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May 13rd, 2012

Wine & Dine

Wine&Dine
Wine&Dine
Natürlich haben wir unsere Lieblingswinzer, unsere Liebslingsköche, unsere Lieblingssommeliers und -bedienungen. Da ist es ein schöner Zufall, wenn man mal an einem Abend gleich einige aus jeder Kategorie zusammen treffen und genießen kann. Im bean&beluga waren mit Markus Schneider, Karl-Friedrich Aust, Frédéric Fourré drei Winzer, deren Weine wir sehr schätzen, zu Gast. Stefan Hermann schickte elf Gerichte aus der Küche, natürlich passend zu den Weinen der Winzer. Es gab Vorschläge, welcher Wein wozu passen würde – aber wenn Jens Pietzonka da ist, sollte man ihn besser fragen: Da gibt's schon mal einen Tipp außer der Reihe.

Tagesbar und Feinschmeckerrestaurant waren gleichermaßen in das Geschehen einbezogen und nahezu komplett besetzt. Allerdings gab es die Einladung, nicht dauernd am Tisch sitzen zu bleiben, sondern herumzugehen: Die Winzer hatten jeweils ihren eigenen Stand, an dem man mit ihnen ins Gespräch kommen und die mitgebrachten Weine auch außerhalb der Menüfolge probieren konnte. Das klappte vor dem Essen ganz gut und mittendrin noch einmal, als Stefan Hermann am Herd der Kochschule stand und das Leipziger Allerlei fertig stellte – natürlich eins, das diese Bezeichnung wirklich verdient, mit frischen Morcheln und Flusskrebsen. Und was für welchen: groß, festes Fleisch, geschmackvoll.

Das Leipziger Allerlei war für uns einer der Höhepunkte. Zwei andere: Spargel / Melone, wobei der Spargel als Mousse sehr intensiv schmeckte und dem Frühlingsklassiker endlich mal eine ganz andere Konsistenz gab. Und dann muss man, wenn Stefan Hermann Maibock zubereitet, nochmal darauf hinweisen, dass er das unverschämt gut macht.

Bei den Weinen ging's uns ähnlich wie beim Essen: Alle gefielen, aber einige dann doch mehr als die anderen. Der 2011 Weissburgunder & Grauburgunder von Karl-Friedrich Aust, der 2011 Grauburgunder von Frédéric Fourré, der 2009 Vet rooi Olifant Stellenbosch von Markus Schneider (zum Maibock!) wären unsere Lieblinge gewesen, wenn nicht... Ja, wenn nicht an solchen Abenden die Winzer sich oft einen Spaß daraus machen, geheimnisvoll von Tisch zu Tisch zu huschen und unter vorgerhaltener Hand einzuschenken, was es eigentlich gar nicht geben dürfte (manchmal laufen sie nicht mal rum und man muss zur rechten Zeit am rechten Platz sein...). Ein ganz fantastisch knackiger Riesling Reserve von Markus Schneider gehörte dazu, und Frédéric Fourré empfahl nicht ohne Grund zur Dessertzeit seinen Morio Muskat.

Das Essen.
Saibling / Kopfsalat / Sauerrahm
Roastbeef / Spargel /Salsa Verde
Gazpacho / Wildkräuter
Spargel / Melone
Leipziger Allerlei / Flusskrebse
Risotto / Bärlauch / Calamaretti
Milchkalb / Kartoffel-Gurkensalat
Maibock /Spitzkohl
Roquefort / Portwein /Hibiskus
Crême Brulée / Rhabarber
Erdbeersüppchen / Grießknödel

Die Weine.
Karl-Friedrich Aust / Radebeul, Sachsen
2010 Kerner / 2011 Weissburgunder & Grauburgunder / 2011 Bacchus
Frèdéric Fourré / Radebeul, Sachsen
2011 Gutedel / 2011 Weissburgunder / 2011 Grauburgunder
Markus Schneider / Ellerstadt, Pfalz
2011 Weissburgunder / 2011 Viognier / 2010 Blackprint / 2009 Vet rooi Olifant Stellenbosch
Übermut Rot

bean&beluga
Bautzner Landstr. 32
01324 Dresden

Tel. 0351 / 44008800
http://www.bean-and-beluga.de

Geöffnet:
Gourmetrestaurant: Di – Sa 18.30 - 22.00 Uhr
Tagesbar: Di – Sa, 10 – 23 Uhr

[Besucht am 12. Mai 2012 | Lage und Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

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May 10th, 2012

Doch nichts dem Zufall überlassen

Uma
Uma
Omakase
ist ein japanischer Begriff, schreibt sich (wenn die Wikipedia uns nichts vorgaukelt) eigentlich お任せ und meint, etwas flapsig ausgedrückt: Mach's mir doch wie du es willst! In besseren Sushi-Restaurants heißt das: Man überlässt dem Meister die Zusammenstellung und Auswahl der Gerichte und verlässt sich auf seinen guten Geschmack – was meist auch finanziell ein attraktiver Deal ist. Unter dem Dach des noblen Adlon in Berlin überlässt man natürlich nichts dem Zufall, weswegen der Überraschungsfaktor beim Omakase im Restaurant Uma (ab zwei Personen, 80 Euro pro Person bei acht Gängen, 120 Euro bei zwölf) nur für denjenigen groß ist, der sich nicht vorher im Internet schlau gemacht hat.

Wir wussten Bescheid, fanden es aber nicht schlimm, denn die eigentliche Überraschung war ja, wie geil das alles schmeckte (habe ich gerade geil geschrieben? Oh, pardon: wie vorzüglich sollte es natürlich heißen!). Die uneigentliche Überraschung war, wie ungezwungen es im Uma – trotz des noblen Daches! – zugeht. Ein überaus kompetenter und freundlicher Service agiert ohne all die Phrasen, die wir im Laufe zahlreicher Restaurantbesuche kennen und nicht lieben gelernt haben, und die Gäste an den Tischen rundherum plaudern genau so ungezwungen. Mithin: es herrscht eine angenehme Atmosphäre.

Acht Gänge klingt viel – alles ist aber so geschickt miteinander verwoben, dass man hinterher klaglos das Uma verlässt. Die ersten drei Gänge kamen gemeinsam, und ich schreib sie hier mal bewusst so schlicht auf, wie sie auf der Karte standen:
spinatsalat | soja curd
spargelsalat | lachs | löwenzahn | radieschen
beeftatar | sauce gribiche | brot chip

Nun ist derlei Schlichtheit keineswegs neu und sensationell, aber doch meist ein Zeichen für eine gradlinige Küche. Und so war's dann auch. Der Spargelsalat (im Prinzip eine zerdrittelte Stange Spargel pro Person) mit dem Lachs und den Salaten sehr leicht und frisch, das Beeftatar eine Würzwucht, vor allem wenn man es (wie vom Service empfohlen) mit der Sauce Gribiche vermengte. Und der Spinatsalat? Zum Reinsetzen. Aber das macht man ja nicht, auch wenn es leger zugeht...

Gang vier und fünf von acht kamen wieder zusammen, dieses Mal nur noch gekuschelter als die drei zuvor: Im Teller weisse spargelsuppe  strandkrabben  ingwer und auf dem Tellerrand 2erlei blumenkohl. Öhm, das kann man natürlich Gang nennen, aber man hätte auch Deko oder zusätzliches Geschmackstupferl dazu sagen können. Geschmacklich ging das feine Spiel der Geschmäcker weiter, und insgeheim bedauerten wir auch, dass von Blumenkohlpaste und Blumenkohlröschen nur ein Probierhauch gereicht wurde. (Andererseits: Bei größeren Mengen wäre das Vergnügen insgesamt eben doch nicht so schön gewesen!)

Zum Fischgang mit maischolle  grüne bohnen  trüffelkartoffeln  koriander mussten wir feststellen: Ohne Koriander kommt die fernöstlich inspirerte Küche nicht aus. Wir mögen ihn und waren zufrieden - wem bei dem Kraut allerdings der Geruch von Katzenpipi ins Hirn kommt, muss leiden. Zu Trüffel gibt es derlei Assoziationen erfreulicherweise nicht...

kalbsfilet  shiitake  junglauch  trüffel glacé zum Hauptgang gefiel neben dem feinen kleinen Trüffelanschluss wegen des wunderzarten kross gebratenen Kalbsfilets, das unter einem Shiitake-Pilz ruhte. Shiitake, habe ich gelernt, gehört zur Gruppe der Speisen, die den fünften Sinn anregen. Also auf der Zunge. Umami spricht neben süß, sauer, salzig und bitter eigene Rezeptoren in der Zunge an, hat es aber im Deutschen noch nicht zu so einem treffenden Begriff gebracht: "Hmm, das ist mir zu umami?" Noch nie gehört! Aber es ist doch ein schöner Zufall der japanischen Sprache, dass da Uma drin vorkommt, oder?

Zum Dessert erwarteten wir laut Menü maibowle  erdbeeren  waldmeister – und hatten Schlimmes befürchtet. Wie naiv wir waren, denn natürlich gibt es die Maibowle anders als erwartet. Waldmeisterblättchen im Geleewürfel, dazu Erdbeeren und Eis wären eigentlich schon ein schöner Abschluss gewesen. Aaaaaaber: Jetzt noch, so on top, ein wenig lauwarme Schokolade, vielleicht als Soufflé? Eigentlich, meinte die Dame vom Service, sei das ja schon ausverkauft, aber vielleicht sei ja noch eins da! Sprach's, huschte in die Küche und kam alsbald zurück mit einem dann wirklich krönenden schokoladigen Abschluss.

Wer uns kennt, ahnt übrigens, dass nun noch ein paar Zeilen zu den Getränken kommen. So soll's sein: Zum Omakasemenü wird eine Cocktailbegleitung angeboten (pro person 25 Euro)! Das fanden wir so gewagt, dass wir uns nur einmal trauten, was ein Fehler war. Nicht, dass der Wein des Anderen unpassend gewesen wäre, aber die Cocktails waren zumindest das ungewöhnlichere und vor allem jeweils extrem zum Essen passende Vergnügen. Lediglich die Namen der Cocktails fanden wir verspielt-affig, aber die standen ja nur auf der Karte und nicht auf dem Tisch.

