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November 3rd, 2009

Zehn Elefanten auf Tour: (Bild-)Geschichte eines Umzugs

Es geht eine Maschine auf Reisen...
Es geht eine Maschine auf Reis…
Maschinen haben keine Namen - und wenn, dann meist eher ganz merkwürdige. Sprachler würden dann auch nicht Name dazu sagen, sondern es eher Bezeichnung nennen. Weil aber "walter+bai 20-MN-Belastungsrahmen" nicht so gut klingt wie beispielsweise "Jumbo", wollen wir den 60-Tonner fortan Jumbo nennen. Das passt auch ganz gut, weil sich ja kein normaler Mensch vorstellen kann, wie schwer 60 Tonnen wirklich sind - und da bietet sich doch der Vergleich mit Elefanten an, die gut und gerne 6 Tonnen auf die Waage bringen, wenn man eine passende Waage zur Hand hat. Zehn Elefanten auf Tour - darum geht es jetzt. (Wer mangels Erfahrung mit dem Elefantenvergleich nicht klar kommt, kann gerne weiter herunter rechnen: 60 Tonnen entsprechen 60.000 Kilo-Paketen Zucker. Oder 20.000 Kilo-Paketen Zucker plus 20.000 Kilo-Paketen Mehl plus 80.000 Päckchen handelsüblicher Butter, aus denen man reichlich 40.000 Kuchen nach dem Rezept "Pfund auf Pfund" backen könnte - aber ich schweife ab).

Zurück zu Jumbo! Der 20-MN-Belastungsrahmen ist eine Prüfmaschine, die im Otto-Mohr-Laboratorium (was hier alle kurz OML nennen) steht. Mit diesem Rahmen kann man Stahlkabel und Spannglieder prüfen, aber auch Platten, Balken oder Stützen mit einer Länge von bis zu 7 Metern. So weit, so gut. Das Problem war nur, dass Jumbo auf einem Platz stand, den man für andere Dinge benötigte. Und nun bewege mal einer in einer geschlossenen vollgestellten Halle einen Jumbo oder zehn afrikanische Elefanten oder 40.000 "Pfund-auf-Pfund"-Kuchen!

Kunst der Arbeit
Kunst der Arbeit
Dr.-Ing. Torsten Hampel, Leiter des OML, hatte zur Lösung des Problems eine Antwort parat: "Die erste Variante hätte eine Demontage des Rahmens bedeutet. Aber die Umsetzung und die erneute Montage des Rahmens am neuen Standort hätten einen Zeitraum von etwa sechs Wochen in Anspruch genommen!" Das war dann doch ein bissel viel, also dachte man nach, besann sich auf vorhandene Kenntnisse und bereits praktizierte Kooperationen und entwickelte im Team diese Idee: "Wir heben den Spanngliedrahmen an, setzen ihn auf Schwerlastwagen und fahren ihn dann durch das OML!" Klingt leicht, ist es aber nicht. Zwar war das Ausheben durch die im OML vorhandene Prüftechnik möglich, und sowohl Schwerlastwagen als auch das Verschieben des Rahmens sind für den Kooperationspartner, die Firma Ratschaisenträger, nichts Neues. Aber wie immer steckt der Teufel im Detail: Die Schwierigkeit bestand darin, dass nicht alle Bereiche des OML-Fußbodens ausreichend tragfähig für den 60-t-Rahmen waren: Kanäle für allerlei Technik führen durch die Halle und sind mit Blechen abgedeckt, die gut und gerne eine Horde Studenten aushält, aber keinen Jumbo. An einer Stelle auf dem Weg zum neuen Standort für den 20-MN-Belastungsrahmen ist die Abdeckung des Kellerzugangs nicht ausreichend tragfähig.

Men at Work
Men at Work
Was tun? Eine ganz spezielle Transport-Technik entwickeln! Mit einer vorab ausgetüftelten und in der aktuellen Situation verfeinerten Hebe- und Schiebetechnologie konnten die entsprechenden Bereiche überwunden werden. Der Techniker sagt: "Dafür wurden mehrere Pressenpunkte am Rahmen vorgesehen. Wir haben in mehreren Phasen den Rahmen hochgehoben und die Schwerlastwagen umgesetzt!" Wobei die Schwerlastwagen eher aussahen wie so kleine niedliche Möbelverschiebehilfen. Aber die Kleinen haben es in sich und können eine Menge Druck vertragen! Imposant, imposant - und auf die Gefahr der Wiederholung: Klingt alles leicht, ist es aber nicht. Wie angespannt die Leute zugange waren, merkte man am Geräuschpegel: Nichts, aber auch gar nichts außer dem leichten Surren der Zugmaschine war zu hören. Volle Konzentration, wenn es drauf ankam. Und dann, als es geschafft war, ein beherztes und lautes: Färdsch!

