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Moosbuckels gesammeltes Stammeln.

Gedanken, Fragen, manchmal Antworten; immer nur lose gebündelt und selten durchstrukturiert.

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November 15, 2009

Hannover hält den Atem an.

Im Augenblick läuft gerade im TV die Trauerfeier für Robert Enke.

Viel Kluges ist von vielen klugen Leuten zu seinem Freitod gesagt worden; zu Depressionen und Leistungssport; zu Schicksalsschlägen, zu Leistungsdruck und Stärken und Schwächen---aber einen Artikel, den ich gefunden habe, will ich allen ans Herz legen:

Stärker als die Stärksten



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November 6, 2009

Lobeshymnen sind nicht mein Ding--eigentlich.

Aber diesen Film darf man nicht an sich vorbeigehen lassen! Auch --oder vielleicht erst recht--,wenn man das Buch schon gelesen hat.

Lasst euch nicht von dem reißerischen Trailer täuschen, jede der 152(!) Minuten dieses Films ist es wert: ein echter Thriller wie das Buch, kongenial umgesetzt und bestimmt im Sinne des Autors.

Schade, dass er das nicht mehr erleben kann, wie seine Figuren aus Fleisch und Blut aussehen....



Published at 22:50 ( 19 comments / 108 visits )
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November 2nd, 2009

Mir ist heut' so danach # 5

When I was a young man I carried my pack
And I lived the free life of a rover
From the Murrays green basin to the dusty outback
I waltzed my Matilda all over
Then in nineteen fifteen my country said Son
It's time to stop rambling 'cause there's work to be
Done
So they gave me a tin hat and they gave me a gun
And they sent me away to the war
And the band played Waltzing Matilda
As we sailed away from the quay
And amidst all the tears and the shouts and the
Cheers
We sailed off to Gallipoli

How well I remember that terrible day
the blood stained the sand and the water
And how in that hell that they called Suvla Bay
We were butchered like lambs at the slaughter
Johnny Turk he was ready, he primed himself well
He us with bullets, he rained us with
Shells
And in five minutes flat he'd blown us all to hell
Nearly blew us right back to Australia
But the band played Waltzing Matilda
As we stopped to bury our slain
And we buried ours and the Turks buried theirs
Then started all over again

Now those
In mad world of blood, death and fire
And for weeks I kept myself alive

Then a big Turkish shell knocked me arse over tit
And when I woke up in my hospital bed
And saw what it had done, I wished I was
Dead
Never knew there were worse things than dying
no more I'll go waltzing Matilda
the green far and near
For to hump tent and pegs, a man needs two legs
No more waltzing Matilda for me

So they collected the cripples, the wounded
Maimed
And they shipped us back home to Australia
, the blind insane
Those proud wounded heroes of Suvla
And as our ship pulled into Circular Quay
I looked at the place where legs used to be
And thank Christ there was nobody waiting for me
To grieve and to mourn and to pity
And the band played Waltzing Matilda
As they carried us down the gangway
But nobody cheered, they just stood and stared
turned all their faces away

And now every April I sit on my porch
And I watch the parade pass before me
my old comrades, how proudly they march
Reliving dreams of past glory

The forgotten heroes a forgotten war
And the young people ask , "What are they
Marching for?"
And I ask myself the same question
And the band plays Waltzing Matilda
And the old men answer to the call
But year after year their numbers get fewer
Some day no one will march there at all

Waltzing Matilda, Waltzing Matilda
Who'll a-waltzing Matilda with me?

Published at 16:05 ( 12 comments / 86 visits )
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September 22, 2009

[# 10] Estland: klein, aber fein

Am nächsten Morgen ist der Regen vergessen, der Himmel ist wieder estnisch-himmelblau und das Thermometer klettert schnell in schwül-warme Höhen. Wir schlendern durch die verschlafenen Gassen zur Burgruine, die im 13. Jahrhundert von Ordensrittern gebaut wurde und die Hauptattraktion des kleinen Ortes ist.

Ausguck
Ausguck





Sie hat auch ihren Schlossgeist: Irgendwann verliebte sich der Domherr der Burg in ein Mädchen aus dem Volk. Da das Burggelände für weibliche Wesen verboten war, verkleidete sie der verliebte Geistliche in einen Jungen und schmuggelte sie auf sein Zimmer--ein böser Fehler!! Zur Strafe wurde sie lebendig eingemauert....ihr Geist erscheint noch heute an einem bestimmten Fenster in den Vollmondnächten des August, als ein grellweißer Umriss.

Gleich kommt die weiße Frau
Gleich kommt die weiße Frau
Die Burg
Die Burg
Ruinen
Ruinen
Ruinen
Ruinen























Und genau aus diesem Grund findet jährlich das Festival "Zeit der Weißen Dame" statt. Aber da die Esten gern feiern, gibt's noch ein Tschaikowski-Festival--der Komponist war irgendwann mal zur Kur hier--und das "August Blues Festival", das größte Bluesfestival Estlands.
Leider gibt es zu unserer Zeit kein Fest und Haapsalu träumt so vor sich hin, in der schwülfeuchten Sommerhitze. Wir klettern auf den Ruinen herum, bewundern die endlosen Reihen der kleinen Holzhäuschen in der Innenstadt und bummeln durch das Haupteinkaufszentrum am Markt.

Jugendstil in Holz geschnitzt
Jugendstil in Holz geschnitzt
Rosa Träume
Rosa Träume
Hauptstraße
Hauptstraße























Haapsalu
Haapsalu
Haapsalu
Haapsalu



















Leider zieht sich der Himmel schnell wieder zu und als wir an der Hafenbucht auf der Promenade entlangschlendern, fängt es wieder heftig an zu regnen. Schade, dass ich hier, wo die alten Jugendstilvillen ihrer prächtigen Kurort-Vergangenheit nachtrauern, wegen des Regens keine Fotos machen kann...
Wir flüchten schnell wieder ins Einkaufszentrum und bunkern dort Lebensmittel für Mittag- und Abendessen.
Im Hostel sind wir immer noch die einzigen Gäste, brutzeln uns eine Mahlzeit und verdösen den Regennachmittag.--

Abends, bei aufklarendem Himmel, machen wir noch einen kurzen Spaziergang durch den Ort, werden aber vom erneut einsetzenden Regen schnell wieder ins Hostel getrieben, wo wir in aller Ruhe schon mal unsere Sachen packfertig machen.
..................
Das musste ja so kommen: Beim Aufwachen am nächsten Morgen blicke ich in eine trostlos verregnete Landschaft: Draußen vor den Fenstern steht das Wasser zentimeterhoch in den Erdlöchern, dicke Schlieren laufen am Fensterglas herunter.
Aber es hilft nichts, wir müssen da durch. Einen kurzen Augenblick erwägen wir, die 100 Kilometer bis Tallinn mit dem Zug zurück zu legen statt der 170 Rad-km, die nun vor uns liegen. Aber: "Nur die Harten komm' in' Garten", wir machen hier eine Radreise und keine Bustour mit Rheumadecken-Verkauf.....der innere Schweinehund wird niedergerungen und stoisch-gelassen satteln wir auf, im strömenden Regen.

Aufbruch
Aufbruch

Zwei oder drei Stunden lang kommen wir gut voran: Im Regen kann ich nicht fotografieren, wir können uns nirgendwo hinsetzen, um Pause zu machen, außer dem dichten Wasservorhang vor unseren Augen können wir kaum etwas sehen und wollen es auch nicht. Bei Linnamäe wollen wir von der großen Durchgangsstraße herunter und auf eine etwas weniger befahrene Route Richtung Küste abzweigen. Die "große Durchgangsstraße" gehörte uns bisher quasi allein, wahrscheinlich ist die kleine Route noch einsamer.
Mitten im Ort müssen wir abzweigen--und mitten im Ort fängt auch das Chaos an: Baumaschinen rattern hin und her, Kipplaster rangieren ohne Rücksicht auf andere, wartende Autos; wir werden erst gar nicht für voll genommen. Als wir die Straße einblicken und endlich abbiegen dürfen, trifft uns fast der Schlag: die komplette Straße ist eine einzige Baustelle, so weit das Auge reicht. In der Mitte ist der Kiesuntergrund zur späteren "Aussaat" gelagert und macht die Straße schmal. Rechts und links sind die Bankette etwa 50 cm unterhalb des Straßenniveaus und weder für unsere Reifen noch für Autos befahrbar. Im Klartext: Jedes Überholmanöver wird zur Gefahr, vor allem bei der schlechten Sicht durch den ständig fallenden Regen...und wir haben keine Ahnung, wie lange das wohl so gehen wird.
Baustelle estnisch
Baustelle estnisch



Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir sind "nur" etwa 9 km (= 2 Stunden!) in eine Richtung geradelt (wenn man das denn 'radeln' nennen kann), denn es kam noch schlimmer: Nach etwa 6 km immer am Kies entlang kommen wir an einen Straßenbauabschnitt, der uns an Rodungsarbeiten im brasilianischen Dschungel erinnerte: Außer dem frisch aufgeschütteten puren dunkelbraunen Erdreich, über das einmal die Dampfwalze gerüttelt war, gibt es keinerlei Fahrspur, und wir kämpfen uns im Schritttempo über diese lockere Piste, brechen immer wieder weg in den Matsch und graben die Reifen ein, ohne voran zu kommen. Und über allem der endlose Regen....

