Thueringer Published on October 3rd, 2007
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3. Oktober

Wednesday October 3rd, 2007 at 08:04AM

Im Radio sprechen sie von der Wiedervereinigung, welche wir heute feiern. Wann sagt denen mal jemand, dass nix wiedervereinigt wurde. Es war schlicht und einfach ein “Beitritt” zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik, ähnlich dem des Saargebietes 1955.

An der Grenze
An der Grenze
Das Grundgesetz bot in seiner alten Fassung zwei Möglichkeiten der Wiedervereinigung: Die Wiedervereinigung durch den Beitritt von anderen Teilen Deutschlands gemäß Artikel 23 Satz 2 GG) sowie die Wiedervereinigung durch Inkrafttreten einer Verfassung, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist, gemäß Artikel 146 GG.

Ich glaube der zweite Weg wäre besser und würdevoller gewesen. Was ich in diesem Zusammenhang noch bemerktenswert fand, das man von der jetzt “vorherrschenden Lehre” sprach. Irgendwie würde es mich schon interessieren, wie das Ganze mal in 100 Jahren in den Geschichtsbüchern steht, gibt es doch schon heute erhebliche Wissenslücken dazu.

Von einer wirklichen Einheit, welche zu feiern wäre, kann man auch nicht unbedint sprechen, solange die Politik und die deutsche Rechtsprechung noch immer Unterschiede zwichen den alten und den beigetretenen Ländern macht. Da passt es dann auch, dass Politiker wieder den Solizuschlag ins Gespräch bringen, der zur Überraschung einiger gar nicht vollständig im Osten ankommt oder dann sogar zweckfremd verwedet wird. Wen wundert es also, dass es nicht so richtig vorwärts geht?

Der einzig wirkliche Grund heute zu feiern wäre der, dass ich durch die “Wende” viele tolle Menschen kennen lernte, die ich heute zu meinen Freunden zähle.

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Tante Käthepro says:
Du sprichst mir aus der Seele, seid "Ihr" mir doch eigentlich immer noch so fremd wie damals--als Kind des Eisernen Vorhangs habe ich "Euch" nie anders kennenlernen dürfen als die "armen Bekannten/Verwandten von drüben".
Ich habe mich angestrengt nach unserer feindlichen Übernahme; habe versucht, den "Ossi" zu verstehen--und bin öfter gescheitert , habe hilflos und fassungslos
den Wutausbrüchen der enttäuschten "Neubürger" zuhören müssen und gleichzeitig neidisch auf das geschaut, was der Westen nicht hatte: "Euer" Nachbarschaftsgefühl, "Eure" Hilfsbereitschaft, "Euer" Organisationstalent, aus dem Mangel geboren; "Euer" Schulsystem, "Eure" Ausbildung.
Vereinigt? Nein, sind wir immer noch nicht. Und werden es auch so schnell nicht sein.
(Obwohl es mir so geht Wie Dir: Ich habe viele fesselnde Leute kennengelernt....)
Aber wie sagt Katrin Sass?
"Die einen wuchsen mit den Russen auf und die anderen mit den Amerikanern - und dennoch, indem wir jetzt über das Gleiche lachen, gehören wir zusammen."

In diesem Sinne: PROST!
;-))
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Thueringerpro replies:
Prost! ;)

