December 2007
  Sun Mon Tue Wed Thu Fri Sat  
              1  
  2 3 4 5 6 7 8  
  9 10 11 12 13 14 15  
  16 17 18 19 20 21 22  
  23 24 25 26 27 28 29  
  30 31            

Archives

November 2009 (1)
September 2009 (3)
August 2009 (3)
July 2009 (1)
June 2009 (2)
April 2009 (1)
March 2009 (2)
February 2009 (2)
December 2008 (6)
November 2008 (1)
October 2008 (3)
September 2008 (3)
July 2008 (1)
June 2008 (2)
December 2007 (9)
November 2007 (1)
October 2007 (6)
September 2007 (5)
August 2007 (3)
July 2007 (7)
June 2007 (4)

December 1st, 2007

Große Party

Elf
Elf
Oh, Hallo...

Ihr wartet wahrscheinlich auf die Geschichte. Elfen lieben es, Geschichten zu erzählen. Ich möchte wetten, das habt ihr bisher nicht gewusst. Und ich denke es gibt eine Menge über Elfen, was Ihr noch nicht wisst.

Ein hochinteressanter Elfismus ist…
Es gibt nur drei Jobs, die man als Elf ausüben darf.

Der erste ist die nächtliche Herstellung von Schuhen, während der alte Schuster schläft.

Der zweite ist in der Backstube backen. Aber natürlich ist es gefährlich, während der Trockenzeit im Inneren einer Eiche einen Ofen zu befeuern.

Aber die dritte Tätigkeit… manche nenne sie einfach nur den „Traumjob“ oder die „Große Party“ … das ist der Beruf, den jeder Elf ausüben will – die Arbeit in der Spielzeugfabrik des Weihnachtsmanns. Das ist eine Arbeit, die nur Elfen machen können. Unsere flinken Finger, unser frohes Wesen und unser wacher Verstand sind ideale Voraussetzungen dafür. Es gab auch Versuche mit Zwergen und Trollen. Aber die Zwerge haben zuviel getrunken und die Trolle waren nicht stubenrein.

Die drei Grundregeln der Elfen:
1. Seid Tag für Tag in Weihnachtsstimmung!
2. Im Buch der braven Kinder ist Platz für alle.
3. Um Weihnachtsfreude der Welt zu bescheren sing ganz laut, dass es alle hören!

... weiter zum Adventskalender

 

Published at 00:12 / 2 comments / 393 visits
This post is public

December 1st, 2007

Einen schönen 1. Advent

1. Advent in Stenkelfeld

Sonntag, 02. Dezember, 11.03 Uhr :
In der Reihenhaussiedlung Önkelstieg lässt sich die Rentnerin Erna B. durch ihren Enkel Norbert 3 Elektrokerzen auf der Fensterbank ihres Wohnzimmers installieren. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist groß.

11.14 Uhr:
Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die provokante Weihnachtsoffensive im Nebenhaus und kontert umgehend mit der Aufstellung des zehnarmigen dänischen Kerzensets zu je 15 Watt im Küchenfenster. Stunden später erstrahlt die gesamte Siedlung Önkelstieg im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.

19.03 Uhr:
Im 14 km entfernten Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage registriert der wachhabende Ingenieur irrtümlich einen Defekt der Strommessgeräte für den Bereich Stenkelfeld-Nord, ist aber zunächst arglos.

20.17 Uhr:
Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt der Anschluss einer Kettenschaltung von 96 Halogen-Filmleuchten, durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens, ans Drehstromnetz. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen verwirrt mit dem Nestbau.

20.56 Uhr:
Der Discothekenbesitzer Alfons K. sieht sich genötigt, seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen und montiert auf dem Flachdach seines Bungalows das Laserensemble »Metropolis«, das zu den leistungsstärksten Europas zählt. Die 40-Meter-Fassade eines angrenzenden Getreidesilos hält dem Dauerfeuer der Nikolausprojektion mehrere Minuten stand, bevor sie mit einem hässlichen Geräusch zerbröckelt.