*ächz*
*ächz*

Mitten in diesem Kämpfen kommen uns 2 Radfahrer entgegen: Ein (Ehe)paar: Dieselbe Ausrüstung, etwa dasselbe Alter, dasselbe Gepäck wie wir. Sie bleiben stehen, die Frau fragt mit sichtbarer Erschöpfung in den aufgerissenen Augen: "Wie weit noch?" Ich kann sie beruhigen: "In etwa 2 Stunden haben Sie's geschafft!" und sie atmet erleichtert auf: "Hinter uns geht es nun schon seit gestern so, bis zur Küste ist auf dieser Straße alles eine einzige Baustelle, und es gibt keine Alternative. Wir machen das jetzt schon 2 Tage lang..."
Mir wird ganz anders, und auch Norbert runzelt die Stirn: er muss noch ganz anders als ich kämpfen, er hat die weitaus schwerere Last zu tragen. - Wir verabschieden uns und fahren bis zum nächsten Buswartehäuschen, um dort nochmal einen ruhigen Blick auf die Karte zu werfen.
Tatsächlich; wenn das stimmt, was die Frau sagt, haben wir runde 150 km aufgerissene Straße vor uns; mit mehr oder weniger großen Unterbrechungen. Das lässt uns alle Planung über den Haufen schmeißen: Wir kehren um.
Lieber jetzt noch einmal 9 km über die Schreckenspiste als eventuell tagelang in dem Mist stecken zu bleiben!
Wir machen also dieselbe Tortur wieder retour.. :-) Diesmal etwas rücksichtsloser den Autofahrern gegenüber, denn wir wissen ja, was uns wann erwartet und weichen nicht mehr aus.
Als wir an der Straßenkreuzung im Ort ankommen, nehmen wir erleichtert Kurs auf die schöne asphaltierte "Haupt"straße quer durchs Land. Sagte ich schon, dass es in Strömen regnet?
Aber so ein Regen treibt auch an: Da es nicht die kleinste Ablenkung vom grauen Einerlei gibt, bleibt uns nichts anderes zu tun als in die Pedale zu treten. Diese "Haupt"straße, so glatt sie ausgebaut ist, hat noch nicht mal eine Buslinie und somit auch keins dieser entzückenden Bushäuschen, in denen man so herrlich picknicken kann. Wir müssen weiter, auch wenn uns der Magen in den Kniekehlen hängt und wir nur noch Äpfel (feucht), Bananen (feucht), Kekse (feucht) und ein paar Scheiben Brot (feucht) besitzen. Alles, was sonst an Essbarem vorhanden ist, muss warmgemacht werden.--
Irgendwann am späten Mittag gibt es an einer Wegkreuzung doch noch ein Wartehäuschen; so neu, dass es noch nach dem Harz der dafür gefällten Bäume riecht. Wir können uns ein wenig vor dem Regen verkriechen, eine heiße Suppe und einen Kaffee aufbrühen und unsere schmerzenden Gliedmaßen etwas strecken. Ich wage es nicht, die nasse Jacke abzulegen: das gäbe eine satte Erkältung.
Bis jetzt sind wir wohl 50 km auf der Asphaltstrecke unterwegs gewesen und haben keine Menschenseele gesehen: Der Tag verspricht nichts Gutes. Wir fahren fast ohne Unterbrechung durch bearbeitetes Land, mit wenigen Waldstücken und nur seltenen Viehweiden, aber wir sehen keine einzige menschliche Behausung ....es ist erst Mittag, aber wir haben schon mehr km zurückgelegt als sonst durchschnittlich an einem ganzen Tag.
Und dann das Wunder: Mitten im Wald eine riesige Landkarte des Gebiets -- wie sich herausstellt, ist es ein ausgewiesenes Naturschutzgenbiet. Überall sind Rastplätze und Wanderwege eingezeichnet und, von unserem Standort keine 10 km entfernt, ein Übernachtungszeichen. Na, bitte!
Diese letzten Kilometer fallen uns leicht und wir haben das Gefühl, der Regen habe nachgelassen---reine Einbildung....Aber da taucht der 'Gasthof' vor uns auf: ein riesiges Gelände an einem Privatsee, mit kleinen Ferienhäusern. Am Zaun begrüßt uns schwanzwedelnd und aufgeregt herumhüpfend ein junger Howawart-Rottweiler-Mischling, der sofort Gutfreund mit uns ist. Eine junge Frau kommt und wir versuchen uns zu verständigen, denn wir finden keine gemeinsame Sprache. Aber sie versteht, als wir auf unsere Sachen zeigen und führt uns zu einem der Häuser: Dem Himmel sei Dank! Ein ganzes großes Ferienhaus für uns allein, für 90 EEK pro Nacht.
Sie schließt uns auf, kassiert und lässt uns noch einen Liter Milch da. Alles andere steht im Haus und darf benutzt werden...
Ferienhaus
Ferienhaus
lauschiger Parkplatz
lauschiger Parkplatz


Published at 20:52 ( 14 comments / 114 visits )
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September 20, 2009

[# 9] Estland: klein, aber fein

Im Laufe unserer Wartezeit trudelt noch das eine oder andere Urlauberauto ein und reiht sich in die Warteschlange, aber alle Fahrgäste bleiben wegen der Kälte in ihren Autos hocken--nur ein paar Kinder spielen kreischend auf dem Pier "Fangen".

Zu allem Überfluss fängt es an zu regnen, und als die Fähre ein wenig früher als geplant endlich im Hafen einläuft, sind alle froh, an Deck zu kommen. Die Fähre ist ein Riesenschiff--die paar Passagiere verlaufen sich auf den 3 Decks, sammeln sich aber schnell am Bistro, um einen heißen Tee, einen Kaffee oder eine Erbsensuppe zu ergattern.
Die See draußen liegt bleiern vor den Fenstern, Wolkenfetzen jagen über den Horizont und der Regen klatscht vor die Bullaugen.
Wir verziehen uns aufs Unterdeck, rollen uns in die Pullman-Sitze und verschlafen und verdösen die anderthalb Stunden Fahrt.--
Söru heißt unser Zielort auf Hiiumaa, dort gibt es unmittelbar neben dem Fähranleger laut Radführer eine kleine Ferienanlage mit Häuschen; wir brauchen also das Zelt nicht aufzubauen. Als wir im Abendsonnenschein (!) darauf zu fahren, sehen wir jedoch, dass im Hotel eine Hochzeit stattfindet, die Häuschen alle besetzt sind (neben jedem steht ein Auto), und dass der Campingplatz überbevölkert ist--Zelt reiht sich an Zelt, und vor den Zelten sitzen an Lagerfeuern grölende und Flaschen schwenkende Motorradfahrer--nein, nicht unser Geschmack für eine ruhige Nacht.
Wir sind leichtsinnig und fahren weiter, obwohl es bereits 21 h ist.
Nächstes Dorf: Emmaste.
Ein Marktplatz(leer), eine Imbisshalle(geschlossen) ein Busbahnhof--nein, ein Busbahnhöfchen mit Wartehäuschen (geschlossen), eine Kreuzung mit Hinweisschildern "Nächster Campingplatz 19 km" links ab--was für uns heißt: Heute 2 Stunden in die verkehrte Richtung fahren, nur zum Übernachten; und morgen 2 Stunden wieder zurück.--Nein, nicht für uns. Hm, und nun?
Abseits der Straße sehe ich ein großes Wiesengrundstück mit einem recht prächtigen Haus. In der Garageneinfahrt steht ein junger Mann, der gerade seine Freundin verabschiedet. Als die Freundin wegfährt, sehe ich meine Chance und spreche ihn auf englisch an, ob er eine Unterkunftsmöglichkeit für uns weiß. Er kennt aber auch nur den Campingplatz, der dort ausgeschildert ist und zuckt freundlich, aber ratlos mit den Schultern. Aber ich hab ja schon meine nächste Frage im Kopf: ob wir dann auf seinem Grund und Boden unser Zelt für die Nacht aufbauen dürfen? Das Gelände ist weitläufig und wir würden ihn auch nicht stören.
Er ist zurückhaltend und misstrauisch (wäre ich auch, so, wie wir aussehen...) und lässt sich sofort von uns bestätigen, dass wir spätestens um 8 h morgens wieder weg seien. Aber, ja, wir dürfen; dort hinter den Holunderbüschen und unter dem Birnbaum ..und er gibt uns einen wichtigen Tipp: morgens um 7 h wird das Buswartehäuschen aufgeschlossen; dort ist eine Toilette mit Waschgelegenheit ... Na also!
Während wir schnell das Zelt aufbauen, kommt er mit seiner Labradorhündin, die angeblich seinen Besitz bewacht. Nun ja : freundlich schwanzwedelnd turnt sie um uns herum ......
Etwas später kommt er noch einmal vorbei und bringt uns eine große Schüssel mit selbstgezogenen Erdbeeren: "Zum Abendbrot", sagt er freundlich und wünscht uns eine gute Nacht.
Wir setzen uns noch ein wenig vors Zelt, schließen dank einiger Erdbeerstückchen Freundschaft mit einer vorbeiziehenden Katze und verkriechen uns -spät!- endlich in die Schlafsäcke.--

Morgens gegen 6:30h werde ich wach vom Trommeln des Regens auf das Zelt. Wie gern würde ich jetzt liegenbleiben und so einen Tag verdösen, aber es hilft alles nichts..Ich packe unsere Siebensachen zusammen und schiebe alles über die Straße in das Wartehäuschen der Busstation, das -oh Wunder!- schon geöffnet und blitzblank gereinigt ist.
Als Norbert mit dem abgebauten Zelt wenig später nachkommt, bin ich schon fertig: frischgewaschen mit geputzten Zähnen, und wir frühstücken erst einmal mit Kaffee und Müsli auf der Bank, während draußen der feine stetige Landregen einen undurchsichtigen Wasservorhang vor die Fenster legt ......
Wir präparieren uns, müssen uns gegen die Kälte wappnen und gleichzeitig alles an Regensachen anziehen, was wir zur Verfügung haben.
ALso Hiiumaa.

