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July 2nd, 2009

Geschichten aus Sardinien (2)

Von den Felsen, die gerne etwas Anderes geworden wären

Caprera
Caprera
Man kennt das ja von den Kindern. Die verkleiden sich unheimlich gerne - ein Spaß, der irgendwann nachlässt und nur regional zur Karnevalszeit bei den Alten wieder ein wenig aufflackert. Ganz anders in der Natur! Da tarnen sich Felsen als Fabelwesen (der überlebensgroße Mutant einer Steinlaus frißt sich durch die Bergwelt der Isola Caprera) oder geben den Brummbär (nicht weit weg von der Steinlaus am Capo d'Orso - allerdings sieht der Bär die Steinlaus mit dem Hintern an). Weiter im Innenland fanden wir einen Hasen, zu dem es nichts weiter zu berichten gibt - außer, dass er weder mümmelte noch Haken schlug, sondern sich brav fotografieren ließ.

Roccia dell'Elefante
Roccia dell'Elefante
Warum machen sie das, die Felsen? Keine Ahnung. Vielleicht fühlen sie sich zu Höherem berufen. Oder sie haben eine wichtige Mission, eine Aufgabe. Der Roccia dell'Elefante in der Nähe von Castelsardo steht beispielsweise in einer zwar schönen Landschaft, aber an einem eigentlich touristisch nicht übermäßig interessanten Fleck. Aber dank des elefantösen Felsens kommen die Touris gefahren - und sogar in der Vorsaison stehen zwei fliegende Händler am Straßenrand, um allerlei Unnützes zum Kaufe feil zu bieten. Der Fels, der ein Elefant sein wollte, ist von der Staatsstraße 134 gut zu erreichen - wer auf der SP13m unterwegs ist, hat Pech: Ein Schild weist auf die Sehenswürdigkeit hin, aber man sieht sie nicht - die Straße wurde tiefer gelegt.

Capo Testa
Capo Testa
Können Felsen stolz sein? Vielleicht. Jedenfalls gibt der eine am Capo Testa sehr trefflich und überzeugend einen vornehmen Indianerhäuptling. Wobei, halt: Vielleicht ist das ja gar kein Häuptling, sondern ein stolzer Wächter und Beobachter? Der Indianerfelsen sieht hinüber nach Korsika - geologisch zwar gleiches Land wie dieser Teil Sardiniens, aber so rein menschlich waren da oben auf Korsika meist eher Feinde als Freunde.

Capo Testa
Capo Testa
Früher - heute ist das natürlich alles ganz anders. Und überhaupt: Heute ist man ja viel freizügiger als früher. Sogar die Felsen geben sich hin und wieder die Blöße - oder zeigen sie dem Betrachter ihren Hintern, um dadurch Abscheu für den Tourismus allgemeinund Unverständnis für herumhirschende Fotografen auszudrücken?



Fragen über Fragen - und die Felsen wollen sie nicht beantworten.

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July 2nd, 2009

Ipernity: Bilder und Texte verschwinden

Vor einiger Zeit hatte ich hier eine Geschichte geschrieben, sie mit Bildern versehen und darob ein Glas Wein getrunken. Als ich mir dannn alles nochmal ansehen wollte, auch um Text mit Bildern lokal zu sichern, waren vom Text nur noch die ersten Zeilen übrig geblieben - der Rest und die Bilder einfach fort.

Am 12. Juni schrieb ich unter die Anfangszeilen der Geschichte (die ich nun neu geschrieben habe):

...tja, liebe Leserin, lieber Leser. Das war mal eine 60-Zeilen-Geschichte, die auch eine halbe Stunde mit Bildern lesbar war. Doch dann verschwand sie - mit Abbruch an der obigen Stelle - im Orkus der ipernity-Datenbank. Einen Hilferuf ans Team habe ich natürlich geschickt, eine Antwort oder gar Lösung auch nach 36 Stunden noch nicht erhalten.
Mal sehen, ob man es schafft, die Daten zu rekonstruieren. Sonst werde ich neu schreiben müssen. Aber wo? Hier, wo die Dinge einfach verschwinden? (Alte Dresden-Bilder sind auch futsch, also scheint so was öfter zu passieren)

Passiert ist nichts - das Ticket bis heute nicht beantwortet. Es gab, auf mein Drängeln, einen Zwischenbescheid ("wir kümmern uns") - aber das war's auch schon.

