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January 12, 2009

Prager Palaver (1)

Der Bus kommt pünktlich. Wäre aber nicht nötig gewesen, denn der Zug hat Verspätung: 110 Minuten. Immerhin fährt er somit zehn Minuten eher ab als der fahrplanmäßig nächste.

Zwei Stunden geschenkte Zeit (wir waren wegen pünktlichem Nahverkehr recht zeitig am Bahnhof)! Wir gehen zuerst in die Bahnhofsbuchhandlung. Gibt’s neue Reiseliteratur über Prag? Im Regal nicht, aber „Adlerauge“ Sylke entdeckt eine ganze Kiste der handlichen Marco-Polo-Bände. Unsere Ausgabe ist zehn Jahre alt, gönnen wir uns eine neuere Ausgabe! „Tut mir leid“, säuselt die Verkäuferin, „die kann ich Ihnen nicht verkaufen!“ Eine Fehllieferung. „Wissen Sie: Wir haben die bestellt, aber diese hier, das sind nicht die für uns!“ Aha. Da kommen die Bücher, die man bestellt hat, aber es sind nicht die, die man bestellt hat, sondern andere. Es erinnerte mich an mein Studium, zu dessen Höhepunkt zweifelsohne die Vorlesung gehörte, in der der Herr Professor uns erklärte, dass nicht Shakespeare all diese tollen Stücke geschrieben habe, sondern ein anderer Mann, der aber auch Shakespeare hieß. Seitdem bin ich wahrscheinlich für die Wissenschaft versaut, wenn da nur sowas rauskommt.

Elbe mit weniger Eis
Elbe mit weniger Eis
Beginnen wir also unsere Prag-Stipvisite mit einem Elb-Bummel in Dresden. Der Fluss hatte das in den Vortagen beobachete Dampfen weitgehend eingestellt, ließ sich aber mit oft perfekt runden Eisschollen gemächlich treiben. Wie jeden Tag trieb sich ein Kamerateam des Sachsenspiegel am Elbufer herum, um den aktuellen Flussverlauf zu filmen. Drei Leute gaben einen Einblick, wie gebührenfinanziertes Fernsehen funktioniert: Einer filmte und zwei sah'n ihm beim Filmen zu.

Der Zug fuhr pünktlich mit der angesagten 110minütigen Verspätung ab. Sonne! Schnee! Fensterplätze! Wobei dies die Stelle ist, ein paar Worte zum Reservierungssystem der Bahn zu sagen. Die Fahrt Dresden-Prag ließ sich online jeweils nur für eine Person bestellen. Ich also zweimal hintereinander bestellt und die Bestätigungs-Emails genutzt, per Antwort an den Kundenservice darum zu bitten, dass die Plätze bitte zusammenhängend reserviert würden. Keine Antwort. Tage später kam ein Brief mit einem Ticket und den dazu gehörenden Reservierungen, weitere Tage später der zweite – mit anderem Sachbearbeiter und natürlich nicht zusammenhängend reserviert. War aber nicht schlimm, denn in beiden Abteilungen waren zwar alle Plätze für irgendwen seit Berlin oder Dresden reserviert – aber alle waren frei.

Bastei
Bastei
Wir also am Fenster mit Blick auf die Elbe und den gegenüberliegenden Hang: Wunderbar! Und auch mal Gelegenheit für ein Lob: Das menschliche Auge arbeitet mit dem Hirn excellent zusammen und lässt die Bäume, die den Bahnweg säumen, quasi verschwimmen. Du kannst da durch gucken als ob sie nicht da wären (die Bäume). Danke, Schöpfer! Und nun die Kamera: Die hält (je nach Lichtverhältnissen) eine Zweihundertstel Sekunde des wirklichen Lebens fest und somit auch gnadenlos vordergründig störende Bäume. Mister Canon, ich brauch' keine face recognition, ich brauche treeegnorance® (aus tree und ignorance gebildetes Kunstwort mit modischem Triple-E).

Sylke und ich kämpften also in anmutiger Weise mit den Gesetzen der Optik unter besonderer Berücksichtigung verschmutzer Fenster und tief hängenden Oberleitungen. Wir waren froh, allein im Abteil zu sein, denn die dabei an den Tag gelegte Akrobatik hätte zufällig anwesendes Publikum nicht verkraftet – schon gar nicht auf nüchternen Magen, denn das Restaurant im EC 171 Berlin-Budapest war "aus betriebstechnischen Gründen" (O-Ton Durchsage) leider geschlossen. Und als dann später ab Decin Leute hinzustiegen, waren wir wieder zahm. Nebelschleier hatten sich über die Elbe und die Landschaft gelegt, Fotopause.

Unser erster Abteilbesucher war ein kurzhaariger blasser Jüngling mit akkurat geputzen Springerstiefeln und einer prall gefüllten Lidl-Einkaufstüte. Er guckte er stumpfsinnig vor sich hin – doch als ich ihm beim Ausstieg in Usti ein freundschaftliches „Ahoj!“ zurief, lachte er breit und freundllich. Das war seine gute Tat des Tages.

