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Fahrpreisnacherhebung, Teil II

Tuesday February 26, 2008 at 08:19PM

Was lange währt, wird endlich...

Ihr erinnert Euch? Halbmarathon in Köln, Oktober 2007, auf der Bahnfahrt nach Hause wurde Sabinas Fahrrad ohne gültige Fahrkarte angetroffen. Ich hatte versucht, durch eine "Einspruchnacherhebung" die drohende "Fahrpreisnacherhebung" abzuwenden. Was die halbsizilianische Eloquenz meiner Angetrauten am Tatort und angesichts des unnachgiebigen Kontrolleurs nicht vermochte, sollte eine wortreiche Mail an das "Service Center Fahrpreisnacherhebung" in Baden-Baden richten: Die verantwortlichen Damen und Herren milde stimmen und sie von der unzweifelhaften Zweideutigkeit ihres Informationsangebots bzgl. der Beförderungsbedingungen für nicht-motorisierte Zweiräder überzeugen...

Das misslang gründlich!

Letzte Woche - ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet - kam wie angekündigt per Biref endlich Nachricht aus Baden-Baden. Ich zitiere:

(...)

Sehr geehrter Herr DAUN,

vielen Dank für Ihre Mitteilung zu oben genannter Fahrpreisnacherhebung.

Jeder Fahrgast, der bei der Kontrolle nicht im Besitz einer zur Fahrt gültigen Fahrkarte ist, hat den erhöhten Fahrpreis nach den geltenden Beförderungsbedingungen zu entrichten.

Wir haben Ihre Ausführungen geprüft und teilen Ihnen mit, dass wir aus kundendienstlichen Gründen, jedoch ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, auf unsere berechtigte Forderung verzichten.

Mit freundlichen Grüßen
Service Center Fahrpreisnacherhebung

...

 

Mit anderen Worten: "Du darfst Dein Geld behalten, aber wir sind trotzdem im Recht. Ätsch!" Kundendienstlicher und salomonischer habe ich selten ein Urteil empfunden...

DANKE.

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11 Comments / add your comment?

Renatepro says:
Ich bin mir sicher, dass sie ganz genau wissen, im Unrecht zu sein. Nur zugeben werden sie es nie.
Posted 21 months ago. ( permalink / translate )
Carla Kronenberg says:
frag mal ganz naiv : seit wann muß ich denn für ein Fahrrad in der BAhn bezahlen???? Oweija
habe gerade Teil I gelesen ... danke für die Aufklärung - scheint aber, dass es Dir Spaß gemacht, diesen Brief zu fomulieren!!! XD
Posted 21 months ago. ( permalink / translate )
t2helsinki replies:
Öhm, ja... Bin zwar sicherlich kein Querulant, aber so 'was zu schreiben macht mir in der Tat Spaß!
Posted 21 months ago. ( permalink / translate )
mahyongg says:
Hui, die brauchen auf jeden Fall mal einen kundendienstlichen Grund für eine Neuformulierung ihrer ineloquenten Kommunikationsmittel.. und warum BRÜLLEN die nur Deinen Namen?? Also, wenn die wollen daß Du Dich dort gut behandelt fühlst, müssen sie auf jeden Fall noch ordentlich an ihrer Ausdrucksweise feilen, ha. I'd file that under "Dienstleister, die sich selbst von hinten durch die Backe in die Brust schiessen" - gut gemeint, aber schlecht realisiert. Wahrscheinlich, damit daraus niemand anders eine Rechtsverpflichtung ableiten kann, so nach dem Motto "Aber derr Herrr DAUN hat doch auch da kein Recht, aber auch keine Strafe bekommen" "Ja, aber das war nur Kundendienst!"

Ich würde ja allzu gerne mal ein Diagramm dieses Prüfprozesses Deiner Ausführungen bewundern - dürfte wohl in der Erosion der Argumente quer durch die Abteilungen der Minard-Map gleichkommen :D

:D
Posted 21 months ago. ( permalink / translate )
t2helsinki replies:
Holla, machst Du das beruflich?!? ;-)

Die Geschichte mit der Rechtsverpflichtung vermute ich auch ganz schwer. Es gibt wahrscheinlich auch auf Kundenseite - ohne die Bahn jetzt verteidigen zu wollen - genug Korinthenkacker, die eine freundliche und vielleicht leicht unverbindliche Aussage ihrem Anwalt übergeben, der dann daraus gleich das ganz große Fass öffnet, à la Abmahnmasche & Co!

Aber es sollte ja auch noch irgend 'was dazwischen geben, freundlich & bestimmt. Sollte doch möglich sein, im dritten Jahrtausend....

P.S.: DANKE auch für die Minard-Map, die Mutter aller Infographiken. Das kannte ich noch nicht, seeeehr spannend!
Posted 21 months ago. ( permalink / translate )
mahyongg replies:
Hm, was jetzt genau.. in meinem Beruf hat man ja so einiges zu tun, aber die größten Schwierigkeiten machen immer die Menschen, die mit dem schönen Service, den jemand sich ausdenkt, nicht umgehen können.. eben natürlich auf jeder Seite - Kunden wie Dienstleister. Ich denke auch, die Lösung wird immer wieder nur die eine sein - Denkvermögen und Vertrauen in die Entscheidungsfähigkeit anstelle von Überregulierung, Kompetenzgerangel und Regierung der Dummen anhand von geduldigem Papier. Dafür ist ohnehin selbst geschriebene Sprache zu flexibel, meines Erachtens nach. Mal sehen, ob ich das noch erleben darf, einen solchen Wandel!?

