Mi 25.07.2007
Wir haben schon für 7:00 h das Frühstück bestellt, aber wir bereuen es sofort beim Aufwachen: Auf das Garagendach vor unserem Fenster trommelt dichter Regen: Es gießt mal wieder wie aus Eimern. Also wieder ganz zögerlich geduscht und langsam nur angezogen.
Im Frühstücksraum schielen wir immer nach draußen und bestellen uns zweimal Kaffee-Nachschlag--- bis es dann doch aufhört.
Aber es bleibt bedeckt, windig und wolkenverhangen.
Die Landschaft ändert sich, es kommen lang gezogene Steigungen (das geht in die Oberschenkel!) und wir fahren viel öfter durch Waldgebiete.
Und es kommt, wie es kommen musste: Am späten Vormittag geraten wir wieder in ein Regengebiet, und diesmal richtig: Der stürmische Wind bläst uns erbarmungslos ins Gesicht, haut uns mehr als einmal fast vom Rad, schiebt uns den Regen in die kleinste Kleidungslücke. Ich bin froh, dass wir auf dieser kleinen Nebenstrecke so gut wie keinen Verkehr haben.
Wir kommen nicht vorwärts und müssen uns einfach gedulden.
Zwischenpause gibt es nur in einem kleinen Sklep, wo die freundliche Inhaberin uns nicht wieder nach draußen jagt, sondern uns sogar einen Kaffee kocht und es uns erlaubt, an ihrem Pausentischchen im Laden, neben Kreuzworträtselheft und vollem Aschenbecher, ein Brot zu verspeisen. Wir sind zufrieden damit, denn das heißt Atemholen vor dem stetig blasenden Wind.
Der Laden, einsam und abgelegen, hat gut zu tun: Während wir dort sitzen, ist ein ständiges Kommen und Gehen, ein unablässiges Autotürenschlagen. Wir können uns die Kundschaft betrachten: der Süchtel , der müde und verbraucht hereingeschlufft kommt und gleich 2 Vermouthflaschen holt; die junge Hausfrau mit ihren kleinen Kindern, die wahrscheinlich im „Hipermarket“ irgendwo draußen etwas vergessen hat; das Mädchen aus dem Dorf, das für die Oma einkaufen soll; der Alte, der heimlich hinter dem Gebäude sein Bier trinkt; Flasche für Flasche für Flasche—insgesamt kommt er viermal. (In Polen ist Trinken in der Öffentlichkeit verboten.)
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Mein Schatz nimmt sich noch 200 g Plätzchen mit, die seiner Aussage nach allerdings schon bei der Eroberung von El Alamein dabei gewesen sein müssen….dann geht es wieder nach draußen in den Regen; begleitet von den guten Wünschen der Frau und des Biertrinkers.
Ab BRODNICA werden die Steigungen unangenehm – aber wenigstens ist der Wind weniger scharf und der Regen tröpfelt nur noch.
Unser Ziel ist eine Campinganlage am BACHOTEK-See, die in der Karte vage eingetragen ist, jedoch keinerlei Schilder an der StraĂźe hat. Wir mĂĽssen aufs Geratewohl fahren, und mir wird ganz anders, als ich den Weg sehe: Es geht kilometerweit immer bergab in ein langgezogenes bewaldetes Tal---was ist, wenn DER Weg falsch ist und wir jetzt alles wieder zurĂĽck mĂĽssen?
Trotzdem genießen wir natürlich die endlose Schussfahrt in das Tal hinunter: Es gibt keine Abzweigungen, die Straße ist asphaltiert und ohne Löcher—wir werden immer schneller…und tatsächlich, am tiefsten Punkt steht an einem sandigen Abzweig ein riesiges Schild , das auf eins der alten „Werktätigen-Ferienheime“ hinweist, die es überall noch gibt.
Die Anlage ist landschaftlich wunderschön gelegen, mit einem 12-Zimmer-„Hotel“ und sicherlich 40 oder 50 kleinen Häuschen, über das Gelände verteilt, an einem tiefblauen stillen See.
Der See
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Wir können die wilde Schönheit der Landschaft jedoch nicht wahrnehmen, denn unsere Stimmung ist auf dem Nullpunkt; nass und verschwitzt, wie wir sind.-
In der Rezeption fragen wir nach einem Häuschen, aber es ist keins mehr frei (!). Wir bekommen statt dessen ein Zimmer (60 Zl komplett) im „Hotel“; ein Hotel, das man sich etwa so vorzustellen hat wie eine Jugendherberge in den frühen 50ern des vergangenen Jahrhunderts. Das Zimmer hat alles, was wir brauchen; einschließlich Balkon, Dusche, WC und einem kleinen Flur—aber eben alles abgenutzt und abgeleddert. Jedoch, wer fragt danach, wenn er triefendnass und müde nur noch seine Sachen vom Körper haben möchte?
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Zuerst versorgen wir die Räder. Die müssen auf den Balkon und werden dort festgetäut.