Ist das anderen auch passiert, dass Texte und/oder Bilder einfach verschwinden?

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July 10, 2009

Mit heiterer Gelassenheit

Im Weinhaus Aust kann man sich
zu sächsischen Weinen durch die komplette Karte essen

Weinhaus Aust
Weinhaus Aust
Als am vergangenen Sonntag der Sommer Einzug ins Elbtal hielt, zog es uns aus Elbflorenz ins Nizza des Nordens: Die Weinberge der Hoflössnitz sind immer einen Spaziergang wert – und mit dem richtigen Timing erreicht man zur Essenszeit das Meinholdsche Turmhaus an der Weinbergstraße. Das Haus gehört der Familie Aust. Seit 1984 bauen und erhalten sie das Ensemble aus dem 18. Jahrhundert – zuerst Zwingerbaumeister Ulrich Aust und seit einigen Jahren sein Sohn Karl Friedrich Aust – gelernter Steinmetz und seit 2002 hauptberuflich Winzer.

Das Haus strahlt eine heitere Gelassenheit aus, und wer sich wie wir draußen auf dem Grünstreifen an einem der nur fünf Tische niederlässt, wird von dieser Atmosphäre schon vor der Bestellung des ersten Glases eingefangen. Und sie wird nicht nachlassen, sogar mit der Rechnung nicht!

Feine Tropfen
Feine Tropfen
Es gibt eine Weinkarte, auf der neben Weinen von Aust auch solche seiner Winzerkollegen Frédéric Fourré und Volker Gerhardt stehen – und eine Schiefertafel mit sechs Positionen: Zwei Snacks, eine Vorspeise, zwei Hauptgänge, ein Dessert. Zu wenig? Nein, aber mehr als ausreichend und meist besser als ein dickes Heft vorbereiteter Speisen.

Wir teilten uns den sommerlichen Gemüsekuchen (3,40 EUR), bei dem die Salatbeilage das Beste war. Mit feinem Dressing nebst Sonnenblumen- und Kürbiskernen emanzipierte er sich von der Beilage zur Hauptperson – den bestellen wir, wenn wir wiederkommen, auf einem großen Teller! Der Gemüsekuchen kam übrigens in zwei Teile zerschnitten und mit zwei Gabeln: So kann man auch mit kleinen Sachen den Gästen eine Freude machen!

Dessert
Dessert
Zur „Penne mit mediterranem Gemüse“ (6,10 EUR) gab es frischen Parmesan – und zwar nicht in mikroskopischer Menge, sondern eine gesunde Portion. Die Penne auf den Punkt bissfest gekocht, die Zucchini vielleicht ein wenig zu ölig, aber insgesamt mit den getrockneten Tomaten ein feines sommerliches Gericht. Aber der Knaller schlechthin war das gebratene Lammlendenkotelett in Rotweinsoße mit Rosmarinkartoffeln und Karotten-Fenchel-Gemüse: Derart zart und rosa habe ich in Dresden selten ein Lammkotelett gegessen! Wir waren geneigt, nochmal zu bestellen: Lamm und Salat. Aber wir verzichteten zu Gunsten der Eistorte mit Sauerkirschkompott: Dreierlei Eis, zartschmelzend – ein trefflicher Abschluss!

Was gab's dazu? Wein! Er wird in der Flaschen, aber auch auch offen angeboten als 0,1 Liter oder 0,2 Liter: Man kann sich also durchprobieren. Die Preise sind – für die Qualität – sehr manierlich, der Service berät freundlich und kompetent und nähert sich dem Eichstrich eher von oben als von unten: So macht's Spaß!