Kennst Du denn auch schon den Vater der Infographik?

www.edwardtufte.com/tufte

Da kann man sich die gute MM sogar bestellen, wenn man mag. In einem T2 ist aber nur auf der Windschutzscheibe genug Fläche dafür, also vielleicht doch lieber bei der digitalen Version bleiben?? :D
Posted 21 months ago. ( permalink / translate )
pehei says:
Offensichtlich habt Ihr den Fahrpreisnacherheber in der Bahn nicht davon überzeugen können, dass Ihr den Fahrpreis bezahlt habt. Es ist Euch ja auch erst später selbst klargeworden. "Hab ich nicht gewusst" hören die bestimmt oft, und ich könnte mir schon vorstellen, dass die das aus Prinzip nicht gelten lassen (Wobei nach meiner Beobachtung eine hübsche Blondine immerhin bessere Karten hat als ein älterer Ausländer).

Immerhin konntest Du mit Deiner Argumentation bei der Beschwerdestelle durchdringen und das ist doch ein netter Erfolg. Ich würde das durchaus als Kundenservice der Bahn ansehen und verstehe schon, dass sie die Forderung immer noch als berechtigt ansehen. "Nicht gewusst" ist nun mal keine Entschuldigung. Damit kommt man vor keinem Gericht durch.
Posted 18 months ago. ( permalink / translate )
t2helsinki replies:
Danke für Deinen Kommentar. "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", das ist schon klar. Allerdings war meine Argumentation dem Fahrpreisnacherheber in der Bahn gegenüber ja auch nicht auf meine Unwissenheit aufgebaut. Da habe ich - ehrlich gesagt - gar nicht großartig argumentiert, sondern alles über mich ergehen lassen und versucht, die Form zu wahren.

Die eigentliche Argumentation in meiner Mail - die hast Du ja auch gelesen - war dann ja auch mehr auf die stark missverständliche Information auf der Homepage aufgebaut, garniert mit einer Bitte um etwas Kulanz, denn wir hätten ja auch zu acht (vier Erwachsene und vier Kinder!) fahren können, waren aber nur zu zweit plus Fahrrad unterwegs....
Posted 18 months ago. ( permalink / translate )
pehei replies:
"Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", das ist schon klar. Allerdings war meine Argumentation dem Fahrpreisnacherheber in der Bahn gegenüber ja auch nicht auf meine Unwissenheit aufgebaut.

Ehrlich gesagt habe ich den ersten Absatz Deiner Mail aber genauso verstanden. Sätze wie "(1) Meiner Frau und mir war nicht bekannt, dass für die Mitnahme eines Fahrrads in der S-Bahn eine zusätzliche Fahrkarte notwendig ist." und "Die Überschrift klingt zumindest missverständlich" sagen doch eigentlich, dass Du den eigentliche Rechtslage anerkennst, aber damals nicht gewusst hast.
Ich hätte mich frech auf das 2. Argument "Meine Frau und ich waren im Besitz von gültigen Fahrkarten für insgesamt vier Erwachsene und vier Kinder." zurückgezogen.
Frech insofern, als der Fahrpreisnacherheber ja eigentlich zu recht kassiert hat, weil Ihr das zweite Ticket ja gar nicht dabei hattet. Das wird er aber nur schwer beweisen können, wenn ihr im Besitz diese Tickets seid. Eventuell könnte man dann noch mit Unwissenheit argumentieren können, weil der Bahnangestellte Euch nicht darauf aufmerksam gemacht hat, dass das Erwachsenenticket auch für Fahrräder gilt.

Die eigentliche Argumentation in meiner Mail - die hast Du ja auch gelesen - war dann ja auch mehr auf die stark missverständliche Information auf der Homepage aufgebaut,

Das ist, wie oben schon gesagt der eigentliche Fehler in der Argumentation. Die Homepage ist kein bißchen missverständlich. Ich habe sie mir angesehen und finde sie absolut logisch.
Es heißt dort "Sie benötigen neben Ihrem eigenen Ticket ein weiteres Ticket für Ihr Fahrrad. Für das Fahrrad lösen Sie bitte ein EinzelTicket Erwachsene der Preisstufe 1b bzw. 2a für Erwachsene (2,30 Euro) - egal wie weit Sie innerhalb des VRS-Gebietes fahren möchten."
Das kann man gar nicht missverstehen. Wenn Ihr das zusätzliche Ticket für Erwachsene hattet, kann Euch keiner was, sonst seit ihr schwarz gefahren.

Ich glaube, es war ganz gut, dass Du Dich auf Unwissenheit zurückgezogen hast. Das hat der VRS wenigstens die Gelegenheit gegeben, sich kulant zu zeigen. Wenn Du mit den blanken Fakten argumentiert hättest, wärest Du bestimmt irgendwann in Beweisnot gekommen. Der letzte Satz in der Antwortmail lässt vermuten, dass die im " Service Center Fahrpreisnacherhebung" (wer denkt sich solche Wortungetüme aus?) das auch zumindest geahnt haben.
Posted 18 months ago. ( permalink / translate )
t2helsinki replies:
Na, da weiß ich ja, wen ich demnächst fragen werde! Danke, für die erschöpfende Klarstellung und einen schönen, juristisch hoffentlich unbedenklichen Sonntag... ;-)
Posted 18 months ago. ( permalink / translate )
pehei replies:
Danke, den wünsche ich Euch auch.
Mein Rat hätte Dir nicht viel geholfen. Du hast ja Erfolg gehabt und also den richtigen Ton getroffen. Ich habe nur den Advocatus Diaboli gespielt, weil sich die Geschichte (auch in einigen Kommentaren) so negativ anhörte, obwohl es doch eigentlich gut gelaufen ist.
Posted 18 months ago. ( permalink / translate )

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