Der Neuzustieg (zwei Jungs, ein Mann, ein iPhone) folterte uns dann ein wenig. Ich meine, dass die Jungs tschechisch reden, geht in Ordnung, auch wenn der morbus bohemicus, wie ein mir bekannter Arzt die sehr vom tschechischen Leibgericht Knödel geprägte Aussprache einmal nannte, immer wieder gewöhnungsbedürftig ist. Das war's also nicht. Was denn dann? Die drei nutzten die eine Stunde bis Prag nahezu pausenlos, um zu essen. Und wir hatten, weil die Ankunft ja für elf Uhr geplant war, nichts dabei!

Der Zug aus Dresden meidet den Prager Hauptbahnhof auf der Weiterfahrt nach Budapest, Ausstieg ist in Holešovice. Man hätte den Tschechen beim Eintritt in die EU zur Auflage machen müssen, diese Station zu schließen. Sie ist grausam und liegt auf der nach unten offenen Charme-Skala irgendwo zwischen Viehverlade und Stahlumschlagplatz. Wechselstuben gibt es dort auch (die Tschechen gehören noch nicht zur Euro-Region), und der ankommende Tourist erlebt erstmals die Kreativität der Geldwechsler in der Sportart Übersohrhauen. Wer genug Geld hat und beim Wechseln gerne mal beschissen werden möchte, sollte hier oder in der Innenstadt auf den Touri-Meilen häufiger mal Geld wechseln. Alle anderen nehmen den Geldautomaten, die Bank oder wenigstens das seriöse Hotel.

Mit der Straßenbahn oder der U-Bahn, die mit drei Linien sehr übersichtlich ist, kommt man dann schnell und preiswert ans Ziel. Taxifahrer, auch wenn sich da in jüngster Vergangenheit einiges gebessert zu haben scheint, sind in Prag eine Spezies für sich – im Betuppen stehen sie im ewigen Wettstreit mit den Geldwechslern und scheinen oft zu gewinnen.

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January 13, 2009

Prager Palaver (2)

Zimmer 32
Zimmer 32
Das Hotel „U Zlaténo Stromu “ (Zum Goldenen Baum) hat die Adresse Karlova 6 – es liegt also am Anfang der Prager Drosselgasse (wer die Drosselgasse nicht kennt: Das ist der Urtyp der touristisch geprägten Neppmeile, wo man Souvenirs der Sorte Brauchtkeinmensch zu überhöhten Preisen bekommt und meist in den Restaurants mit dem Firmenmotto "Schlechtes muss nicht preiswert sein!" davon schwärmt, wie toll im Vergleich der Service in Wartehalle drei des Hauptbahnhofs war). Unser Hotel war jedoch extrem aus der Art geschlagen: Gediegene Atmosphäre, hilfsbereite und freundliche Menschen an der Rezeption. Unsere Koffer wurden aufs Zimmer gebracht, der Safe erklärt – ich habe Luxushotels mit mehr Sternen erlebt, in denen man derlei Selbstverständlichkeiten schon lange aufgegeben hat. Und das alles - zumindest in der Nebensaison - zu einem sehr akzeptablen Preis.

Am Königsweg
Am Königsweg
Zum Haus, das aus dem 15. Jahrhundert stammt, gehört ein Restaurant, das untypische Küche anbietet. Also keine Knödel und kein Gulasch. Wir hatten Pizza und hausgemachte Ravioli, beides war gut. Aber am besten war: Wir hatten einen Kellner, der gut drauf war. Die Bedienung in Prag ist nämlich meist männlich, oft mies gelaunt und traditionell altbacken gekleidet: schlecht sitzende schwarze Hose und (wenn man Glück hat: nicht durchgeschwitztes) weißes Hemd. Unser Kellner trug eine gut sitzende schwarze Hose und ein krasses geblümtes blaues Hemd. Außerdem trug er ein verschmitztes Lächeln, und sein tschechisch-gebrochenes Deutsch kam sehr charmant rüber. Vor allem, als wir nach dem Essen einen Blick in die üppige Cocktail-Karte werfen und natürlich fündig werden, freut er sich: „Ich värstäähe!“

Die Lage des Hotels direkt an der Karlsbrücke ist genial: Da muss man als Erstes rauf. Die etwa 500 Meter lange Brücke ist eine der ältesten Steinbrücken Europas - am 9. Juli 1357 war Grundsteinlegung. Das wissen wir so genau, weil Karl IV. den Grundstein selber legte und es mit der Zahlenmystik hatte: Aus Jahr (1357), Tag (9), Monat (7) und Stunde (5:31) lässt sich eine bedeutungsschwangere symmetrische Reihe ungerader Zahlen bilden (135797531). 1393 war die Brücke schon soweit fertig, dass der heilige Johann von Nepomuk von der Brücke hinab in den Fluss geworfen werden konnte, weswegen eine der 30 Statuen an der Brücke seit 1683 eben jenen Nepomuk darstellt.

