Wir werden beide schon sehr früh wach: Draußen auf dem Gang poltert einer ins „Frühstückszimmer“ und lässt uns hochschrecken. Umso besser, dann können wir auch gleich los. Ich überwinde mich und dusche so schnell, wie ich noch nie im Leben geduscht habe….
Am gestrigen Abend haben wir das Frühstück bestellt, der LOML hat sich ein Rührei gewünscht, ich wollte lieber „bela kielbasa“ mit Brot und Butter. „Bela“ heißt „weiß“ und „kielbasa“ heißt „Wurst“—so weit so gut. Sein Rührei sieht appetitlich aus und schmeckt ihm auch----etwas später bringt Miss Kaugummi mir meine Wurst: Eine grauenhafte weiße Riesenraupe; fast lebendig im Dampf zuckend…….Mir wird ganz elend von dem Anblick und jeglicher Appetit aufs Frühstück ist schnell weg. Also nur Kaffee-der schmeckt wenigstens richtig gut.
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Nachdem wir das Theater mit den Rädern über die Treppe hinter uns gebracht haben und alles aufgesattelt ist, entscheiden wir uns, heute noch mal „km zu fressen“, d.h. über die schnelle B 15 endlich Torun zu erreichen.
Es lässt sich auch gut an, die Straße ist üppig und wir haben richtig Platz; zumal der Standstreifen, den wir benutzen, mit einer dicken Doppellinie vom Rest der Fahrbahn abgetrennt ist. Die LKWs kurven behäbig um uns herum und lassen uns weitgehend unsere Bahn ziehen. Die PKWs jedoch werden zum Problem: Ihre Überholmanöver planen(?) sie so halsbrecherisch, dass wir mehr als einmal gefährdet werden durch blind wieder einscherende Autos. Von der Landschaft bekomme ich so nichts mehr mit: Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, den Sog der entgegenkommenden Autos auszugleichen, denn wir bieten mit unseren Packtaschen ausreichend Widerstand und werden bei jedem Überholmanöver für eine oder zwei Sekunden in einen „luftleeren“ Raum geworfen, der unsere Fahrt instabil macht. Zu allem Überfluss erscheinen nun am Straßenrand immer mehr Gedenkkreuze, mit Plaketten, wer da sein –fast immer blutjunges- Leben beendet hat. Ich sehe sicherlich auf den nächsten 50 km fünfzehn bis zwanzig solcher Unfallstätten.—
Ganz frisch.
Gegen 14:00 h in INOWROCLAW bin ich schweißgebadet und nahe dran aufzugeben, aber es sind nur noch 35 km bis Torun; ich habe keine Lust, noch einen weiteren Tag zu verbummeln. Das muss doch zu schaffen sein! Und trotz brennenden Hinterns und lahmer Arme überqueren wir tatsächlich um 15:30h die Toruner Stadtgrenze; ziemlich fertig zwar; aber im Bewusstsein, dass hier mehrere Hotels und auch ein schöner Campingplatz auf uns warten. Wir werden durch ein riesiges Gewerbegebiet geführt und müssen im dicken LKW-Verkehr mithalten; nicht ganz einfach bei aufgeweichtem Asphalt und Rissen im Pflaster, die so breit sind, dass die Radreifen reinrutschen könnten…..Aber auch hier noch mal meine Hochachtung vor den LKW-Fahrern, die uns vorbildlich und mit unendlicher Rücksicht in großem Bogen überholten und uns NIE bedrängt haben.!
Endlich, hinter einer unübersichtlichen Ampelkreuzung das erlösende Schild: „CAMPING TRAMP“, ein hübscher Platz mit großen Bäumen, zwar nicht direkt am Fluss, aber ruhig und nahezu leer.
Nach dem ausführlichen Zeltaufbau (mit Tarp) ist zunächst alle Müdigkeit verflogen und der schmerzende Hintern ist auch vergessen: Wir wollen die Stadt erobern. Aber die Energie reicht nicht: Wir sind beide so müde, dass es nur für ein Abendessen und die Hauptstraße reicht; dann gehen wir langsam über die große Weichselbrücke zurück ins Camp. Dort bekomme ich noch im freundlichen Restaurant ein lecka Bierchen, der LOML darf an der Apfelschorle suckeln, die er sich selbst zusammenschüttet (so was kennen die Polen nicht)—dann ziehen wir uns in unsere Isomatten-Gemächer zurück…..
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Suzanne says:
Schade, dass Ihr doch so viel Autostraße fahren musstet.
fiatlux says:
An einer Apfelschorle suckeln, die man sich selbst zusammengeschüttet hat, das kannte ich als Nichtpole bisher auch nicht...:-)
Tante Käthepro replies:
Wir haben immer "1x Apfelsaft und 1x Wasser mit Gas" bestellt; und dann gleich gestikulierend gezeigt, dass wir ein großes Glas möchten. Das hat hervorragend geklappt. Du siehst, auch Nichtpolen lernen....
pehei says:
Pandarinepro says:
Tante Käthepro replies:
;-)