Für die Statistik und zum Anregen – es gab:
say you zu sake
yuzu sake | massenez melone | zitronensaft | prosecco bellussi
the herbal plumster
basilikum | zuckersirup | limettensaft | pflaumensake | chatreuse
uhrwerk orange
mariegold sake | cointreau | limette | zuckersirup | frischer ingwer
dream a little dream
sake dreamy clouds | taylors port | marashino luxardo |
kome in and find out
waldmeister | roses lime cordial | kome shochu

uma Restaurant
Behrenstraße 72
10117 Berlin

Tel: +49 30 301117-324
www.uma-restaurant.de

Geöffnet: täglich 11 – 23 Uhr

[Besucht am 2. Mai 2012 | Lage]

Disclaimer: Ich kenne die Restaurantleiterin des Uma, weil wir – wie sie einmal unvergleichlich charmant in einer E-Mail formulierte – eine gemeinsame gastronomische Vergangenheit haben. Außerdem hat sie uns einen Begrüßungschampagner spendiert. Aber auch ohne diese beiden vergnüglichen Tatbestände hätte ich wohl kaum etwas anderes geschrieben.

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May 10th, 2012

Köstliche Sushi und Sashimi zum Sattwerden

Haus Spui 15
Haus Spui 15
Die Lage ist gut: am Spui, einem der touristischen Zentren von Amsterdam. Das Haus fällt auf, weil es aus dem Rahmen fällt: Jugendstil ist im Backstein-geprägten Amsterdam eher die Ausnahme, aber das Mosaik mit den Worten “M. Buttinghausen * Fotografie * Artistique” ist auf jeden Fall ein Hingucker. Nicht ganz passend die Leuchtreklame im Erdgeschoss, die klar macht: Hier ist kein Fotograf mehr tätig, das Glasdach des um 1900 vom Architekten G. van Arkel für den Fotografen Buttinghausen gebauten Hauses hat seine Schuldigkeit getan. Heute residiert hier ein Sushi-Restaurant, aber trotz der exponierten touristischen Lage ein hervorragendes.

Tokyo Café Restaurant
Tokyo Café Restaurant
Man könnte à la carte essen, aber das macht hier wohl keiner, denn es gibt ein unschlagbares all-you-can-eat-Angebot: Für 22,80 Euro (mittags: 17,80 Euro) kann man sich zwei Stunden lang bedienen lassen. Auf einem Zettel notiert man, was der Tisch haben möchte, das bringt der Service dann an den Tisch. Wir waren zu viert mit zwei erfahrenen Tokyo-Gängern und bestellten reichlich: "Wollen Sie wirklich fünf Mal die Lachs-Sashimi? Jede Portion besteht aus drei Scheiben!" fragte die Bedienung und sah erstaunt, dass auch der Rest des Bestellzettels gut gefüllt war. Doch doch, wir wussten es und wollten es, und nicht nur das. Aus gutem Grund: Lachs und Thunfisch waren taufrisch, der Lachs wunderbar marmoriert – und ja, wir bestellten in Runde zwei davon noch einmal nach, was die Bedienung dann doch irgendwie unfassbar fand.

Aber die Regeln des Hauses hatten wir befolgt: Es darf erst nachbestellt werden, wenn alles aufgegessen wurde. Ansonsten kann man so oft bestellen wie man mag, große Portionen, kleine Portionen - egal. Wir hatten (für vier Euro mehr pro Person, geht – vernünftigerweise – nur tischweise) das Deluxe upgrade genommen, weil dort die besseren (und teueren) Dinge wie Sashimi drin sind. Rechnet sich aber schnell!

Wir saßen im oberen Teil des Restaurants, wo wir von der Hektik des Eingangsbereichs und dem Trubel kommender und gehender Gäste nichts mitbekommen haben. Dieser Teil ist mit Holzbänken und -tischen zurückhaltend modern eingerichtet, Kissen sorgen für angenehmen Sitz. Aber da man nach zwei Stunden sowieso raus sein sollte, um der nächsten Schicht von All-You-Can-Eatern Platz zu machen, ist das Sitzfleisch eh nicht das große Argument.

Wie gesagt, Dank mehrerer Vorbesuche unserer local scouts konnten wir die Higlights des Hauses gezielt aussuchen. Da sie aber alle mundeten, wage ich einmal die Behauptung: Eigentlich egal, was man im Tokyo bestellt – es scheint alles gut zu sein. Also erwähne ich nur einmal, dass die spicy tuna roll tatsächlich ihren Namen verdient und angenehm scharf war, dass der seaweed salad herrlich nach Sesam schmeckte und perfektes Dressing hatte – und dass wir beim nächsten Besuch sicher wieder einen Tisch dort reservieren werden! Aber vielleicht lieber mittags, denn dann bleibt mehr Zeit, sich den vollen Magen leer zu laufen!

Tokyo Café Restaurant
Spui 15
1012 WX Amsterdam
Tel. 020 489 7918
www.tokyocafe.nl

Geöffnet: täglich 11 – 23 Uhr

[Besucht am 5. Mai 2012 | Lage]
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May 9th, 2012

Tulpen und Meer

Rosenfeld bei Bergen
Rosenfeld bei Bergen
Die Sache mit den endlosen weiten Tulpenfeldern und der schmucken Windmühle im Hintergrund, natürlich alles vor strahlendblauem Himmel: das haben die Holländer erfunden, denke ich mal. Die Tulpenfelder waren endlich, die Windmühle stand ganz woanders und hatte gar keine Flügel. Und der Himmel? Niederländischgrau statt preußischblau.

Noordwijkerhout
Noordwijkerhout
Unser Reiseführer hatte eine Straße quer durch die Felder versprochen, links und rechts nichts als Tulpenfelder. Links aber standen meisten Häuser, manchmal sogar nette. Rechts waren auch Häuser, und nur hin und wieder sahen wir den Hauch eines Tulpenfeldes. Aber von wegen Blüten! Hier machen sie – außerhalb von touristischen Orten wie dem Keukenhof, der sich das aber mit Eintritt recht ordentlich bezahlen lässt – hier also machen sie gar nicht auf Tourismus, sondern betreiben Gartenbau und Landwirtschaft. Und da werden die Blüten der Tulpen zur besseren Zwiebelvermehrung abgeschnitten. Will heißen: Viele Felder sind grün.

So ist das in Nord- und Südholland, wenn man nicht gerade in den ein, zwei Wochen da ist, in der die Postkartenfotografen ihre Bausatz-Wander-Mühle mit riesigem blauem Hintergrundtuch in die Landschaft stellen, um ihre Fotos zu schießen.

Tulpen
Tulpen
Wir hatten unsere Mühle zu Hause gelassen und nahmen mit dem vorlieb, was die Natur hergab. Das war weniger als erwartet und mehr als nichts. Unweit von Bergen fanden wir das erste Feld, mit roten, lila, gelben und weißen Tulpen sowie als Zugabe farblich sehr schön blau kontrastierend Traubenhyazinthen. Ganz hinten am Horizont hatten die Fotografen sogar eine Mühle stehen lassen, und die Blauerhimmelschäfchenwolkenkulisse stand auch noch.

Bergen aan Zee
Bergen aan Zee
Natürlich haben die Holländer für die Zeit außerhalb der Tulpensaison noch andere Dinge für die Menschen dort arrangiert. Bergen aant Zee ist eins der klassischen holländischen Seebäder, mit meilenlangem Sandstrand und Dünen (aus gutem Grund: Betreten verboten) sowie Restaurationen für die Massen. Wir hatten mit SB Noord einen ganz netten Ort erwischt, mit freundlichem Personal und (wenn man das allein vom Spinksen an den Nebentisch so schreiben darf) ganz passablen Salaten. Man sitzt draußen, wird aber vom viehisch kalten Wind durch Glaswände geschützt. In meiner Heimat Ostfriesland, quasi der Fortsetzung der holländischen Küste gen Nord-Ost, gab's das vor Jahrzehnten auch schon. Brutkästen nannten wir die praktische Einrichtung...

Der Ort selbst ist schnell durchschritten, weil nicht nach unserem Geschmack: Zu touristisch angelegt. Das geht, mussten wir dann später feststellen, auch noch schlimmer. Zandvoort reichte uns nach dem Durchfahren, Noordwijk aan Zee nach halbstündigem Durchlaufen. Dass mehrere Millionen Strandurlauber pro Jahr das offenbar anders sehen, bestärkte uns übrigens eher in der schnell gefassten Meinung...

Touristeneinfall
Touristeneinfall
Da gönnten wir uns doch noch ein Tulpenfeld etwas landeinwärts. Natürlich Häuser rundum, aber das kannten wir ja schon. Dafür hatte man auch im blütengeköpften Teil den einen oder anderen roten Tupfer stehen lassen, so dass es ein schönes Lehrbuchbild geworden ist. Wir waren mit unserer Tulpenknipserei gerade fertig, als ein Kleinbus vorfuhr und eine überschaubare Ladung wild gewordener Touris auskippte. Die Rollenverteilung war ganz einfach: Frauen und Kinder, kreischend, ins Feld, die Männer mit ausgestreckten Armen die Digiknipse haltend an den Feldrand zum Ablichten. Der Busfahrer stand ungerührt vor seinem Bus und dachte sich sein Teil. Uns, die wir in einen Wagen mit niederländisschem Kennzeichen einstiegen, machte er mit einem leichten eindeutigen Augenaufschlag zu seinen Verbündeten.

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April 29th, 2012

Weinwanderung durch linkselbische Seitentäler

Die Sächsische Weinstraße verläuft - aus gutem Grund, möchte man meinen - rechts der Elbe. Na klar, da gibt es zwischen Pillnitz und Zadel die großen Namen, da kann man von Aust bis Zimmerling all diejenigen besuchen, deren Wein man immer schon mal vor Ort verkosten wollte. Aber Wein wächst auch links der Elbe, gar nicht so weit von Dresden entfernt: Die beiden Winzer Rolf Fehrmann und Lars Wellhöfer zeigten im Rahmen des Deutschen Wein-Wander- Wochenendes einen gigantisch schönen Abschnitt der linkselbischen Landschaft. Nicht ganz zufällig führte der Weg durch ihre Weinberge...

Pumpspeicherwerk Niederwartha
Pumpspeicherwerk Niederwartha
Gegenüber vom Stausee Niederwartha mit seinem Pumpspeicherwerk führt ein kleiner Weg bergan – zwar gut hundert Meter nur, aber durch liegen gebliebenes Laub raschelt man sich schon mal so durch den Cossebauder Park hoch auf die Herrenkuppe, dass man glaubt, was getan zu haben. Hier mussten wir erst einmal mit unserer Vorstellung von einem Turm aufräumen, denn der dortige Bismarckturm ist nur ein kleiner Stumpen, mit dem die Cossebauder die Umgebung ihres Dorfes schöner nd attraktiver gestalten wollten. Als Feuerstelle für Feuerchen zur Sommersonnenwende ist die Höhe aber quasi quadratisch-praktisch-gut.