21.30 Uhr:
Im Trubel einer Jul-Club-Feier im Kohlekraftwerk Sottrup-Höcklage verhallt das Alarmsignal aus Generatorhalle 5.

21.50 Uhr:
Der 85jährige Kriegsveteran August R. zaubert mit 190 Flakscheinwerfern des Typs »Varta Volkssturm« den Stern von Bethlehem an die tiefhängende Wolkendecke.

22.12 Uhr:
Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck und sommerlicher Bekleidung irrt verängstigt durch die Siedlung Önkelstieg. Zuvor war eine Boeing 747 der Singapur Airlines mit dem Ziel Sydney versehentlich in der mit 3000 bunten Neonröhren gepflasterten Garagenzufahrt der Bäckerei Bröhrmeyer gelandet.

22.37 Uhr:
Die NASA-Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstraße Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel, die Experten in Houston sind ratlos.

22:50 Uhr:
Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage, der gesamte Komplex mit seinen 30 Turbinen läuft mit 350 Megawatt brüllend jenseits der Belastungsgrenze.

23.06 Uhr:
In der taghell erleuchteten Siedlung Önkelstieg erwacht Studentin Bettina U. und freut sich irrtümlich über den sonnigen Dezembermorgen. Um genau 23.12 Uhr betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine.

23.12 Uhr und sieben Sekunden:
In die plötzliche Dunkelheit des gesamten Landkreises Stenkelfeld bricht die Explosion des Kohlekraftwerks Sottrup-Höcklage wie Donnerhall. Durch die stockfinsteren Ortschaften irren verwirrte Menschen - Menschen wie Du und Ich, denen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.
Adventskranz nicht genug war.

Published at 23:11 / 0 comments / 401 visits
This post is public

December 12, 2007

Altes Märchen - neu erzählt (1)

Maerchenmarkt
Maerchenmarkt
Da war ich neulich auf dem Geraer Weihnachts- äh Märchenmarkt. Toll gemacht, die verschiedenen Märchen, die man so aus der Kinderzeit kennt. Obwohl so einige Erwachsene ei manchen Figuren so ihre Problemchen hatten.
Das und die Zeilen von Jochen Petersdorf brachten mich auf die Idee eine kleine Rätselrunde zu eröffnen. Das verkürzt ein wenig die Zeit bis zum Weihnachtsabend.

Das Motto lautet "Altes Märchen - neu erzählt" und das meist in 1, 2 oder vielleicht drei Sätzen.

Wer also errät, um welches Märchen es sich heute handelt?

"Königliche Alte ist sauer auf hübschere Junge und schlägt mehrfach mordsmäßig zu. Fehlanzeige. Aber ungewohnter Obstgenuß streckt Opfer flach. Zwergtätige Freunde veranstalten Schaubegräbnis mit Stolpereffekt. Schönheit stößt auf und sich gesund durch Liason mit betuchtem Prinzen.

Moral: Man soll wirklich nicht alles runterschlucken, was einem geboten wird."

Published at 21:34 / 7 comments / 513 visits
This post is public

December 14, 2007

Weihnachten im Autohaus Oertel

Donnerstag, 14. Dezember, 19:56 Uhr: In der festlich geschmückten Werkstatthalle des Autohauses "Oertel" im Gewerbegebiet Stenkelfeld treffen die ersten Belegschaftsmitglieder zur Weihnachtsfeier ein..

20:16 Uhr: Nach einem Tusch der Zweimannkapelle "Die Avocados" aus Foxtrup vergisst Seniorchef Heinrich Oertel in seiner unbeholfenen Begrüßungsansprache die obligatorischen Dankesworte an den Festausschus - ein Fehler, der sich noch rächen soll..

20:30 Uhr: Werkstattleiter Düwelskirchen entfacht unter den Angestellten eine latente Angriffsbereitschaft gegen den Partyservice Westerkamp. Ein halbherziger Schlichtungsversuche der Seniorchefin Marie Oertel, mit dem Hinweis, die gereichte Rinderkraftbrühe sein immerhin schön heiß, stößt ins Leere. Die hämischen Nörgeleien am Essen nehmen zu..