Derzeit wird die Brücke grundlegend saniert, zur Hälfte ist sie eingerüstet. Sowas kostet Geld, und da verwundert es nicht, wenn man - ist ja schließlich eine alte Brücke - sich alter Methoden erinnert und über die Einführung eines Brückenzolls nachdenkt. Eine abwegige Idee? Keineswegs: Die Kreuzherren mit dem Roten Stern, seinerzeit für den Schutz der Brücke zuständig, haben sich auch so finanziert. Und oben auf der Burg versucht man's ja auch schon: die Goldene Gasse kostet bereits Eintritt. Doch noch kostet es nichts, und da verschmerzt man auch die unfotogene Einrüstung. Was ich den Pragern nicht verzeihen konnte, war das fiese Wetter - bitterkalt und gefühlt noch einmal ein paar Grad ekliger. Dabei signalisierte der Online-Wetterbericht unentwegt Sonne! Wir haben sie nicht einmal gesehen – Inversionswetterlage nennt man das meteorologisch vornehm, Scheißwetter könnte man zu der grauen Suppe in der Kälteblase auch sagen. "Im Winter ein häufiges Phänomen in der böhmischen Waschküche!" sagte der Klimatologe Vít Květoň vom Tschechischen Hydrometeorologischen Institu dieser Tage bei Radio Prag. Na danke auch! Die Burg lag also im Dunst am anderen Ufer der Moldau und konnte ihren Charme nur aus der Nähe oder am Abend (bzw. noch besser während er zehnminütigen „Blauen Stunde“) unter künstlicher Bestrahlung ausspielen.

Altstadt-Gasse
Altstadt-Gasse
Mangels Fernsicht wandten wir uns also um Richtung Altstadt. Das Gewirr der Gassen dort ist groß – verloren gehen kann man freilich nicht, denn immer wieder stößt man auf Wegweiser zu den Attraktionen der Stadt. Also ohne Plan munter los marschiert und alte Häuser gucken ohne Ende. Manche Ecke hier könnte eins zu eins für Filme übernommen werden, die mittelalterliches Flair ausstrahlen sollen. Eine Geschichte erzählen können die meisten dieser Häuser auch - aber wer durch Prag geht, sollte sich daran schnell gewöhnen, dass hier Geschichte gemacht wurde. Als wir am Abend des zweiten Tages mit Irene und ihrem Freund Vojta unsere planlose Bummelei in Teilen planvoll wiederholten, wusste unsere Prager Freundin auch bei unscheinbaren Häusern immer Spannendes zu erzählen; beim nächsten Besuch im Sommer engagiere ich sie gleich als local guide!

Astronomische Uhr
Astronomische Uhr
Bei allen Altstadtbummeleien landet man irgendwann am Altstädter Rathaus. Wenn man gut ist, kommt man zufällig kurz vor der vollen Stunde an und gesellt sich zur Menschentraube, die dort bereits die Hälse in Richtung Astronomische Uhr reckt. Ist ja auch zu putzig, wie der Tod, der knochige Gesell, sich da stündlich müht und dann von den Aposteln umgarnt wird.

Der Platz zwischen Altstädter Rathaus und Teyn-Kirche, so lese ich, weise eine größere Besucherdichte als der Markusplatz von Venedig auf. Unsere Bibberkälte sorgte allerding dafür, dass wir nicht im Gedränge standen und uns ruhig umschauen konnten. So hat halt alles auch seine positiven Seiten.

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January 16, 2009

Prager Palaver (3)

Klausensynagoge
Klausensynagoge
Gleich hinterm Altstädter Ring - dem Platz zwischen Rathaus und Teynkirche - beginnt ein Viertel mit ganz eigener Ausstrahlung. Josefov (deutsch Josefstadt) heißt das Jüdische Viertel in Prag. Hier gibt es koschere Restaurants, das alte jüdische Rathaus, den alten jüdischen Friedhof und immerhin auf doch recht engem Raum sechs Synagogen. Sie lohnen einen Besuch - aber als wir Freitag Spätnachmittag da waren, schlossen bereits alle Einrichtungen, und am Sabbat ist eh geschlossen. Ein Grund zum Wiederkommen!

Café Kafka
Café Kafka
Erinnerungen an Franz Kafka findet man im Viertel - wenn man nicht an den richtigen Gedenkorten vorbei geht und an den falschen einkehrt: Das Café Kafka alliteriert zwar wunderschön, aber Kafka konnte seine Zeitungen dort gewiss nicht lesen, weil es damals schlichtweg nicht existierte. Und seien wir mal ehrlich: billige Alliterationen wären dem Herrn K. eh fremd gewesen. Der Hauptzielgruppe, fußmüde Touristen mit oberflächlichem Bildungshunger und tiefgründigem Kaffeedurst, wird's egal sein, und so üppig ist das Angebot an Cafés in der Josefstadt erstaunlicher Weise nicht.

