Tante Käthe Published on October 2nd, 2007
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Polen 2007 # 13

Tuesday October 2nd, 2007 at 03:40PM

Montag 6.8.2007

Gut ausgeschlafen (kein Wunder, das Bier!) wache ich auf, und trotz des nahen Entenweihers mit der dichten Grütze drauf war alles um uns herum trocken geblieben—nur die Zeltplane trieft vom Morgentau.

FrĂĽhstĂĽck in "Mehlsack"
FrĂĽhstĂĽck in "Mehlsack"
Ganz hinten über der Stadt geht langsam die Sonne auf und verjagt meine bösen Träume von New Yorks abweisenden und schroffen Gebirgen mitten in der Stadt, von unüberwindlich breiten Straßen und Flüssen in Manhattan…..Es scheint mich doch ganz schön zu beschäftigen, dieses Kämpfen und Durchschlagen Tag für Tag. Warum ich alles ausgerechnet nach NY verlege, wird mir ein Rätsel bleiben…

Während unserer weithin hör- und sichtbaren Frühstücksvorbereitungen spinxt schon „unser“ Archäologe Cezary um die Ecke—kaffeedurstig, erzählfreudig, und gut erzogen: noch ohne die obligate vorfrühstückliche Morgenzigarette in der Hand. Anscheinend hat er gestern Abend schon mitbekommen, dass wir „echten“ Kaffee aufbrühen und uns nicht mit der Nescafé-Instant-Plörre behelfen, sondern den guten alten Aufguss-Kaffee favorisieren: einfach heißes Wasser auf den fein gemahlenen Kaffee gießen und abwarten, bis der Kaffeesatz sich pflichtgemäß unten absetzt. Das duftet natürlich meilenweit und lockt nicht nur Archäologen an…. „Es riecht über den ganzen Platz“ sagt er. Und hockt sich schon mal hin. Wir sitzen gemütlich zusammen, während über dem Tal von Pieniezno langsam die Sonne hochsteigt und uns wärmt und einen freundlichen Tag verspricht.

INTERCAMP Frühstück archäologisch
INTERCAMP Frühstück archäologi…

Da wir viele Fragen an Cezary haben (endlich mal jemand, der beide Staaten gut kennt!), wird das Frühstück und Kaffeetrinken ausgedehnt; wir finden immer wieder neue Themen und er erzählt anschaulich. Aber irgendwann müssen wir alle weiter und machen dem widerstrebend, aber rigoros ein Ende.

 

 

Nach dem Austauschen der eMail-Adressen und dem Versprechen, die gegenseitigen Fotos zu schicken, verabschieden wir uns und packen endgültig alles zusammen. Als wir 30 Minuten später am Platz-Ausgang vorbeifahren, steht sein Wagen immer noch dort...:-) ----

 

Zunächst habe ich unterwegs den Eindruck, dass es immer nur bergauf geht; mir fehlen die Schussfahrten, die es sonst als Zielprämie nach jeder Steigung gibt. Aber ich bemerke auch meinen Konditionszuwachs: Es macht mir nur noch wenig zu schaffen und ich brauche kaum noch Pausen.

Schon ½ h nach dem Aufbruch merkt der LOML, dass die Bremsbacken unregelmäßig an der Felge schleifen—also zum Justieren des Rades alles wieder abpacken und das Rad aufbocken….Wir haben es beide schon aufgegeben zu fluchen oder uns die Haare zu raufen: Anscheinend macht Radreisen gleichmütig und verleiht eine gewisse Dickfelligkeit in Situationen, die uns im Alltag normalerweise wie das berühmte HB-Männchen explodieren lassen würden. Deshalb führen wir stoisch die Arbeit zu Ende und steigen nach dieser Zwangspause auch entspannt wieder auf—kommen bei strahlend schönem Wetter auch gut voran, durch eine unkomplizierte und und freundliche Landschaft mit oft liebevoll restaurierten kleinen Häusern in zwar einsamen, aber ansprechenden Dörfchen.

Fachsimpeln
Fachsimpeln
In einem Luxus-Sklep mit Sitzmöglichkeit treffen wir auf einen Frankfurter Motoradfahrer—oder neudeutsch „Biker“--, der sich von uns den Weg zeigen lässt und Tipps erwartet. Er nimmt dankbar einen von uns aufgebrühten Kaffee an und erzählt uns, dass er sich gerade von seinem Co-Fahrer „im Guten“ getrennt habe. Da er allerdings ohne brauchbare Karte fährt, ohne nennenswerten Proviant, ohne weitere Ausrüstung, glaube ich nicht so ganz an „das Gute“ in der Trennung. Wir wünschen ihm eine schöne Weiterfahrt, geben ihm noch ein paar Tipps für die vor ihm liegende Strecke, er braust davon….und wir machen uns auch auf unseren Weg.—

Leider muss mein Copilot immer wieder absteigen: Das verd***te Hinterrad lässt ganz langsam, aber stetig Luft, und er muss immer wieder nachpumpen—mit der kleinen Handpumpe, denn Tankstellen finden sich hier an den Nebenpisten nicht. Unser heutiges Ziel heißt BARTOSZYCE , und etwa 23 km vorher erreichen wir ein Städtchen mit einem Omnibusbahnhof. Ich erkundige mich vorsichtig nach den Möglichkeiten, die Räder zu verladen und in einem der nur mäßig besetzten Busse das letzte Teilstück mitzufahren, aber er lehnt kategorisch ab: „Das schaffe ich nun auch noch.“

Das Ende vom Lied: auf etwa 25 km musste er sicher 5x absteigen—pumpen—aufsteigen—weiterfahren.-….Wer jemals versucht hat, ein vollbelastetes Rad (~30 kg) von Hand auf etwa 4 bar hochzupumpen, weiß, was er da geleistet hat……

Und wir wissen immer noch nicht, was uns da regelmäßig den Schlauch aufreißt!

