Sonntag 29.07.2007
Wir stehen spät auf bzw. ich stehe spät auf, denn mein Schatz ist schon zu einer Laufrunde unterwegs. Er erzählt, dass wir mal wieder auf historischem Boden stehen: Dywity ist 1807 Schauplatz einer Schlacht gewesen, in der die mit den Russen vereinten Preußen Napoleon eins auf die Nase gaben.. :-)
Napoleon
Unser Campingplatzinhaber spricht recht flüssig Deutsch. Wahrscheinlich verdankt er das seiner Mutter, die eine breit ostpreußisch gefärbte Sprache zum besten gibt—ich muss immer fasziniert lauschen, wenn sie spricht: Seit dem Tod meines Vater habe ich solch ein „Marrrjellchen“-Deutsch nur noch im Fernsehen gehört….. Die Familie lebt dort in einem halb fertig gestellten Häuschen neben dem Campingplatz; Vater, Mutter, 2 Kinder und die Ostpreußen-Omi . (Sie möge mir den Ausdruck „Omi“ verzeihen, denn sie ist sicher nicht viel älter als ich—es ist die Sprache, die sie für mich in den „Großmutterbereich“ schiebt.)
Wir sind faul, so faul!! Wir haben keine Lust, zu jeder Fahrt in die Stadt 24 km über sandige Waldpisten zu fahren, und wir erkundigen uns beim Besitzer nach einer Busverbindung. Er schmunzelt, und uns wird im selben Moment klar, dass wohl kaum ein Bus hier herunter in die Einsamkeit fährt. Man müsste also erst einmal die 2 oder 3 km nach oben zur Straße laufen…..
Aber unsere Befürchtungen zerstreut er schnell: Er hat einen kleinen Fahrdienst organisiert, der pro Fahrt 30 Zloty (7.50 €) kostet. Nein, nicht pro Kopf, sondern für das ganze Auto. Wenn wir uns mit anderen zusammentun, wird es also noch billiger.
Das lässt sich hören, und wir verabreden mit ihm, dass er uns heute Vormittag nach Olsztyn bringt und uns abends um 18:00 h wieder holt. Ein anderer Gast will auch in die Stadt; wir teilen uns also die Fuhre.
Olsztyn hat leider nicht so viel zu bieten wie die historischen Städte Torun oder Gniezno. Nach dem „Pflichtteil“ Kopernikus, Ordensburg, Stadttor, „Ratusz“ und den beiden wichtigsten Kirchen lassen wir uns durch die restliche Stadt treiben und sehen uns abseits der großen Touristenströme um.
Eingang zur Burg
Zu Füßen der Kopernikusstatue
Grafitto
Ruhige Parks gibt es entlang der Lyne, viel Jungvolk sehen wir (Olsztyn ist Universitätsstadt) und es gibt ein hochmodernes Einkaufszentrum im Stil einer amerikanischen „Mall“ und wir hoffen, dort ein Internet-Café zu finden. Nach langer Suche durch alle Gänge sehen wir schließlich 3 Computerplätze in einem Café…Als wir uns darauf stürzen wollen, sehen wir, dass alle „defekt“ sind. Aber sonst ist alles da, worauf der Mensch gut verzichten kann: H&M, McDoof, REAL, Praktiker, OBI, Kentucky Fried Chicken, SUBWAY—sogar Schlecker und Lidl und PLUS und Rossmann sehe ich. (Na gut, auf Rossmann verzichte ich nicht so gern…) Den Rest der verbleibenden Zeit verbummeln wir in einem kleinen Café, in dem der Besitzer heute „1. Geburtstag“ feiert und jedem Gast daher 25% Ermäßigung gewährt…..
Der große Sohn der Stadt
Schon weit vor der verabredeten Zeit sitzen wir also müde am vereinbarten Platz in der untergehenden Sonne und warten auf unseren „Taxifahrer“, der auch pünktlich (!) kommt und uns zurück zum Platz kutschiert—übrigens höchst manierlich…Von ihm habe ich auch den Ausspruch, dass die Polen nicht Auto fahren, sondern sich am Lenkrad im permanenten Nahkampf befinden. Und Witze über sein Volk kann er auch machen „Fahren Sie nach Polen, Ihr Auto ist schon da!“ erzählt er uns. Während der Fahrt erzählt er uns auch die Geschichte mit der auf dem Kopf eingepflanzten Weide. Dahinter steckt nicht nur Naturliebe, sondern auch eine gehörige Portion Aberglauben und Mummenschanz—so ganz genau habe ich die Geschichte nicht verstanden.