21:03 Uhr: Die Avocados drohen erstmals mit dem Abbruch ihres Auftritts, nachdem sich Altgeselle Horst B, beflügelt durch den hastigen Genuss von 11 Gläsern Glühwein, mit einem herumliegenden Bolzenschneider an den Lautsprecherkabeln der Gesangsanlage zu schaffen machte. Zuvor war sein Musikwunsch "Alte Kameraden" von der Kapelle mit einem hämische Grinsen ignoriert worden..

21:58 Uhr: Bürolehrling Kerstin B. verrichtet mit hochrotem Kopf ihre Notdurft auf dem Rücksitz eines Kundenfahrzeugs. Der Grund: .

Seit 21:00 Uhr ist die einzige Damentoilette der Firma besetzt. Seitdem fehlen auch - wie jetzt auffällt - der smarte Juniorchef Peter Oertel und eine junge Angestellte aus der Reparaturannahme..

23:14 Uhr: Lagerist Walter K. aus der Ersatzteilausgabe erörtert am Telefon mit seinem Anwalt die Chancen einer Verleumdungsklage gegen den Urheber des ihm gewidmeten Julklappgedichtes mit der Textzeile "Am Teiletresen, Mittelschicht, steht hier das dümmste Sackgesicht". Zeitgleich ermittelt Seniorchef Heinrich Oertel hasserfüllt den Absender eines ihm zugedachten Geschenkkartons mit ca. 4 Pfund gefrorenem Hundekot. Die Veranstaltung droht zu kippen..

00:41 Uhr: Eine Gruppe von Kfz-Lehrlingen bedroht den Organisten der Avocados, Knut R., mit einem 24er Maulschlüssel, weil die zuvor erzwungene Darbietung eines ACDC-Titels viel Wünsche offen ließ. Minuten später zerfetzt die Kurbelwelle eines Mercedes-Transporters das neuwertige Instrument von Avocado-Schlagzeuger Sascha P:. Fortan kommt die Musik vom Plattenspieler..

01:07 Uhr: Während der völlig betrunkene Juniorchef unter dem Gejohle der Verkaufsabteilung das Spitzenhöschen der jungen Angestellten aus der Reparaturannahme vor der nun frei gewordenen Damentoilette amerikanisch versteigert, gerät ein altes Innungskunststück mit 2 Schneidbrennern und einer alten Bremsleitung, vorgeführt von Werkstattleiter Düwelskirchen, außer Kontrolle. Die Explosion des Tanklagers ist bis ins Stadtzentrum zu hören.

01:35 Uhr: Die Bergungs- und Löscharbeiten im Autohaus Oertel kommen wegen Personalmangels nur mühsam voran. Große Teile der Rettungsmannschaften sind bereit auf Weihnachtsfeiern in umliegenden Ortschaften im Einsatz.

03:00 Uhr: Schließlich gelingt es einer Hubschrauberbesatzng des THW, durch das Dach der Werkstatthalle den Altgesellen Horst B. aufzunehmen, der bis zuletzt mit einem abgebrochenen Scheibenwischer am Plattenspieler "Alte Kameraden" dirigierte.

05:28 Uhr: Das Gewerbegebiet Stenkelfeld ist nicht mehr. Die rauchenden Trümmer des Autohauses "Oertel" sowie des benachbarten Getreidehandel sind stumme Zeugen eines festlichen Beisammenseins von Menschen, Menschen wie du und ich, die nur mal im Kollegenkreise weihnachtlich feiern wollten.

Published at 18:56 / 0 comments / 358 visits
This post is public

December 16, 2007

Christliche Weihnacht

Sonntag, 16. Dezember, 15:00 Uhr:
Unter dem Motto "Ein Stück weit Frieden spüren" eröffnet Pastoralreferent Reinhard Höllerich-Nöhrenberg den alternativen Stenkelfelder Weihnachtsmarkt rund um die St. Johannis Kathedrale, versäumt es jedoch, in seiner Begrüßung neben den Anwesenden auch den Anwesendlnnen den Segen der Weihnacht zu wünschen, dies führt zu ersten Unmutsbezeugungen aus dem Menstruationskreis lesbischer Künstlerinnen, die den Rest der Ansprache mit Trillerpfeifen und "Sackträger"-Sprechchören übertönen.

