Ich lese ja ganz gerne mal gute Science-Fictionn, aber das Gute zu finden ist nicht leicht, denn vieles davon ist Müll und wiederholt sich selbst immer wieder... oder zitiert andere. Langweilig. Selten kommt da was wirklich Neues. Hinzu kommt, dass es viele Autoren gibt, die vielleicht gute Ideen haben aber deren Schreibe irgendwie holprig ist. Es gibt wenig Fälle, in denen gute Ideen und gute Schreibe zusammenfallen. Zudem nahm ich bisher Sci-Fi, die älter als die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts war, überhaupt nicht wahr. Irgendwann trat dann Philip K. Dick. in mein bücherliches Wahrnehmingsfeld und boah waren das Romane! Diese Ideen... was auch immer der geraucht hat - es hat gewirkt. Nur: die Dialoge waren zum Teil zum Weglaufen schlecht und unfreiwillig komisch.

Auftritt Ray Bradbury. Kürzlich wurde eine Box veröffentlicht, die Fahrenheit 451, Der illustrierte Mann und Die Mars-Chroniken enthält - alles Stoffe aus den 40ern und 50ern. Als erstes nahm ich mir Fahrenheit 451 vor und ruummmmmms schlug das Buch ein. Mann, kann Bradbury schreiben! Nicht nur, dass da jede Menge Bilder im Kopf entstehen, nein, die Dialoge sind zudem auch noch ganz vortrefflich realisitisch und echt, wirken nicht aufgesetzt, und nochmal einen draufgesetzt haben die Geschichten auch noch eine ganze Menge Material zum nachdenken. Viele der gesellschaftlichen Fragen, die da aufgeworfen und behandelt werden, sind heute noch genauso aktuell wie damals, nur das technische Drumrum hat sich gewandelt. Da wirken selbst die technischen Vorstellungen über die Zukunft, die er sich damals machte, nicht mehr so absurd wie sie es aus heutiger Sicht eigentlich sind (z.B. ein "Atomradio" am Handgelenk, haha, oder ein bewohnbarer Mars mit echten Marskanälen, hihi).

Das Gute: im Vergleich zu vielen anderen Sci-Fi-Romanen steht bei Bradbury nicht Science im Vordergrund, sondern die Menschen. Es fällt eigentlich gar nicht auf, dass man Sci-Fi liest, und genau das macht die Geschichten so besonders.

Ray Bradbury wirkt nach. Lange. Zeitlos.