Ein echter. Wikipedia behauptet er heißt Amphiprion percula.
Gefällt mir nicht. Ihm vermutlich auch nicht.
Vielleicht heißt er Peter. Oder Jörg.
Nein, er heißt sicher Ewald. Aber eigentlich spielt der Name keine Rolle.
Es ist jedenfalls ein echter Clownfisch.

Sehen kann ihn niemand, meistens schläft er dort einfach ganz ruhig und träumt vom Meer.
Woher ich dann so sicher weiß das er dort wohnt?
Na, ein Clownfisch im Abfluß ist die einzige logische Erklärung für diese kleinen blauen Flecke die man manchmal plötzlich irgendwo an sich findet ... oder diese lästig juckenden Punkte ... jedenfalls die Blessuren die sich keiner erklären kann.

Macht alles der Clownfisch.

Wenn ich morgens in die Dusche steige lauert er schon – wartet auf den richtigen Moment. Den Moment in dem ich die Augen schließe um mir die Haare einzuseifen. Dann zischt er heraus, schwimmt den Duschstrahl hoch und zwickt mich unauffällig an irgendeine Stelle.
Wenn ich die Augen wieder aufmache ist er immer schon wieder weg.
Manchmal denke ich lange darüber nach, ob meine Mitmenschen mich auch mit ungewaschenen Haaren aushalten, aber meistens siegt dann doch der Strahlemann in mir und ich seife mir die Haare ein.

Zack.

Er ernährt sich von den Haaren die im Abfluß landen und trinkt das Wasser das aus dem Duschhahn tropft.

Der Einzige der eventuell schon einmal den Clownfisch gesehen haben könnte ist unser Kater. Der sitzt gerne in der Badewanne und schlabbert die Wassertropfen auf, die aus dem Hahn getropft sind. In der Hoffnung, dass der Clownfisch doch einmal rauskommen wird, wenn er durstig ist.
Dann wären seine Tage vermutlich gezählt.

Aber noch hat der Kater den Clownfisch nicht erwischen können. Der ist einfach zu gewitzt.

Es gibt nur ganz wenige Menschen die mir glauben das der Clownfisch wirklich dort lebt. Die meisten glauben ich rede Unsinn. Ein Teil davon verdreht sogar die Augen und denkt sich „nicht schon wieder so ein Schwachsinn, der Typ hat doch einen Schlag.“
Dieser Teil dreht sich dann vermutlich um, schnappt sich einen Abdeckstift und versucht schnell, die Clownfischbisse zu überdecken. Bloß nicht drüber nachdenken, könnte ja sein das man sein Weltbild plötzlich erweitern muß. Ignorant.

Eigentlich ist die Geschichte mit dem Clownfisch ein ziemlich guter Test.

Die Menschen, die sich die Geschichte anhören und dann interessiert nachfragen, ob man den Clownfisch manchmal auch schnarchen hört, das sind die Menschen die ich um mich haben möchte. Mit denen ich Leben, Freude, Lachen, Weinen und Bett teilen möchte.
Offene Menschen die bereit sind, auch fremde Realitäten anzuerkennen. Menschen denen es auch nicht reicht, sich täglich ihre 4 Modekataloge, die 8 abonnierten Modezeitschriften, die 15 bis 16 Nährwerttabellen auf ihren Slimfast-Packungen oder dem Salat von McDonalds und die 23 (oder waren es 42) paar Schuhe durchzuprobieren, nur um dann frustriert zu denken: „Warum geht’s mir so schlecht? Alle anderen leben doch auch so gut und glücklich.“

Also erzähle ich jeder Person in meinem Freundeskreis vom Clownfisch und freue mich über jede Frage. Und je mehr Menschen von ihm wissen desto öfter kann ich ihn vielleicht doch fast sehen. Oder ihn zumindest ganz leise schnarchen hören.