Und dann die Rechnung: Nicht viel, für das was wir hatten – und der Espresso fehlte sogar: „Ach, den habe ich vergessen! Macht nichts: Der geht aufs Haus!“

Weinhaus Aust
Weinbergstrasse 10
01445 Radebeul

Telefon +49 351 89390100
Fax +49 351 89390098
http://www.weingut-aust.de

geöffnet
Freitag: 13 Uhr bis 23 Uhr
Samstag: 11 Uhr bis 23 Uhr
Sonntag: 11 Uhr bis 20 Uhr
sowie an Feiertagen von 11 Uhr bis 21 Uhr

[Beitrag zuerst erschienen am 9. Juli 2009 in PluSZ, Beilage zur Sächsischen Zeitung]

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July 11, 2009

Geschichten aus Sardinien (3)

Von den italienischen Männern

Als ich vor Jahren einmal mit den damals noch pubertierenden Töchtern nach Rom reiste, schwärmte ich vorab von der klassischen Schönheit der Römerinnen - mit dem Ergebnis, dass mich die beiden bei nahezu jedem halbwegs schönen Weibchen fragten: Ist das jetzt eine klassische Schönheit? Meist musste ich verneinen: Sind ja doch nicht alle sooooo schön wie im Bilderbuch annonciert.

Salve!
Salve!
Aber die Männer!

Die italienischen Männer sind etwas ganz Besonderes. Meine Grundthese ist ja, dass sie alle schwul sind - so gut gekleidet wie sie sind, so adrett gestylt, so zärtlich miteinander umgehend, so körperkontaktig. Aber dann kommen sie mit den aufregendsten Schnecken daher und man denkt sich, Gast der man ist im Land: Wie machen die das?

Sie machen es ganz perfide. Seit mehreren Jahren beobachte ich das, nun kann ich es verraten: Italienische Männer lieben am meisten - sich selbst. Eigentlich sieht man das immer, egal wo man hinguckt. Die ganz alten Männer, die auf der Bank sitzen und miteinander disputieren. Die beiden Alten mit den schnieken Lederschuhen, die mit dem wandernden Schatten des Denkmals ihren Platz wechseln. Aber vor allem der muskulöse Waschbrett-Dinosaurier, der der schönsten Badebucht der Insel Maddalena das Krönchen aufsetzte.

Gelb-Lila
Gelb-Lila
Als wir kamen, stand er mit seinem Kumpel in der lila Badehose knietief im Wasser und war mir auf Anhieb sympathisch. Ich liebe Leute, die nicht schwuppdiwupp und mit Schmackes ins Wasser gehen, sondern sich peu a peu vortasten, um sensiblen Körperteilen eine langsame Gewöhnung an das den Menschen artfremde Umgebungsmedium Wasser zuzugestehen. Ich dachte daher bislang, dass ich am meisten mich selbst lieben muss, denn alle anderen sind schneller im Wasser, so lange es unter 25 Grad warm ist. Aber hier standen nun zwei und mieden die Untiefen des nassen Elements wie der Teufel das Weihwasser - sehr sehr angemessen!

Der Waschbrett-Dinosaurier trug eine knallgelbe Badehose, die seinen Astralkörper auf das Allertrefflichste betonte. Ein Hingucker, sozusagen. Ihn zu malen fiele einem abstrakt den Pinsel schwingenden Künstler nicht schwer: Kleiner brauner Punkt oben, darunter ein sehr breites, sich nach unten verjüngendes Dreieck, auch braun. In der Mitte ein gelber Badehosenklecks – fertig. Pardon: Etwas kleiner den Klecks, bitte.

Noch schöner war es, ihn außerhalb des Badens zu beobachten. Er ölte sich ein, damit der Glanz des Universums sich auf ihn konzentrieren möge. Er legte sich hin und drehte sich fast so oft, dass er Hähnchengrillstationen Konkurrenz hätte machen können. Er stand wieder auf, spannte den Körper flitzebogenmäßig nach rechts und streichelte den Oberschenkel mit der rechten Hand. Ich muss nicht erwähnen, dass er diese Arbeit sanft und geschmeidig und voller Liebe zu sich selbst verrichtete. Aber ich sollte erwähnen, dass er nach dem rechten den linken Flitzebogen gab, sich nach den Oberschenkeln um die Arme und die Brust kümmerte. Wohl eine halbe Stunde wiederholte sich die Show: Hähnchengrill, Ölgötze, Hähnchen, Öl.