15:31 Uhr: Durch die im Meditationstanz versunkenen Mitglieder der Frauen-Selbsterfahrungsgruppe "Silber-Elster", die mit ausgebreiteten Armen im ökologisch mit Senflauge gebatikten Wickelrock über die Kirchwiese schweben, bahnt sich bölkend und hupend der MC Schmöllerheide auf schweren Harleys den Weg zum Rockzelt von Jugendpastor Helge Bösch, der für 16 Uhr zum Motorradgottesdienst geladen hat.

15:56 Uhr: Eine glühendheiße Pappterrine mit herzhafter Gulaschsuppe klatscht gegen das Transparent "Zucker ist Sünde" am Stand des vegetarischen Ernährungskreises "Mutter Erde", an dem das "Sumpfpumpenprojekt Eritrea" durch den Verkaufserlös von mit Nelkenfett gesüßter Vollkornschokolade unterstützt wird. Die Hauptverdächtige für diesen Anschlag, die Rentnerin Minna B., die am Nachbarstand für den Klön- und Strickkreis singender Seniorinnen mit dem Verkauf von kandierten Äpfeln, Rindsbratwurst und Räucherschinken für das Winterlager des Wanderzirkus Schöller sammelt, weist darauf hin, man sei im Vorfeld von besagtem Ernährungskreis lautstark als Tiermörder und Kadaverfresser verunglimpft worden.

16:00 Uhr: Die Leistungsschau der Bundeswehr auf der Holtmannswiese hinter dem alten Soldatenfriedhof wird in bedrohlicher Nähe zum Infostand der "Christlich-autonomen Kriegsdienstverweigerer" eröffnet. So ist es nur eine Frage der Zeit, wann die diametralen Botschaften "Wir schaffen Frieden" auf der einen Seite mit den Thesen "Soldaten sind Mörder" sowie "Gelöbnis ist Meineid" auf der anderen Seite ins Gehege kommen. Zu tätlichen Übergriffen kommt es jedoch erst gegen 16 Uhr 7, nachdem sich Regimentspfarrer Öftering bei der Einsegnung zweier fabrikneuer BISON-FLAK-Panzer zu der Behauptung verstieg, Jesus sei eine Art Feldwebel Gottes gewesen.

16:12 Uhr: Erstaunlich lange hält sich das Bläserkorps vom Jagd- und Hegering 2 mit seinem adventlichen Vortrag unmittelbar neben der Punschbude militanter Tierschützer von der Initiative "Waldfrieden", die mit den Aufklebern "Blutige Weihnachten - mitessen heißt mitschlachten" oder auch "Christus war ein Eichelhäher" gegen Wildgerichte am Heiligen Abend zu Felde ziehen. Zum offenen Schlagabtausch führt dann schließlich der weihnachtliche Blechchoral "Jesus war ein Jagdgesell". Revierförster Manfred von Lausitz-Ölpen, dem im Verlaufe der Feindseligkeiten das Mundstück seiner schweren Zugposaune durch die Schneidezähne gedrückt wurde, gibt später zu Protokoll, er habe seinen Hirschfänger gegen diese Anarchisten in begründeter Notwehr einsetzen müssen.

17:15 Uhr: Am gemeinsamen Stand der Stillgruppe "Rumpelstilzchen" und des Betkreises schwangerer Hausfrauen flackert das nächste Scharmützel auf. Das Handgemenge mit dem benachbarten Info-Tisch der HIV-Selbsthilfegruppe Heringsmoor beginnt mit dem gegenseitigen Niederreißen der Transparente "Gib' Aids keine Chance - Kondome schützen" und auf der Gegenseite "Verhütung ist Mord - Kondorne sind Waffen".