Kafka-Denkmal mit Touristin und Hund
Kafka-Denkmal mit Touristin un…
Lange Zeit haben die Prager den Franz Kafka gar nicht wahrgenommen. Im Dezember 2003 wurde ihm ein Denkmal gewidmet - vor der Spanischen Synagoge steht das eigenwillige Gebilde mit dem kleinen behüteten Mann auf dem (rund vier Meter großen) kopf-, hand- und fußlosen Getüm. Aber irgendwie passt das zu meiner Kafka-Vorstellung. Da passte es dann auch ganz gut, dass ich beim üblichen Doku-Foto die konfuse Situation hatte, die man auf dem Bild sieht: Ein Mann wollte seine Freundin vor dem Denkmal fotografieren, aber der mit anderen Menschen zufällig vorbei gekommene Hund wollte nicht weg. Also wartete er mit seinem Bild und ich mit meinem - bis ich dachte: Mit Hund und Mädchen kann das Bild nur gewinnen!

Auf dem Weg von der Spanischen zu Altneusynagoge kamen wir an einem Haus vorbei, das uns mit einem Stück Kunst aus Dresden konfrontierte: Ein Minimarket (Öffnungszeiten anders als die Museen, nämlich 10 bis 23 Uhr) warb mit den beiden Engeln der Sixtinischen Madonna. Irgendwann werde ich mal ein Album zusammenstellen müssen - wo die einem so überall begegnen...

Blick zur Burg von der Cechuv Most
Blick zur Burg von der Cechuv…
Am nördlichen Ende des Jüdischen Viertels fließt die Moldau - und man gelangt an die Cechuv-Brücke. Mit 105 Metern ist sie die kürzeste der Stadt. Eine der nettesten ist sie dennoch: Vor hundert Jahren (1905-1908) im Jugendstil gebaut, mit Sonnen auf den Lampen und sich weit übers Wasser beugenden Figuren. Sieht aus wie in Paris - oder sieht es in Paris aus wie in Prag? Von der Brücke kann man stromauf blicken und während der blauen Stunde die Burg im Zwielicht bewundern. Genau das haben wir gemacht. Und an die Brückenfans haben wir auch gedacht: Bogenbrücke aus Stahl mit den drei Feldweiten 47,8 m - 53,1 m und 59,2 m.

Cechuv Most mit Metronome
Cechuv Most mit Metronome
Links der Moldau steht oben auf dem Berg das Metronome an einem Platz, der lange anderweitig besetzt war: von 1955 bis 1962 stand hier das größte Stalindenkmal der Welt. Das zu sprengen war eine gehörge Portion Arbeit - das ihnen unliebsame System insgesamt zu sprengen kostete die Tschechen noch einige bitterböse Erfahrungen. Das Metronom wurde 1991 auf dem verbliebenen Sockel errichtet; zur Zeit tickt es sehr europäisch. Dass es dabei manchmal arg nach rechts ausschlägt (so wie auf dem Foto), ist bei einem Metronom übrigens normal: gleich danach geht's wieder weit nach links. Ob das in der Politik aus so ist, kann bezweifelt werden.

We
We
An der linken Seite der Moldau geht's flussauf vorbei am Gebäude der Staatsregierung und über die Manesuv Most zum Rudolfinum, dem Sitz der Tschechischen Philharmonie. Der Sandstein-Bau erinnert ja ein wenig an die Semperoper - aber nur von außen. Davor hockte eine Lichtplastik: Eine von sechs Lichtinstallationen, die während der tschechischen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2009 in der Stadt zu sehen sind.

Transpirancy heißt das Open-Air Licht-Spiel, das schöne unvermutete Kontraste schafft. Die Plastik "WE" ist fünf Meter groß, wiegt schlappe 2.700 kg und ist mit Laserstrahlen aus Stahl geschnitten. Der Künstler Jaume Plensa sieht das interkulturelle Buchstabengewimmel als Zeichen für Hoffnung und Freiheits und möchte ein gutes Miteinander der Völker der Welt damit erreichen. Gerne doch!

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January 22, 2009

Prager Palaver (4)

Rybi Trh
Rybi Trh
Ein Restaurant, das Fischmarkt heißt, klingt wie ganz nach meinem Geschmack. Im "Rybi Trh" (jaja, im Tschechischen kommt man ohne Vokale aus, manchmal. Also: Trh = Mrkt) kamen wir da voll auf unsere Kosten. Wobei das mit den Kosten durchaus doppeldeutig zu verstehen ist, denn es gibt in Prag durchaus weniger preisintensive Lokalitäten.

Das Restaurant liegt im Ungelt-Viertel. Ungelt ist ein schönes Wort, denkt man an Unkosten, Unwetter und andere vergleichbare Wort(un)schöpfungen. Hier waren es die Jungs vom Zoll, die im 14. und 15. Jahrhundert hier Geld haben wollten - irgendwie für die meisten eher Ungeld, oder? Einen Fischmarkt gab es damals auch hier, die Bezeichung hat also Tradition. Wie auch immer: Es gibt da seit Mitte der 90er Jahre "Rybi Thr", das zu den besten Fischrestaurants von Prag gehört.