Weiß-Schwarz
Weiß-Schwarz
Wer so bemüht um sich ist, behandelt sich natürlich ganzheitlich. Das heißt, auch die leidlich gelb bedeckten Körperteile erfuhren ihre Zuwendung. Wie das detailliert geht, konnten wir nicht nur hier, sondern am gleichen Tag auch an einem anderen Badeort beobachten. Da saßen nämlich in der Bar an der Spiaggia Spalmatore eine weiße Badehose und eine schwarze Badehose. Die dazu gehörenden Herren flätzen gelangweilt in den Bistrostühlen und guckten Löcher in die Luft. Abwechseln griff mal der eine und dann der andere mit fester Hand beherzt zu. Sie taten es so inbrünstig, dass wir (es war Mai, Michael Jackson lebte noch) schon dachten, sie wollten den Wacko-Jacko-Griff für eine Bühnenshow üben. Andererseits deuteten die eher gelangweilten Gesichter darauf hin, dass die Jungs ganz anderes im Schilde führten: Mangels Hasenpfoten, die bekanntlich in Hosen auch was hermachen, versuchten sie sich an einer halbherzigen Eigenerregung. Denn eines ist immer wichtig, nicht nur in Italien: Bella Figura!

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July 17, 2009

Geschichten aus Sardinien (4)

Von Olbia nach Budoni

Der Flieger landete in Olbia - doch da der moderne Flughafen im Süden der Stadt liegt und das Ziel Cala Gonone ebenfalls, ist man schnell in ländlicher Umgebung. Unser bevorzugter Leihwagen: Ein Panda! Gerade groß genug für zwei Menschen, zwei Koffer und zwei Rucksäcke - und klein genug, auch Altstadtgassen zu meistern.

Gleich zu Beginn unserer Tour musste ich mich über das Leistungsspektrum moderner Kleinstwagen erfreuen: Der Wagen fiepste immer, wenn ich in der Ortschaft schneller als 50 fuhr. Dankbar nahm ich die Geschwindigkeitswarnung an. Begeisterung, was der alles kann. Es dauert, bis ich merke, dass Black Magic Panda immer piepst, wenn ich die 50 überschreite. Es dauert noch länger, bis ich lerne, das nervige Geräusch auszuschalten. Denn merke: Um das Fiepsen zu vermeiden, müsste man im kurvigen Gelände immer schneller als 50 fahren – das wäre lebensmüde. Oder immer langsamer als 50 – das wäre langweilig. Also fährt man immer 45, 47, 49, pieeps, 53, 55, 49, 47, pieeps, 51, 52, 48, pieeps....

Punta Coda Cavallo
Punta Coda Cavallo

Wo frühstücken wir? Erst mal gibt's Mitgebrachtes aus dem Flieger an der Punta Coda Cavallo. Mein erster sardischer Strand - und gleich einer, der nicht schlecht ist: feiner weißer Sand, glitzerndes blaues Wasser mit changierendem türkis - und eine Insel zum Draufsehen direkt vor der Bucht: die Isola Tavolara. Etwas fotografenfeindlich liegt sie am Vormittag im Gegenlicht, aber so als erster Eindruck sollte man nicht gleich meckern.