17:31 Uhr: Unter dem kleinen Zeltdach der orthodoxen Bibelgruppe "Prohabilis eterna", die unter dem Motto "Latein ist Gottes Wort" allerlei Informationsmaterial feilhält, in dem frühchristliche Liturgieformen sowie Latein als Weltsprache gefordert werden, wächst die Nervosität über den zunehmenden Geräuschpegel des benachbarten Motorrad-Gottesdienstes. Nach der Predigt mit dem Thema "Wasser zu Wein - Öl zu Benzin, Jesus war ein Biker" und der Danksagung für das Überleben zahlreicher riskanter Überholmanöver der letzten Saison besteigt die gefürchtete Speed-Metal-Formation "Rammbock" die Bühne.

17:33 Uhr: Am Ende seiner christlich-lateinischen Duldsamkeit angekommen, trifft der orthodoxe Religionswissenschaftler Dr. Johannes Görtz mit dem unkontrollierten Wurf einer 15 Kilo schweren, in Schweinsleder gebunden Hetzschrift gegen Martin Luther die vordere der 24 in Reih' und Glied abgestellten Motorräder, die in einer Kettenreaktion wie Dorninosteine aufeinanderfallen. 30 Sekunden später beschließt der Harley-Club Schmöllerheide eine gründliche Flurbereinigung des gesamten Geländes.

17:40 Uhr: Rund um die St. Johannis-Kathedrale tobt eine Schlacht, wie sie seit 1109, seit der Erstürmung der Höcklager Senke durch den Hunnenprinzen Bernward der Schlächter, in dieser Gegend nicht mehr erlebt wurde. Mittendrin: Menschen wie du und ich, die in der Weihnachtszeit nur mal ein Stück weit Frieden spüren wollten.

Published at 15:31 / 0 comments / 255 visits
This post is public

December 16, 2007

Altes Märchen - neu erzählt (2)

Maerchenmarkt
Maerchenmarkt
Nachdem das letzte "Rätsel" so schnell gelöst wurde, heute das nächste aus der Reihe "Alte Märchen - neu erzählt"...

"Vier verkrachten Existenzen gelingt es, durch ohrenbetäubenden Lärm gaanze Räuberbande in die Flucht zu schlagen und Hausbesitzer zu werden.
Moral: Schwache Solisten können als Gruppe immer noch einen ganz schönen Reibach machen."

Published at 20:58 / 6 comments / 525 visits
This post is public

December 23, 2007

Altes Märchen - neu erzählt (3)

Maerchenmarkt
Maerchenmarkt
So kurz vor Weihnachten noch eins aus der Reihe "Alte Märchen - neu erzählt"...

"Pfiffiger Hänfling bleibt Sieger durch List und Beschiß.
Moral: Pfiffiger Hänfling bleibt Sieger durch List und Beschiß
"

Published at 16:40 / 0 comments / 381 visits
This post is public

December 24, 2007

Lebenslauf eines Weihnachtsbaums

- von Jochen Petersdorf -
Ein zukünftiger Weihnachtsbaum berichtet:

Ich heiße Johann Gottlieb und bin Fichte. Deshalb diese Vornamen. Eine Tante von mir ist Kiefer und heißt Marianne. Wir haben auch ein schwarzes Schaf in der Familie. Er ist Alkoholiker und deshalb Blautanne. Trotzdem ist er als Weihnachbaum wegen seiner geschwollenen Nadeln sehr beliebt. Er tritt sogar im Fernsehen auf und Künstler singen dann vor ihm oder daneben. Manchmal zeigt ihn die Kamera in Großaufnahme. Da ist er ganz aufgeregt und nadelt unter sich. Das wird aber vom Ballett vertanzt.