Bismarckturm Cossebaude
Bismarckturm Cossebaude
Der Ort des Monuments ist freilich gut gewählt: Man kann, klare Sicht vorausgesetzt, einen vorzüglichen Weitblick genießen: Nach rechts ins Tal, das sich gar lieblich gestaltet und für die weitere Wanderung Gutes verspricht, nach vorn auf die Stadt Dresden mit den Tafelbergen der sächsischen Schweiz im Hintergrund und nach links über die Elbe bis weit ins Hinterland. Wir gehen die Stichstraße, die zum Bismarckturm führt, zurück: Gnomenstieg heißt sie - was ja erklärt, dass man mit einem nur 4,50 Meter kleinen Turm auskommt...

Im Weinberg
Im Weinberg
Die dann kommenden Straßen weisen den richtigen Weg: Ein Stück Weinbergstraße, dann der Bischof-Benno-Weg (nach jenem Bischof von Meißen, der seinem großen Vorbild und trockenen Fußes die Elbe überquerte - wobei er keine Brücke nahm, sondern einen Rebstock, mit dessen Hilfe sich die Wasser teilten. Sagt die Sage). Und dann stehen wir auch schon am Weinberg von Rolf Fehrmann. Es ist eine Steillage, bis zu 60 Grad immerhin. Dort wächst ein guter Wein – wer die Edition Meißen vom Meißner Weinhaus des Prinzen zur Lippe trinkt, hat zu rund 80 Prozent einen Fehrmann drin. (Natürlich probierten wir den Blanc de Blac und waren - noch ein natürlich! - begeistert).

Drei Rotwein
Drei Rotwein
Unter eigenem Etikett von "Weinbau Fehrmann" gibt's natürlich auch Weine. Wer wollte, konnte vergleichen: einen Spätburgunder und dagegen einen Blanc de Noir, der uns trotz seiner 14 % sehr frisch vorkam - aber mit einem runden Körper, der die Familienzugehörigkeit zeigte. Beim Weißburgunder (mit satten 15,5 Volumenprozent!) hingegen wollte bei uns keine Begeisterung aufkommen - vielleicht abends zum Essen, aber so auf der Terrasse dann doch lieber nicht. Wobei an dieser Stelle ein Wort zum bezaubernden Ambiente des Winzerhauses geschrieben werden muss: traumhaft!

Weingut Fehrmann
Weingut Fehrmann
Auch die schönsten Pausen neigen sich einmal dem Ende zu, weiter geht's - nicht ohne einen Blick zurück auf den Berg mit seinen Trockenmauern und Terrassen. Der Weg führt zuerst an einer skurrlen Installation namens "Schneewittchen, die sieben Zwerge und ein Flüssigkeitstank" vorbei. Wenig später warnt ein Schild davor, dass der Schäferhund des Hauses schlechte Laune haben könnte. Wir hatten Glück – er war nicht da, egal mit welcher Laune. Noch ein wenig später sieht man die Wasserschlösser, die aber keineswegs mit den romantischen Gebäuden gleicher Bezeichnung mithalten können, sondern technische Dinger sind: Türme zum Druckausgleich.

Raps- und Baumblüte
Raps- und Baumblüte
Nicht schön, aber notwendig und wohl auch ein technisches Denkmal, denn die ganze Anlage ist die nullkommaachte und zweite ihrer Art (oder so). Aber gleich nach Überquerung der drei Pumprohre kommt Natur pur. Das Gelb von Löwenzahn streitet sich mit dem der Rapsfelder um den satteren Ton, Kirschblüten geben satte weiße Tupfer, die anderen Bäume und die Wiese zanken sich des Grüns wegen. Das alles in einem Auf und Ab von Hügeln und Tälern wie dem Tännichtgrund.

Am Weinberg
Am Weinberg
Auf offener Flur nutzt Lars Wellhöfer, dessen Weinberg wir uns planmäßig nähern, die Gelegenheit zu einer Minilesung von Kurzsagen aus der Gegend. Hat was! Das Dorf Weistropp lassen wir rechts liegen - haben es uns aber vorgemerkt für eine spätere STIPvisite, aus Gründen. Stattdessen machen wir wieder runter ins Tal und (mit erheblicher Steigung) wieder rauf, passieren einen alten Baum aus dem Jahr 1648 und einige nicht ganz so alte Kühe, um dann unverhofft im Weinberg von Lars Wellhöfer zu stehen. Korrekt müsste es heißen: In einem seiner zwei. Der Weinberg in Kleinschönberg, so erfahren wir, sei der einzig bewirtschaftete Terrassenweinberg im Wilsdruffer Vorland - Rekorde gibt's...

Lars Wellhöfer
Lars Wellhöfer
Wellhöfer bewirtschaftet 0,85 ha – zu wenig, um allein davon zu leben. Also hilft er anderen Winzern im Weinberg, baut auch deren Wein aus. Wir probierten aus der Einzellage "Cossebauder Bauernberge" einen Goldriesling. Goldriesling, muss man wissen, ist nicht etwa die goldige Spitze aller Rieslinge, sondern "eher das Gegenteil", wie Wellhöfer meinte. Wobei seiner das Zeugs zu einem leichten Terrassenwien für den Sommer hat, den man auch im Garten, auf dem Balkon oder an der Elbe genießen kann. Die Rebe wächst übrigens fast nur noch in Sachsen, weswegen sie den Besuchern dieser Gegend als Rarität zum Wegsüffeln durchaus empfohlen werden kann.

Goldriesling
Goldriesling
Der Weinberg ist von Wellhöfer aus dem Dornröschenschlaf geweckt worden: Er war eine wilde Streuobstwiese. Alte Rebstöcke hat er noch gefunden, neue dazu gesetzt. Für so einen kleinen Berg eine bunte Mischung, sieben Sorten insgesamt. Eine zweite durften wir noch probieren: einen Kernling. "Wat is denn ditte?" wollten alle wissen und ahnten Böses. Aber das ist gar keine Neuzüchtung, sondern eine natürliche Mutation des Kerner. Das "-ling" soll als Hinweis darauf verstanden werden, dass er vom Typus dem Riesling ähnelt. Der 2011 Kernling von Wellhöfer war halbtrocken und dennoch erfrischend – es steht genug Säure der Restsüße entgegen.

Der Rest ist Rückweg. Durch schattige Wälder, mehr runter als rauf, mit dem einen und dem andren Blick auf Kirchtürme der umliegenden Dörfer. Eine romantische Gegend!


Weinbau Fehrmann
Talstraße 62
01156 Dresden
Tel. +49 351 454 19 70
www.weinbau-fehrmann.de

Lars Wellhöfer
Sachsdorfer Straße 11
01157 Dresden
Tel. +49 351 427 33 39
Mobil +49 172 167 23 99
www.weinbau-wellhoefer.de

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April 27th, 2012

Schlappmacher vs. Endorphine

Roque Cano
Roque Cano
Bei unserer Lieblingswanderung um den Roque Cano gab es wieder zahlreiche Anlässe, erneut über diese berühmten Glückshormone nachzudenken. Wie kommt es beispielsweise, dass bei mir die Serotonine und Endorphine immer den Kürzeren ziehen und von den Schlappmachern besiegt bzw. verdrängt werden? Und wie soll man eine vernünftige Antwort auf derlei drängende Fragen finden, wenn während der Wanderung nicht einmal das Internet funktioniert?

Nach 400 Metern Aufstieg kamen erst die qualmenden Socken an, gefolgt von der pfeifenden Lunge und dem buppernden Herzen. Dann, nach einiger Zeit, kamen Serotonin und Endorphin und fragten: is was? „Verpisst Euch!“ sagten die Schlappmacher und trieben uns an, die nächsten 170 Meter zu steigen, um dann letztendlich doch klein beizugeben. Angesichts des Restaurante Roque Blanco, das außer uns alle bequem mit dem Auto erreicht haben, markiert den Scheitelpunkt der Wanderung, denn von da an geht’s bergab. Da kommt Freude auf!

Im Restaurant sitzt die einheimische Bevölkerung, draußen auf der Terrasse mit wehenden Papiertischdecken das Touristenvolk. Bedient werden allerdings alle gleich freundlich!

Restaurante Roque Blanco
Restaurante Roque Blanco
Wir probierten einen „mittleren Salat“, der als Vorspeise deklariert war und uns beiden völlig ausreichte. Außerdem eine gomerische Spezialität: Überbackener Käse mit Palmhonig. Der Käse erinnerte ein wenig an Halumi, quietschte auch so zwischen den Zähnen. Insgesamt ein schöner Zwischenstopp, und mit Blick auf die gomerisch-amerikanische Truppe am Nebentisch, die Kaninchen, Hähnchen und andere Leckereien bestellt hatte, wahrscheinlich auch einen eigenen Ess-Besuch wert. Wir würden dann auch, um weniger verschwitzt anzukommen, das Auto nehmen.

Dass die Glücklichmacher ausgerechnet dann Oberhand bekamen, als wir ein in gefrosteten Gläsern serviertes Dorada-Bier aus der Flasche als Wanderbier genossen, haben wir unter allen kritischen Aspekten später ausführlich erörtert. Erst einmal fanden wir es nur herrlich!

Schafe
Schafe
Der Rückweg über den Roque Cano war so prächtig wie vor fünf Jahren, sogar die Schafe waren wieder da – wenn auch an anderer Stelle. Und wahrscheinlich waren es auch andere Schafe, jedenfalls glotzten uns alle wie Unbekannte an. Wie immer gab es Nachzügler: Dieses Mal lugte erst ein Schäfchen etwas verunsichert über einen Steinfels, und als es uns in durchaus freundlicher Absicht nur mit den Kameras bewaffnet sah, drehte es sich kurz um und sagte im astrein gomerisch akzentuierten Schäfisch: „Die wollen nicht schlachten, die wollen nur knipsen!“, worauf drei weitere Schäfchen über den Kamm schauten und freundlich in die Kameras lächelten. Klick klick klick, und schon stieben sie davon...
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April 26th, 2012

Wo auch der Fischer gerne isst

Trasmallo
Trasmallo
Das Restaurante Trasmallo ist der optisch auffallende Mittelpunkt des Restaurant-Trios am Plaza de la Señora del Carmen von Vueltas – mit dem Fischrestaurant EL Puerto zur Rechten und dem sich etwas feiner gebenden Tuyo zur Linken. Wir waren relativ früh am Abend da, weil es später erfahrungsgemäß rappelvoll ist. So ergatterten wir noch einen Tisch am offenen Fenster.