Ferienhaus auf Hiiumaa
Ferienhaus auf Hiiumaa


Zauntechnik
Zauntechnik





Wohnzimmer, mit Aufgang zum Schlafzimmer:-)
Wohnzimmer, mit Aufgang zum Sc…

Klo und Dusche
Klo und Dusche






Wie Saaremaa war die Insel im Kalten Krieg Sperrgebiet, mit immer noch verschlossener und misstrauischer Bevölkerung, mit weiten Mooren und unendlich großen Wacholderwäldern. Immer wieder kommen wir an alten Windmühlen vorbei, romantisch anzuschauen in ihren verschiedenen Stadien des Verfalls.

Bauernhof Hiiumaa
Bauernhof Hiiumaa
Mühle, bewohnt
Mühle, bewohnt












Und es hört nicht auf mit dem Regen; natürlich bläst ein kräftiger Gegenwind und immer wieder kommen wir an verlassenen Gehöften und Örtchen vorbei. Aber sie können nicht verlassen sein, sie machen einen gepflegten Eindruck.Wo sind bloß ihre Bewohner??--

Auch ein bekanntes Schloss, der Gutshof Suuremõisa, liegt verlassen und einsam am Weg; das Café geschlossen und das Restaurant dicht....

Suuremõisa
Suuremõisa


Wir sind hungrig und müde, aber Rastmöglichkeiten -Hotels, Gasthöfe, Pensionen- gibt es nicht, außerdem haben wir Bedenken, dass es uns mit der Fährenabfahrt genauso ergeht wie am vergangenen Tag--also ducken, Kapuze tief ins Gesicht und weiterradeln....bis zum Abfahrtshafen.
Falls die Fähre nicht wie gewünscht abfährt, soll es ein sündhaft teures Hotel mitten im Hafengebiet geben; außerdem ein Hostel 6 km vorher. Tatsächlich, wir kommen an dem Hostel vorbei. Tropfnass, wie ich bin, gehe ich hinein und frage vorsichtshalber nach dem Preis; "Hostel" impliziert immer 'preisgünstig'.. aber als die Dame mir "700 EEK pro Kopf und Nacht" bedeutet, bekomme ich einen Riesenschrecken: Das ist weit über unserem 400-EEK-Level. Sie weiß aber auch die genauen Fährabfahrtszeiten, und die sind nun wahrhaftig kommod: Alle 2 Stunden in regelmäßigem Takt--Na, dann ist ja die Weiterfahrt gesichert!
Tatsächlich spuckt im 6 km entfernten Hafen die Fähre gerade ihre Menschen- und Autoladung aus, und wir können ohne weitere Verzögerung an Bord, wo wir uns mit heißem Tee und einer dicken Schüssel Suppe aufwärmen, während das Schiff nahezu 2 Stunden durch den strömenden Regen über die See dampft.--
Kurz nach der Ankunft sehen wir eine eindrucksvolle Ruine aus dem 19. Jahrhundert--an Geschmacklosigkeit sicher schon als noch intaktes Bauwerk kaum zu überbieten; gedacht als Nachbau des Merseburger Schlosses....Mitunter ist man froh, dass bestimmte Bauwerke nur noch als Ruine zu sehen sind.

Ungru Manor
Ungru Manor
Ungru Manor
Ungru Manor
Ungru Manor
Ungru Manor













Noch 9 km über die Landstraße und wir erreichen Haapsalu, das wir trotz des schäbigen Regenwetters als ansprechend und hübsch empfinden. Ein Hostel ist danke der ausgezeichneten Wegweiser schnell gefunden und wir dürfen uns für 400 EEK/Nacht breitmachen.
Schnell finden wir heraus, dass wir in dem 10-Zimmer-Gebäude mutterseelenallein sind und Küche, Wohnzimmer und Duschen für uns allein haben. Als die Studentin an der Rezption dann unsere Frage nach WiFi mit auch noch mit"Ja!" beantwortet, beschließen wir einen zusätzlichen Ruhetag in Haapsalu, denn die Stadt hat einiges an Skurrilem zu bieten:

Haapsalu
Haapsalu
Haapsalu
Haapsalu



Haapsalu Hauptbahnhof :-)
Haapsalu Hauptbahnhof :-)



Bischofssitz seit dem 13. Jahrhundert, mit Burgruine und "Hausgeist", ein Eisenbahnmuseum, den längsten überdachten Bahnsteig Europas, ein quirliges kleines Stadtzentrum, eine glorreiche Vergangenheit als Moorheilbad mit Tschaikowskiji und den Romanows als berühmten Gästen.
Wir besorgen uns im nahegelegenen Zentrum ein paar Kleinigkeiten zum Abendbrot und schalten im "Wohnzimmer" den Fernseher ein. Die große weite Welt hat uns wieder: Mit einer Mischung aus "Angewidert" und "Fasziniert" schauen wir uns die Gedenksendung für Michael Jackson an--bisher hatten wir nicht erfahren, dass er gestorben war und uns erscheint das Spektakel um den Katafalk herum wie ein surrealistisches Theaterstück.--

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September 12, 2009

Ich habe eine Untermieterin.

Entdeckt habe ich sie in Tallinn beim Einchecken auf die Fähre nach Helsinki: im strömenden Regen hatte sie bei mir Schutz gesucht--und gefunden.

Ich habe sie nicht weggejagt, denn sie störte mich nicht--stört mich auch heute noch nicht. Bei wärmenden Sonnenstrahlen kommt sie nach draußen, schaut sich um und begrüßt mich. Fahrtwind, Nässe und Kälte mag sie nicht, dann verkriecht sie sich wieder in ihre gute Stube und macht sich unsichtbar.

Sie hat augenscheinlich in ihrer Wohnung alles, was sie braucht, sie verlässt mich nicht. Ich vergesse immer wieder, dass sie da ist, weil ich glaube, dass sie längst eine andere Wohnung gefunden hat--und dann sitzt sie doch wieder da, sonnt sich, schaut mich an.....

Hallo, Kleine! Irgendwie find ich's nett, dass du bleibst. Möge dir die Lenkerstange meines Fahrrades noch lange Schutz bieten....!!!




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September 9, 2009

Why men don't write advice columns.....

Dear Walter:

I hope you can help me here. The other day, I set off for work leaving my husband in the house watching the TV as usual. I hadn't driven more than a mile down the road when the engine conked out and the car shuddered to a halt. I walked back home to get my husband's help. When I got home I couldn't believe my eyes. He was in our bedroom with the neighbor's daughter. I'm 41, my husband is 44, and the neighbor's daughter is 22.

We have been married for ten years. When I confronted him, he broke down and admitted that they had been having an affair for the past six months. I told him to stop or I would leave him. He was let go from his job six months ago and he says he has been feeling increasingly depressed and worthless. I love him very much, but ever since I gave him the ultimatum he has become increasingly distant. He won't go to counseling and I'm afraid I can't get through to him anymore.

Can you please help?

Sincerely,

Sheila



******************************
Dear Sheila:

A car stalling after being driven a short distance can be caused by a variety of faults with the engine. Start by checking that there is no debris in the fuel line. If it is clear, check the vacuum pipes and hoses on the intake manifold and also check all grounding wires. If none of these approaches solves the problem, it could be that the fuel pump itself is faulty, causing low delivery pressure to the injectors.

I hope this helps,

Walter

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August 31, 2009

[# 8] Estland: klein, aber fein

Heute steht die Senffabrikation auf dem Plan. Ihr erinnert Euch? Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, ob wir den Laden finden werden.....und tatsächlich, die Beiden sind zu Hause, bewirten uns mit Kaffee und geräucherten Flundern (Ich glaube, ich allein habe denen mindestens 5 Flundern weggeputzt....) und zeigen uns ihren Hof (in allen Bau-Zuständen von "Fertig" über "Halbfertig" bis hin zu "Muss noch gemacht werden") und ihre Produktionsstätte, die an chromblitzender Sauberkeit und Küchen-Know How nichts zu wünschen übrig lässt.
Draußen sind sie dabei, Senfsorten für einen Marktverkauf zu verpacken und mit gehen die Augen über, als ich die Etiketten lese: Wer hätte je gehört von Senf mit Roten Johannisbeeren oder mit Rhabarber, geschweige denn mit Bananen?
Von allen Sorten -insgesamt 12 oder 12- gibt es ein Testtöpfchen. Sie stellen uns Brot dazu und wir testen und testen und testen....Und vor lauter Testen habe ich meine Kamera völlig vergessen und bis zum Mittag nicht ein einziges Foto geschossen.
Die Beiden haben eine Website:
http://mustjala-mustard.de/index.php/english
Aber die zeigt nur einen Bruchteil ihres Könnens, und das ist eigentlich schade.
Jetzt warten wir auf ein Paket aus Saaremaa, das per eMail schon avisiert worden ist...;-)

[Edit 24 h später:

Wenn man vom Teufel spricht....:-))
Wenn man vom Teufel spricht...…
]

Unser nächstes Ziel im Insel-Hopping ist Hiiumaa, die Nachbarinsel im Norden. Der Radführer sagt uns die Zeiten der Fähre, die nur 4x am Tag fährt, aber für die 25 km bis dorthin kommen wir zur Abfahrt um 16:30 h gerade recht.
Als wir jedoch gegen 14 h im Fährhafen ankommen, erfahren wir, dass die nächste (und letzte!) Abfahrt trotz Hauptsaison erst um 19:15 h sein wird--jetzt ist Geduld angesagt.
Stille
Stille

Hier oben ist die Welt zu Ende; es gibt kein Dorf in der Nähe; kein Café, kein Restaurant, keinen Unterschlupf: das Wartehaus für Fahrgäste ist geschlossen.



