzt abzubestellen. Der war allerdings kurz darauf schon vor Ort.

Uns haben sie übrigens ausdrücklich bestätigt, wir hätten alles richtig gemacht.







Warum ich das alles aufschreibe?

Es tut gut, in so einer Situation nicht allein zu sein. Selbst wenn keiner der Helfer entsprechend ausgebildet ist, die gemeinsame und geteilte Verantwortung für ein Opfer macht souveräner, was sich letztlich wohl auch positiv auf den Versehrten auswirkt.

(Diese Bilder habe ich am Nachmittag auf dem Heimweg gemacht.)


English:

Today I ran into a helpless person on the boardwalk of a country road, about one mile away from the next housing estate. This person was not drunk as one could assume by first sight but had some serious medical troubles and was not able to leave the place by himself. While waiting for the emergency team two more drivers stopped immediately to provide assistance, later a nurse stopped by to help, too.
It turned out this person was not in acute distress, but in urgent need for professional medical help.

F
or me, it was important to be a part of a group of helpers, as it enabled me to keep calm even though I had only little ideas what to do in this situation, esp. as nothing ever learned in first aid lessons seemed to be appropriate.