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Kaunas wartet auf uns—was weiß ich eigentlich über die Stadt?
Wenig: Sie liegt am Zusammenfluss von Nemunas und Neris, ist ursprünglich eine litauische Burg gewesen, die immer wieder vom Deutschritterorden zerstört und immer wieder von den Litauern aufgebaut wurde.
Als die Deutschritter 1410 in der berühmten Schlacht bei Grunwald einen auf den Nüschel bekamen und sich endgültig geschlagen geben mussten, wurde Kaunas eine mächtige Handelsstadt und wurde zwischenzeitlich sogar mal Hauptstadt Litauens.
Sie ist Kunstmetropole, Universitätsstadt und hat eine große Fußgängerzone.
Na, dann mal los!
Wir sind recht früh auf den Beinen, die Sonne scheint und es verspricht, heiß zu werden. Kaunas ist die erste wirklich größere Stadt, die wir in Litauen sehen—und wir sehen eine Menge!
Breite Boulevards mit den üblichen europäisch-einheitlichen Geschäften und mit gestylten Upper-10.000-Kunden
; und dann die Einkaufsstraßen der kleinen Leute: die heruntergekommenen und ärmlichen Straßen mit ihren Fressbuden und Garküchen; mit schäbigen Spielsalons und illegalen Märkten.
Prachtstraße
.
Ich fotografiere wie aufgedreht; oft lasse ich die Kamera vor dem Bauch und peile nur ungenau mit Schärfe und Höhe, weil ich Leute nicht verschrecken will.
in der Altstadt
von hinten....
1 Lita
Balkonpflanzen :-)
Süßes
Konditorei
Aber das ist kaum nötig: Es begegnet uns Ruhe und Gelassenheit, denn jeder sieht uns die Fremden an, da braucht es kein Versteckspiel. Überhaupt: die ungeheure Freundlichkeit, dieses fröhliche Auf-den-Menschen-Zugehen ist einzigartig und herzerwärmend und scheint ein litauischer Charakterzug zu sein---prima!
Wir klappern die Sehenswürdigkeiten ab, die „man gesehen haben muss“
Wer das ist?
Der hier war mir lieber!
[Ich erspare jedem die fünftausendste Fotografie der Kathedrale oder die zweihundertste Ablichtung der Burg], machen hin und wieder ein Kaffeepäuschen, haben dann endlich aber doch Hunger---und landen nach einiger Suche im besch***ensten Lokal in Kaunas……mit Friteusen-Tiefkühl-Kost und Einheitspommes. Himmelherrgott, da wäre ja sogar der unausweichliche McDoof besser gewesen!
Doppeltouri
Egal, man kann nicht immer Glück haben.-
Käse, Gurken, Eier--
Klatsch & Tratsch
Jungvolk um uns herum, viele Studenten bestimmen das Stadtbild. Hübsche Mädchen, so weit das Auge reicht
, kaum Touristen, und wenn, dann in großen Bus-Pulks, hauptsächlich deutsch sprechend. In den Andenkenläden sehen wir neben schreiend lächerlichem Kitsch massenweise Bernsteinschmuck und –gebrauchsgegenstände: so viel Bernstein kann es doch unmöglich geben? Da ich unsicher bin und auch vermute, das alles grenzenlos überteuert ist, lasse ich mein Portemonnaie stecken. Was mich viel mehr reizt: Wäsche, Hemden, Hosen, Blusen aus Flachs und Leinen und Baumwoll-Leinen-Gemisch zu spottbilligen Preisen. Ich streiche um die Stände herum, aber noch bin ich nicht so weit—immerhin werden wir noch ein paar Tage in Litauen sein und da kommt ja auch noch das weitaus größere Vilnius….
Stille, bis auf das Zwitschern…
Abends kehren wir mit platten Füßen, stumpfen Augen und hundemüde in unser Luxus-Apartment zurück. Ich wasche noch schnell das Notwendigste, während Norbert uns in der Küche einen Imbiss zubereitet, dann fallen wir einfach um----
……………………
20.7.2008
Heute ist Sonntag, Vilnius ist etwas mehr als 100 fast flache Autobahn-Kilometer von uns entfernt und in Litauen dürfen Radfahrer auf der Autobahn fahren---also??
Richtig!
Vielleicht schaffen wir es unter diesen günstigen Bedingungen an einem Tag?
Um 9:00 h Abfahrt.
Vorbei an den Industriebauten und –anlagen, an Autotransportern vollbeladen mit westlichen Automobilen, vorbei an zweifelhaften „Restaurants“ mit zweifelhaften jungen „Damen“ davor...
ein Bankgebäude
Zunächst lässt sich alles gut an: trockenes Wetter, nur spärlicher Verkehr, und als wir uns gegen 11:00 h auf die Autobahn einfädeln, wartet auf uns ein breiter Standstreifen; gut und sauber asphaltiert. Anfängliche Befürchtungen, dass es Radfahrern eben doch nicht erlaubt ist, werden zerstreut, als uns ein PKW der Autobahnpolizei überholt und uns weiter nicht beachtet….