„El Sol“
„El Sol“
Weiterfahren! Und gleich wieder anhalten: Die erste (und nicht die letzte, das sei schon mal verraten) Wiese mit Blumen will abgelichtet werden. Während sich Sylke um die Blumen kümmert, sehe ich mir Stromleitungskunst an - beides hat seinen Reiz. Und dann wirklich ab nach Porto San Paolo. In der Bar „el Sol“ gab's den ersten sardischen Cappucino, inklusive Hinter-Glas-Blick auf die Isola di Tavolara. Der Ort hat einen kleinen Hafen, eine kleine Badebucht, Inselblick und ein Zentrum, das mir etwas zu neumodisch für so einen betulichen Ort ist. Alles sieht sehr adrett aus - manch einer würde sagen: sauber. Für meinen Geschmack zu adrett und ein wenig zu aufgeputzt - obwohl die Blütenpracht im Garten des Hotels und anderswo schon nett anzusehen war.

Polpi Fresci con Patate
Polpi Fresci con Patate
Carpaccio vom Schwertfisch
Carpaccio vom Schwertfisch
Weiterfahren! Auf der 125, die immer brav an der Küste entlang führt und nur manchmal sich etwas ins Landesinnere verirrt - wie auf dem Weg nach Budoni. Das sollte die nächste Station sein - wobei uns streng genommen die Stadt nicht so interessierte wie der Strand: Lang und bestens zum Baden geeignet, was auf einem Transfer aber eigentlich egal ist. Aber an der Spiaggia Mare e Pineta gibt es auch ein Restaurant, und so etwas muss man zur Mittagszeit doch probieren! Im Strandlokal La Tavernetta wurde drinnen an weiß eingedeckten Tischen und draußen auf der Terrasse etwas rustikaler auf Karo rot-weiß serviert - aber das Essen kam aus der gleichen Küche: Carpaccio vom Schwertfisch und ein Salat Polpi Fresci con Patate enttäuschten uns nicht - und der Preis von je zehn Euro ging auch in Ordnung. Und mit der netten Bedienung wurde gleich beim ersten Restaurantbesuch einen Serie sehr angenehmer Begegnungen eingeleitet. Hach!

Spiaggia Mare e Pineta
Spiaggia Mare e Pineta
Mare e Pineta heißt der Strand, da ist es nicht schwer zu erraten, was sich hinter dem Meer befindet: Richtig, ein kleiner Pinienwald. Schön schattig, also gerade richtig für einen kleinen Verdauungsspaziergang. Weniger effektiv für die Abkühlung, aber dafür doppelt schön für Knipswütige: Solitäre, die windgebeugt geduldig stillhalten, wenn sie abgelichtet werden!

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July 19, 2009

Geschichten aus Sardinien (5)

Von Posada nach Cala Gonone

Posada
Posada
Weiterfahren! Dieses Mal gar nicht so weit, denn das nächste Ziel ist Posada. Man kann die Stadt nicht übersehen, denn sie liegt (wenn man wie wir südlich fährt: linker Hand) auf einem Hügel, der zudem auch noch mit einer Burg gekrönt ist. Die Burg trägt den wunderschönen Namen "Castello della Fava" - Saubohnenburg. Kein normaler oder gar typischer Name für einen mächtigen quadratischen Steinturm! Wie konnte es also dazu kommen?

Die Leute von Posada (etwas über 2.600 Einwohner hat die Stadt, aber icht alle leben im alten Teil) erzählen gerne die Geschichte von der Taube, die wir so oder so ähnlich (allerdings meist mit Hunden oder Schweinen) schon oft gehört haben. In Stichworten: Belagerung (hier: durch sarazenische Piraten), Feind will Posada aushungern, Leute von Posada greifen in die Trickkiste: Füttern Taube mit Saubohnen. Taube fliegt zum Feind. Feind schlachtet Taube, sieht die vielen Bohnen - und gibt entsetzt auf: Wenn die noch so viel in ihre Tauben stecken, dann werden sie selbst noch genug haben. Schöne Geschichte, immer wieder!