Am Steg dümpeln ein paar Boote, ein LKW steht einsam an der Mole--der hat sich auch auf einen falschen Fahrplan eingelassen...
Nur ein winziges Gerätehäuschen trotzt dem Wind, der uns hier um die Nase
pfeift.

Warten
Warten







Gut, denn: Wir holen die Isomatten aus dem Gepäck und legen uns im Windschatten des Fährhauses zu einem ausgedehnten Nickerchen hin.-
Norbert schläft fest, aber mir wird die Zeit lang und außerdem ist es mir zu kalt. Ich wandere die Bucht entlang und mache in Ruhe meine Fotos von allem, was dort so im Wasser angespült wird....

"Ich weiß von nix!"
"Ich weiß von nix!"
Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser...
Schau hi, da liegt a toter Fis…









Der Wind hat sich gelegt, die Luft ist klar, aber es ist frisch und kalt und die Sonne hat sich verabschiedet.--

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August 28, 2009

Gerüche

An der Paketstation hole ich mir das Päckchen voller Vorfreude aus dem Fach: Ich weiß ja, was es enthält.Die wenigen Meter ins Haus lege ich etwas schneller als gewöhnlich zurück......

Oben in der neuen Wohnung schneide ich vorsichtig die Tesa-Streifen ab, die den Deckel halten, öffne ihn----

Der HAMMER!
Der HAMMER!
!!!!!!!
!!!!!!!










----und bin im plötzlich aufsteigenden Duft wieder 6 Jahre alt, sitze auf den Knien von Onkel Peter und schaue ihm zu, wie er behäbig und bedächtig mit seinen immer nach Holzleim duftenden Tischlerhänden ein dickes Stück der selbstgemachten Stracke abrebbelt: "Nimm, Kindchen; iss!"

Und Tante Thres'chen, seine Frau, guckt streng über ihre Brille hinweg: "Du musst dem Kind nicht so viel abschneiden, und schon gar nicht ohne Brot!" --

"Stracke", "Eichsfelder Stracke" ist schlicht und ergreifend eine Wurst. Aber was für eine! Für mich gehört ihr Duft zu nicht auslöschbaren Erlebnissen meiner Kindheit. Und rieche ich Stracke, gute Stracke wohlgemerkt, dann kommt alles wieder hoch: die 2 oder 3 Sommer, die ich im Eichsfeld in der "SBZ" verbracht habe und die mir bis heute unvergessen sind: das wilde Stadtkind auf dem Lande, ohne äußere Beschränkungen und Verbote; ohne Autos und Straßenverkehr, aber mit völlig neuen Erfahrungen: wie Ziegenmilch schmeckt, wann Hühner Eier legen, wie lecker Tauben in der Suppe schmecken, wie herrlich man in Särgen 'Verstecken' spielen kann, warum man nichts vom "Westfernsehen" erzählen darf, wie gut man die Erwachsenen mit gefangenen Fröschen erschreckt, wo auf den Wiesen die dicksten Champignons wachsen.....ach, da gäbe es noch viel mehr.

Und das alles kam heute mittag aus dem Postpäckchen, stieg auf mit dem Duft der Wurst, die da drin lag.

Danke, Namaste!



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August 28, 2009

[# 7] Estland: klein, aber fein

Als ich früh am nächsten Morgen aufwache, weil mir eine freundliche Hand einen Becher dampfenden Kaffee ins Zelt entgegenstreckt, lugt gerade die Sonne hinter dem Kirchlein neben uns übers Dach.

Kirchlein
Kirchlein
Da kuckste, was?
Da kuckste, was?











Die Rinder auf der Weide des Nachbarn gucken dumm herüber, sie sind keine Zelte gewöhnt. Auf der Straße rattert ein Milchlaster vorüber, eine Frau radelt gemächlich zum Bäcker.....Friede um uns herum.

Und weil es so friedlich ist, beschließen wir spontan, hier unseren Rasttag einzulegen: Wir haben alles in unmittelbarer Nähe und können uns doch ausbreiten, wie wir wollen.
Gegen 10 h kommen die Restaurantbetreiber und ich bringe ihnen das Übernachtungsscherflein. In der Küche ist schon Hochbetrieb; da wird geschnitzelt und geschält; im Schuppen nebenan werden die gerade gefangenen Flundern geputzt.

Flundern putzen
Flundern putzen

Es dauert nicht lang, da riecht es schon verführerisch nach Gesottenem und Gebratenem--aber wir bleiben eisern: einmal Schlemmen ist genug...!

Der Tag vergeht mit Lesen und Faulenzen. Später am Abend landet ein Wohnmobil mit Gummersbacher Kennzeichen auf dem Restaurantparkplatz und der wohlbekannte rheinische Zungenschlag dringt bis zu uns herüber.....Ein Späthippie mit ergrautem Zopf lässt sich dort häuslich nieder--irgendwie schäme ich mich mal wieder für meine Nationalität: dem Mann ist es selbst hier in Estland zu teuer, sein Wohnmobil auf dem -sicher kostenpflichtigen- vorschriftsmäßigen Stellplatz zu parken, lieber missbraucht er dafür den Parkplatz. Ich möchte jetzt gar nicht wissen, wo er seinen WC-Tank entleert....--

Sonntag Morgen, es geht weiter. Der Plan sieht eine weite Strecke an der Ostseeküste vor, aber wir "verschludern" einen Abzweig und verkürzen den Weg um ca. 15 Tages-km. Ich bin nicht böse drum; es wären nur Schotterstrecken gewesen.

Angelpark
Angelpark
Lachsforellen
Lachsforellen
Außer einer unvorhergesehenen Esspause in einem "Holiday Resort" ist der Tag heute im eintönigen Singsang der Reifen verklungen.

Es gab einige Schotterstrecken, aber da wir kaum einem Auto begegnet sind, macht das nichts. Und die paar rücksichtslosen Gesellen, denen wir begegnet sind, kümmern sich sicher kaum um meine Verwünschungen...Es ist sonnig heute, aber von See her uns bläst ein anhaltend kalter Wind ins Gesicht und das Fahren im Gegenwind ist anstrengend und ermüdend. Deshalb beschließen wir schon gegen 15 h, ein Plätzchen zu suchen, zumal unsere Karte ein Camp anzeigt. Jedoch wie so oft: Den Platz gibt es nicht mehr...

"Panga Pank"
"Panga Pank"

Ein kleiner Ort hoch oben im Norden auf einer Landspitze ist die letzte Möglichkeit, dann kommt keine menschliche Behausung mehr--und tatsächlich, wir passieren ein verwittertes Holzschild: "Kemping Panga Pank 1.5 km" und schnell taucht vor uns, direkt am Strand, ein "Diving Resort" auf, nagelneu, geradezu luxuriös mit einem geräumigen Haupthaus, 4 kleinen Schlafhäuschen und mehreren kleineren Nebengebäuden. Komfort pur..Irgendwo mus ein Trupp Taucher wohnen, aber wir sehen nur ihre Anzüge...

Blick nach draußen
Blick nach draußen
abtauchen ;)
abtauchen ;)











Wir brauchen nur ein wenig Rasen für unser Zelt und bekommen für umgerechnet 5 € ein hübsches Plätzchen im Windschatten eines Nebengebäudes; mal wieder mit Dusche und Toilette für uns allein.
Nach dem Zeltaufbau erkunden wir die Örtlichkeiten: Neben dem Haupthaus steht ein Pulk von 8 deutschen Fahrrädern? Aha! Die Ostfriesen sind auch hier! Und richtig, in der Gaststube sitzen sie und warten auf ihr Abendbrot.

Gaststube estnisch, mit Ostfriesen
Gaststube estnisch, mit Ostfri…

Wir trinken nur einen Kaffee und brutzeln uns unser Essen draußen an dem geräumigen Tisch.





Im Licht der tiefstehenden Sonne machen wir nach dem Essen noch einen Verdauungsspaziergang am pittoresken Strand entlang, ich kann einige hübsche Fotos schießen, aber es wird empfindlich kalt: nach einem Abendtrunk in der warmen Stube krabbeln wir früh in die Schlafsäcke....



an der Küste
an der Küste
Vorm Abendlager das Lager...;)
Vorm Abendlager das Lager...;)





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August 24, 2009

[# 6] Estland: klein, aber fein

Unser Frühstück an diesem Morgen müssen wir mit der kleinen Katze teilen, die uns beim Kaffeetrinken um die Beine scharwenzelt--sie gibt nicht eher Ruhe, bis wir ihr mit schlechtem Gewissen ein Schälchen Milch hinstellen und hoffen, dass ihre robuste Landkatzennatur die Milch sicher verträgt.

"Seht ihr nicht, wie ich hungere?"
"Seht ihr nicht, wie ich hunge…








Die Pferde von nebenan gucken scheel, weil wir ihnen gestern abend nicht genug Futter über den Zaun gereicht haben...