Ich müsste noch erwähnen, dass ich nur so meine Frau kennenlernte. Sie aus Unterranken, ich aus Thüringen. DAS war ne wirkliche "Vereinigung". ;)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Chatty says:
Ach Lauberischchen, Du bist der einzige Ossi, den ich kenne ... und hätte es keine Wiedervereinigung gegeben und kein Internet und keine Blogs, wären wir uns sicherlich nie über den Weg gelaufen. Ich weiss nicht viel, weiss nur das, was ich so als Kind mitbekommen habe ... deshalb, nehme es mir nicht übel, wenn ich manchmal Mist von mir gebe ... LG an Dich von der Wessi-Chatty
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
deja says:
Also als Ossi im Wessi-Land (um es mal mit den Niedrig-Niveau-Worten einiger Schmierblätter zu sagen) fällt mir immer wieder auf, wie viel manche Leute hier glauben zu wissen. Ich diskutiere gerne und erzähle auch viel, wenn ich ernsthaft danach gefragt werde. Viele interessiert es auch ernsthaft. Aber es gibt auch einen großen Teil, der noch nie einen Fuß in die jüngeren Bundesländer gesetzt hat und trotzdem aufgrund von Vorurteilen versucht, schlau mit zu diskutieren.
Das ist für mich das schlimmste.
Und was die Leute hier nicht begreifen (wollen), ist die Tatsache das damals Menschen auf die Straße gegangen sind, um für eine bestimmte Sache einzutreten. Im wirklichen Sinne eine Revolution. Und sowas geht hier nicht in (viele) Köpfe.
Das interessante dabei ist, dass sie nicht nur gegenüber den "Ossis" so sind, sondern gegenüber allen "Ost"-Staaten, z.B. Polen oder Tschechien.
Es war schon immer so, dass sich der Osten für den Westen mehr interessiert hat, als umgekehrt, und manchmal denke ich, dass die Unwissenheit vor dem Unbekannten Osten den Leuten etwas Angst macht und sie deshalb so reagieren. Und Neid ist mit Sicherheit auch dabei. Ich bin gerne in allen Bundesländern und es ist schön alles kennenzulernen und zu erleben. Die Leute sollten sich tatsächlich mehr interessieren und erfreuen an dem, was in den 17 Jahren geschaffen wurde.
In diesem Sinne werde ich morgen wieder über die neue A71 fahren :-)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Thueringerpro says:
He, denk an die vielen Blitzer auf der A71! ;)
Wegen der Sache "Neid" hatten wir letztens die Diskussion. Auf was in den neuen Ländern könnte man neidisch sein? Höhere Arbeistlosigkeit? Niedrigere Löhne?
Meine Schwiegermutter (81, Bayern) sprach da die hohen Renten für die "DDR'ler" an. Wie soll man ihr aber verständlich machen, dass Frauen in der DDR meist Vollzeit gearbeitet haben. Reine Hausfrauen waren doch eher die Ausnahme. Für unsere und folgende Genarationen sieht es nicht so rosig aus. Heute niedrigere Löhne, später geringere Renten, wenn überhaupt noch. Und bei manchen st es scheinbar auch noch nicht angkommen, dass die arbeitende Bevölkerung hier genauso ihren Solidaritätszuschlag entrichtet.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
deja says:
Also ich denke der Neid bezieht sich eben nur auf das, was zu beneiden ist: neue Infrastruktur, Sanierungen von alten Villen und Denkmälern etc., im Grunde alles, was viele Bild-Leser sich einfach und ohne nachdenken in ihr Hirn laufen lassen.
Und ein Neid, auf Dinge, die offensichtlich besser waren, als sie jetzt und hier sind. Aber viele wollen das nicht zugeben, also sind sie still und heimlich neidisch...
Ich bin froh, das alles so gekommen ist, weil ich heute im Grunde tun und lassen kann, was ich will und mich so entwickeln kann, wie ich will.
Es gab aber durchaus auch Dinge, bei denen ich dafür wäre (und mit Sicherheit eben viele in den alten Ländern auch), dass sie wieder eingeführt werden würden. Aber hier will es eben kaum einer zugeben, weil es ja "von drüben" ist und das muss schlecht sein...
Solange Zeitungen 17 Jahre nach dem Zusammenschluß immer noch von "Ost" und "West" reden, Mieten und Renten vergleichen, wird es nichts werden mit EINEM Deutschland.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Sumppinoita says:
Ich habe mit meinem Freund angestoßen, denn ohne die "Einheit" würden wir uns wahrscheinlich gar nicht kennen. Und das wäre echt schade.
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )

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