Sonntag, 12. August 2007
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Am anderen Morgen wachen wir wieder zeitig auf; etwas gerädert, denn die Betten sind doch arg durchgelegen. In dem wunderschönen blitzsauberen und nagelneuen Badezimmer genießen wir Luxus rundum und „stylen“ uns noch einmal – wer weiß, was uns in der kommenden Nacht erwartet…-)
Draußen im Garten können wir unter einem großzügigen Holzdach trotz des leichten Nieselregens unseren Frühstückstisch „aufbauen“. Nach und nach wacht auch die Familie wieder auf, jeder schaut bei uns vorbei und wünscht uns gute Weiterfahrt.
Wir brechen auf, von vielen guten Wünschen begleitet—der deutsch sprechende Sohn wird dieses hier lesen und an ihn zum Übersetzen geht noch mal ein Gruß und besten Dank für die freundliche Aufnahme!
Es geht weiter an den Seen entlang. Viel ist von diesem Reise-Sonntag nicht zu berichten, wir fahren in einem weiten Bogen nach Ketrzyn zurück. Das Wetter bessert sich schnell, wir können die Regensachen ausziehen und es geht bei Sonnenschein weiter. Ruhig und gemächlich jetzt, denn wir haben viel Zeit: Der Sonntag soll noch dem Ordnen und Durchsehen unserer Sachen gewidmet sein und Ketrzyn ist nicht mehr weit. Wir picknicken einmal unterwegs; ich fotografiere oft, wir lassen uns treiben.-
Als wir nachmittags in die Stadt hineinfahren, probieren wir als erstes „unser“ Hostel vom vergangenen Dienstag und tatsächlich bekommen wir dasselbe Zimmer wie vorher. Wir breiten uns aus, ich wasche das Nötigste undder Küchenchef verschwindet in der Kombüse….
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Am Abend bei warmem Wetter machen wir es den Einheimischen nach, bummeln ein wenig durch die Innenstadt, trinken einen „Absacker“ und gehen früh ins Bett…..-)
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Montag, 13. August 2007
Als letzten Ausflug haben wir uns die „Wolfsschanze“ vorgenommen; Hitlers größtes Führerhauptquartier von 1941-1944; ein immer noch grauenerweckendes Andenken an den Größenwahnsinnigen.
Der Weg dahin ist schnell abgespult; mit den gepäcklosen Rädern rollt es sich von selbst. Wir kommen schnell in das riesige Waldstück, in dem versteckt unter dem Decknamen „Chemische Werke Askania“ diese Bunkerstadt entstand.
Noch heute führt eine unnötig breite Asphaltstraße mitten durch den Wald. Wir werden per Wegweiser auf den breiten Vorplatz geführt und müssen dort Eintritt bezahlen und unsere Räder „parken“—gegen Gebühr. (Dafür allerdings werden sie auch wirklich bewacht: Ihr „Parkplatz“ liegt neben der „Security“-Baracke….)
Am Kassenhäuschen warten die Fremdenführer; uns spricht man mit Kennerauge sofort auf Deutsch an: Die Burschen wissen um ihre Pappenheimer….Aber wir wollen nicht geführt werden, sondern möchten gern die Anlage allein auf uns wirken lassen. Überall laufen Menschen der unterschiedlichsten Nationalitäten herum, aber Deutsch ist die häufigste Sprache: Über 30% der Besucher..! Die werden zum größten Teil mit Reisebussen herangekarrt; weißhaarige alte Menschen, von denen ich nicht unbedingt wissen möchte, aus welchen Motiven sie hierher kommen.
Auf diesem großen Vorplatz fängt die 2 km lange Haupt-Besichtigungsroute an und mich schaudert’s schon direkt am Anfang: Die ehemalige SS-Begleitkommandobaracke und Unterkunft des Reichssicherheitsdienstes ist heute ein Hotel und Restaurant. Wer hier ruhig schlafen kann, muss das Gemüt eines Fleischerhundes haben.
Wir können bei den Bunkern immer noch gut erkennen, wie sie einmal verputzt waren: dem Mörtel wurden Seegras und Holzspäne zugesetzt, so dass die Außenwände aussehen wie die knorrige Rinde von Eichen. Quer über dem Weg bauen sich riesige Mauerreste vor uns auf; von der Wehrmacht gesprengt erst in den letzten Januartagen 1945. Acht (!!) Meter dick, für eine Ewigkeit gemacht; jetzt liegen sie wie achtlos hingeworfene Bauklötze eines Riesen vor uns. Irgendein Spaßvogel hat angefangen, einen Stecken darunter zu klemmen und jeder, der nun vorbeigeht, macht es ihm nach....
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Am Rande des Gehwegs stehen Soldaten in Wehrmachtsuniform—ich denke zunächst, ich sehe Puppen, aber nein, es sind „echte Männer“, die sich verkleidet haben und sich in voller Montur für Geld fotografieren lassen. Ich gebe beim ersten vor, nur die Wehrmachtsmaschine fotografieren zu wollen und dafür will ich nichts bezahlen -- er merkt nicht, dass ich ihn auch aufs Korn nehme.
Wir gehen langsam weiter, durch das dichte Gestrüpp im Halbdunkel des Waldes, der langsam über den Bunkerruinen zusammenwächst. Ein Gebäude nach dem anderen taucht lautlos vor uns auf; eine Ruine schrecklicher als die vorige; mit Erläuterungen und Anschauungstafeln, welche Generäle und welcher Stab hier regiert und residiert hat.
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Und alle Namen tauchen hier auf, die für mich mit Horror, Grauen und Schrecken verbunden sind. Alle haben hier ihre Kommandozentralen gehabt. Hitler selbst hat hier - mit nur kurzen Unterbrechungen- mehr als 800 Tage gelebt („gelebt“?); hinter 8 Meter dicken Wänden zugemauert wie in einer ägyptischen Grabstelle; ohne Licht und (direkte) Luftzufuhr. Die Masse an Beton, die ihn umgab, überstieg die nutzbaren Räume um ein Vielfaches, 54 000 Minen sind verlegt worden und sollten Eindringlinge abschrecken.-
Aberwitz. Irrwitz. Irrsinn.
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Ich werde immer schweigsamer, schäme mich angesichts der großen Gruppen von alten Menschen, die, mühsam aufrecht und oft an Stöcken gehend, andächtig an den düsteren Bunkerresten vorbeimarschieren, während sie sich darüber austauschen, was früher besser war und was es alles früher nicht gegeben hat…
Wolfsschanze
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Wir könnten noch die „große Runde“ machen, verzichten aber nach etwa 2 km Besichtigung auf weiteres Anschauungsmaterial und gehen wieder zum Eingang zurück, wo ich wieder aufatmen kann. Noch schnell einen Kaffee, um den schalen Geschmack hinunterzuspülen und ab auf die Räder….
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Anschließend fahren wir nicht auf direktem Weg in die Stadt zurück, sondern durch den Ketrzyner Wald, schlagen einen großen Bogen um das gesamte bebaute Wolfsschanzengebiet und sehen noch heute sogar im Bewuchs die Spuren des ehemaligen Kahlschlags.
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| Wolfsschanze |
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pehei says:
Tante Käthepro replies:
pehei replies:
H.B.pro says:
Tante Käthepro says:
....allerdings weniger wegen der "Kartoffelbrüder", wie Du sie nennst, sondern wegen meiner rechtslastigen Landsleute, Heidi.