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November 7, 2009

Die mit dem Apostroph tanzt

Vorzüglich speisen im Restaurant von Evi

Evi's Restaurant
Evi's Restaurant
Öfter mal was Neues: Wir haben den Apostroph versenkt und ihn zum Komma gemacht! Aber was sind denn Äußerlichkeiten? Zu vernachlässigen, genau! Also gehen wir trotz des Schildes mit der geschwungenen Schreibschrift und dem falschen Apostroph, der zum komplett sinnlosen Komma wurde, doch einfach rein in "Evi,s Restaurant". Es liegt etwas abseits von der Altkötzschenbrodaer Touri-Meile - aber die paar Meter vom Anger lohnen sich!

Innen drin ist es erfreulicherweise nicht so schnörkelig, sondern schon fast ein wenig streng - aber das mag ich ja. Außerdem stehen Kerzen und Blumen auf den Tischen, die nett eingedeckt sind. Bis zu 30 Gäste finden hier Platz - und im Sommer bei gutem Wetter kann man auch im noch kleineren Garten sitzen (von draußen kann man da durch ein gezieltes kleines Loch in der Wand reinsehen - eine lustige Idee!).

Was hat die freundliche Bedienung gebracht? Nur Leckeres! Die Hokkaido-Kürbis-Suppe mit drei Stückchen Lachs schaumig im Glas serviert - ein sehr feiner Auftakt! Das Vitello Tonnato kam einmal etwas anders serviert auf den Tisch als man das so gewohnt ist: die Sauce separat im Glas. Optisch ansprechend und auch voller Geschmack - wobei das beste Vitello für Dresden und Umgebung meiner Meinung nach seit Jahren in der Villa Marie serviert wird. Platz 2 also für Evi!

Wenn es in einem guten Haus Jacobsmuscheln gibt, muss ich zuschlagen - bei Evi war das eine mehr als gute Idee. Saftig, frisch, geschmackvoll, mit einem angenehm angemachten Salat waren die Jacobsmuscheln der kleine Höhepunkt des Abends. Von den Hauptgerichten blieb der Red Snapper in Erinnerung - weil der mit ein wenig Pech ja durchaus belangslos schmecken kann. Tat er aber nicht - was vielleicht auch an der Kombination seiner Begleitung auf dem Teller lag: Hummer-Schaum-Sauce, geschmorter Fenchel und Kräuter-Polenta.

Soll's das schon gewesen sein? Oh nein: Dessert! Die (unvermeidliche?!) Créme Brûllée mit marinierten Quitten und Haselnuss-Eis ergaben einen Dreiklang, den man nicht so schnell vergisst. Was freilich auch für die Mousse von der Valrhona-Kuvertüre mit Pistazien-Parfait im (weißen) Schokokegel gilt - wer also allein kommt und nicht die Möglichkeit hat, vom Nachbarteller zu naschen, wird vor schwere Entscheidungen gestellt (oder nimmt, alternativ dazu, gehörig zu an diesem Abend).

Die Weinkarte ist nicht riesig, aber ausreichend - zumal es die meisten der sächsischen Weine, die hier von Schloss Proschwitz, Jan Ulrich, Martin Schwarz und anderen angeboten werden, auch im Glas gibt.

Evi’s Restaurant und Weinstube
Gradsteg 1 · 01445 Radebeul
Telefon: (0351) 795 11 01 · http://www.evis-restaurant.de

Montag bis Samstag ab 17:30 Uhr · Sonn- und Feiertage ab 11:30 Uhr

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November 12, 2009

Ein Hauch von Russland

"An der Rennbahn“ gibt es gibt reelle Kost zu vernünftigen Preisen

An der Rennbahn
An der Rennbahn
Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand. An der Theke sitzt in sich versunken ein grauhaariges Mütterchen im rotweißkarierten Kleid mit weißer Kittelschürze – immer, denn es ist eine Puppe. Das war's aber auch schon an Irritationen im Restaurant „An der Rennbahn“. Die anderen Plätze sind mit Menschen aus dem wirklichen Leben besetzt, die sich bei unseren beiden Besuchen aufs Angenehmste unterhalten – eine nette Atmosphäre...

...die ihre Fortsetzung findet in vielen anderen Dingen. Wir treffen auf eine superfreundliche und schnelle Bedienung, die (später, als es um den passenden offenen Wein zum Essen geht) sich kurz entschuldigt und die beiden zur Frage stehenden Flaschen bringt und uns probieren lässt. Wir bekommen ein Essen, das als „gutbürgerliche Küche“ (so steht's auf dem Auto hinterm Haus) trefflich umschrieben ist: Es gibt reelle Kost zu vernünftigen Preisen – und manchmal auch eine Überraschung.