:-)
:-)












Früh brechen wir auf, der Tag verspricht heiß zu werden und wir wollen die Flora und Fauna (Elche? Elche!) von Saaremaa erkunden. Tatsächlich fahren wir auf hervorragend asphaltierter Straße durch ganze Wälder von Nussbäumen mit Fruchtständen, wie ich sie noch nicht gesehen habe. Bei uns kennt man "Zwillinge" oder maximal "Drillinge" in der Nuss, aber hier sind es gleich 5, 6, 7 Nüsse -- und das als "Normalfall.
Im Hintergrund stehen Wacholderwälder, mit mächtig hohen Bäumen und voll mit Beeren. Wie sehen die eigentlich aus, wenn sie reif sind? Hier sind sie alle dick und grün.-

Wacholderbeeren
Wacholderbeeren
Nüsse
Nüsse










Am frühen Vormittag erreichen wir das Stadtzentrum von Kuressaare, der Inselhauptstadt. Quirlig-bunt und voll mit Touristen; nach der Einsamkeit der letzten 3 Stunden dröhnt mir der M enschenlärm unangenehm in den Ohren. Aber trotzdem juckt die Kamera in der Tasche.... Norbert weiß das, hat aber keine Lust zum Mitlaufen und bleibt in einem hübschen kleinen Straßencafé; abholbereit.

Kuressare
Kuressare

Ich mache mich auf durch die kleine Altstadt zur berühmten Deutschritter-Burg. Dort wird ein Sängerfest vorbereitet und überall hämmert und sägt es eifrig.
Ich mache meine Fotos, kaufe mir am Fuß der Burg ein herrliches Sahneeis und schlendere dann zurück zum Café.



Kuressare, die Burganlage
Kuressare, die Burganlage
Falltor
Falltor
Kuressare Innenstadt
Kuressare Innenstadt














Miss Knubbelnas'
Miss Knubbelnas'












Noch ein paar Kleinigkeiten müssen wir einkaufen, immer darauf bedacht, dass wir nie wissen, wann der nächste Lebensmittelladen auftaucht. Dann radeln wir bei zunehmend diesigem Himmel aus der Stadt hinaus Richtung Südosten; wieder direkt am Meer entlang.
Bei Järve erwischt uns ein ausgiebiger Regenschauer. In einem kleinen Bushalte-Pavillon nutzen wir die Regenzeit zum Mittagessen; wir haben sogar Platz genug, um uns eine warme Suppe und Kaffee zu kochen.--
Weiter im Regen; quer durch Sumpfland. Moorig-geheimnisvoll liegt es beiderseits der Straße, mit Vegetation, die ich nicht mehr kenne. Immer wieder haben wir Schotterabschnitte zu bewältigen, aber da jeglicher Autoverkehr fehlt, ist das alles halb so schlimm. Der bikeline-Führer sagt, in Lümanda gebe es einen Campingplatz und eine Möglichkeit zur Verpflegung. Misstrauisch fahren wir langsam durch den verschlafenen Ortskern-- tatsächlich: ein "Kauplus", eine Post, ein Dorfgemeinschaftshaus, ein kleines Kirchlein und daneben ein Café-Restaurant mit ein paar "Schlafhäuschen" auf der Wiese drumherum. Es ist noch früh am Tag, aber alles sieht so einladend aus, dass wir gern hierbleiben möchten. Außerdem reizt das regnerische Wetter nicht zum Weiterfahren.....

Luxus--mal wieder!
Luxus--mal wieder!

Der Zeltplatz kostet 30 EEK pro Kopf, also 2 €. Dusche, Toilette, Sauna (!) sind wieder für uns persönlich da, außer uns übernachtet hier keiner. Die Schlafhäuser sind liebevoll aus Holz gebaut; das kleine Restaurantgebäude ist holzverschalt und selbst das (Plumps-)klo und das Waschhaus mit der Sauna sind Holzhäuschen.
"Esshaus"
"Esshaus"







Als das Zelt steht, gehen wir für eine Tasse Kaffee ins Restaurant und erfahren, dass die Besitzer sich spezialisiert haben auf traditionelle estnische Kost; auch die Zubereitung geschieht auf althergebrachte Weise und nur Produkte der Insel werden verwendet. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und schlagen zu; mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch. Anscheinend kennt man hier nicht das Einhalten einer bestimmten Reihenfolge: Alles kommt gleichzeitig auf den Tisch; der biegt sich unter der Last.......

I confess....
I confess....

Wir verputzen alles gemächlich und rollen dann aus der Gaststube die 10 m direkt in unsere Schlafsäcke. :-)

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August 23, 2009

[# 5] Klein, aber fein: Estland

Ihr erinnert Euch?
Wir waren stehengeblieben auf Muhu; auf einem Campingplatz, der mal wieder nur uns allein gehörte. Muhu ist eine der 3 Inseln, die dem estnischen Festland vorgelagert sind, und war während des Kalten Krieges militärisches Sperrgebiet: Keiner durfte auf die Insel oder von der Insel herunter ohne Sondergenehmigung. Das hat angeblich die dort lebenden Menschen dazu gezwungen, in ihrem täglichen Leben ohne Hilfe von außen zurecht zu kommen. Andererseits jedoch sind sie auch misstrauisch und verschlossen allem Fremden gegenüber, das nun auf ihre Insel kommt.
Die Bevölkerung ist nicht zahlreich und wir in der Einsamkeit sehen nicht viele Menschen, aber wir merken das Misstrauen, wenn wir durch ein Dorf fahren: Wir werden verstohlen betrachtet und genauestens taxiert

Unser Ziel ist Saaremaa, die zweite große Insel vor Estland und die drittgrößte Insel in der Ostsee überhaupt: mit 90 km Ausdehnung von N nach S und ebensolchen 90 km von O nach W soll sie landschaftlich einiges zu zeigen haben. Ihre Hauptstadt Kuressare soll ein sehenswertes Örtchen mit einer gut erhaltenen Ordensritterburg sein....



Schon recht früh am Vormittag erreichen wir den "Tamm", den berühmten Damm, der Muhu mit der Insel Saaremaa verbindet; ein Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert, 4 km lang teilt er schnurgerade das Meer: auf der einen Seite das in der Sonne glitzernde Wasser, auf der anderen ein zunehmend verlandendes Schilfgebiet, aus dem vielfältige Stimmen von Fröschen und Vögeln zu uns herauf dringen.



Selbst ausgelöst.....
Selbst ausgelöst.....
Der Damm nach Saaremaa
Der Damm nach Saaremaa















Auf einer bequemen breiten Standspur rollen wir auf unser erstes Ziel zu: das Hafenstädtchen Orissaare, in dessen Hafen ein Schiffswrack aus dm 16. Jahrhundert liegen soll.
Aber zuerst müssen wir uns das noch verdienen, denn die wenigen Kilometer zwischen dem Damm und dem Hafenzugang sind eine wild aufgeworfene Schotterstrecke, auf der wir vorsichtig zwischen beladenen LKWs und ungeduldigen PKWs lavieren müssen.

Dann öffnet sich die Hafeneinfahrt vor uns und ich bin zunächst enttäuscht: DAS soll ein Hafen sein? 3 Segelbötchen, ein paar Schwimmer im klaren (!) Wasser des Beckens, ein zwar hübsches kleines Restaurant mit einer großen Holzterrasse, aber ein Wrack? Schön aufge"bahrt" im Hafenbereich, mit allen Erklärungen versehen für Touristen? Nein, das gibt es nicht.

Hafen Orissaare
Hafen Orissaare





Orissaare
Orissaare

Aber das kleine Restaurant lockt, und so stellen wir die Räder in den Schatten, lassen unseren Proviant Proviant sein und geben uns auf der Terrasse der Völlerei hin: Der nette Besitzer, der in Deutschland studiert hat und dementsprechend fließend Deutsch spricht, tischt uns Borschtsch und kleine Pfannkuchen auf und beantwortet auch gleich unsere Frage nach dem Wrack: Nein, das sei im Schuppen nebenan, dunkel, kühl und gut konserviert. Er könne uns aber aufschließen und es uns zeigen. Und: Ja, ich darf auch fotografieren.--

Das Wrack
Das Wrack
das Wrack
das Wrack












Andächtig betreten wir das Dunkel des Lagerraums und ich staune nur, denn so etwas habe ich noch nie gesehen: kein einziger Nagel ist beim Bau verwendet worden, nur Holzzapfenverbindungen hielten das Schiff zusammen.Er erklärt uns, dass das Schiff von einem U-Boot in den 80ern geortet wurde und dann aus 3 m tiefem Schlick heraufgezogen worden ist.--
Draußen in der gleißenden Sonne verabschieden wir uns von unserem netten Gastgeber und schwingen uns auf die Räder zum nächsten Etappenziel: Kaali.
Es wird heiß und nur der Fahrtwind bringt Kühlung. Deshalb machen wir nur wenige Pausen und fahren lieber langsam, aber konstant. Irgendwann werden wir von einem 8-köpfigen Trupp Radler überholt, die mit ungleich höherer Geschwindigkeit unterwegs sind. Im Vorbeisausen grüßen sie, werfen uns im schönsten Ostfriesisch auch ein neugieriges "Was? So allein reisen Sie? Mit so viel Gepäck? Haben Sie denn keine Angst?" zu. Innerlich verdrehe ich die Augen, aber nach außen antworte ich lieb und adrett...



Wenig später treffen wir sie wieder: In einem Bushaltehäuschen sitzen sie, verschwitzt, erledigt. Als wir auch absteigen, um ein wenig zu rasten, erfahren wir, dass die Truppe eine "gelenkte" Tour macht: Das Gepäck wird von einem Bus transportiert, die Truppe hat täglich ein bestimmtes Pensum zu schaffen, weil alle Hotels und Pensionen bereits vorher gebucht (und bezahlt) sind. Wer das Pensum nicht schafft, kann sich mit dem Bus abholen lassen; ebenso ein evtl. havariertes Rad. Das klingt zunächst verlockend, aber das wäre nichts für mich: Dann kann ich nicht mehr bestimmen, wann und wo ich Etappen kürze oder verlängere und bin abhängig vom bereits gebuchten Ort. (..und außerdem wäre mir das zu teuer, denn ich habe nur wenig später -darauf komme ich noch zusprechen- zufällig mitbekommen, was diese Gruppe für die Unterkunft zahlte, im Gegensatz zu uns......)