"Hotel" Bachotek, Räder gut ve…
Dann entledigen wir uns der nassen Kleidung, wringen sie aus (!!) und hängen sie zum Trocknen für morgen auf. Nach einer kochendheißen Dusche sind wir auch wieder ansprechbar und in trockenen Kleidern sieht die Welt ganz anders aus; zumal auch der Regen sich verabschiedet hat und die Nachmittagssonne sich hervorwagt.
Wir erkundigen uns, wo eine Einkaufsmöglichkeit besteht, damit wir uns ein Abendessen kochen können. Als wir erfahren, dass wir die ganze lange Endlos-Abfahrt als Steigung wieder hinauf müssten, es jedoch hier eine Abendbrotmöglichkeit gibt, für die man sich nur anmelden muss, ergreifen wir diese Gelegenheit natürlich beim Schopfe und melden uns an—und gleich dazu auch noch für das Frühstück am nächsten Tag.
Mir geht es nicht gut; die Knie schmerzen, der Schädel brummt und mir ist heiß und kalt gleichzeitig. Außerdem macht sich verstärkt der Husten bemerkbar, den ich vor unserer Abfahrt schon eigentlich losgeworden war.
Zum Abendessen müssen wir in den Speisesaal, es gibt wieder mal „Bretonische Bohnen“—scheint ein ganz beliebtes Essen in Polen zu sein….
Der Ablauf des Abendessens erinnert mich an die Kinderkurheime, in denen ich früher meine Ferien verbracht habe: Hagebuttentee aus riesigen Metallkannen, ein junges Mädchen, das herumgeht und jedem seine Portion auf den Teller gibt (Nachschlag gab es nicht); Brot und Butter, Aufschnitt und Käse dazu, so viel man möchte. Alles ist appetitlich angerichtet, aber eben alles einfach, alles Plastik, alles gleichgeschaltet.
Um uns herum an den Tischen sitzen fast nur junge Ehepaare mit Kindern. Mir fällt auf, wie gut erzogen selbst die Kleinsten sind und wie manierlich sie essen können—und ich denke mit Bedauern an viele unserer kleinen Teufelsbraten in Deutschland, die immer wieder -und meist fruchtlos- ermahnt werden müssen.
Nach dem Abendbrot erkunden wir ein wenig die Anlage, dann geht der LOML noch „eine Runde laufen“ und ich lege mich „ein wenig aufs Ohr“.
Als er eineinhalb Stunde später zurückkommt, bin ich fest eingeschlafen und wache auch bis zum nächsten Morgen nicht mehr auf……..
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nochjemand says:
Gleichgeschaltet... sind nicht besonders die Urlaube von der Stange gleichgeschaltet, bei dem die Leute geordnet in ihren Strandliegen abhängen und die einzige Individualität darin besteht, was und wie gegessen wird?
Das seltene Erleben einer fremdartigen Gleichschaltung ist eher ein aussergewöhnliches Erlebnis...
Tante Käthepro says:
du kennst mich nicht, sonst wĂĽrdest du das so nicht schreiben...Nein, wir wussten, dass wir uns da auf ein Abenteuer einlassen wĂĽrden und genauso ist es auch passiert. Wir haben unendlich dazu gelernt, aber geblieben sind wir doch die "Alten"; mit neuen Erfahrungen, ja.
Das Wort "gleichgeschaltet" ist anscheinend ungeschickt gewählt--es war die Assoziation, die ich hatte, als wir dort in dem Saal saßen und genau das essen mussten, was alle aßen--wie früher im Kinderheim. ;-)
Der "All inclusive"-Urlaub heute hat aber mit dem dortigen Abendessen viel gemeinsam...! (Ăśbrigens kenn ich Pauschalurlaub nicht--bis auf eine Woche Fuerteventura all inclusive kann ich mit keinerlei Erlebnissen aufwarten....)
Dein letzter Satz ist wahrhaft weise!
nochjemand replies:
Hehe, ich auch nicht. Und ich vermisse ihn auch nicht ;-)
Viel Spass weiter!
mesipluspro says:
Da siehst Du mal, wie wir in der DDR urlaubten. Wir speisten einmal in einer HO-Gaststätte auf Rügen, als meinem Brüderchen ein Stück Putz in seine plastegeschüsselten Makkaronies fiel.
Tante Käthepro replies:
Tante Käthepro replies:
Rasch2000pro replies:
pehei says:
Tante Käthepro replies:
Und: Abenteuer war ALLES in diesem Jahr...!
limone says:
Pandarinepro says:
Rasch2000pro says:
1. Auch Harald Schmidt soll Polenwitze gemacht haben, ;-)
2. Ein Freund von mir ist mit einer sehr netten Polin verheiratet.
Nachdem mal wieder viel Besuch gekommen war, hat er geklagt: Bald hätte er eine Polenallergie.
Also der Witz:
Wie geht der polnische Triathlon?
Zu FuĂź zum Schwimmbad, schwimmen, mit dem Fahrrad zurĂĽck!
H.B.pro replies:
Bei mir ist das dann kein Witz- sondern, wie du dich vielleicht erinnerst, die harte Wirklichkeit...