Das Haus hat 19 Tische, besetzt waren zwei. Wir wurden sehr freundlich empfangen und durften zwischen Bar und Aquarium an Tisch elf sitzen - eigentlich ein schöner Platz. Aber wenn die Tür aufging, zog es beachtlich (sie ging aber nicht oft auf). Die Bedienung war sehr unkompliziert und aufmerksam, sprach dieses reizende Prager Deutsch und empfahl uns einen tollen tschechischen Wein: ein Welschriesling aus Moravien. Der Wein von Mikrosvín Mikulov passte hervorragend zum Essen.

Da wir zum Genießen dort waren und nicht zum Berichten, hatten wir die Kamera nicht dabei - es gibt also nur eine Selektion fantastisch unscharfer iPhone-Fotos. Wir erkennen darauf aber recht undeutlich den Hummersalat mit weißer Aprikosen-Vinaigrette und Argan Öl - eine leichte Köstlichkeit. Die Variation vom Tunfisch bestand aus feinem Tartar mit Masago Caviar, einer Tuna-Roulade mit Fenchel-Chutney und einer Tempura mit Zitronengras Sauce. Würde ich jederzeit wieder nehmen - aber ich bin ja auch bekennender Tuna-Fan.

Die Bouillabaisse mit Rouille war die Zweitbeste meines Lebens - würzig, fischig, einfach, gut (die beste gab's in Südfrankreich in einem eher sehr unbedeutendem Restaurant am Mittelmeer. Aber sie war noch besser!).

Die Jacobsmuscheln mit gewürfelten Bratkartoffeln kamen mit einer Trüffelmayonnaise daher - insgesamt für unseren Geschmack etwas zu mächtig (obwohl als "kleiner Hauptgang" angeboten). Wobei die Jacobsmuscheln trefflich gegart waren - innen glasig, außen kross, so sollte es sein. Die Kartroffeln hatten mir zu viel Biss - das mag ich eigentlich nur bei Nudeln.

Eigentlich waren wir also gesättigt - aber wer kann schon einem Dessert widerstehen? Wir gönnten uns ein Mascarpone Carpaccio, deren Biscuit in Lamborghini Kaffee gebadet hatte sowie eine Créme brûlé mit Madagascarvanille und Wildbeeren, Creme de Cassis und Eis von schwarzen Johannisbeeren. Nicht gut für die Figur, sehr gut fürs Gemüt!

Das Vergnügen (ja, es war eins!) kostet dann mal locker knapp 200 Euro. Das und zehn Prozent Trinkgeld sollte man einkalkulieren, um nicht verdrießlich den Platz zu verlassen, der schon immer einer war, Leuten Geld abzunehmen. Ungelt eben...

Restaurant Rybí trh
Týnský dvůr 5, 110 00 Praha 1, Tel.: +420 224 895 447, +420 602 295 911, E-mail: info@rybitrh.cz

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January 23, 2009

Prager Palaver (5)

Theologischer Saal
Theologischer Saal
"Auf der Orgel der Klosterkirche soll 1746 Wolfgang Amadeus Mozart gespielt haben." Wenn ich sowas in der Wikipedia (oder sonstwo) lese, bekomm ich die Hummeln: Mal abgesehen davon, dass - wie Käthe korrekt kommentiert - es den Mozart zu dem Datum noch gar nicht gab: Ist die Orgel stolz darauf? Sieht man es ihr an? Klingt sie seitdem beseelter?

Nichts von alledem, sie schwieg bei unserem Besuch im Kloster Strahov. Über den Dächern von Prag liegt das 1140-1143 gegründete Prämonstratenserkloster. Ein schon an sich sehenswertes Gebäudeensemble, aber ein absolutes Muss ist die Bibliothek. Es sind nur zwei Säle sowie der Gang vom einen zum anderen Eingang - aber man mag sich gar nicht satt sehen an der Bücherpracht inmitten der reich geschmückten Räumlichkeiten. Im 17. und 18. Jahrhundert legte man eben noch Wert auf ein bombastisches Ambiente!

Philosophischer Saal
Philosophischer Saal
Der "Theologische Saal“ der Bibliothek ist der Ursprung der Klosterbibliothek, doch seit 1790 stehen dot nur die theologischen Werke. Er wurde 1671-1679 gebaut und 1721 erweitert. Der „Philosophische Saal“ kam 1783–1790 hinzu, weil die Bände eines anderen (säkularisierten) Klosters hierhin kamen. Beide Räume kann man nicht betreten, sondern nur durch die geöffnete Tür bewundern - aus konservatorischen Gründen nachvollziehbar ist das, und es tut dem beklemmenden Gefühl auch keinen Abbruch, dass einen überkommen kann angesichts der Frage: Ob sich in vierhundert Jahren einmal die Menschen Disketten und Festplatten und all die anderen temporär modischen Speichermedien ansehen werden, die wir heute nutzen?