Bushaltestelle
Bushaltestelle



.............

Kaali.
Vor uns, inmitten von unendlichen Mohnfeldern, liegen auf einer kleinen Anhöhe diese 8 Meteoritenkrater, von denen der größte, mit Wasser gefüllt, einen nahezu kreisrunden Durchmesser von 110 m hat.

Kaali
Kaali
Ich bin ein wenig enttäuscht, denn es sieht "in natura" nicht halb so interessant aus wie der bike line-Führer es beschreibt. Der Einschlag soll vor etwa 4.000 Jahren stattgefunden haben. Wikipedia schildert das so

. Viel ansprechender und spannender ist dagegen die Version, dass die Erde hier aus Entsetzen über eine Geschwisterheirat die Traukirche verschlungen habe. Eine andere Sage berichtet von einem Gutsherren, der nach einer zügellosen Orgie samt Gutshof und Feiergesellschaft vom Erdboden verschlungen sein soll. DAS wäre doch mal eine gelungene Erklärung!
Rund um diesen großen Krater drängeln sich Büdchen und Geschäftchen mit Post- und Ansichtskarten und mehr oder weniger verkitschten Mitbringseln--nicht meine Welt.
Aber sieh an, unsere Ostfriesen sind auch da! Die Truppe muss noch ins etwa 20 km entfernte Kuressare, denn dort stehen ihre Betten. Wir suchen uns hier etwas Nettes, denn oben über die Höhe geht's zu einem Campingplatz, wie mir die alte Ansichtskartenverkäuferin glaubhaft versichert hat--in fehlerfreiem Englisch.
Vorbei an einem Gutshof führt die kurze Strecke nach Koljala und richtig, wir sehen die Fahne mit dem "CAMPING" darauf schon von weitem unten in einer Senke. Wieder sind wir allein, wieder haben wir einen tadellosen Platz mit Dusche, WC und eingerichteter Küche für uns allein zur Verfügung.

Koljala
Koljala


B
eim Zeltaufbau bekommen wir Zuschauer: die Pferdeherde, die zum Areal gehört und auf der Nachbarwiese zu Hause ist, kommt neugierig an und möchte gern wissen, wer da heute nacht sein wird .....:-)


Published at 09:23 ( 6 comments / 87 visits )
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August 17, 2009

Ich könnt' heulen.....

Seit etwas über einem Jahr habe ich eine externe 500-GB-Festplatte am großen Rechner dranhängen--extra für die Fotos angeschafft, um den Computer schnell und effektiv zu halten.

So ein Teil ist herrlich: einfach alles 'rüberschieben, was den Rechner belastet und langsam macht, und von dort dann wieder zum Bearbeiten auf den PC zurückholen.....Trotz tausender Fotos ist diese Platte nur etwa zu etwas mehr als einem Fünftel belegt.---

.......................................

Umzug.

Alles auseinandergerissen und verstaut.

In der neuen Wohnung muss der große Rechner warten, denn noch ist nicht klar, wo ich ihn aufbauen kann. Also bleibt er erst einmal eingepackt und ich nutze den Laptop--der ist so herrlich bequem auf den Knien zu bedienen, wenn man sich auf der Couch fläzt.......

Aber irgendwann in diesen Tagen möchte ich meinen Estland-Bericht weiterschreiben und dazu brauche ich die Fotos von der Externen. Ich habe sie also heute morgen herausgekramt und an den Laptop angeschlossen; dann geschaut, welche Fotos ich zum Bearbeiten herauspicke und mir 13 oder 14 Aufnahmen überspielt. Überspielen wollen, denn mitten im Kopiervorgang bricht der Laptop ab und zeigt nur noch den berühmt-berüchtigten blauen Bildschirm.

Dann fliegt mit einer Affengeschwindigkeit irgendwas kryptisch Anmutendes über den Monitor, der Laptop fährt herunter, geht wieder an, fährt wieder hoch.

Ich wage es und rufe noch einmal die Externe auf:

Leer. Alles weg.



Ich könnt' heulen......





Published at 13:40 ( 88 comments / 392 visits )
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July 24, 2009

Post von Edelmira Toporek:

Mitarbeiter gesucht!

Wir bieten Ihnen an:

• flexible Arbeitszeit;
• Arbeitstag 1-2 Stunden;
• hohes Einkommen.


Diese Arbeit verlangt keine spezielle Ausbildung und keine Geldanlagen. Sie können diesen Job mit Ihrer Hauptarbeit vereinbaren.

Sie sollen das Geld auf Ihr Konto bekommen, bares Geld abheben und uns per eine der Systemen der Bargeldüberweisungen Western Union oder Money Gram anweisen (Filialen Western Union und Money Gram gibt es in jeder Stadt). Ihre Provision wird 20% von der Geldüberweisung ausmachen, die Provision bekommen Sie, sobald das Geld auf Ihrem Konto ist. Die Summe, die Sie verdienen können, hängt nur von Ihnen ab. Je mehr Sie Geldüberweisungen bekommen und uns anweisen, desto höher ist Ihr Einkommen. Z. B. Wir überweisen Ihnen 6000 Euro, Ihre Provision wird 1200 Euro ausmachen. Von Ihnen ist nur Arbeitswille, Verantwortlichkeit, Bankkonto gefragt.

Wie alles ablaufen wird:

• Wir telefonieren mit Ihnen und vereinbaren im Voraus die Zeit, wann Sie die Arbeit erledigen können;
• Dann kommt auf Ihr Konto von unserem Agent die Geldüberweisung ein;
• Sie heben bares Geld ab;
• Sie ziehen aus der Summe der Geldüberweisung Ihre Provision 20% ab;
• Die restliche Summe überweisen Sie per Western Union oder Money Gram (die Gebühren für Western Union und Money Gram bezahlt unsere Firma);
• Sobald Sie uns das Geld per Western Union oder Money Gram anweisen, vereinbaren wir den Tag und die Zeit der nächsten Überweisung, darum können Sie diesen Job mit Ihrer Hauptarbeit vereinbaren.

Wenn Sie Interesse für diesen Job haben, schicken Sie uns folgende Daten auf diese e-Mailadresse: job@prex-group.net und unser Personalmanager erklärt Ihnen alles ausführlich telefonisch oder per e-Mail:

• Vorname;
• Nachname;
• volle Adresse;
• Telefonnummer (Handy, Festnetz).

Wir fragen keine persönliche Information außer der, die für die Banküberweisung notwendig ist. Sie haben kein Risiko betrogen zu sein.

Wir entschuldigen uns, wenn wir Sie mit diesem e-Mail gestört haben. Ihre e-Mailadresse haben wir aus offenen Quellen genommen. Wenn Sie mehr keine e-Mails mit Arbeitsangeboten von unserer Firma bekommen möchten, schicken Sie leeres e-Mail auf folgende e-Mailadresse: del@prex-group.net



Das war gerade im Postfach.....

Wer glaubt denn so einen Quatsch??

Published at 16:38 ( 20 comments / 234 visits )
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July 23, 2009

[# 4] Klein aber fein: Estland

Als der Abend kommt, merken, wir, was wir für ein Glück hatten, diesen Ort zu finden.

Wir sind ganz allein hier, nur das Zwitschern der Vögel und das Wispern des Windes in den Pappeln am Ufer ist zu hören, sonst herrscht absolute Stille.

Merelaiu
Merelaiu






Faul hängen wir nach einem opulenten Festessen auf den bequemen Holzstühlen vor dem Zelt und betrachten den Horizont und die kleine Lagune, in der Möwen und einige Reiher sich um das Abendbrot streiten, während eine Horde Kaninchen den Rasen bevölkert und sich nicht weiter um uns schert. Eine verschleierte Sonne hängt auch um 20:00 h noch hoch am Horizont und denkt nicht daran unterzugehen.

Frieden......

Wir beschließen spontan, hier morgen unseren Ruhe- und Waschtag einzulegen, und ich bringe dem Hausherrn auch das Geld für die zweite Übernachtung morgen.--

In der Nacht muss ich raus und sehe voll Staunen zum ersten Mal das Licht einer sogenannten "weißen Nacht". Ich bin schlaftrunken, aber zum Glück denke ich daran, ganz kurz mal eben die Kamera in die Runde zu halten und das für uns faszinierende Schauspiel festzuhalten..--

nachts in Estland
nachts in Estland
nachts
nachts



.......................................

Der Ruhetag ist heilig:

DösenWaschenSchlafenEinkaufenBesichtigenKnipsen

Tostamaa
Tostamaa

Öhmmm---
Öhmmm---


maritimes
maritimes




Tostamaa
Tostamaa


Tostamaa
Tostamaa






Leider ändert sich das am frühen Nachmittag, als 2 junge Pärchen auf dem Platz zwei der Häuschen mieten....als erstes wird der Ghettoblaster mit der Autobatterie verbunden und eingeschaltet, dann verschwinden die Jungs mit einem Ruderboot und lassen die Mädel allein zurück. Wir dürfen uns also an dem reichlich beschränkten Musikgeschmack der Beiden ergötzen, Techno mit 150 bpm....Die Ruhe ist dahin.

Als die Jungs nach 2 oder 3 Stunden wieder zurückkommen, liegt allerdings für kurze Zeit Streit in der Luft: die Autobatterie düfte reichlich schwächeln. Man startet den ESCORT, leider springt er nach einigem Leiern jedoch problemlos an--die Mädels setzen sich durch, und die Musik darf weiter dudeln....