Castello della Fava
Castello della Fava
Tauben haben wir gar nicht gesehen, aber dafür Bauarbeiter. Sie bauen an der engen Straße, die hoch zum Turm führt. Es sieht so aus, als ob sie das Kopfsteinpflaster gegen Beton austauschen – ein schlechter Tausch, was das Ambiente anbelangt. Und sicher ein guter für die Rutschfestigkeit an den steilen Wegen. Wir wählten die alte Kopfsteinvariante, passierten ein altes Stadttor und wurden Dank dreisprachiger Hinweisschilder (italienisch, englisch, sardisch) immer bestens informiert, was zu sehen ist. Vorbei am Dichterplatz, auf dem bis in die 1960er Jahre in der Woche nach Ostern Poeten zum Wettbewerb antraten, durch das Stadttor hoch zur Burg.

Kirche
Kirche
Direkt vor dem Eingang ins Burgareal steht die Kirche - beide aus dem 12. Jahrhundert. Die Kirche steht noch, von der Burg blieb nur ein Turm, den man allerdings besteigen darf. Es lohnt sich, denn von oben gibt es einen wahrlich gigantischen Rundumblick, und man kann gar nicht anders als die Landschaft rund um Posada mit den Feldern und dem mäandrierenden Fluss (der auch Posada heißt und 13 Kilometer weiter im Landesinneren zu einem großen See aufgestaut ist) liebreizend zu nennen.

Posada
Posada

Eigentlich müsste man mehr Zeit haben für Stadt und Umgebung! Zeit aber haben wir aber nicht im Überfluss, weswegen wir nur noch einen kurzen Abstecher zu den beiden Seen machen, die wir von oben gesehen hatten. Sehr romantisch...

Capo Comino
Capo Comino
Weiterfahren! Die SS125 führt zuerst am Meer entlang, biegt dann aber ab ins Landesinnere. Aber nicht weit ist es bis zu einer Abzweigung zum Capo Comino. Wir waren nicht die einzigen, die den Weg wählten - aber die meisten hielten schon drei Kurven vor dem eigentlichen Capo, weil da ein Restaurant war und auch der famose Sandstrand. Wir haben das einfach mal ignoriert und fuhren bis zum Leuchtturm und waren somit am östlichsten Zipfel Sardiniens - wenn das nichts ist! Am Leuchtturm werkeln sie herum, so dass er eingerüstet da steht, aber die Felsen und das Meer, der Wald und die Blütenpracht sind ja von der Renovierung ausgeschlossen.

Die Straße endet am Leuchtturm (auch wenn Karten, z.B. bei Google Maps oder in meinem GPS) etwas anderes zeigen. Also geht's den gleichen Weg zurück - dem Ziel Cala Gonone entgegen.

… doch zuerst gibt's eine nette Umleitung. Bei der zu Recht unbekannten Ortschaft Sas Linnas Liccas ging's schildweisungsgemäß ab in die sardische Walachei. Na gut, lernen wir auch Feldwege kennen, die uns sonst erspart geblieben wären! Ganz schön staubige Angelegenheit. Unschuldige Bäume mussten ihr Grün geben und hüllten sich in aufgewirbeltes Weiß. Marmorstaub? Dort in der Gegend gibt es jedenfalls einschlägige Fabriken. Sie sehen gigantisch aus mit den großen Marmorblöcken - aber trotz des unschuldigen und schönen Weiß ist es eben auch nur eine dreckige Industrie. Auf dem Weg hinter Orosei machen sie ganze Berge platt. Nie wieder Marmor!

Cala Gonone
Cala Gonone
Gleich sind wir da: Dorgali wird quasi innerstädisch umfahren, nicht weit hinter der Stadt führt ein Tunnel durch die Berge. Es mutet an wie eine Kopie des Valle Gran Rey auf La Gomera: Man kommt durch den Tunnel von der Landseite des Berges und sieht hinunter bis ans Wasser. Eine Straße windet sich bergab, speziell als Beifahrer möchte man gerne kotzen – tut es aber nicht, weil es viel zu schön ist. Unten liegt Cala Gonone, für die nächste Woche unser Domizil. Aber das ist eine andere Geschichte.