Abteikirche Mariä Himmelfahrt
Abteikirche Mariä Himmelfahrt
Da muss man ja kulturpessimistisch werden! Floppydiscs in Sichtbetongemäuern vs. handgeschriebenem Strahover Evangeliar aus dem 9. Jahrhundert im fetten Ledereinband mit Schmuckbesatz - ach ja: The times, they are a-changing... Man verlässt also, obwohl man (hoffe ich doch!) nicht eins der Bücher angefasst hat, beschwingt aus der Bibliothekt und betritt die Kirche. Als wir hereinkamen, wurde sie gerade als halbwegs warme Picknickstätte einer Gruppe fröhlicher Touristen missbraucht, was schon deswegen gemein war, weil auch ich gerne etwas Warmes zu trinken gehabt hätte. Die Orgel, auf der vielleicht Mozart schon mal gespielt hat, schwieg zu alledem...

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January 29, 2009

Prager Palaver (6)

Pragblick
Pragblick
Irgendwie leiden die Touristen, wenn es draußen allzu grau und kalt ist. Dick eingemummt schafft es der Blick ja gar nicht, so zu schweifen wie sich das gehört. Einerseits. Andererseits steckt das Kloster Strahov so voller Ecken und Winkel, dass man einfach ein wenig rumstromern muss und garantiert immer wieder etwas entdeckt. Die einzige wirkliche Enttäuschung ist ein optisches Highlight bei besserem Wetter: Der Blick auf Prag, eingerahmt von der Burg (links) und dem Petrin-Hügel (rechts). Uns bot sich eine diesige Sicht auf die Dinge, so dass der Photographen Herzen alles andere als freudig erregt bumperten. Aber wir wollen ja wieder kommen!

Loreta
Loreta
Also nicht in die Ferne schweifen, sondern immer mal ganz nah gucken - ist sowieso nicht die schlechteste Idee. Im Prinzip bietet der Wallfahrtsort Loreta dazu viele Möglichkeiten - irgendjemand schrieb mal, das sei ein "barocker Amoklauf", ein schönes Bild. Als wir kamen, waren die Tore leider geschlossen: In Prag macht das Personal der Kirchen Mittag und schließt die Kirche zu. Wir sind also nur draußen rumgeschlichen, haben es für wiederkommenswert befunden und sind weiter marschiert zur Burg.

Handschuhe
Handschuhe
Sich der Burg vom Kloster her zu nähern ist eine gute Idee. Es genau zur vollen Stunde zu tun nur dann, wenn man Wachablösungen mag. Es kurz danach einzurichten, ist auf jeden Fall doof: Alle Touris stolpern dann mit dir in die Burg und stehen immer nur im Weg. Zu kommen ohne Ahnung zu haben entfällt - wir haben uns ja schlau gelesen ;-) Auf dem Weg gibt es normale und Nepp-Restaurants, schöne Herbergen und prächtige Paläste. Mit anderen Worten: Eine wunderbare Schlendermeile, die wir nur wegen des unangenehmen Windes recht zügig absolvierten. Wie bei dem Sauwetter jemand seine Handschuhe verlieren konnte, bleibt mir ein Rätsel - aber Dank dem Finder, der sie so nett auf einem Hausvorsprung drapierte!

Nun also in die Burg! Sie ist über tausend Jahre alt und so groß, dass sie es ins Buch der Rekorde geschafft hat: größer ist keine auf unserer kleinen Welt. Nun ist Größe, wie wir alle wissen, nicht immer der wahre Maßstab aller Dinge - aber die Prager Burg hat es auch ohne die großen Ausmaße (über 570 m lang, ca 128 breit) in sich. Da, wo wir die Wachablösung gerne verpassen, residiert der Staatspräsident. Ob er wirklich da ist, signalisiert eine Flagge mit der Hussitenparole "Die Wahrheit siegt" - ein Spruch, über den man lange trefflich sinnieren kann. Meistens ist es ja die Wahrheit der gerade Herrschenden, und es gibt durchaus Zeiten, in denen die Wahrheit siecht.

St.-Veits-Dom
St.-Veits-Dom
Irgendwie beginnt die Burg gar nicht mächtig - bis man plötzlich beim Durchschreiten des zweiten Durchgangs ein beeindruckendes Tor vor sich sieht (das ist übrigens die Stelle für Fotografen, wo man heilfroh ist, keine posierenden Mädels vor sich zu haben. Die sind nämlich nie zufrieden mit den Bildern von sich selbst. Noch schlimmer sind eitle Jungs, die sich von ihren Freundinnen ablichten lassen. Ich hatte einen Knaben im Bild stehen, der die Seine fünf Mal zurückschickte, das Bild neu zu machen. So wie er stand, war das Tor übrigens gar nicht drauf, aber natürlich musste es genau da gemacht werden, das Starportrait!).

Das Portal, ob mit oder ohne Touris davor, gehört zum St.-Veits-Dom. Der Bau wurde auf Anweisung Karls IV. 1344 begonnen - von einem französischen Baumeister. Nach dessen Tod setzte Peter Parler die Arbeit fort, später dessen Söhne. So ein Bauwerk entsteht eben nicht über Nacht.