Zum Glück kommt nun der Alkohol auf den Tisch und es dauert nicht mehr lange, bis die Gespräche nur noch mehr oder weniger lallend geführt werden. In aller Unschuld --die Vier haben wirklich keine Ahnung, was für einen Krach sie verursachen: wahrscheinlich können sie die Stille nicht vertragen-- kommt eins der Pärchen zu uns an den Tisch und bietet uns freundlich einen Plastikbecher mit ihrem Mixgetränk an: Wodka mit einem klebrig-süßen Zusatz. Ich will nicht unhöflich sein, nehme einen Schluck und bedanke mich. Die Beiden schwanken friedlich wieder zurück....

Wie schön, dass ziemlich schnell der Alkohol seine einschläfernde Wirkung zeigt und die Nacht dann doch noch einigermaßen ruhig wird....

........................

Am anderen Morgen sind wir früh auf den Beinen. Als wir uns von unseren netten Wirtsleuten verabschieden, hat die Frau 2 Keramikbecher in der Hand mit einer Reklameaufschrift ihres Ferien"dorfs".

Keramik! Die Gute kann nicht ahnen, was das Zusatzgewicht für uns bedeutet. Ich bringe es jedoch nicht übers Herz, die Becher abzulehnen und packe sie brav ein....in Tostamaa, dem kleinen Örtchen in etwa 3 km Entfernung, müssen wir auf dem Marktplatz warten, bis der "Kauplus" (der Supermarkt, der Laden) öffnet. Nach unserer Karte werden wir durch ein riesiges einsames Naturschutzgebiet radeln, da wird kaum Einlkaufsmöglichkeit bestehen. Wir müssen uns also wohl oder übel schon jetzt vollpacken; und das bei erkennbar aufsteigender Hitze....Die Fahrt wird ruhig, aber die Hitze ist enorm und wir kassieren trotz Sonnenschutzfaktor 25 unseren ersten Sonnenbrand: Die Strahlung hier oben ist viel stärker als bei uns. Unser Ziel ist Virtsu, der Hafen, von dem aus wir zur Insel Muhu übersetzen wollen: Ab jetzt werden wir für lange Zeit das estnische Festland verlassen und nur noch über die Inseln hopsen.--

Kurz vor den 3 (!) Einfahrtspuren auf das Fährgelände gehen wir noch einmal in den angrenzenden Supermarkt und kaufen Vorräte nach--wer weiß!

Auf dem Parkplatz tummeln sich mehrere blonde braungebrannte Mädels mit ihren hoch bepackten Rädern. Sie haben wohl auch eingekauft und wollen in die Gegenrichtung, schnattern in einer Sprache, die ich nicht zuordnen kann--Finnisch? Zwei der Mädels ziehen sich ungeniert um, wechseln ihre Oberteile und entblößen sich dabei total. Drei herumlungernde Rentnern werden beim Beobachten nervös-- ihnen fällt fast der Zahnersatz aus den offen stehenden Mündern--die Mädels kümmert's wenig. Wieso auch...--

Bei der Einfahrt in den Hafen haben wir Glück: die 16:00h-Fähre steht schon da, eine lange Schlange Autos wartet auf das Zeichen zum "Entern"--wir dürfen stolz wie Oskar an allen PKW vorbeiziehen und betreten als Erste das Schiff.

Die Überfahrt dauert nur etwa 40 Minuten und bedeutet eine willkommene Kaffee- und Brötchenpause für uns. Dann landen wir auf Muhu, dem ersten Teil des riesigen UNESCO-Biosphärenreservats. Die Strecke ist hervorragend, und, nachdem der Schwung PKW von der Fähre hastig und hektisch an uns vorbeigedüst ist, sind wir wieder allein auf der Welt.

Wir lassen uns Zeit, es ist viel zu heiß.....Dankbar nehmen wir jede Gelegenheit wahr, um ein Päuschen einzulegen--und es gibt am Wegesrand auch genug zu betrachten; wie zum Beispiel das liebenswerte kleine Dorfmuseum, das wohl nicht genug Geld hat, um seine Ausstellungsstücke zu pflegen. Sie vergammeln zwischen hochgewachsenen Brennesselsträuchern.

Minsk
Minsk
Quadratlatschen für 13 Rubel....
Quadratlatschen für 13 Rubel..…



LKW
LKW










Die Landschaft mit ihren Birkenhainen wird hell und licht und erinnert mich an diesen kitschigen Maler Carl Larsson.

Birkenwald
Birkenwald






Wo immer ich kann, sammle ich mir schnell ein Händchen voll Walderdbeeren: aromatisch und köstlich schon ohne Zucker..














Wir bummeln herum: Irgendwo werden wir schon ein Plätzchen fürs Zelt finden.
Und richtig, etwa in der Inselmitte kommen wir durch einen kleinen Ort: drei Kneipen, eine Kirche, fünf Spitzbuben. Wir fragen einen der alten Männer, die in der Kneipe dösen, und er zeigt uns den Weg zum "Puhkemaja" bzw. Puhkeküla"...so heißen Übernachtungsplätze auf estnisch.

Wir quartieren uns ein, bezahlen im angrenzenden Restaurant unseren Obolus von 3 € für Zelt und 2 Personen und erkennen beim Zeltaufbau mal wieder :Wir sind völlig allein hier. Die obligatorischen Holzhäuschen sind nicht vermietet und es ist kein anderes Zelt auf dem Platz.....so langsam wird mir das unheimlich, denn immerhin befinden wir uns in einem touristischen Gebiet?!

Camping auf  Muhu
Camping auf Muhu

Anscheinend hat kein Este das Geld für einen (Camping-)Urlaub. Andere europäische Feriengäste sehe ich sowieso kaum: Selbst Holländer verschlägt es nicht hierhin....:-)

Im Restaurant haben wir am Abend noch einen unangenehmen Zwischenfall: Eigentlich wollten wir draußen etwas essen, aber am Nebentisch sitzt eine Horde junger Männer, die bei reichlichem Alkoholgenuss laut irgendwelche Spottlieder grölten (sangen?), in denen immer wieder das Wort "Saksa" für "deutsch" bzw. Deutschland vorkam: einer sang vor und die anderen stimmten im Refrain ein.

Wir wollten nicht länger das Ziel für Provokationen sein und sind schnell aufgestanden und gegangen--da waren sie still. Ob das nun der Sinn dieser Lieder sein sollte? Uns zu vertreiben? Ich kann mir da keinen Reim drauf machen und will auch nicht weiter darüber nachdenken. Wir sind zum Zelt zurückgegangen und haben uns dort eine Kleinigkeit gekocht, den nicht enden wollenden Sonnenuntergang betrachtet und anschließend tief und fest geschlafen...--

...und noch mal Sonne.
...und noch mal Sonne.

Published at 06:19 ( 9 comments / 175 visits )
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July 18, 2009

[# 3] Klein, aber fein: Estland

Nach dem Frühstück (mit kalter Milch--*arrggh*) verlassen wir das Schulgelände und radeln über die breite Ausfallstraße Richtung Grenze. Auf der Straße glänzt der nasse Asphalt und es ist immer noch viel zu kalt, aber immerhin scheint die Sonne -- wir sind mittlerweile für Kleinigkeiten dankbar....

Grenze in 10 km
Grenze in 10 km

Hier oben brummt der laute Verkehr an uns vorüber, obwohl (oder gerade weil?) Sonntag ist. Die Autos schwirren nur so an uns vorbei, aber wir sind ja kampferprobt und lassen uns nicht bange machen. Von Minute zu Minute wird es wärmer; unser Zwiebel-Ankleideprinzip muss dran glauben, bis wir endlich gegen 10 h nur noch in T-Shirt und Radhose strampeln.

Kurz vor Ainazi dürfen wir von der Schnellstraße hinunter und biegen endlich auf eine romantisch anmutende Nebenstraße ein, die uns zum Grenzort Ikla führen wird.

in Ikla
in Ikla

Vor dem endgültigen Grenzübergang treffen wir noch ein deutsches Radler-Ehepaar; etwa in unserem Alter, mit denen wir eine Tasse Kaffee trinken.Je weniger Radler unterwegs sind, desto mehr Informationen möchte man haben über die Reise und die Erlebnisse der wenigen, die man trifft. Wir tauschen also Artigkeiten aus, merken aber bald, dass die Beiden so gar nicht auf unserer Welle liegen: Sie sind zwar auch unterwegs im Baltikum, benutzen ihre Räder jedoch eigentlich nur, um mit ihnen kleine Teilstrecken zurückzulegen, wo es keine Busse gibt. Und da wir, im krassen Gegensatz dazu, bei aufkommenden Schwierigkeiten eher nach dem Motto verfahren "Jetzt erst recht!", haben wir keine Gemeinsamkeiten.

Wir verabschieden uns und brechen auf.--

Endlich!
Endlich!
Wenige Minuten später die Grenze, mitten im Ort. Verträumt, ruhig, schlagartig keine Autos mehr. Zur Linken begleitet uns ab jetzt die Ostsee, deren weißer Sandstrand immer wieder durch dichte Bäume schimmert. Die Luft ist wie Zuckerwatte, Möwen kreischen über uns und grauschwarz gemusterte Dohlen hüpfen blasiert über den Asphalt; ärgerlich, dass wir sie stören beim Aufsammeln von Nahrung. Ab hier begleitet uns nun das Radwegschild "Nr.1", das uns nicht mehr verlassen wird.