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July 27, 2009

Geschichten aus Sardinien (6)

Cala Gonone

Unser Ferienhaus ist am Ende der Welt und doch mittendrin. Es liegt direkt am Wasser - allerdings in der dritten Etage: 35 Meter hoch. Es gibt wenig Bilder von außen, die das Haus zeigen, weil es am Hang liegt. Um es einmal gesamt zu sehen, müsste man fliegen können. Oder eine Bootstour unternehmen und es mit dem Tele heran zoomen.

Golfo di Orosei
Golfo di Orosei
Aber es gibt Meerblick! In die eine Richtung gen Hafen und darüber hinaus die weit geschwungene Küstenlinie des Golfo di Orosei entlang - mit den vielen kleinen Buchten, die nur mit dem Boot oder als Wanderung zu erreichen sind. Zwei von ihnen, die Cala Luna und die Cala Goloritze, stehen auf dem Plan. Noch aber sind sie terra incognita und verschwinden in den Wolken, die tief hängen am Morgen.

In die andere Richtung, unter drei Palmen sitzend, verfolgen wir ein nettes Spektakel: Mondaufgang bei Vollmond. Das ist ein vollwertiger Sonnenaufgangsersatz, der uns, wie schon mehrfach gebeichtet, wegen der frühen Morgenstunde meist verwehrt bleibt. Und da an einer klassischen Westküste die Sonnenuntergänge mit Wasserspiegelung extrem selten vorkommen, war die Sache mit dem Vollmond eine willkommene Abwechslung.

Mondaufgang
Mondaufgang
Einige Minuten vor dem als Mondaufgang im Kalender verzeichneten Zeitpunkt beginnt sich das Wasser - an diesem Abend ist es wunderbar ruhig - in ein rot-blaues Zebra zu verwandeln. Da tut sich was, signalisieren die Schlieren! Wenig später steigt ein feurig roter Ball aus den dunkelblauen Fluten: Wie bei einem veritablen Sonnenaufgang, ich bin begeistert! Nur dass es statt heller nun dunkler wird - und der Mond auf dem Weg in die Nacht das Rot abwirft, gelblich-weiß leuchtet und seine gewohnte Kleinheit einnimmt.

Bis zum Meer sind es 98 Stufen und eine Straßenüberquerung. Netter Frühsport, um an frische Mortadella, Panini, Milch und Tomaten zu kommen! Aber auf dem Weg zum Supermercado ist ein Restaurant, das zwar noch nicht wirlich geöffnet hat - aber due cafe bekommen wir immer, während der Chef die Kasse einrichtet und die Servicekraft die Tische eindeckt. Erst a banco, an der Theke. Ab dem dritten Tag werden uns die beiden Espressi nach draußen an den Tisch gebracht - zum gleichen Preis wie stehend drinnen. Der Chef der Bar Gelateria Fronte del Porto hat ein sehr fotogenes Gebiss, mit Naturwuchs und Lücken. Da er immer freundlich ist, sieht man es häufig. Später im Supermarkt an der Wurst- und Käsetheke sehen wir uns wieder. Während gute Lage ja oft ein Killer von Qualität ist, ist im Fronte del Porto alles bestens, auch bei unserem einen Mittagbesuch (mit Pizza und Meeresfrüchtesalat): netter Service, sehr guter Espresso und vernünftige Preise bei ordentlicher Qualität.

Sonnenbad
Sonnenbad
Am Strand von Cala Gonone ist nicht viel los. Der Hausstrand mit feinem Kies - gelblich bis rötlich - macht nicht viel her, aber sonntags ist es hier auch in der Vorsaison richtig voll, weil die italienischen Familien generationenübergreifend auf Achse sind. Zum Baden lud uns das nicht ein, zum Entlangschlendern mehrfach. Zum Ende der Bucht wird der Kiesstreifen immer schmaler und geht dann in Felsen über, die man munter entlang kraxeln kann.

Rot-grün-blau
Rot-grün-blau
Hinunterblickend sieht man tief ins Wasser, das schön klar und natürlich in allen Türkisvarianten schillernd die Felsen formt. Und wenn man dann nach oben guckt, blickt man auf eine andere Farbkomposition: steil aufragende rote Felsen, grün bewachsen - natürlich vor blauem Himmel. Diese Farben können einen besoffen machen. Und das sogar ganz ohne Nebenwirkung!



