Wir hatten in der Gegend hier nun eigentlich schon viel gesehen, aber in
Prora waren wir noch nicht. Es liegt zwischen Binz und Saßnitz und hat eine besondere Geschichte. Zwischen 1936 und 1939 entstand hier eine riesige Wohnanlage für die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF). Der Architekt Clemens Klotz (der Name passt!) wurde beauftragt, direkt an der Küste eine Ferienunterkunft für ca. 20.000 Menschen zu planen. Er entwarf 8 Bettenhäuser, jedes 450 Meter lang mit zusätzlichen Gemeinschaftsanlagen (Theater, Speisesäle, Sportanlagen etc.), die auch weitgehend fertiggestellt wurden. Neben dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist dies die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft des Naziregimes. Die KdF-Bewegung (angeführt von „Reichstrunkenbold“ und Führer der Arbeitsfront Robert Ley) diente dazu, die Menschen von der harten sozialen Wirklichkeit abzulenken, die Ideologie der „Volksgemeinschaft“ zu stärken und eine rassistisch und politisch homogene Gemeinschaft zu erzeugen. Die KdF-Anlagen stellten also nicht eine „nette Seite“ der Naziherrschaft dar, sondern dienten ausschließlich ihren Zwecken. Bezeichnend ist auch, dass genau 3 Jahre nach der Zerschlagung der Gewerkschaften, am 2. Mai 1936 die Grundsteinlegung für den Bau stattfand. Ein Teil des beschlagnahmten Vermögens der Gewerkschaften steckt wohl auch in diesen Gebäuden.
Die Anlage wurde nie in Betrieb genommen. Mit dem Kriegsbeginn 1939 wurden die Arbeiten eingestellt. Die Bauarbeiter wurden nun in Peenemünde gebraucht, wo die V-Waffen entwickelt wurden.
Danach wurden die Gebäude u.a. für die Polizei, Kriegsmarine oder als Notunterkünfte für ausgebombte Menschen aus Hamburg genutzt. Gegen Kriegsende wurden hier auch Flüchtlinge untergebracht.
Zu DDR-Zeiten war das Gelände ein militärisches Sperrgebiet und diente auch der kasernierten Volkspolizei, später NVA, als Unterkunft. Erst 1991 konnte die Öffentlichkeit diese Anlagen wieder betreten und steht nun unter Denkmalschutz. Jetzt befinden sich dort kleinere Museen (z.B. über die Geschichte der Anlage – „Macht Urlaub“, das uns viele interessante Informationen lieferte), Galerien und Diskotheken. Aber die Monstrosität dieser Bauten hat wohl bisher die Entwicklung von Nutzungsideen, die sowohl der geschichtlichen Bedeutung der Anlage gerecht werden als auch einen sinnvollen und Verwendung ermöglichen, behindert.
Es ist schon bedrückend, an diesen endlosen Wohnblöcken, die z.T. schon recht verwahrlost wirken, vorbei zu gehen. Es dauerte nicht lange und wir machten kehrt.
translate into English
Elbertinumpro says:
Größenwahn - den gibt es tatsächlich -
Aber es gab und gibt noch immer diesen Größenwahn auf anderen Gebieten - leider
Schussentälerpro says:
The Guennipro replies:
jubi says:
Ulrich says:
The Guennipro replies:
Chaos (カオス)pro replies:
The Guennipro replies:
Chaos (カオス)pro replies:
Rosi`sEyespro says:
interessanter beitrag, günther
The Guennipro replies:
Mona Lisa says:
The Guennipro replies: