Wir wollten noch ein bisschen mehr von Rügen sehen. Unser Ziel war die Insel Ummanz, in deren Nähe eine Freundin unserer Tochter lebt. Diese Insel liegt nun auf der uns entgegengesetzten Westseite Rügens.
Unser erstes Ziel war Putbus – eine gute Wahl! Man nennt sie auch die weiße Stadt. Diesen Namen hat die Stadt von den klassizistischen Bauten im Zentrum. Rund um den „Circus“ säumen sich streng geometrisch angeordnete weiße Häuser aus dem 19. Jh. Die Geschichte der Stadt reicht aber viel weiter zurück. Zu Beginn des 12 Jh. wurde der Ort von Fürst Stoislaw gegründet, allerdings übernahm dann schon 1249 die Familie Putbus die Herrschaft. Wie fast immer bei diesen Fürstengeschlechtern entsteht dann eine
wechselvolle Geschichte und am Ende landeten die Besitztümer 1702 bei dem dänischen Freiherrn Malte zu Putbus. Sein Nachfahr Wilhelm lies dann den Ort im Stil des Klassizismus zur Residenz ausbauen. Es entstanden dann der wunderschöne Circus, auf dem der in der Mitte stehende Obelisk an die Ortsgründung durch diesen Wilhelm Malte zu Putbus erinnert, und der rechteckige Marktplatz. Auf dem Obelisk steht übrigens „Was des Volkes Hände schaffen, ist des Volkes eigen“. Es fällt nicht schwer zu erraten, dass dieser Spruch nicht von besagtem Wilhelm, sondern von einem unbekannten Künstler aus DDR-Zeiten stammt.
Aber besonders schön ist der Schlosspark, dem leider das Schloss fehlt, welches auf einem Beschluss des Bezirksrates von 1964 gesprengt worden war. Dort entdeckten wir dann aber einen kleinen Pavillon, zu dem uns schon viele Hinweise auf ein Spielzeugmuseum hingelockt hatten. Ein Becher Kaffee bzw. Tee taten uns sehr gut. Während ich mal wieder auf die Hunde aufpassen musste (und ein paar SMS schreiben konnte), besuchten Frau und Tochter das Spielzeugmuseum. Sie waren sehr angetan!
Auf dem Rückweg erhaschte ich noch einen Blick auf den Markt und die Orangerie bevor wir wieder uns auf den Weg in Richtung Bergen machten, der Hauptstadt von Rügen.
Wir hätten vorgewarnt sein sollen. Die Freundin unserer Tochter rief uns unterwegs an („Wo seid ihr denn gerade?“) und antwortete auf die Frage, was es denn so spannendes in Bergen gäbe mit den denkwürdigen Hinweisen: Realkauf und Freßnapf! Bestimmt sind die 16.000 Einwohner stolz auf Ihre Stadt. Man will ihr ja auch nicht unrecht tun. Es war kalt und ungemütlich, da sind viele Städte nicht so richtig schön.
Die 1193 gegründete Klosteranlage (jetzt Klosterhof genannt) ist schon recht nett. Man erfährt dort, dass diese Bauten offensichtlich lange fest in weiblicher Hand waren. Erst lebten hier 20 dänische Nonnen, bevor dann nach der Reformation das Kloster in ein „Jungfräuleinstift“ für höhere Töchter umgewandelt wurde.
Aber dann der Marktplatz… Sicher alles sehr zweckmäßig, aber wir empfanden ihn ohne jede Atmosphäre. Aber daran war sicher das Wetter schuld.
Dennoch, wenn man ein bisschen nachliest über Bergen, ergibt sich schon etwas Interessantes: Auch mit dem Auto merkt man, dass es nach Bergen immer etwas bergauf geht. Daher wundert es nicht, dass der Name der Stadt aus dem slawischen Wort „Gora“ abgeleitet wird, welches Berg bedeutet. Seit 1613, dem Jahr der Stadtgründung, erlebte der Ort einige Schicksalsschläge. Dreißigjähriger Krieg (die kaiserlichen Truppen waren hier einquartiert, was keiner Stadt gut bekommen ist), Pest und viele Stadtbrände, zuletzt 1726, zwang die Bürger der Stadt, ihren Ort immer wieder neu entstehen zu lassen.
Aber nun mussten wir weiter, schließlich war für 14 Uhr unser Treffen anberaumt. Es sollte bei im Ort Varbelvitz stattfinden – ein Ort mit vielleicht 2 Dutzend Häusern, dicht am Varbelvitzer Bodden. Die Orte in der Gegend haben viel gemeinsam: Rattelvitz, Kubitz, Volsvitz usw. Interessant!
Wir hatten ja schon zwei Hunde mit, dazu passten noch ein paar Hunde der Freundin (einige mussten wir wegen evtl. Unverträglichkeiten im Haus lassen) und los ging es zur nahe gelegenen Insel Ummanz. Eine kleine, vor ca. 100 Jahren entstanden Brücke verbindet diese viertgrößte Ostseeinsel mit Rügen. Ganze 750 Einwohner, 30 Pferde und jede Menge Kraniche leben auf diesem recht platten Eiland. Aber inzwischen war die Sonne durchgekommen und ließ uns einen Hauch von Frühling erahnen. Direkt an der Vorpommerschen Boddenlandschaft, mit Blick auf die ferne Insel Hiddensee genossen wir bei einem ausgedehnten Spaziergang auf dem Deich die Ruhe und die Einsamkeit dieser Insel.
Derweil hatten die Hunde viel Spaß! Jagen, baden, spielen – alles war hier nahezu grenzenlos möglich. Es machte einfach Freude, ihnen dabei zuzusehen (und natürlich dabei ein paar Bilder zu schießen).