Alles läuft rund und wir genießen das schnelle Vorankommen—kein Wunder, wenn man 15-20 km/h fahren kann!
Autobahn--noch ist sie recht l…
Autobahn-Raststätte
Aber nach etwa 4 Stunden wird der Verkehr immer stärker und es kommen vermehrt LKWs dazu. Der Krach nervt ungeheuer, und obwohl wir keinerlei ernsthafter Bedrohung ausgesetzt sind, werden wir langsam nervös—keine gute Voraussetzung für eine ruhige Fahrt.
Dazu kommt noch leise einsetzender Landregen: alle vorbeifahrenden Autos spritzen uns unweigerlich von oben bis unten nass.
Norbert schlägt vor, bei VIEVIS abzu“tauchen“ auf eine Nebenstrecke nach TRAKAI, wo auf der Karte ein Zeltplatz vermerkt ist—der einzige weit und breit. Und obwohl der Regen mittlerweile aufhört, biegen wir an der Ausfahrt ab.
Als wir bemerken, dass dort auch noch ein richtiges kleines Zentrum mit Supermarkt, Busbahnhof und Tankstelle ist, versorgen wir uns im Supermarkt mit dem Nötigsten und wollen zum Ausziehen der nassen Regenkleidung in den Aufenthaltsraum des Busbahnhofs. Aber kaum öffnen wir die Tür, prallen wir entsetzt zurück: Drinnen sitzt eine alte (?) Frau, gekleidet in Lumpen, Gummistiefel an den Füßen, betrunken oder verwirrt-- und verbreitet einen derart infernalischen Gestank, dass man sich in dem großen Raum nicht aufhalten kann. Da wird mir auch klar, warum die Wartenden nicht drinnen sitzen, sondern draußen herumstehen….
Man sagt,...
Wir machen, dass wir wegkommen.
Fisch-Restaurant unterwegs
Gut, dass der Zaun dazwischen…
Über die ruhige Landstraße erreichen wir schnell den eingezeichneten Platz mit Blick über den See und die Burg von TRAKAI. Trakai ist ein Städtchen, in dem Karäer wohnen; Juden, die den Talmud ablehnen und eine eigene Sprache haben. Aber dafür haben wir im Augenblick weder Auge noch Ohr—wir wollen nur noch schnell das Zelt aufbauen, bevor der Regen wieder stärker wird; wir wollen etwas essen und wir wollen ruhig einschlafen, um endlich das Gesause der Autobahn-LKWs aus dem Kopf zu kriegen….
Trakai
Wir sitzen noch eine Weile in dem hübschen Restaurant am See, schauen der untergehenden Sonne auf die Mütze und verschieben die Entscheidung „Trakai-ja oder nein“ auf morgen.—
Trakai
…………………….
Morgens schon ganz früh aufgewacht! Es ist trocken und wir sehen kein Wölkchen am Himmel, also schnell das Zelt eingepackt und ab! Die Strecke um den See herum ist malerisch-wild und romantisch; immer wieder blickt die Burg zwischen den Bäumen hervor. Unsere Entscheidung ist „Trakai-nein“, denn Vilnius lockt…
Dann wird’s eng auf der Straße: Wir sind nicht mehr weit entfernt von der Stadt und die „Piste“ ist autobahnähnlich ausgebaut—leider nur mit schmalem Standstreifen und hoher Asphalt-Abbruchkante…etwas, das ich über alles ‚liebe’: Einmal nicht aufgepasst und ich lande auf der Nase. Im besten Fall auf der Nase. An alles andere mag man nicht denken.
Die LKWs (es ist Montag!) brausen dicht an uns vorbei; können gar nicht anders, denn es gibt nicht genug Platz für alle.
Gegen 11 h stecken wir mitten im dichtesten Verkehr auf der Vilniusser Stadtautobahn; um uns herum Betrieb wie in einem Hornissenschwarm, wenn wir die Fahrspur wechseln müssen, riskieren wir Kopf und Kragen. Einmal gerate ich fast in Panik, als wir -auf der rechten Fahrbahn mit Vorfahrt- eingekeilt werden von anderen PKWs, die von rechts einfädeln wollen und denen wir natürlich viel zu langsam fahren: Wildes Gehupe ist die Folge. Als ob ich dann schneller fahren könnte…[Schade, das alles hätte ich so gern geknipst!!!]
Wir haben eine kleine Straßenkarte der Stadt griffbereit im Gepäck, aber wir können sie nicht zu Rate ziehen, weil es keinen Platz am Straßenrand gibt, um mal eben reinzugucken. Einige Straßennamen hatte ich mir jedoch gemerkt und als ich einen davon plötzlich rechts sehe, schere ich aus, biege ab—und stehe perfekt ein paar Querstraßen entfernt von dem Youth Hostel, das wir uns aufgeschrieben hatten. Norbert hält sich brav hinter mir und so sind wir dem Zubringer-Chaos prächtig entkommen.
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