Seit acht Jahren gibt es das Trasmallo an diesem Platz, in der offenen Küche werkelt seitdem Julian Armas. Im Service huschen mehrere Leute herum – wir wurden freundlich und schnell bedient. Die Fischauswahl kann à la carte oder viel besser an der Vitrine erfolgen. Wir entschieden uns für die beiden lokalen und fangfrischen Fische Cantarero und Cherne. Der 86 Jahre alte Fischer, der Morgen um Morgen in seinem kleinen Boot rausfährt und dem Restaurant die Fische (oder einen Teil derselben) liefert, saß übrigens an einem Ecktisch und löffelte eine Fischsuppe und genoss später seinen Fisch...

Den Fisch bereiten sie im Trasmallo (wie auch in anderen Restaurants auf Gomera) „wie ein Buch“ zu, das heißt: er wird längsseits aufgeschnitten und dann aufgeklappt und gegrillt. Ich muss zugeben, meine Bücher noch nie gegrillt zu haben, aber ansonsten ist das Bild vom aufgeklappten Buch sehr nett. Beide Fischsorten waren mit gekräutertem Öl bestrichen, was ihnen zusätzlich zum Eigengeschmack eine sehr würzige Note verlieh. Die papas arugadas waren köstlicher als die an anderen Orten genossenen, die Saucen (rote und grüne) wurden als Salsa aus der Tube in sterilen Plastikbehältern serviert – sie erinnerten an Senfspender an deutschen Bratwurstständen. Das sah zwar gewöhnungsbedürftig aus, aber die salsas schmeckten erstklassig – und mit dieser Serviermethode sind Reste wohl hygienisch einwandfrei weiter verwertbar.

Was uns noch auffiel, war das Personal. Einmal die etwas unsicher wirkende, aber durchaus charmante blonde Kellnerin, die offensichtlich erstmals da war und dann ein smarter Jüngling, der es ihr nur zu gerne zeigte und tagsdrauf mittags mit fettem BMW und laut dröhnender Musik vorfuhr: offensichtlich einer der Chefs. Dass wir beide abends noch einmal sehen würden, war dann allerdings eine Überraschung...

Trasmallo
Plaza de la Señora del Carmen
38870 Valle Gran Rey
La Gomera

Tel. 922 805 092
www.trasmallo.eu/index.php/de

[Besucht am 20. März 2012 | Lage]

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April 24th, 2012

Mittagessen auf der Finca Argayall

Finca Argayall
Finca Argayall
"Vor mehr als 20 Jahren stand so einer in klein im Wohnzimmer meiner Eltern!“ sagt die Frau an der Bar der Finca Argayall." Es ist Ute, sowas wie der Guest Relations Manager der Finca. SIe serviert uns gerade den besten Espresso der Insel und gehört sein 2010 zum Team der Finca Argayall. Seit 1986 gibt es den "Platz des Lichts" (das bedeutet argayall in der Sprache der kanarischen Ureinwohner, der Guanchen. Über die Vergangenheit erfährt man auf der aktuellen Homepage nichts, in älteren Quellen kann man lesen, dass eine Gruppe von Sannyasins die Finca gegründet haben soll. An die Lehren Bhagwans erinnert vielleicht noch das Motto "Der Platz ist, durch Dich wird er" - aber ansonsten ist die Finca ein mittlerweile auch von großen Firmen gebuchter Platz für Meditation und Seminare (während wir da waren, lief gerade das Coaching-Seminar "Lust auf Veränderung").

Wir waren am Vortag von einer Küchenhilfe der Finca von Aurure mit ins Tal genommen worden und hatten beim Gespräch im Auto herausgefunden, was er macht: Er gehört für drei Monate dem mittleren der drei Kreise an, die die "alternative, experimentell und erfahrungsorientierte Lebensgemeinschaft" (Zitat Webseite) der Finca bildet. Der innere Kreis sind die derzeit etwa 15 Gründer bzw. Teilhaber, die immer dort leben und arbeiten, der äußere die Gäste, die das nötige Geld bringen.

Die Küche des Hauses ist vegetarisch, es gibt mittags wie abends ein Buffet. Man kann aber nicht einfach hineinschlendern, sondern muss sich anmelden. Uns wollte die Küchenhilfe anmelden, aber entweder er hatte es vergessen oder wir waren der Rezeptionistin suspekt mit unseren beiden fetten Kameras, jedenfalls wurde in der Küche erst einmal nachgefragt, ob wir willkommen seien. Die Antwort: Zum Essen ja, ansonsten aber eher nicht. Unsere Frage, ob wir uns ein wenig mehr umsehen könnten (zum Beispiel den für die Versorgung wichtigen Garten) wurde abschlägig beschieden - wir könnten allerdings an den donnerstags stattfindenden Führungen teilnehmen.

Das (für uns begehbare) Areal macht einen sehr netten Eindruck: Es gibt rund um einen Pool Plätze im Schatten und solche an der Sonne. Wir wählen uns einen Tisch auf einem Holzpodest aus und sitzen somit direkt an der Innenseite der Grundstücksmauer - mit Blick auf Pool und Riesengummibaum (rechts von uns) sowie das Meer (links von uns) mit Hafen von Vueltas und der steil aufragenden Wand des Tequergenche. Der Strand direct vor der Finca ist steinig - also wie geschaffen zum Erbauen von Steinmännchen, die dann auch brav in Reih und Glied aufgereiht dort stehen.

Um eins läutet die Küche zum Buffett - es ist drinnen aufgebaut (und wir haben, um die gewünschte privacy zu respektieren, dort keine Fotos gemacht) und sieht sehr gut aus. Salate, Früchte, Suppen, Warmes und Tee stehen bereit. Wir nehmen hauptsächlich Rohkost, probieren die Suppe und ein wenig Spaghetti - und geschmeckt hat es in genau dieser Reihenfolge zwischen super und naja. Will heißen: die Salate waren knackig frisch und mit feinen Dressings eine Köstlichkeit, die Suppe schmeckte eher beliebig und den Spaghetti fehlte irgendwie eine gute Sauce (nein, es muss nicht unbedingt eine fleischige Bolognese sein!). Die Früchte, die wir uns zum Dessert nahmen, machten das allerdings wieder wett - ist doch schön, wenn man den Garten vor (oder hier: hinter) der Tür hat. Insgesamt für die bezahlten elf Euro ein angenehmes Mittagessen in nicht alltäglicher Atmosphäre. Denn wie sagt einer der Teilhaber im Imagevideo der Finca (@2:13): "Es ist zwar kein Paradies, aber es sieht so aus, und das ist schon 'ne ganze Menge..."

Finca Argayall
E-38870 Valle Gran Rey
La Gomera
Kanarische Inseln

Telefon +34-922-697008
www.de.argayall.com

[Besucht am 21. März 2012 | Lage]
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April 21st, 2012

Von La Calera nach Aurure

Wacholder auf La Mérica
Wacholder auf La Mérica
Oben auf dem Berg steht ein einsamer Baum. Man sieht ihn vom unteren Ende des Valle Gran Rey und denkt sich: Wie mag der sich wohl fühlen, da oben im Wind, so gottundvonderweltverlassen? Die Wand des 857 Meter hohen La Mérica geht steil hoch, mit einem scharfen Knick gleich vorne, der am Morgen den Berg in eine Sonnen- und eine Schattenseite teilt. Wir natürlich an der Sonnenseite hoch. Wieder einmal gab es ausreichend Grund zur Feststellung, dass Journalisten nicht frei vom Schwindeln sind, aber dank der SPH-Technik lässt sich das Schwindelgefühl halbwegs eindämmen. Die SPH-Technik besteht im Teil „S“ aus einem Wanderstock, der wie ein Gatter Halt bietet, indem man ihn vorab an der abschüssigen Seite aufsetzt und dann an ihm vorbei geht, um ihn sodann wieder nach vorne zu holen. Das ist als Stufe eins im Höhenangstbetrug ganz hilfreich.

Hilft das nicht (oder ist kein Stock zur Hand), gelangt Methode „P“ zur Anwendung. Sie besteht darin, den höhentauglichen Partner direkt vor einen gehen zu lassen und nur den Po anzusehen. Ein vertrauter, vielleicht auch erquickender Anblick, der von den anderen Gefahren des Lebens abzulenken vermag. Wenn auch das nichts mehr hilft, steigern wir uns zur Methode „H“ wie Händchenhalten. Da folgt man blindlinks der schritt- und trittsicheren Wandersfrau im Quasi-Beinahe-Ganzkörper-Kontakt und bekommt so vom eventuellen schwindelerregenden Elend der Welt nichts mit.

Chillen am Wacholder
Chillen am Wacholder
Auf dem Weg nach Arure nutzten wir alle drei Techniken, was vielleicht etwas peinlich ist, denn uns überholten (anfangs) sportive Menschen, die den Weg nur mal eben so hoch joggten und uns (nur wenig später) immer noch munter entgegen kamen. Aber egal, wir kamen an am einsamen Baum, der ein schöner knarziger Wacholder ist und bereits seinen Schatten drei Schönen spendete. Aha, einsam ist er also nicht, der Baum, und lustige Geschichten kann er sich auch anhören. Die drei Ladies waren „nur mal eben so zum Chillen“ hochgekommen. Sie waren jung, sie waren fröhlich, sie waren nett, sie hatten feinen hintersinnigen Humor, wie ihr Wunsch nach einigen netten (möglichst jungen) Indern erkennen ließ, die sie doch bitteschön gegen entsprechende gute Bezahlung herunter tragen möchten. Wir versprachen, alle uns auf dem weiteren Weg nach Arure entgegen kommenden Inder auf dieses Begehr anzusprechen, trafen allerdings keine.

Ziegen
Ziegen
Dafür begegneten wir mehrfach Ziegen, deren behendes Kraxeln ganz ohne SPH-Technik schon von den ganz Kleinen beherrscht wird. Vier Ziegen gerieten über einen weiten Teil des Weges zu festen Begleitern, die fröhlich meckernd mal links, mals rechts des Weges viehische Abkürzungen wählten. Sie waren, wie wir kurz vor Arure merkten, auf dem Weg zum Ziegenstall, wo ein freundlicher Herr zum Melken bereit stand. (Kurze Zwischenüberlegung: heißen diese Männer eigentlich Zieger, so wie die für Schafe zuständigen Leute Schäfer heißen?)