Ich selbst als einfach Fischte halte mich aus solchen Sendungen raus. Ich bin ein Baum für die Stube, von der Lindenstraße bis zur Karl-Marx-Allee. Ich gucke auch weniger in die Röhre. Ich höre lieber Radio. Hör ich Antenne Brandenburg, da geh’n mit mir die Nadeln durch. Ich bin zwar noch nicht sehr alt, habe aber dennoch eine recht interessante Vita. Meine Großmutter sagte zu Vita Lebenslauf. Sie ist gestorben. Daran sieht man, ohne Vita geht es eben nicht.

Ich bin von Geburt Brandenburger, also umgeben von vielen Kiefern aufgewachsen. Wir haben uns aber gut vertragen. Nur zweimal haben welche gerufen „Ausländer raus!“ Das waren Latschenkiefern, die haben nicht viel im Wipfel. In unserer Gegend werden alljährlich allerhand Weihnachtsbäume geschlagen. Zum Glück nur zur Weihnachtszeit. Die Fußballmannschaft dieser Gegend wird jeden Sonnabend geschlagen.

Meine Kindheit verlief friedlich und harmonisch. Ich besuchte die Baumschule und wurde mehrmals mit der Ehrennadel der FDJ ausgezeichnet. FDJ das hieß „Fichte des Jahres". So wuchs ich in unserer eingezäunten Schonung ganz gut heran. Nebenan im Jagen 24 gab es Diplomatenjagen. Aber die meisten Diplomaten sind durchgekommen.

Studieren ließ man mich nicht, denn eine entfernte Verwandte von mir lebte als Duklasie in den USA. Deshalb hatte der alte Oberförster auch eine Akte von mir angelegt. Darin wurde ich als IM geführt. Das hieß “immer müde“. Aber ich war prächtig gewachsen. Deshalb wurde ich auch nicht zum Weihnachtsbaum gemacht. Den damals … damals wurden in erster Linie die mickrigen und zerknautschten Typen auf den Markt gestellt.

Es ist erstaunlich, was die Menschen dann mit Kugeln und Lametta aus solch einer Krücke herausholten. Das ist heute ganz anders. Heute ist fast jeder Baum ein Prachtstück. So mancher Käufer ist froh, wenn er mit einem billigen Strunk ein Schnäppchen gemacht hat. Trotzdem hoffe ich, dass ich auch als schmucker Kerl eine Chance hab’, in gute Hände zu kommen.

Manche Leute bevorzugen ja einen immergrünen Kunststoffbaum. Diese Dinger sind unsereinem fast zum Verwechseln ähnlich, haben allerdings einen anderen Körpergeruch. Aber in Verbindung mit Tannenspray machen sie auch Eindruck. Wenn dann noch elektrische Kerzen dazu kommen, dann können nur noch die brennenden Flügel der Holzpyramide für ein gemütlichen Stubenbrand sorgen.

Ich selbst bleibe ja lieber beim alten Stil und träume schon jetzt von einem angenehmen Einsatzort, mit Pfefferkuchenduft, strahlende Kinderaugen und einer Omi, die mit den Kleinen Weihnachtslieder singt bis der Papa ruft: „Halt die Klappe! Im Fernsehen singt Heino „Stille Nacht!“

Ich glaube ich muss jetzt meinen Bericht abbrechen. Es sieht so aus, als will mich einer kaufen. Tatsächlich, jetzt wird er wohl gleich nach alter Gewohnheit eine Schnur aus der Tasche zieh’n um mich herum und unter mich durch kriechen, um mich einigermaßen verschnürt davon zu schleifen. Doch nein, Ich werde in eine Art Kanone geschoben und in ein Netz geschossen. Donnerwetter, das ist eine tolle Sache und bestimmt eine Erfindung aus dem Westen. Damit gehöre auch ich nun zu all den Glücklichen, die dem Westen ins Netzt gegangen sind.

Frohes Fest!

Published at 11:00 / 4 comments / 607 visits
This post is public

December 30, 2007

Die Kettenreaktion

Gut 37 Stunden vor dem Jahreswechsel lastet eine schier unerträgliche Spannung über der Siedlung Önkelstieg, dessen Bewohner der Stunde Null entgegenfiebern, um endlich losschlagen zu können.