Für die Überraschungen in der Küche sorgt Ivan Arestov. Er ist hiesigen Restaurantgängern kein Unbekannter, denn er hat schon im Grumbacher „Julius Kost“ und in der Striesener „Kanzlei“ Akzente gesetzt. Jetzt kann man „An der Rennbahn“ die Koch-Einflüsse seiner russischen Heimat schmecken. Zum Beispiel bei der Soljanka, die bei unserem ersten Besuch der Herr am Nebentisch so dolle lobte, dass wir sie bei der zweiten Stipvisite im Restaurant selbst probierten und ebenfalls beglückt waren: gehaltvoll, fein säuerlich abgeschmeckt, beste Qualität der Zutaten. Die andere probierte Suppe, eine Kürbiscremesuppe, wies allein gelöffelt wenig Eigengeschmack auf, aber Dank reichlich gebratener Knoblauch-Salami hinterließ sie insgesamt doch einen positiven Eindruck.

Immer in der ersten Woche eines Monats ist seit Neuestem die „Russische Woche“ angesagt, weswegen wir zum Hauptgang in der Spezialkarte fündig wurden: Die „Spitzkohlröllchen mit Lammgehacktem“ sind als deftige Einmaligkeit in Erinnerung geblieben, dazu gab es Kartoffel-Kürbis-Puffer, die eine nette Idee sind, aber ein wenig krosser hätten sein können. Das „Stroganoff“ mit Gemüse-Reis ist (wie erwartet) eher ein normaler braver gut schmeckender Klassiker – eben gut und bürgerlich.

Die Portionen sind groß, aber am Nachbartisch haben sie alle ihre Teller leer gegessen. Wir sparten uns ein Loch im Magen – für köstliche Desserts. Alle mit Eis sind besonders zu empfehlen – denn das wird selbst gemacht, was man eindeutig herausschmeckt!

PS: Wenn wir wieder hingehen, werden wir sicher auch mal das Ostalgie-Menü aus der Speisekarte von 1984 probieren. Da hatte Familie Bolz das Haus übernommen – und es erfolgreich über die Wende geführt. Anlässlich des 25jährigen Jubiläums steht nun Eierflockensuppe, Leberscheiben vom Schwein mit gebratenen Zwiebeln und Kartoffelbrei sowie als Dessert Ananaskompott mit Sahnetupfer auf der Karte. Für 6,85 M (zu zahlen allerdings 1:1 in Euro).

Hotel und Restaurant "An der Rennbahn"
Winterbergstraße 96, 01237 Dresden

Tel.: 0351/ 212500
http://www.hotel-an-der-rennbahn-dresden.de

geöffnet: täglich ab 11.30 Uhr

[Beitrag zuerst erschienen am 12. Oktober 2009 in PluSZ, Beilage zur Sächsischen Zeitung]

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November 24, 2009

Vom Web aufs Papier

STIPvisiten Apulien
STIPvisiten Apulien
Internet ist schön, aber Gedrucktes hat auch was - es fühlt sich besser an und ist, im Falle eines Buches, als Klo- und Bettlektüre immer noch praktischer als ein moderner iMac mit 27 Zoll. Und auch ein Kalender, der an der Wand hängt, gereicht meist mehr zur Freude als ein dort hängender Flatscreen mit immer dem gleichen Bild.

Nun gibt's also ein neues Buch aus der Reihe der STIPvisiten - die Apulien-Berichte, die hier alle erstmals zu lesen waren, haben sich mit den ebenfalls hier zuerst gezeigten Bildern zum Reiseverführer zusammengefügt. Gedruckt wird in Einzelexemplaren bei Blurb, was leider seinen Preis hat - aber die Qualität ist in Ordnung, mit Hardcover, Schutzumschlag und gutem papier.

Square2010: Titelblatt
Square2010: Titelblatt
Den Kalender gibt es auch gedruckt - erstmals bei einer Druckerei hier aus dem Raum, die ich über Twitter-Bekanntschaften kennen gelernt habe: Networking vom Feinsten! Wer den A3-Kalender nicht sowieso geschenkt bekommt, kann sich aber hier die Bilder herunterladen und selbst ausdrucken oder daraus einen monatlich wechselnden Desktop-Hintergrund machen, groß genug sind die Daten ja.

Service
Das Buch bei Blurb ansehen und kaufen
Den Kalender im Album ansehen

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