St.-Veits-Dom
St.-Veits-Dom
Durch das Portal betreten wir den Dom - und drinnen ist es genau so arschkalt wie draußen. Aller religiöser Respekt friert da ein: Ich lasse die Mütze auf. Denkste! Ein Jüngling (scheint der Tag der Knaben zu sein!) kommt auf mich zu und bittet mich freundlich, die Mütze abzunehmen. Natürlich mache ich das, frage mich allerdings, warum dieser Herrgott die Männer frieren lässt und die Frauen nicht - die durften nämlich alle oben mit rumlaufen.

Man geht im Uhrzeigersinn durch die 124 Meter lange Kathedrale - es steht nirgendwo, es sagt einem keiner, aber irgendwie ist da so ein Sog. Das Schöne im Januar ist, dass es relativ leer ist: man kann in Ruhe die traumhaft bunten Fenster bewundern oder die Königsgräber suchen. Eng wurde es nur einmal - weil das silberne Hochgrab des Heiligen Johannes von Nepomuk einerseits sich in den Weg schiebt und andererseits auch so bemerkenswert ist, dass man da einfach mal stehen bleiben und ein Foto machen muss. Und wenn dann noch so ein smarter Jüngling....

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January 30, 2009

Prager Palaver (7)

St.-Veits-Dom
St.-Veits-Dom
Wir verlassen den Dom, natürlich mit Mütze auf dem Kopf. Herrlich! Schnell noch ein Blick aufwärts zu den beiden 82 Meter hohen Türmen. Auch herrlich! Weil der Platz vor der Westfassaden sehr gering ist, muss man den Kopf schon arg in den Nacken legen - die Türme wirken so gleich noch höher. Guter Trick! Die Kölner mussten ihre Türme höher bauen, damit sie von weit weg immer noch groß aussehen! Um die Kirche halbwegs komplett und unverreckten Halses ansehen zu können, muss man den letzten Winkel des dritten Burghofs (in dem wir uns befinden) aufsuchen, sich ein wenig recken - und dann geht's.

An der Längsseite des Doms fallen zuerst ein fetter Turm und dann ein weiteres Portal ins Auge (aua! ich sollte mir die Worte häufiger umdrehen bevor ich sie tippe...). Der Südturm ist 96 Meter hoch und älter als die beiden Türme, für die wir uns gerade den Hals verreckt haben: Matthias von Arras hatte, wie es seinerzeit so Sitte war, im Osten mit dem Chor begonnen, der Parler-Clan hatte seine Arbeit bis eben zu diesem Turm fortgesetzt (wenn auch nicht beenden könne, weil man - auch das war seinerzeit so Sitte in unserer Welt - erst mal ein bisschen Krieg spielen musste und den Bau ruhen ließ). Erst seit 1929 zeigt sich der Veitsdom in seiner äußeren Gestalt so wie wir ihn heute kennen.

Goldene Pforte
Goldene Pforte
Die Goldene Pforte gleich rechts neben dem Wenzelsturm (so heißt der nämlich auch!) ist ein Parlersches Prachtstück. Die Südseite des Doms ist die geplante Schauseite: Wenn die Könige (in vollem Ornat!) von der Stadt zu Fuß über die Brücke zur Krönung auf die Burg kamen, schritten sie durch dieses Tor in den Dom. Wieder gilt: Gold glänzt nur bei Sonne richtig schön, also wiederkommen (wie überhaupt das "goldene Prag" bei Schummerlicht nur ein Achtel so goldig aussieht. Macht aber nichts, Charme hat es auch so!).

Es ist aber in Prag sowieso nicht mehr alles Gold, was glänzt. Das Goldmachergässchen hat beispielsweise in den vergangenen Jahren seinen Namen völlig neu interpretiert: Das kostet jetzt Eintritt! Die beiden Herrschaften am Einlass hatten nicht viel zu tun, wir mussten sie aus Prinzip dann auch enttäuschen.

Zuckerdächer
Zuckerdächer
Also lassen wir die Burg hinter uns, genießen den vorerst noch kostenlosen Blick von der Bastei auf die verschneit-vernebelte Stadt und stapfen bergab. Unten angekommen ist man dann auch gleich wieder bei Sehenswertem: Die Kleinseite ist hier in Flussnähe besonders pittoresk. Es gibt verwinkelte Gassen, es gibt immer mal wieder Abstecher zum Fluss und Blicke in Innenhöfe. Aushängeschilder wie "Buchhandlung - Knihkupectvi" erinnern zweisprachig daran, dass Prag eine große literarische deutschsprachige Vergangenheit hat. Es lohnt sich sowieso, immer mal wieder hoch zu gucken: Oben thront die Burg mächtig über der Kleinseite!

