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November 4, 2009

es hätte alles auch damals noch anders kommen können

Erinnerungen an den 4. November 1989

Weltzeituhr
Weltzeituhr
Wenn ich zurückdenke war die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz immer der "Treffpunkt", wenn man sich verabredete. Zuletzt war das für mich so im Jahr 1981. Seitdem hat sich viel verändert, außer die Bude, wo es noch immer die Berliner Currywurst gibt.

Heute erinnerte ich mich an die Demonstration und Kundgebung vom 4. November 1989. Am Morgen dieses Tages zogen etwa 500.000 Demonstranten durch die Ostberliner Innenstadt, vorbei an der Volkskammer und am Staatsratsgebäude. Zum Abschluss fand eine Kundgebung auf dem Alexanderplatz statt, bei der zahlreiche Rednerinnen und Redner das Wort ergriffen. Welch ein Erlebnis, ein solches Ereignis im Fernsehen der DDR live verfolgen zu können. Noch glaubten viele an eine reformierbare und wirklich demokratische deutsche Republik.Die Schriftstellerin Christa Wolf äußert ihren Traum: „Stell Dir vor, es ist Sozialismus und keiner geht weg“.

In Folge gab es eine Unterschriftenliste. Sie sollte eine Bewegung unterstützen, die an die eigene Kraft der Leute appellierte, an eine damals immer noch mögliche Selbständigkeit. Der Aufruf war denkbar kurz und lautet

"Für unser Land

Unser Land steckt in einer tiefen Krise. Wie wir bisher gelebt haben, können und wollen wir nicht mehr leben. Die Führung einer Partei hatte sich die Herrschaft über das Volk und seine Vertretungen angemaßt, vom Stalinismus geprägte Strukturen hatten alle Lebensbereiche durchdrungen. Gewaltfrei, durch Massendemonstrationen hat das Volk den Prozess der revolutionären Erneuerung erzwungen, der sich in atemberaubender Geschwindigkeit vollzieht. Uns bleibt nur wenig Zeit, auf die verschiedenen Möglichkeiten Einfluss zu nehmen, die sich als Auswege aus der Krise anbieten.

Entweder

können wir auf der Eigenständigkeit der DDR bestehen und versuchen, mit allen unseren Kräften und in Zusammenarbeit mit denjenigen Staaten und Interessengruppen, die dazu bereit sind, in unserem Land eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln, in der Frieden und soziale Gerechtigkeit, Freiheit des einzelnen, Freizügigkeit aller und die Bewahrung der Umwelt gewährleistet sind.

Oder

wir müssen dulden, dass, veranlasst durch starke ökonomische Zwänge und durch unzumutbare Bedingungen, an die einflussreiche Kreise aus Wirtschaft und Politik in der Bundesrepublik ihre Hilfe für die DDR knüpfen, ein Ausverkauf unserer materiellen und moralischen Werte beginnt und über kurz oder lang die Deutsche Demokratische Republik durch die Bundesrepublik vereinnahmt wird.

Lasst uns den ersten Weg gehen. Noch haben wir die Chance, in gleichberechtigter Nachbarschaft zu allen Staaten Europas eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln. Noch können wir uns besinnen auf die antifaschistischen und humanistischen Ideale, von denen wir einst ausgegangen sind. Alle Bürgerinnen und Bürger, die unsere Hoffnung und unsere Sorge teilen, rufen wir auf, sich diesem Appell durch ihre Unterschrift anzuschließen."

Es hätte damals auch noch anders kommen können. Aber die Ereignisse des 9. November haben uns schneller eingeholt, als wir dachten... schnell und unaufhaltbar.

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