Panorama vom La Mérica mit La Fortalezza
Panorama vom La Mérica mit La…
Unterwegs eröffnen sich fantastische Blicke auf den Teil des Valle Gran Rey, den wir sonst mit dem Auto durchfahren. Man sieht, wie kunstvoll die Straße sich den Berg bzw. die Berge hinaufschlängelt und beginnt die Geometrie des Ortes besser zu verstehen – Tunnel inklusive.

Panorama mit Aurure und Valle-Gran-Rey
Panorama mit Aurure und Valle-…
Kurz vor Arure pfiff uns dann ein recht eisiger und heftiger Wind um die Ohren, so dass wir den ursprünglichen Plan begruben, noch weiter nach Las Hayas zu wandern. Das war insofern eine gute Idee, als dass wir bergrunter von einem netten Holländer mitgenommen wurden – und die kurze Zeit im Auto reichte, um einen Essenstermin für den nächsten Mittag auszumachen: Er arbeitet (aushilfsweise) in der Finca Argayall und übernahm die Reservierung für uns.

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April 17th, 2012

Ein Abend im El Puerto

Frischer Fisch und schneller Service

Ein Abend im El Puerto
Ein Abend im El Puerto
Wir hatten schon arge Befürchtungen, denn im Netz las man kaum was bzw. kaum was Gutes über unser Lieblingsrestaurant "El Puerto". Unsere These: Der Mann wird gedisst, weil er unbequem anders ist. Im Valle-Boten, dem abgedrehten Magazin eines deutschlandflüchtigen Journalisten, wird es gar nicht erwähnt. Das Nachbarrestaurant Trasmallo „hingegen entwickelt sich zur Nummer 1 am Hafen“, lesen wir – und stellen verzückt fest, dass das Trasmallo eine ganze Seite Anzeige gebucht hat und El Puerto keine. Honi soit qui mal y pense (genau!).

Der beleibte Chef des El Puerto gibt nach außen immer noch ein wenig den Muffel, aber aus den Augenwinkeln kommt immer so ein verschmitztes Etwas. Wir mögen ihn! In der Küche das gleiche Personal wie vor fünf Jahren, auch im Service erkannten wir etliche Gesichter. Nach wie vor geht es flottflott – und wer sich vom Chef den Fisch des Tages zeigen lässt, weiß auch was frisch ist und was aus der Tiefkühlung kommt (bei unserem Besuch: Seezungen. Die seien „gut, aber nicht frisch“ meinte el Cheffe).

Unsere Wahl: Rascacio, der Madeira Drachenkopf - ein Riesentier, aber nach dem Zerteilen durchaus schaffbar. Davor ein Salat, der kaum bestellt, schon auf dem Tisch war: Die vorbereitenden Logistik des Hauses ist großartig, der Salat guter Durchschnitt. Dafür waren papas arrugadas (Runzelkartoffeln) und mojos in Ordnung. Eine halbe Stunde nach Öffnungszeit war das Restaurant übrigens voll, eine Stunde später der tagesfrische Fisch ausverkauft. Merke: Wer früh kommt, hat mehr Auswahl!

Restaurante El Puerto

Av Maritima el Puerto de Vueltas
38870 Valle Gran Rey
La Gomera

Tel. 922 805 224

[Besucht am 15. März 2012 | Lage | Besuch 2007]
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April 12nd, 2012

Rund um und auf den Garajonay

Imada Panorama
Imada Panorama

Alte gomerische Wanderer-Regel: Wenn's im Norden nebelt und wolkenzieht, also nix mit Wandern rund um Hermigua und El Cedro ist: einfach umplanen. Zum Beispiel eine Wanderung rund um und auf den Garajonay unternehmen, wobei der höchste Berg der Insel so wunderbar unspektakulär ist, dass er eher eine Zugabe im Gesamtmix dieser Wanderung ist.

Gemütliche Nationalpark-Bummelei
Gemütliche Nationalpark-Bummel…
Von der Straßenkreuzung Parajita – einem veritablen Kreisverkehr mit Bushaltestelle und angegliedertem Parkplatz – geht es erst gemütlich auf breitem Forstweg bergab. „Eine langweilige Tour!“ jammert Frau S., während ich etwas von einem „fantastischen Weg!“ schwärme. Ist es nicht aufregend, wie unterschiedlich wir die Welt wahrnehmen? Über die Tatsache, dass Mann und Frau nur gelegentlich und auch nur an wenigen Stellen wirklich gut zusammen passen – wenn sie sich einhaken, beispielsweise –, ist ja schon viel geschrieben worden. Aber was ist mit all den kleinen alltäglichen Dingen? Frau S. beispielsweise liebt nicht nur schmale Wege, sie bevorzugt sie auch bergauf. Herr U., wer hätte es nicht geahnt?, ist lieber auf breiten Pfaden bergab unterwegs.

Blick auf Imada
Blick auf Imada
Nun sind ja Wanderungen wie das Leben ein ständiges Auf und Ab, insofern hält sich alles irgendwie die Waage. Aber was ist nach dem Wandern? SIE würde gerne bei einem Salat entspannen, gerne selbst gemacht und auf der heimischen Terrasse verzehrt. ER könnte sich durchaus vorstellen, in einem Restaurant auf Salat zu verzichten und gleich Fisch oder Fleisch zu ordern. Und während die BEIDEN noch hin und her argumentieren, ändert sich der Weg, wird schmaler und unwegsamer. „Ich ziehe alles zurück, was ich vorhin über diese Tour sagte!“ jubiliert SIE, woraufhin ER lakonisch erwidert: „Ich auch.“

Halt an den Agaven
Halt an den Agaven
Steil und keineswegs mehr forstwagenbreit windet sich der Pfad den Berg herunter nach Imada. Der Schwindelempfängliche wählt natürlich die Seite des Wegs, die meistmöglich vom Abhang abgewandt ist. „Warum gehst Du denn durch die Agaven?“ lächelt SIE herüber, was ER mit einem gequälten „Weil sie mir Halt geben!“ quittiert.

Natürlich alles halb so schlimm, wenn man es erst einmal geschafft hat und bereit ist, neue Fehler zu machen, die man später dann wieder vielleicht gar nicht so falsch findet: Ein Abstecher ins Dorf, um dort Rast zu machen? Gerne! Man hätte uns aber sagen können, dass das über hundert Meter runter und später die gleichen mehr als hundert Meter wieder hoch sind! Wenigstens haben wir dabei gelernt, dass das Wanderbier zwar herrlich durch die Kehle zischt, aber beim Wiederaufstieg direkt durch die Waden verdampft, was irgendwie unangemessen ist.

Aufstieg von Imada
Aufstieg von Imada
Der Aufstieg wirkt in schöner Mittagssonne noch anstrengender und steiler als er eh schon ist, aber am Ende gibt’s einen Schleichweg zum Gipfel des Garajonay, der wirklich schön angelegt ist (schmaler als Forstwege, aber eben so seicht zu begehen: eine gelunge Symbiose für unser beiderley Geschmack!). Die Belohnung für spätes Loswandern auf dem Gipfel: Kein Mensch da außer uns. Dass die Wolken im Norden waberten und die Sicht auf Teneriffa mitsamt Teide sperrten, hatten wir erwartet. Außerdem ist es schon tres chic, wie die Wolken den optisch famosen Roque Argando umspielen.

Gomerischer Salat
Gomerischer Salat
Abends gab's übrigens Salat, und zwar so einen von der gomerischen Art mit Avocado, Papaya, Tomate, Banane und roter Zwiebel. Dazu ein erfrischend leichtes Zitronen-Olivenöldressing. Was sag ich? Perfekt!

Published at 07:46PM ( 0 comments / 28 visits )
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April 12nd, 2012

Kleine Kanarische Typologie

Sonnenuntergang vor La Gomera
Sonnenuntergang vor La Gomera
Im Flieger nach Teneriffa (Süd) kann man sie schon ausmachen, die diversen Typen von Touris. Da gibt es die ChiChis wie die Beiden jenseits des Ganges gleich neben uns. Er: Erfolgsmachermensch mit Glatze und Dauerlächeln. Sie: Weibchen mit Schmollschnüti süüüßen modischen roten Schuhen. Beide: Verliebt. Natürlich muss ER im Flieger schnell noch mal jemand anrufen, um mitzuteilen, wann die Freunde ihn denn vom Flughafen abholen können. SIE daddelt mit dem iPad herum und freut sich über die Möglichkeit, mit elegantem Wackeln Schwung ins Spiel zu bringen.

Erstaunlich wenig All-Inclusivs machen wir an Bord aus, dafür solche wie die Zwei mit den Rastalocken. Die Wette, dass wir sie auf der Fähre nach La Gomera wiedersehen werden, findet nicht statt, weil keiner dagegen halten will. Wir hätten auch wetten können, dass sie, einmal kanarischen Boden betreten habend, mit bläcke Fööss durch die Gegend laufen – aber wahrscheinlich hätte auch da keiner gegen gehalten (und womit? mit Recht, denn natürlich sahen wir sie barfuß auf der Fähre nach Gomera).

Und natürlich gibt es Wanderer, die mit ihrer Bekleidung für die einschlägig bekannten Firmen Werbung laufen und mit ihren fetten Botten Gewicht und Platz im Koffer sparen wollen. Bei fünf Stunden Flugzeit zieht man die natürlich gut aus – riecht gut!

Das Schöne an No-Frill-Airlines ist, dass sie aufs Essen verzichten, man sich also auch nicht über dessen Qualität beschweren kann. Andererseits ist es natürlich jammerschade, das nette Personal nun gar nicht mehr so intensiv erleben zu können, und die traurigen Augen des Chefstewards, weil keiner das kostenpflichtige Menü ordert, schmerzen schon ein wenig. Fernsehen an Bord gab's auch nicht, weswegen wir Nahsehen praktizierten.

Kanarenanflieger
Kanarenanflieger
An Bord trägt man Hut, obwohl alle Fenster geschlossen waren und somit sowohl Sonne als auch Wind ausgesperrt blieben. Alles eine Frage des persönlichen Geschmacks, und der differiert vom Sonnenhut auf hübscher blonder Langhaarfrisur über Hurley Basecap im klassischen Schottenmuster und der No-Frill-Cap in rot bis zum Jägerhut auf altem Mann mit Strickpulli. Die netteste Variante war noch die hutlose Hochsteckfrisur mit Oberlippenpiercing, die Alessandro Baricco las: Esta historia, auch so eine Geschichte...

Kurz vor der Landung tauchte El Teide linker Hand auf und sieht ein wenig aus wie Nippelgate, wenn die Wolken den Gipfel frei lassen. Aber man durfte nicht hin, denn auf dem Flügel des Fliegers steht klar und deutlich: Do not walk outside this area. Wobei ich bislang auch inside this area nie jemanden hab laufen sehen.