10:46 Uhr: Ein an sich unbedeutender Zwischenfall wird sich noch bitter rächen: Nachdem sie in einem Stallgebäude ihres Kleingartens die Kaninchen versorgt hat, entreißt ein Windstoß der Rentnerin Erna B. die Schuppentür, die mit vernehmlichem Knall hinter ihr zufällt. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse.

10:48 Uhr: Der vermeintliche Erstschlag aus der Nachbarschaft trifft den Familienvater Fred S. völlig unvorbereitet. In einer viel zu flachen Flugkurve startet sein hastig gezündeter Raketensatz "Cape Caneveral", dessen Werbeaufdruck "Eine Zündung - sechs Mal Sternenzauber" unterwegs sein Versprechen hält. Ein Sternenzauber findet mit unglücklicher Präzision den Weg in einen Lüftungsschacht der Bäckerei Bröhrmeier. Die anschließende Mehlstaubexplosion in der Backstube macht die vor Wochen von Bäckermeister Erwin Bröhrmeier großspurig angeregte Firmenaktion "Brot statt Böller" mit einem Schlag unglaubwürdig und zerstreut letzte moralische Bedenken in der Siedlung.

11:02 Uhr: Der 17-jährige Kfz-Lehrling Sven G. verliert als nächster die Nerven. Seine in mühevoller Kleinarbeit selbst entwickelte Bombenkette aus 12 gegeneinander geschraubten VW-Zylindern belohnt mit fulminanter Wirkung sein reges Interesse am fachkundlichen Unterricht in der Kreisberufsschule.

Gegen 14:00 Uhr verhilft der auflebende Südostwind dem großen, familienfreundlichen Sylvestersortiment "Feuerball" mit 17 Leuchtraketen und mehr als 90 bunten Effekten zu ungeahnter Reichweite

14:02 Uhr: Immerhin 15 dieser bunten Effekte erreichen am 3 Kilometer entfernten Ostufer des Stenkelfelder Sees den Balkon des 83-jährigen Kriegsveteranen und Militariahändlers August R.. Vom Feuerschein und alten Erinnerungen geweckt beschließt er, sein kostbarstes Sammlerstück zu opfern: Minuten später gleitet ein 8 Meter langer Torpedo der V-Klasse vom seinerzeit vor Danzig havarierten U435 aus seinem Bootsschuppen und nimmt Kurs auf das gegenüberliegende Seeufer. Nach 4 Minuten und 12 Sekunden erfolgt der Einschlag in die Uferterrasse des Gasthofs Knollmeyer.

14:09 Uhr: Ein Gartenstuhl und 2 Sonnenschirmbetonständer durchschlagen das dünne Holzdach der Wachbaracke an der Martin-Luther-Kaserne im Nachbarort Heringsmoor und verfehlen den wachhabenden Hauptgefreiten Ronald C. nur um Haaresbreite. Der durch den hastigen Genuss von anderthalb Flaschen Küstennebel ungewohnt entschlussfreudige Berufssoldat trifft in dem durch den Weihnachtsurlaub entvölkerten Militärstützpunkt eine einsame Entscheidung: Die 16 Luftabwehrraketen vom Typ "Herkules 3" erheben sich majestätisch in den Dezemberhimmel.

14:15 Uhr: Das Hachmannsfelder Gehölz, die Siedlung Önkelstieg, die Straßenzüge Schmöllerdamm, Bölterkamp, Sögelweg, Blömkerallee, weite Teile des Industriegebiets Sottrup sowie der Rangierbahnhof Höcklage sind nicht mehr. Durch die rauchenden Trümmer einer Mondlandschaft irren Menschen, Menschen wie du und ich, die mit ihrem Sylvesterfeuerwerk einfach nicht mehr warten konnten.

Published at 09:43 / 1 comment / 457 visits
This post is public

( 9 posts )

 

Català | Čeština nové | 中文 | Deutsch | English | Español | Esperanto | Ελληνικά | Français | Galego | Italiano | Nederlands | Português | More...