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Rügen zwischen Winter und Frühling (6)

Tuesday March 24, 2009 at 07:09PM

MachtUrlaub
MachtUrlaub
Wir hatten in der Gegend hier nun eigentlich schon viel gesehen, aber in Prora waren wir noch nicht. Es liegt zwischen Binz und Saßnitz und hat eine besondere Geschichte. Zwischen 1936 und 1939 entstand hier eine riesige Wohnanlage für die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF). Der Architekt Clemens Klotz (der Name passt!) wurde beauftragt, direkt an der Küste eine Ferienunterkunft für ca. 20.000 Menschen zu planen. Er entwarf 8 Bettenhäuser, jedes 450 Meter lang mit zusätzlichen Gemeinschaftsanlagen (Theater, Speisesäle, Sportanlagen etc.), die auch weitgehend fertiggestellt wurden. Neben dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist dies die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft des Naziregimes. Die KdF-Bewegung (angeführt von „Reichstrunkenbold“ und Führer der Arbeitsfront Robert Ley) diente dazu, die Menschen von der harten sozialen Wirklichkeit abzulenken, die Ideologie der „Volksgemeinschaft“ zu stärken und eine rassistisch und politisch homogene Gemeinschaft zu erzeugen. Die KdF-Anlagen stellten also nicht eine „nette Seite“ der Naziherrschaft dar, sondern dienten ausschließlich ihren Zwecken. Bezeichnend ist auch, dass genau 3 Jahre nach der Zerschlagung der Gewerkschaften, am 2. Mai 1936 die Grundsteinlegung für den Bau stattfand. Ein Teil des beschlagnahmten Vermögens der Gewerkschaften steckt wohl auch in diesen Gebäuden.

Prora in ganzer Schönheit
Prora in ganzer Schönheit
Die Anlage wurde nie in Betrieb genommen. Mit dem Kriegsbeginn 1939 wurden die Arbeiten eingestellt. Die Bauarbeiter wurden nun in Peenemünde gebraucht, wo die V-Waffen entwickelt wurden.
Danach wurden die Gebäude u.a. für die Polizei, Kriegsmarine oder als Notunterkünfte für ausgebombte Menschen aus Hamburg genutzt. Gegen Kriegsende wurden hier auch Flüchtlinge untergebracht.





Prora, ein Denkmal?
Prora, ein Denkmal?
Zu DDR-Zeiten war das Gelände ein militärisches Sperrgebiet und diente auch der kasernierten Volkspolizei, später NVA, als Unterkunft. Erst 1991 konnte die Öffentlichkeit diese Anlagen wieder betreten und steht nun unter Denkmalschutz. Jetzt befinden sich dort kleinere Museen (z.B. über die Geschichte der Anlage – „Macht Urlaub“, das uns viele interessante Informationen lieferte), Galerien und Diskotheken. Aber die Monstrosität dieser Bauten hat wohl bisher die Entwicklung von Nutzungsideen, die sowohl der geschichtlichen Bedeutung der Anlage gerecht werden als auch einen sinnvollen und Verwendung ermöglichen, behindert.
Ausstellung "MachtUrlaub"
Ausstellung "MachtUrlaub"





Es ist schon bedrückend, an diesen endlosen Wohnblöcken, die z.T. schon recht verwahrlost wirken, vorbei zu gehen. Es dauerte nicht lange und wir machten kehrt.



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13 Comments / add your comment?

Elbertinumpro says:
Ich habe dieses Wohnmonstrum auch gesehen - so etwas ist tatsächlich noch während des Krieges gebaut worden -
Größenwahn - den gibt es tatsächlich -
Aber es gab und gibt noch immer diesen Größenwahn auf anderen Gebieten - leider
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
Schussentälerpro says:
danke für den sehr interessanten Beitrag-
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
The Guennipro replies:
Freut mich, dass er Dir gefällt!
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
jubi says:
der titel machturlaub ist ja auch ein "schönes" wortspiel.
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
Ulrich says:
Ich staune immer wieder, was mancher Architekt aus einem solch gewaltigen Auftrag nicht macht. Grauenvoll, ein monumentales Dokument der architektonischen Phantasielosigkeit. Da sind ja die Fabrikgebäude des Kraftwerks in Peenemünde schöner.
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
The Guennipro replies:
Da gebe ich Dir völlig recht. Gar nicht auszudenken, wenn die ihre Pläne in Berlin realisiert hätten!
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
Chaos (カオス)pro replies:
Du meinst Germania?
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
The Guennipro replies:
Genau!
Posted 8 months ago. ( permalink )
Chaos (カオス)pro replies:
Naja, ich denke, ein paar architektonische Meisterleistungen wären dabei schon zustande gekommen, das meine ich jetzt nicht abwertend... wobei man das ganze schreckliche Drum und Dran natürlich nicht befürworten kann.
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
Rosi`sEyespro says:
da hätten bestimmt alle irgendwann einen koller bekommen ! gräslich
interessanter beitrag, günther
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
The Guennipro replies:
Danke! War schon eine bedrückende Situation.
Posted 8 months ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa says:
ich hab mal gehört, dass dergleichen bauten heutzutage auch schon mal als hotel genutzt werden. es gibt ja leute, die gerne mal auf den vergangenen pfaden wandern und so einen urlaub stylish finden. :-)
Posted 7 months ago. ( permalink / translate )
The Guennipro replies:
Mag sein, wäre aber nichts für mich - brauche schon etwas Komfort. Sonst gehe ich zelten!
Posted 7 months ago. ( permalink / translate )

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