Villa aus Holz--nur für den Sommer
Villa aus Holz--nur für den So…

Ab und zu bleiben wir stehen und bewundern die Ferienhäuser, die am Meeresufer erbaut sind. Bevorzugtes Material ist Holz in allen Variationen, bunt lackiert oder natürlich belassen in seiner langsam nachdunkelnden Farbe. Wir sehen Anbauten, bei denen wir erkennen können, wieviel Sorgfalt darauf verwendet wird, dass die Häuser winterfest sind: dicke Isolationsschichten sorgen für Frostschutz, denn hier oben wird es bitterkalt. Viele Häuser haben ihre eigene kleine "Räucherkammer" dabei, ein kleines Steinhaus im Garten mit Schornstein obendrauf. Um das Ganze unauffälliger zu gestalten, sind die Mauern dieser Kammern mit Erde bedeckt, auf der bunte Blumen und Gräser wachsen.-

Gelblinge
Gelblinge
Räucherkammer
Räucherkammer





Einmal kommen wir an einem kleinen orthodoxen Holzkirchlein vorbei, in dem gerade die Sonntagsmesse gefeiert wird. Wegen der Wärme stehen die Türen offen und wir hören den mächtigen, klaren Klang der liturgischen Gesänge des Priesters. Wir bleiben fasziniert stehen und lauschen--in der Stille der Luft klingt alles doppelt so intensiv.--

orthodoxes Kirchlein
orthodoxes Kirchlein






So langsam geht unser Trinkvorrat zur Neige, denn es ist heiß geworden. Wir brauchen Geld zum Einkaufen,; und zwar estnische Kronen (EEK)--also gehen wir auf die Suche nach einem "Bankomat". Der macht sich jedoch rar; wir müssen noch etliche Dörfer passieren, bis wir endlich das ersehnte Zeichen sehen und mit dem frisch umgetauschten Geld unsere Vorräte auffüllen können.

Weiter geht's!

Käthe und das Meer
Käthe und das Meer

Am Strand tauchen in regelmäßigen Abständen Campingplätze auf--ein ungemein beruhigendes Gefühl! Aber wir fahren weiter bis Pärnu, einem Seebad (dem Seebad) an der Küste. Laut unserer Liste gibt es dort einen Campingplatz unmittelbar neben der Stadt und einen Ruderverein, der für Durchreisende seine Wiese am Ufer des Flusses zum Zelten zur Verfügung stellt. Na, besser kann man es doch nicht haben!

Um 18 h rollen wir gemäß dem Radwegschild in die quirlige und lebendige Stadt; finden auch sofort den Campingplatz --und prallen entsetzt zurück: Ein "Abstell"platz für Wohnmobile, völlig überfüllt, dreckig und verkommen. Wir müssten mit unserem Zelt in die schmale Schneise zwischen zwei Wohnmobilen, auf dem nackten Erdreich unser Zelt aufspannen: der Rasen ist längst zertreten und zermatscht nach den Regenfällen der letzten Tage.

Sanitäre Anlagen sehe ich überhaupt nicht--durchaus möglich, dass es keine gibt. Nein, wir fahren kopfschüttelnd und angeekelt zum Ruderverein, der ist nur wenige hundert Meter weiter in derselben Straße untergebracht.......

...und geschlossen. Ein verlassenes Gebäude trägt noch das Emblem, aber ringsherum nur Verfall und Schutt.

Was tun? Mittlerweile ist es 19 h geworden, wir sollten schon bald irgendwo "landen" können. Wir beschließen, weiter zu fahren, obwohl ich böse enttäuscht bin: die Stadt bietet ein Menge schöner Motive. Aber was Besseres als das hier finden wir überall!

Vom Gelände des Ruderklubs ausgehend suchen wir das R1-Schild, um aus der Stadt zu gelangen. Bei der Fahrt durch das Zentrum kommen wir an der Altstadt vorbei, mit ihren wwunderschönen gepflegten Holzhäusern--eins sticht mir ins Auge:

Domizil in Pärnu
Domizil in Pärnu
"Green Villa B & B"......ich schiele zu Norbert hinüber, der hat es auch gesehen. Absteigen und nach dem Preis fragen? Ja.

Ich gehe hinein, an der "reception" sitzt eine grauhaarige freundlich lächelnde Alte, die ich auf russisch anspreche. Der Preis? Für eine Nacht? Mit Frühstück? Sie fängt an zu lamentieren: "Ojojojoj...voriges Jahr konnte ich für das Zimmer noch 1390 EEK nehmen! Die Zeiten sind schlecht, wir müssen alle sehen, wo wir bleiben, es ist zum Fürchten, die Krise...!!" Sie hört überhaupt nicht mehr auf und mir wird schon ganz übel, denn 1390 estnische Kronen sind satte 90 Euro, ein estnischer Wochenlohn.....viel zu viel für uns--wenn auch sicher berechtigt, denn das Haus ist bildschön restauriert und die Zimmer sind bestimmt dementsprechend. Ich nehme an, dass sie mir nun den neuen, erhöhten Preis für dieses Jahr sagen wird, aber dann rückt sie mit dem echten Preis heraus, und der wirkt auf mich wie Labsal: Sie möchte 890 EEK haben, das entspricht nicht ganz 60 Euro. Damit sind wir einverstanden. Für uns immer noch zu teuer, aber besser, als noch abends ins Ungewisse radeln zu müssen.

Wir werden handelseinig, satteln die Räder ab und machen uns im Zimmer --ach, was sage ich: im SAAL!-- breit. Norbert muss erst einmal zum nahen Bankomaten, um das Geld fürs Übernachten abzuheben, dann duschen wir, ziehen wir uns um und machen eine (Foto-)Tour durchs Städtchen.--

Park in Pärnu
Park in Pärnu
Pärnu
Pärnu






Poller-phantasievoll
Poller-phantasievoll
Ruine
Ruine





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Am anderen Morgen wache ich früh auf und vervollständige erst einmal meine Notizen, denn bis zur abgemachten Frühstückszeit ist noch lang hin. Norbert packt seine Taschen und stellt plötzlich entsetzt fest, dass er am vorherigen Abend beim Geldziehen seine Karte im Automaten steckenließ. Er läuft sofort hinüber zur Bank. aber die Karte ist (natürlich) weg.

Das Frühstück ist reichlich bemessen und gut, aber er kann es wohl kaum genießen, denn er sitzt wie auf glühenden Kohlen: Seine Hoffnung ist, dass die Karte in der Bank liegt. Um 9h, pünktlich zur Öffnungszeit, läuft er hinüber--und kommt nach 20 Minuten fröhlich grinsend zurück: Die Karte ist eingezogen worden und man hat sie, aber man händigt sie ihm nicht aus, denn das würde etwa 48 h dauern: Man braucht die Bestätigung der deutschen kontoführenden Stelle, dass er der Berechtigte ist. Das ist einerseits beruhigend, denn die Karte ist in Sicherheit; aber auf der anderen Seite lästig: wir müssten 2 Tage hier warten.

Das tun wir uns nun doch nicht an, wir haben immer noch meine Karte und --in weiser Voraussicht- eine VISA-Karte für alle Fälle. Also wird nun die Karte von Estland per Post nach Deutschland an unsere Filiale geschickt und wir können ohne Aufenthalt weiterfahren. Beruhigend zu wissen (ich hatte davon keine Ahnung!): Wenn man das Geld nimmt, ohne die Karte an sich zu nehmen, schluckt der Automat die Karte umgehend; es kommt kein anderer an die Karte heran.

In Deutschland ist das ja etwas anders geregelt, da bekomme ich mein Geld nicht, wenn ich nicht vorher die Karte entnehme.--

Gegen 10 h verlassen wir Pärnu und fahren bei Sonnenschein fröhlich am Fluss entlang. Die zu erwartende Hitze zwingt uns zu Hamsterkäufen an Flüssigem, wir stopfen alle Taschen voll. Noch 6 km geht es über die Autobahn, dann wird es wieder gemütlich und immer einsamer. Wir durchqueren ab Audru ein Landnase, um zur Küste zurück zu kommen und suchen schon am frühen Nachmittag einen Campingplatz. Aber keinen der eingezeichneten Plätze unserer Karte gibt es.....Gegen 16 h kurz vor Tostamaa fahren wir auf eine Tankstelle und fragen die junge Frau dort. Doch, es gäbe einen, aber dazu müssten wir 200 m zurückfahren und dann in den Sandweg einbiegen, der dort abzweigt. Etwa 1 km weiter sei ein schöner Platz.

Aha, prima! Wir fahren also ihre 200m zurück (das waren dann 1.5 km) und biegen in die Sandpiste ein, die aber gut befahrbar ist; dank unserer Spezialprofile. Auch diese Strecke ist mehr als zweieinhalb mal so lang wie gesagt, aber in einem hatte sie Recht: Ein wunderschöner Platz direkt am Meer tut sich vor uns auf, eine schilfbewachsene Lagune mit einem großen Rasenplatz, mit kleinen Ferienhäuschen, mit Holztischen und rustikalen Bänken. Menschenleer.

Wir fragen einen Mann, der aus dem Einfamilienhaus am Rande gestiefelt kommt. Aber natürlich können wir hier zelten, wo wir möchten: für 50 EEK (=3.30 Euro) pro Nacht. Er zeigt uns die blitzsauberen Duschen und Toiletten, spendiert uns ein Eis aus seiner Tiefkühltruhe und wir lassen erst einmal die Ruhe und Stille des Ortes auf uns wirken. Dann schlagen wir unser Zelt auf; die Frau des Besitzers ist so freundlich und fährt mich anschließend zum Einkaufen mit ihrem Auto in den Ort--wir lassen uns häuslich nieder, mutterseelenallein.

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