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July 30, 2009

Ein perfektes Durcheinander

Marcolini Ristorante italiano:
Schönes Ambiente, guter Service, schwache Küche

Marcolini
Marcolini
Hat eigentlich jemand mitgezählt, der wievielte Betreiber in Marcolinis Vorwerk gerade sein Glück versucht? Ich nicht – aber gefühlt sind es schon zu viele. An der Lage kann's nicht liegen: Direkt an der Elbe, im Sommer mit Freiplätzen, ansonsten in langen Gewölberäumen von Marcolinis Vorwerk – das ist schon sehr stimmungsvoll. Seit April diesen Jahres ist aus dem Restaurant ein Ristorante geworden: Ein Italiener ohne Pizza mit verheißungsvoll aussehender Speisekarte (man findet sie im Internet, wenn man nicht auf der veralteten Seite des Vorbesitzers landet, die es auch noch gibt!).

Wir waren eine lustige Runde. Freunde aus Prag waren gekommen, und es gab viel zu lachen. Gestört haben wir dabei niemand: Unser Tisch war fast den ganzen Abend der einzig besetzte (draußen war auch nicht allzu viel los – bei dem Wetter kein Wunder). Wenn das so bleibt, meinte der Besuch, werde es sicher bald wieder einen Wechsel geben – denn bei dem großen Platzangebot (drinnen haben ca 130 Gäste Platz, draußen etwa 100) reicht die Feierlaune von vier Freunden nicht aus.

Marcolini
Marcolini
Wir bestellten: Vorspeisen, Hauptgang – und Wein? Eine Weinkarte hat man in den vier Monaten, die es das Ristorante Marcolini gibt, noch nicht zusammenstellen können – obwohl es doch (laut Internetseite) „ein idealer Ort zum Entspannen bei köstlichen Speisen und erlesenen Weinen“ sein soll. Wir bestellten also blind eine Flasche Wein aus den Marken: Gut und mit 17,90 Euro auch günstig. Bei den Vorspeisen schmeckte der Rucolasalat mit sautierten Hähnchenbruststreifen und frischem Radicchio besser als er aussah: wie ein grüner Berg mit wenigen Felsen. Nichts zu meckern beim Safranschaumsüppchen mit gebratener Jacobsmuschel – aber richtig gut war die Feine Variation aus dem Meer mit Lachstatar, Garnele und Jakobsmuschel. Die Jacobsmuschel top gegart – außen braun und innen glasig, so soll's sein.

Prost!
Prost!
Beim Hauptgang war nur das Durcheinander perfekt: Wir hatten zweimal Entrecôte vom Grill mit Rosmarinkartoffeln bestellt: Einmal durch, einmal medium. Und zweimal Tunfisch – einmal durch und einmal „bitte fast wie Sushi, also nur kurz in die Pfanne“. Was kam? Das Fleisch eher roh und medium, der Tuna zweimal durch. Das können wir zu Hause besser! Ausgesehen haben die Teller auch eher trist – aber die Qualität zumindest des Fleisches war in Ordnung! Der Chef Florin Negoita, der wunderbar und nett reagierte, ging in die Küche schimpfen und brachte später Dessert mit der Aufschrift „Sorry“.

„Wir wollen kein super nobles Gourmetrestaurant sein“, hatte Negoita im April in der Sächsischen Zeitung gesagt. Super nobel muss es ja nicht sein, aber etwas besser könnte die Küche schon werden – damit's voller wird!

Ristorante Marcolini
Inh. Florin Negoita
Bautzner Straße 96
D 01099 Dresden

Telefon: +49 351 /8 62 78 00
www.ristorante-marcolini.de

geöffnet
Montag bis Freitag 11bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 24 Uhr
Samstag und Sonntag 11 bis 24 Uhr

[Beitrag zuerst erschienen am 30. Juli 2009 in PluSZ, Beilage zur Sächsischen Zeitung]

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