Deutsche Bank
Deutsche Bank
Vom Flieger geht's mit dem Bus in die Stadt. Los Cristianos ist beliebtes Urlaubsziel für Viele, für uns sicher nicht. Am zentralen Bushalteplatz begrüßt einen gleich die Deutsche Bank mit einer Filiale - wenn man also spontan noch ein wenig Geld braucht... Ein paar Schritte weiter wartet ein "Eisen Waren Handel", da könnte man das Geld dann gleich vernageln. Wir taten weder das Eine noch das Andere, sondern rollerten mit den Koffern die Hauptstraße entlang Richtung Hafen. Die Fähre von Armas fährt eine halbe Stunde eher los, ist billiger und kommt zeitgleich mit dem Express von Fred Olsen in Santiago de la Gomera an. Obendrein bietet die Fähre Volcan de Taburiente den Luxus zahlreicher Außenplätze, von denen aus man das seltene Naturschauspiel eines formidablen Sonnenuntergangs mit Glitzerwasser im Westen der Insel verfolgen konnte.


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April 10th, 2012

Wenn die Bedienung den Gast fürs Aufessen lobt

Ein Besuch in Bülow's Bistro

Bistro in der Bülow Residenz
Bistro in der Bülow Residenz
Nein, wir regen uns nicht mehr auf über den überflüssigen Apostroph im Namen des Restaurants - aber wenn wir können, schreiben wir dann eben lieber vom Bistro im "Bülow Palais" (obwohl: da hätten wir ja gerne einen Bindestrich eingefügt, die Umschreibung hilft also auch nicht wirklich). Und nein, wir regen uns auch nicht mehr darüber auf, dass man in dem Bistro sich auf ein Polster niederlässt, in dem man so tief sinkt, dass man (als nicht so hoch aufgeschossener langer Lümmel) fast auf Augenhöhe mit der Tischkante is(s)t. Regen wir uns denn überhaupt gar nicht mehr auf? Doch: Über merkwürdige Servicekräfte regen wir uns gerne auf - und von denen hatten wir mehr als eine.

Unsere Hauptbedienung gefiel uns beispielsweise ganz besonders, weil sie uns am Ende eines jeden Ganges immer lobte, dass wir so brav aufgegessen hatten. "Toll!" sagte sie nach der Vorspeise, und um sich zu steigern, räumte sie die leeren Teller nach dem Hauptgang mit einem anerkennenden "Wunderbar! Sieht gut aus!" ab. Da fühlten wir uns doch gleich mal bestätigt!

Auch nicht schlecht war die Kollegin, die (ganz am Anfang) zwei Teller brachte, von denen einer an unseren Tisch gepasst hätte als Vorspeise, der andere aber gar nicht. Als wir das monierten, grummelte sie so etwas wie "musswohlfalschertischsein" und schob mit dem einen Teller ab - ließ sich dann aber doch noch von uns überreden, den anderen auch mitzunehmen. Und weil wir ja keinen auslassen wollen, erwähnen wir an dieser Stelle auch noch den Kollegen, der zum Dessert an den Tisch kam mit einem beherzten "Ja dann noch einmal herzlich willkommen!"

Derlei Begebenheiten lieben wir, weil man dann ja immer Gesprächsstoff am Tisch und immer was zu Lachen hat. Es ging also, zumindest an unserem Tisch, heiter-beschwingt zu in Bülow's Bistro, das wir im Rahmen der Kochsternstunden besuchten, um zum persönlichen Abschluss noch einmal in den Genuss eines Menüs von einem Sterne-Koch zu kommen. Dirk Schroer, seit 2006 in Dresden, hat im Hauptrestaurant "Caroussel" nicht nur einen Michelin-Stern erkocht (und gehalten), sondern wird auch von anderen Gastro-Guides hoch gelobt. So etwas, dachten wir, färbt doch auch aufs Bistro ab!

Und es ging auch gleich gut los: Wunderbar frisches und schmackhaftes Brot, dann als Amuse Gueule eine kleine Tasse mit Spargelsüppchen und einem Happen Lachs - ein feiner Gruß! Danach kam, wie bereits geschildert, erst einmal ein Fehlschuss und 20 Minuten später tatsächlich die Vorspeise: Geräucherter Heilbutt mit Zitrusfruchtsalat und Vanillevinaigrette. Eine frisch-fruchtige Sache, bei der nach meinem Geschmack der Heilbutt allerdings ein wenig unterging. Wir fanden im 2007 Riesling feinherb von Joh. Jos. Prüm, 
Mosel den Geschmack der Grapefruit wieder, die auch im Salat war - und waren eh ein wenig begeistert, was der Prüm für tolle Weine macht.

Ans Warten hatten wir uns ja schon gewöhnt, der Hauptgang kam 40 Minuten nach der Vorspeise bzw. etwa eine halbe Stunde nachdem die Teller derselben abgeräumt wurden. Fanden wir ein wenig lang, aber man kann die Zeit ja nutzen, um durch die Lobby zu schlendern und die wirklich sehenswerten Toiletten (noch einmal) zu besuchen. Außerdem sorgte unsere Lieblingsbedienung wieder einmal für Gesprächsstoff, weil sie beim Einschenken des Weines zum Hauptgang – einen 2009 Château la Liquière, Faugerés – nicht nur über den Namen des Weines stolperte, sondern dann auch noch im Zugabeteil scheiterte: "Der passt gut zu..." (Augenrollen, kurzes Zögern, dann die Lösung:) "...zum Hauptgang!" Ok, sie wusste also nicht, dass dann Zweierlei vom Rind mit Artischocken-Spinat-Gemüse und Kreuzkümmeljus kommen würde, wie seit mehr als vier Wochen bei den Kochsternstunden üblich. Das Zweierlei bestand einerseits aus einem Stück Bäckchen (das in dieser Saison sowas wie ein Liebling der Köche zu sein scheint) und einem wunderbar zubereiteten Stück Filet - wie so oft konnten wir feststellen: Wenn schon Fleisch, dann gutes - und das perfekt zubereitet.

Zum Abschluss gab es eine gar zauberhafte (und so gut noch nicht verkostete) Café Creme Brulée mit Gewürzananas (hätten wir am liebsten nochmal geordert!) und einen dazu sehr passenden 2010 Moscato d`Asti, Oddero, der uns wieder einmal lehrte, dass ein Wein durchaus natürliche Süße haben darf - wenn's denn passt.

Nach dem Abschluss kommt: Der Schluss, meist in Form der Rechnung. Bei unserem Besuch im Bistro dachten wir wehmütig an die Restaurant-Besuche in Italien oder jüngst auf La Gomera zurück, wo wir fürs Wasser zwischen zwei und drei Euro zahlten. Hier waren es 6,20 Euro für 0,75 Liter.

Bülow's Bistro
Hotel Bülow Palais
Königstraße 14
01097 Dresden

Tel.: 0351 | 8 00 30
www.buelow-hotels.de

Geöffnet: täglich 11.30 Uhr – 23.00 Uhr

[Besucht am 7. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]
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April 9th, 2012

Frühling oder Lenz, Eduard oder Friederike?

Frühling
Frühling

Wir haben hier zwei Gedichte zum Thema Frühling, passend zu den Bildern, die heute auf dem Osterspaziergang am Dresdner Kaitzbach und bei Schloss Nöthnitz aufgenommen wurden. Die Frage ist: Wer hat es treffender formuliert: Eduard oder Friederike?

Frühling

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike




Wenn der holde Frühling lenzt...


Wenn der holde Frühling lenzt
Und man sich mit Veilchen kränzt
Wenn man sich mit festem Mut
Schnittlauch in das Rührei tut
kreisen durch des Menschen Säfte
Neue ungeahnte Kräfte -
Jegliche Verstopfung weicht,
Alle Herzen werden leicht,
Und das meine fragt sich still:
"Ob mich dies Jahr einer will?"
Friederike Kempner

Published at 09:55PM ( 1 comment / 75 visits )
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April 6th, 2012

Eine Kleinigkeit neckt die nächste...

Mario Pattis setzt im Lippesche'n Gutshaus Geschmacksakzente

Lippesches Gutshaus
Lippesches Gutshaus
Seit einiger Zeit kocht Mario Pattis im Lippe'schen Gutshaus in Zadel bei Meißen. Genau, das ist der, der als ganz Jungscher in die Kochgeschichte Sachsens einging, weil er 1994 als erster Koch in den neuen Bundesländern mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Damals kochte er noch in Familie auf dem Weißen Hirsch im Restaurant "Erholung" (dem der Focus bescheinigte, "eher ein größeres Wohnzimmer mit Küche" zu sein). Große Küche war sein Ding, mit Vorbildern auch in der höfischen Küche Sachsens und natürlich bei der klassischen französischen Küche. Seine Desserts, die er nach der "Erholung" im Gourmetrestaurant des Romantikhotel Pattis im Zschoner Grund servierte, waren legendär, erreichten aber auch Spitzen der Verspieltheit.

Nun also ist er beim Prinzen im Weingut - und er macht sich da, um das Ergebnis vorwegzunehmen, bestens. Alles, was wir früher gern trotz aller Kochkunst bekrittelten, ist nicht mehr. Pattis kocht gradliniger und schafft es, auch Einfaches hochgenüsslich zu servieren. Wobei, bitteschön, "zu servieren" ernst gemeint ist, denn der Chef kommt mit an den Tisch und erklärt den Gästen sein Essen. Wir waren entzückt, zumal zum Ende des Abends, wenn der Stress in der Küche nachlässt, durchaus noch Zeit für ein Schwätzchen übrig bleibt. Und das lieben wir bekanntlich über alle Maßen (jetzt zum Beispiel, denn wir sind ja immer noch nicht auf den Punkt gekommen! Aber jetzt gleich, versprochen!).

Im Gutshaus agiert der Service zwar nach allen Regeln der Kunst, aber glücklicherweise überhaupt nicht steif. Wir sahen (im Vergleich zu unseren vorherigen Besuchen) neue Gesichter, und zwar hübsch strahlende. Und wir sahen zur großen Freude Mario Pattis, der den ersten von zwei Grüßen der Küche servierte: Einen getrüffelten Kartoffelschaum (der roch vielleicht angenehm!) und darin ein Kartoffel-Eis mit Curry-Geschmack. Wow! Eine verrückte Idee, aber eine sehr leckere (hier jetzt die üblichen Verdächtigen unter den beschreibenden Vokabeln ergänzen: locker aufgeschlagen, angenehme Würze, betörender Trüffelduft und dergleichen: passen alle!).