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January 31, 2009

Prager Palaver (8)

Doppelt pinkeln ist doppelt Kunst
Doppelt pinkeln ist doppelt Ku…
Im Hof des Hauses Cihelná 2b - einer ehemaligen Ziegelei - stehen zwei Männer und pinkeln. Sie stehen sich gegenüber, drehen sich dabei in der Hüfte und schwenken das Glied, das sie mit spitzen Fingern der rechten Hand halten, hin und her. Sie gucken dabei recht unbeteiligt, eher geradeaus als nach unten. Damen, die vorbeikommend erröten, gerieren sich ein wenig wie pubertierende Teenager und hüpfen aufgeregt hin und her, ob denn auch alles drauf komme, lassen sich aber dennoch mit den Prager Pinklern fotografieren. Ist doch Kunst!

Pinkeln ist Kunst
Pinkeln ist Kunst
David Černý, Prager Bildhauer und für seine deutliche, humorvoll-ironische und nicht immer konformistische Skulpturen-Bildsprache bekannt, hat die beiden Gentlemen in den Hof des Franz-Kafka-Museums gesetzt. Wenn alles klappt, pinkeln die Männer mit dem stoischen Gesichtsausdruck Texte ins Wasser, theoretisch sogar die der Besucher: Man kann den beiden eine SMS schicken, wonach sie deren Inhalt mit fröhlichem Wasserstrahl schreiben. Doch es ist Winter, da friert es auch einem Denkmalpinkler. Der linke pullerte eindimensional schlaff vor sich hin, da bewegte sich gar nichts mehr, dem rechten war der Hüftschwung abhanden gekommen, so dass er nur noch hoch und runter sein ewiges illi lili oder so absetzte. "Piss" heißt die Bronzeskulptur aus dem Jahr 2004, wer hätte das gedacht?

Hanging Out
Hanging Out
Eine Tour durch Prag auf den Spuren von Černý würde sich lohnen - man kommt gut rum und sieht interessante Dinge. Das Metronom ist von ihm, und 2002 hatte ich plözlich einen an einer Stange aus einem Haus hängenden Mann vor der Linse. Hanging out gibt's, der Mann (also Černý, nicht der hangman) muss ja auch mal Geld verdienen ohne neue Idee, mittlerweile an verschiedenen Orten der Welt. Auch die Babies, die wir später nach dem Essen auf der Kampa-Insel sehen werden, sind echte Černý-Kreaturen. Vorgemerkt!

Das Kafka-Museum gibt es erst seit 2004, und so richtig angekommen ist der gute alte Franz immer noch nicht in seiner Heimatstadt. Die Webseite ist gewöhnungsbedürftig (wenn auch freundlicherweise dreisprachig), aber sie verzeichnet die Weihnachtsöffnungszeiten des Jahres 2006, dem Jahr der Eröffnung der Dauerausstellung "Die Stadt des Franz K. und Prag": Da steckt echt Engagement und Pflege hinter!

Schwaneneskorte
Schwaneneskorte
Ein paar Häuser weiter müssen wir mal schnell auf eine Ampel drücken - aber nicht, um über die Straße zu kommen, hier in den engen Gassen fahren kaum Autos: Nein: Es führt eine schmale Stiege herunter zur Moldau. Naja, eigentlich zu einer Gaststätte mit Freisitzen (im Sommer). Lohnt sich, hier zu gucken, denn erstens gibt es einen schönen Blick auf die Karlsbrücke und zweitens kann man vielleicht erleben, wie ein Touristenboot harmlose Prager Schwäne vor sich herscheucht. Oder sind die Schwäne die Eskorte für die Touris? Egal: Ein schönes Bild! Und das mit der Ampel hat ja auch was!

Frempde Gesde
Frempde Gesde
Die Míšeňská ist eine Gasse, in der man gut barockes Gefühl bekommen kann. Die Häuser größtenteils runderneuert, das Kopfsteinpflaster stöckelschuhfreundlich (kein Problem im Winter, sollte man denken) - und wie das bei solchen Gassen ist: es entwickelt sich eine Kneipenkultur. Nicht die schlechteste, wie wir bummelnd ferststellten - und abends führte uns unsere charmante Prager Gastgeberin Semmi dann auch prompt in ein Lokal genau hier. Aber das ist eine eigene Geschichte... Die Gasse, denke ich, ist wie gemacht zum Filmen - und lese später, dass just hier die ersten Szenen von Milos Formans Amadeus gedreht wurden.

Itaienischer Himmel
Itaienischer Himmel
Wir rasteten dann quasi unterm Brückenkopf der Karlsbrücke in einem Restaurant, das alles andere als "echt tschechisch" zu nennen ist: Casanova pries sich mit einem "Chef Italiano" an, und da konnten wir einfach nicht nein sagen. Zumal es schon deutlich nach der üblichen Mittagszeit war - bei so etwas wissen wir uns in italienischen Händen eigentlich immer gut aufgehoben! Der Fernseher lief, die Lampen waren hell, die Familie plauderte lautstark, der Kellner kam, war freundlich und brachte uns leckere Sachen. Als wir fertig waren, kam der Chef aus der Küche und setzte sich mit seinem Macbook ins Restaurant, um ein wenig drahtlos im hauseigenen WLAN zu surfen: Wir waren richtig!

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