 

Aber auch diese Strecke geht einmal zu Ende, und gegen 17 h sehen wir uns mitten in der Landschaft an einem t-förmigen Straßenabzweig ohne Wegweiser. Wir müssen uns entscheiden, rechts oder links? Nach unserer Karte stehen wir in Bartoszyce, aber von der Stadt ist nichts zu sehen außer einem Krankenhaus auf der linken Seite und einem unablässig vorbeirauschenden LKW-Strom in beiden Richtungen, der es uns unmöglich macht, die Straße zu überqueren. Wir entscheiden uns der Einfachheit halber auf dem linken Bürgersteig nach links abzubiegen und dort weiterzufahren. Etwa 600 m weiter stoppen wir an einem kleinen Geldwechselhäuschen (GELDWECHSEL? Richtig, hier geht’s ja zur Grenze!) und ich frage den fröhlichen Jüngling hinter dem Panzerglas nach einem Hotel bzw. nach dem Stadtzentrum UND einem Hotel. Er freut sich, sein Englisch ein wenig aufpolieren zu können und erklärt mir, welchen Weg wir nehmen müssen—ich helfe ihm großzügig bei der Wortwahl, da er weder „Straßenkreuzung“ noch „Ampel“ noch „rechts“ auf Englisch benennen kann….(Wir müssen übrigens in die entgegen gesetzte Richtung.) Aber wenigstens gibt er uns abgerissenen armen Radwanderern einen guten Insidertipp das Hotel betreffend. Es gibt 3 in der Stadt und er nennt uns auch gleich die ungefähre „Kategorie“. Prima, da sparen wir das Herumsuchen. Seine Wegbeschreibung stimmt auf den Meter genau: Nach etwa 20 Minuten stehen wir vor dem passenden Hotel, und weitere 20 Minuten später haben wir schon die Räder in einer unauffälligen Ecke des Frühstücksraums deponiert und unser Zimmer im zweiten Stock geentert.

Dieses alte Haus behalte ich in schwärmerischer Erinnerung, denn es beherbergte wahrhaftige Einrichtungsschätze in seinem Innern: Handgeschreinerte Treppenstufen, reich verzierte handgearbeitetete Holztüren und Schränke mit wunderschöner Maserung und von einem Glanz, wie ihn nur ganz altes, gut gepflegtes Holz bekommen kann; in unserem Zimmer ein echtes holzvertäfeltes „Entrée“ mit Garderobe und Spiegel („Meine Güte, mit DEM Aussehen haben wir noch ein Zimmer bekommen?“), ein deckenhoch gekacheltes großzügiges Badezimmer mit Wanne (!!) und eine separate Toilette; ein Wohn-Schlafraum mit TV und Radio und Einbauschränken…und das alles für 130 Zl (~35 €) MIT Frühstück. Komplett. (Fast möchte man bleiben….)

Wir benutzen also erst einmal das Bad, polieren uns auf und merken dann, dass wir Hunger bekommen. Ab ins Städtchen!

Bartoszyce abends
Bartoszyce abends

Wir haben wieder Glück: ein ansprechendes kleines Zentrum mit Park und kleinen Geschäften, die noch geöffnet sind, eine kleine Fußgängerzone und ein großer Supermarkt—alles da. Und in einer Ecke des Marktplatzes ein neues und gepflegtes Restaurant, in dem wir behaglich essen können:

Der Tag war schön!!

 

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12 Comments / add your comment?

Rasch2000pro says:
Warnung!

Wenn Du weiter so anschaulich berichtest, fahren wir auch noch mal los... ;-)

Polen 1984  - Giżycko (Lötzen)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Tante Käthepro says:
Dann warte mal noch ein wenig: Gyzicko kommt auch noch dran...;-)
Ich kanns nur empfehlen...!


(Ich klick' mir hier gerade einen Wolf, mit den Bildern. Die wollen sich nicht so einfĂĽgen lassen, wie ich es will...:-) Und dann hatte ich auch noch den Kommentar falsch abgesetzt...)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Rasch2000pro replies:
Ruhig... mach' Dir nix draus... klick langsam ;-)
Posted 2 years ago. ( permalink )
Pandarinepro says:
Schoen, dass es endlich weiter geht - und dabei wollte ich doch gerade in meinen Sessel, und die Fuesse hoch legen ...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Tante Käthepro replies:
Jetzt behaupte noch, ich hindere Dich am Mittagsschlaf!!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Pandarinepro replies:
Aber nur kurze Zeit. Die Fotos kuck ich jetzt erst ;-)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Rasch2000pro replies:
Panda, Fuesse hoch - aber ein biĂźchen treten ;-)
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
*Reinhard*pro says:
sehr schön es geht weiter...!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
kolibri*pro says:
endlich gehts weiter!
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Blue Silver says:
Sehr anschaulich beschrieben; man ist richtig mit dabei ...
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Mona Lisa says:
... und ich warte geduldig, bis sich die sache mit dem schlauch klärt! :-))
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )
Tante Käthepro replies:
Kommt jetzt, ich bastele gerade dran herum--allerdings im Moment lustlos und von noch unerledigten Russischkurs-Hausaufgaben getrieben....
Posted 2 years ago. ( permalink / translate )

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