Wir hatten, sollte ich vielleicht erwähnen, das Kochsternstunden-Menü bestellt inklusive Weinbegleitung (pro Person 60 Euro, ohne Wein 35 Euro). Da stand als erster Gang "Amuses Bouches" - das ist Mehrzahl! Also freuten wir uns auf die zweite Mundfreude - und die kam in Form einer Felsenauster auf Passionsfrucht mit einem Klacks Kokossahne on top (Mario Pattis hat das etwas formvollendeter angekündigt, als er's brachte...). So könnte es ewig weitergehen, dachten wir, eine Kleinigkeit neckt die nächste, alles schmeckt fein und die Weine des Prinzen (bis hierhin ein 2009 Riesling Kabinett Kloster Heilig Kreuz vom Ufer gegenüber und einen 2009 Weißburgunder - beides eher leichte Vertreter ihrer Art) fügen sich prima ein in die Gaumenfreuden.

Mit einem "Nun aber die richtige Vorspeise!" kündigte Mario Pattis Tatar vom Lausitzer Saibling mit pochiertem Bioei und marinierten Kräutern in Curry-Zitronengrasschaum an. Spätestens hier wurde uns dann klar, dass Pattis, seitdem er beim Prinzen zur Lippe geschmacksbildend wirkt, aufs Höfische mit seinen gehäuften Anbeiaufs verzichtet. Das pochierte Ei zerlief, einmal angeschnitten, in die Sauce und verfeinerte sie. Wir waren begeistert und fanden auch nicht, dass es zuviel Schaumschlägerei war, die uns da an den Tisch gebracht wurde.

Zum Hauptgang gab's einen 2008er Dornfelder! Der hat hier nichts vom alten Image als Deckwein zur Farbgebung, sondern war ein exzellenter Begleiter zu Zweierlei vom Lamm mit mediterranem Gemüse und einem Kartoffel-Parmesantörtchen, bei dem uns das zarte Lammcarrée besonders begeisterte und fast noch besser gefiel als der Lammrücken. Beides rosa und butterzart, wie es sein sollte. Bei solchen Kleinigkeiten merkt man dann eben schnell, dass ein Meister am Herd steht.

Vor der angekündigten "Dessertinspiration" gab's schon mal ein Vor-Dessert! Eine – natürlich alkoholfreie – Pina Colada, die uns hauptsächlich wegen des begleitenden Glases gefiel, in dem sich hauseigener Sekt mit Quittenlikör aus der (auch hauseigenen, was anderes kommt hier nicht auf den Tisch!) Meissener Spezialitätenbrennerei vermählt hatten. Und dann, zum krönenden Abschluss, die Dessertinspirationen. Nougat-Törtchen kam unserem geheimen Wunsch nach irgendwas mit Schokolade schon sehr nahe, zart schmelzendes Mango-Eis passte gut dazu und überraschte mit kleinen Sprengstoffexplosionen im Mund (nicht neu, aber immer wieder nett!). Dazu reichte der Service ein Glas Porto, jenes nicht Portwein sich nennen dürfende Getränk, dass ('tschuldigung:) verdammt wie Portwein schmeckt. Ein edelsüßer Roter aus Frühburgunder und Dornfelder, der mit seinem üppigen Bouqet nach mehr schmeckt!

PS: Wer sich das Bild aufmerksam ansieht, wird hier etwas vermissen. Oben rechts sieht man den Proschwitzer Klassiker im Weckglas serviert: Bäckchen mit Sellerieschaum und Trüffel. Das brachte uns Mario Pattis (ich denk: außerhalb der normalen Menüfolge) an den Tisch. Wahrscheinlich wollte er, dass wir deswegen mal wiederkommen. Ist ihm gelungen!

Lippe‘sches Gutshaus-Restaurant
Dorfanger 19
01665 Zadel

Tel.: 03521 | 76 76 73
www.schloss-proschwitz.de

Geöffnet Mittwoch bis Sonntag ab 12.00 Uhr

[Besucht am 5. April 2010 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung | vorherige Besuche im März 2011 und im November 2010]
Published at 10:04PM ( 0 comments / 104 visits )
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April 1st, 2012

Immer mehr als einen Wein

Versuch, das Phänomen der Wein|Kultur|Bar in Dresden Striesen zu beschreiben

WeinKulturBar
WeinKulturBar
Manchmal lohnt es sich zu planen: Für Spontanbesuche ist die Wein|Kultur|Bar von Silvio Nitzsche zumindest am Wochenende nämlich nicht geeignet: Das Reservierungsbuch ist auf Monate hinaus gut gefüllt. Es gibt Ausnahmen: Wenn es Sommer ist und unverhofft gutes Wetter - dann findet sich manchmal auch spontan draußen noch ein Plätzchen. Oder wenn gar kein Wochenende ist und man auch nur zu zweit kommt - da geht's manchmal schon. Allerdings kann keiner so schön "Tut mir leid!" sagen wie Silvio Nitzsche, weswegen man zwar traurig geht, aber nicht missmutig.

Damit wäre aber auch gleich zu Beginn schon alles gesagt, was einem keine Freude bereiten kann an diesem Ort fröhlichen und kulturvollen Genießens! Nicht ohne Grund ist die kleine Weinbar (ich habe nie gezählt, aber ich schätze sie mal auf höchstens 20 Plätze) in einem Eckhaus in Striesen von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Anfang 2010 zur Weinbar des Jahres gekürt worden.

20 Plätze - das klingt nach verdammt wenig. Ist es auch – aber mehr dürften es gar nicht sein, denn Silvio Nizsche kümmert sich intensiv um seine Gäste. Und nur weil es ein Eckhaus ist, ist die WeinKulturBar noch längst keine Eckkneipe! Der Gast kann wählen aus einem über 200 Seiten dicken Buch, in dem rund tausend Weine verzeichnet sind. Im Grunde genommen etwas für Abstinenzler, denn vor lauter Lesen kommt man ja nicht zum Bestellen. Also gibt es eine täglich wechselnde kleine grüne Karte, in der Weinempfehlungen stehen: Das ist schon mal eine Auswahl, auf die man sich verlassen kann. Oder man bittet den Gastgeber, einfach zu bringen, was er für gut hält. Der erkundigt sich dann noch nach Vorlieben, Antipathien und sonstigen Gemütszuständen, die den Trinkgenuss beeinflussen können - und bringt immer mehr als einen Wein.

Bis der kommt, ist es allerdings nicht leer auf dem Tisch: Ein bis drei hervorragende Olivenöle, vier Gläser mit Salz, vier Schälchen mit Snacks (Oliven, Kapern und derlei Dinge), Balsamessig, dazu Brot. Alles von der Art, dass man sich am liebsten reinsetzen würde (was man natürlich nicht tut, weil es ja nicht schicklich ist und obendrein eine gewisse sportliche Akrobatik voraussetzen würde). Eine wunderbare Grundlage für die Weine, die da kommen werden...

...und dann auch präsentiert werden: Wie gesagt, bei unserer lockeren Bestellart kommt Silvio Nitzsche gerne mal mit zwei Flaschen in der Hand - zumal wir auf die Frage "einer, der Vergnügen bereitet oder einer, der außergewöhnlich ist?" uns gerne mit dem Außergewöhnlichen anlegen. Das sind manchmal schon verwegene Gesellen – aber mit denen einen Teil des Abends verbringen zu dürfen, kann schon ein merkenswertes Vergnügen werden. Die Weine gibt's offen im 0,1 l Glas, und natürlich darf man vorher probieren. Endlich mal ein Ort, wo diese Zeremonie nicht leer ist, sondern sinnvoll - weiß man doch oft gar nicht, was auf einen zukommt. Aber auf diese Weise geraten Abende in der WeinKulturBar zu einer vinophilen Lektion, die doppelt genussvoll ist: Einmal weiß der Herr Nitzsche, der in einem früheren Leben sicher einmal ein Wein-Lexikon war, immer sehr angenehm zu informieren - ach, was heißt hier angenehm: Er sprüht vor Begeisterung, er erzählt dies und das, stellt Zusammenhänge her, macht auf Details und Geschmacksnuancen aufmerksam. Man merkt: Hier gibt einer der begnadestens Sommeliers der Republik (Nitzsche war fünf Jahre Sommelier beim 3-Sterne-Koch Dieter Müller) sein Wissen weiter. Und dann lässt er den Gast mit seinem Glas allein, auf dass der dann den zweiten Genuss erlebt: Den Wein zu trinken. Lebenslanges Lernen, wer mag es bestreiten, ist eine tolle Sache!

An dieser Stelle kommt das dicke Buch, das sich bescheiden Wein-Liste nennt, wieder ins Spiel. Wir haben zwar noch nie daraus bestellt, aber immer wieder gerne drin gelesen. Es lohnt sich, denn neben den Weinen (und Kaffees, Schokoladen, Tees) finden sich darin eine Menge bemerkenswerter und manchmal auch sehr lustiger Ideen. Zum Beispiel die Sache mit dem Taxi, das Nitzsche all denen empfiehlt, die instensiv studiert haben an so einem Abend. Zehn Prozent der WeinKulturBar-Rechnung übernimmt er für die Taxifahrt. (Wir nutzen den Service nie: Direkt vor seiner wie auch vor unserer Haustür gibt es eine Haltestelle der Dresdner Verkehrsbetriebe!) Oder die Seite, in der von ganz exklusiven Angeboten die Rede ist (uns gefällt besonders die Kategorie "Um jeden Preis", wo es für 4,44 Euro eine Flasche gibt, zu der es heißt: "Schön, dass Sie den trinken, ich würde es nicht." Ich glaube, diesen "äußerst fragwürdigen Tropfen" muss ich mal bestellen beim nächsten Besuch!

Die WeinKulturBar ist allerdings nicht nur the home of your Lieblingswein (steht so in der Karte!), sondern immer mehr auch home of your Lieblingskäse. Denn was der Silvio dem Wein ist die Jana dem Käse. Bis zu hundert verschiedene Sorten gibt es - Kuh, Schaf, Ziege. Und die werden serviert mit abenteuerlichen Begleitern, die - Probieren ist hier mal wieder Studieren – aber die Geschmacksnuancen der Rohmilchkäse aufs Bezauberndste unterstützen. Die Käse-Auswahl ist (wie beim Wein) nicht Nullachtfuffzehn, sondern wird individuell abgefragt. Und wenn die Käseplatte (kleine Portion mit 4-6 Stück 7,50 Euro, mittlere Portion mit 8-10 Stück 13 Euro, große Platte mit 20 Stück 25 Euro) an den Tisch kommt, werden die einzelnen Sorten genau so kenntnisreich vorgestellt wie die Weine.