A willow, roots upside
Er organisiert Kanufahrten, indem er die Gäste mit seinen Kanus nach Olsztyn bringt, sie dort zu Wasser läst und sie dann etwa 8-10 km weiter an seinem Campingplatzsteg wieder in Empfang nimmt. Das würde uns auch Spaß machen, und wir überlegen schon, ob wir das nicht am nächsten Tag mitmachen.—
Nach einem herrlichen, selbst geköchelten Abendessen werden wir gegen 20 h vom mal wieder leise beginnenden Regen ins Zelt getrieben…..
Montag, 30.7.2007
Die Nacht über hat es ohne Unterbrechung geregnet, windstill, einfach leise und stetig und im selben Rhythmus. Morgens sind die Temperaturen dramatisch gefallen (die WoMo-Besitzer sagen, auf 9°C) und ich ziehe alle Kleidungsstücke doppelt an: 2 T-Shirts, dicke Socken, 2 Hosen, darüber noch die Windjacke---es hilft nichts, ich friere. Der Wind fegt über den Platz und sorgt für eine gefühlte Temperatur, die noch darunter liegt. Wir müssen noch mal in die Stadt, diesmal nicht ins Zentrum, sondern in einen der Baumärkte vor der Stadt: der LOML macht sich Sorgen um das Hinterrad, das Luft verliert und wollte den Schlauch austauschen, dabei ist ihm das Werkzeug weg gebrochen und er braucht einen neuen Innensechskant.
Das ist flink erledigt, wir kaufen zusammen mit unserem Wirt auch gleich noch Vorräte ein und sind schnell wieder auf dem Platz, wo das Rad fertig gestellt wird: Zwar passt der Innensechskant nicht, aber der Wirt kann mit Werkzeug aushelfen.
Das Wetter bleibt kühl und regnerisch, sturmartige Böen fegen immer wieder über das Camp, und es gibt keine Ecke außer dem Schlafzelt, in die man sich verkriechen kann…ab und zu reißen die schweren Wolken auf und man sieht einen blauen Fetzen, aber die Sonne lässt sich nicht mehr sehen.
Ich friere nur, fühle mich schrecklich unwohl und will nach Hause. Blödsinn!
Dienstag 31.7.2007
Ganz früh am Morgen werde ich wach und spüre, ich habe Fieber. Wir überlegen, was nun am besten zu tun ist, und meinem Schatz kommen die tollsten Ideen. Er versorgt mich erstmal mit dem Nötigsten (gegen das Fieber und gegen Erkältungen) und kocht mir 10 Liter heißen Tee…, fährt dann morgens mit dem Rad nach Olsztyn; zuerst zum Bahnhof, dann anschließend zum Busbahnhof; dort holt er Erkundigungen ein, was wohin wie viel kostet. Mittags kommt er zurück mit folgender Idee: Wir lassen alles Gepäck hier in Olsztyn und fahren mit einem Bus nach Hause. Dort kuriere ich mich aus und wenn es mir besser geht, fahren wir hierher zurück und setzen die Tour fort…..Klingt abwegig, aber nicht unvernünftig, immerhin haben wir noch jede Menge Ferien.
Im Laufe des Tages jedoch geht es mir langsam besser und wir beschließen, den morgigen Tag abzuwarten und die Entscheidung bis dahin zu vertagen. Ich werde verwöhnt und umsorgt, man flößt mir literweise Erkältungstee ein und ich schwitze im Zelt so vor mich hin…….
Aus einer Laune heraus schicke ich an Freunde von uns abends eine SMS. Sie sind seit dem Wochenende mit dem Auto unterwegs in ein Ferienhaus in Masuren und müssten jetzt Quartier bezogen haben. Wir hatten vor den Ferien verabredet, uns den gegenseitigen Standort zu sms-en. Da Olsztyn erst am vorderen Rand Masurens liegt, nehme ich an, dass sie weit, weit weg sind und bin überrascht, da das Ferienhaus keine 10 km Luftlinie von uns entfernt liegt—allerdings sicher gute 35 km durch Hügelgelände, also mit dem Fahrrad fast eine Tagestour.--
Gegen Spätnachmittag dieses Tages kommt die Sonne zurück. Es bleibt kühl, aber ich riskiere einen kleinen Spaziergang durch die Wälder, die den See umgeben und freue mich, dass ich zwar entsetzlich schlapp bin, aber dass es mir anscheinend ganz gut geht.
Spaziergang durchs Moor
Es wird wieder wärmer
eine ganz typische Ansicht
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| Waldspaziergang |
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pehei says:
Tante Käthepro replies:
Diese Tour war wirklich gespickt voll mit allem, was man so erleben KÖNNTE.
Es wird noch so einiges kommen...
Mona Lisa says:
Tante Käthepro replies:
Nein, aber es erschien mir so viel---dauernd kam er und flößte mir neuen Tee ein....
Pandarinepro says:
nochjemand says:
Tante Käthepro replies:
nochjemand replies:
Gute Besserung Martin!
Blue Silver says:
Tante Käthepro replies:
Aber das wird schon noch....!