PS: Die Weine, die man dort trinken kann, kann man auch als Flasche kaufen und zu Hause trinken. Und den Käse portionsweise mitnehmen. Kann auch ganz schön sein...

WEIN|KULTUR|BAR
Wittenberger Str. 86
01277 Dresden Striesen

Tel.: 0351/3157917
www.weinkulturbar.de

Geöffnet
Dienstag bis Samstag 15.00 bis mindestens 23.00 Uhr
Reservierung, auch langfristig, dringend empfohlen
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March 30th, 2012

Gasthaus Oberschänke

Verzeihn Sie, mein Herr,
Fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?
Er schafft's vielleicht,
Wenn's mit der Kohle noch reicht.

Kötzschenbroda-Express

Kochsternstundenmenü in der Oberschänke
Kochsternstundenmenü in der Ob…
Altkötzschenbroda! Mein Lieblings-Anger in der Gegend, schon weil der Name so toll ist und Bully Buhlan den Ort 1946 in seinem Swing verewigte (1983 machte Udo Lindenberg dann den Sonderzug nach Pankow daraus). Der ganze Ort ist liebreizendst restauriert und insgesamt eine veritable Kneipenmeile. Ganz am Ende (oder, wenn man von eben da kommt: ganz am Anfang) gibt es neben der Friedenskirche das Gasthaus Oberschänke. Das klingt so richtig altbacken - und ist das genaue Gegenteil!

Wir erlebten einen sehr herzlichen und fröhlichen Abend - mit einer Bedienung, die bestens drauf war, sich um unser Wohl(ergehen) kümmerte und auch im Stress noch Zeit für beschwingte Unterhaltung fand. So haben wir das gerne (und wünschen es uns auch andernorts!). Unser Viergang-Menü im Rahmen der Kochsternstunden kam erstaunlich flink - wir hatten den Eindruck, dass andere Gäste, die á la carte bestellt hatten, länger warten mussten. Allerdings schienen die auch entspannt und gelassenen, so dass der Eindruck auch trügen kann. Wartezeiten sind ja per se auch nichts Schlimmes, schon gar nicht, wenn wirklich frisch gekocht wird.

Und frisch zubereitet ist es in der Oberschänke! Unsere Vorspeise von Garnele, Wachtel und Ziegenkäse war ein klar arrangiertes Trio mit vielen Geschmacksexplosiönchen, die Freude bereiteten. Dazu gab's dann übrigens einen halbtrockenen Riesling (2010 feinherb von Josef Rosch).

Schön kräftig schmeckte das Filet vom Seesaibling mit Kartoffelkruste, Borschtschgraupen und Parmesanschaum (der separat auch nachgereicht wurde, was uns gut zupass kam ;-) - und einmal mehr durften wir entdecken, dass Graupen durchaus köstlich schmecken können. Auch Rote Bete (im Gemüsebett unterm Fisch) sind viel besser als ihr Ruf, wenn man sie denn richtig zubereitet. Es machte "hhmmm" und "hhhhmmmmm" am Tisch, wozu ein apulischer 2009 Chardonnay (!) von Tormaresca durchaus beitrug (und wir etwas entsetzt feststellen mussten, das Weingut bei unserem Besuch in Apulien verpasst zu haben)!

Eigentlich waren wir ja hauptsächlich wegen der Geschmorten Kalbsbäckchen, Osso Buco Gemüse & Kartoffeltörtchen nach Altkötzschenbroda gefahren - eine Weltreise, wenn man im Süden Dresdens wohnt ;-) Aber es hat sich gelohnt! Die Kalbsbäckchen butterzart - sie zerfielen vor Scham, wenn man sie nur ansah. Aber sie waren keineswegs trocken! Das Gemüse unterm Bäckchen fein abgeschmeckt, der Broccoli bissfest - nur das Kartoffeltörtchen vielleicht ein wenig zu trocken und käselastig (aber wenn man's mag...). Auch hier wurde in einer Sauciere was zum Ditschen nachgereicht: Das mag zwar nicht die feine Küche sein, aber die leckere ist es! (Die Weinempfehlung, ein 2010 Merlot von Torres, war mir ein wenig zu grantig für das feine Bäckchen. Aber das haben wir unter "Geschmackssache" verbucht).

Zum Dessert gab es ein Arrangement köstlicher Süßigkeiten – ein nett arrangierter Mix aus weißem Tobleronemousse auf Rhabarberkompott, Rote-Grütze- und Granatapfeleis, Rhabarbermuffin und einer Obstgarnitur. Und eigentlich noch ein Birnen-Lavendel-Sorbet, denn das gab's als zusätzlichen Gruß aus der Küche vor dem Dessert! Taylor's 2004 Vintage Port erwies sich als durchaus passender Begleiter zu den hausgemachten Süßigkeiten...

Gasthaus Oberschänke
Altkötzschenbroda 39
01445 Radebeul

Tel.: 0351 / 838 88 13
www.oberschaenke.de

Geöffnet:
Montag bis Freitag ab 17.00 Uhr Samstag, Sonntag und Feiertags ab 12.00 Uhr

[Besucht am 26. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]

Das Lied vom Zug nach Kötzschenbroda in einer, hm, sagen wir: gewöhnungsbedürftigen Fassung
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March 28th, 2012

Runde Sache, so ein Besuch im Cube

Cube
Cube
Den Tipp zum Besuch des Cube bekam ich vor einiger Zeit über einen Facebook-Kontakt: Da sei es toll, da solle ich unbedingt mal hin. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, denn irgendwie erschien es mir nach Betrachten der Webseite mehr Bar und Lounge als Restaurant zu sein. Aber man kann sich ja auch irren - wir waren nämlich jetzt im Rahmen der Kochsternstunden dort und schlichtweg begeistert!

Seit August 2011 gibt es das Cube, in dem Würfeliges das Design bestimmt. Allerdings nicht zum Anecken - eher gestaltete sich der Abend zu einer runden Sache, mit nur kleinen Irritationen der überschaubaren Art: Der Service unter der Leitung des einen von zwei Inhaber-Brüder David und William Georgi erschien uns nämlich eine Spur zu beflissen. Sich nach dem Wohlergehen der Gäste zu erkunden, ist ja ganz OK, aber quasi nach dem ersten Bissen schon ein gestelztes (und sich bei allen Gängen wiederholendes) Frage-Antwort-Spiel a la "Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit?" – "Ja, Danke..." – "Das hören wir gerne!" anzuleiern, kann dann schon auf den Keks gehen, um das einmal bewusst salopp zu formulieren. Und die Widerholung des Spiels nach jedem Gang macht's auch nicht besser. Derlei Steifheit stört uns auch in durchaus vornehmeren Restaurants – aber in einem Szenerestaurant (als solches firmiert das Cube auf der eigenen Webseite) mögen wir sie gar nicht.

Das war's aber auch schon, denn ansonsten war alles eher prima. Das Menü begann – weil wir mit dem Kochsternstunden-Veranstalter Clemens Lutz im Rahmen des "offenen Genuss-Tisches" da waren – mit einem zusätzlichen Amuse Geule. Aus der Küche kamen die an Genuss-Tisch-Abenden obligatorischen Sternenudeln, aber dezent zurückhaltend auf kräftig würzigem Rindercarpaccio und Proseccoschaum serviert. Ein geschmackvoller Gruß aus der Küche!

Kaltes Champagnerschaumsüppchen mit Melonen Kaviar beeindruckte nicht nur durch einen leicht säuerlichen frischen Geschack, sondern vor allem auch durch die Kügelchen der Melone (die optisch in der Tat an Forellenkaviar erinnerten). Der dazu servierte 2009 Schloß Wackerbarth Grauburgunder war eine perfekte Ergänzung.

Vom Aussehen erinnerten die Heilbuttnocken auf Rotebeete Carpaccio mit Safran-Zitronengrasschaum ein wenig an den Gruß aus der Küche, aber geschmacklich war das dann schon ein eigenes Erlebnis. Die Nocken ähnelten in Farbe und Konsistenz Mozarella, hatten aber (natürlich!) einen wunderbaren Eigengeschmack, der im harmonischen Gegensatz zur erdigen Roten Bete stand. Dazu tranken wir einen 2010 Spiess Chardonnay QbA Vom gelben Löss – ein trefflicher Begleiter!

Höhepunkt des Abends war dann allerdings das Rosa gebratene Rinderfilet an Kartoffelstroh und Fingermöhren mit Cognac Jus! Das Filet kam vom Limousin-Hof Klemm, den wir ja schon mal besucht hatten – beste Qualität also. Was uns aber so unglaublich ins Schwärmen gerieten ließ, war die Zubereitung: Endlich einmal wirklich rosa – und das, obwohl (konsequenterweise!) nicht gefragt wurde, wie wir es haben wollten: Das wurde (korrekt, korrekt!) einfach vorausgesetzt, dass es nur so und nicht anders geht. In einer Sauciere reichte der Service mehr vom Jus, was wir dankend angenommen haben. Spontan beschlossen wir: Für diesen Gang gehen wir nochmal ins Cube! Ach ja, for the records: Dazu gab's 2006 Lamborghini Trescone...

Zum Abschluss genossen (jawohl!) wir Schokoladen Spaghettinis gratiniert mit frischen Früchten und Weinschaum Sabayon, wobei die Schoko-Spaghetti überraschend schokoladig schmeckten und auch gut aussahen - "nach einem Monat Herumexperimentiererei!", wie uns David Georgi versicherte. Dazu gab's was Süßes: 2010 Marchesi di Barolo Moscato Zagara d‘Asti DOCG.

PS: Alle Gerichte haben wir so geschrieben, wie sie in der Karte standen. Freiwillig hätten wir Leerzeichen und/oder Bindestriche ja manchmal anders gesetzt...

PS 2: 4 Gang Menü 39,00 €, inkl. Weinbegleitung 52,50 €

Restaurant Cube
Herbststr.1
01139 Dresden

Tel.: 0351 / 657127 95
www.cube-dresden.de
www.kochsternstunden.de/index.php/cube.html

Geöffnet:
Montag bis Freitag ab 17.00 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertags ab 12.00 Uhr

[Besucht am 26. März 2012 | Lage | Zur Karte der hier besprochenen Restaurants in Dresden und Umgebung]
Published at 10:02PM ( 0 comments / 60 visits )
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