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August 10, 2008

Das Recht auf die katholische Kerze der Erinnerung

Sächsisch-Bayerische Nachhilfe
Sächsisch-Bayerische Nachhilfe
Man erspare mir den bayerischen Dialket - ich kann's nicht, also mach ich's auch nicht nach. Der Herr (grüner Umhängepullover) aber konnte und nutzte ihn. Er war, zusammen mit seiner Begleitung (roter Umhängepullover), in der Frauenkirche. Dort gibt es am Ausgang die Möglichkeit, Kerzen zu kaufen und - am ausgebrannten alten Kuppelkreuz - aufzustellen. Es sind dort oft bewegende Momente der Ruhe, trotz des Trubels der Touristenattraktion. Das Paar kaufte keine Kerzen (was sein gutes Recht ist), und er kommentierte: "Das haben sie uns abgesehen!" Die Frau, leiser: "Was?" Er: "Na das mit den Kerzen! Das haben doch die Evangelischen gar nicht! Das haben sie uns geklaut!"
So ging es, im Hinausgehen, noch ein wenig hin und her. Da überholte uns und das vor uns gehende bayerische Paar die Dame (kein Umhängepullover) und stoppte die beiden: "Entschuldigung..."
Sie wolle, sagte sie ruhig, nur etwas klar stellen. Vom Raub einer Sitte könne nämlich gar keine Rede sein. Und sie erzählte dem staunenden und argumentationsfrei zuhörenden Paar, wie das damals war, im Krieg, als die Bomben fielen. Und wie sehr die Dresdner das als Teil ihres Lebens aufgenommen haben - die, die es miterlebt haben sowieso, aber auch die Nachgeborenen. Die am 13. Februar, wenn abends zur Stunde des Bombenabwurfs die Glocken läuten, zum stillen Gedenken an die Frauenkirche gehen, dort Kerzen aufstellen, weinen, Trost suchen und finden, reden, nicht allein sind - und sich mit stillem Protest gegen jeden Krieg und jede Gewalt aussprechen.
Lange redete sie und eindrucksvoll.
Manchmal muss man sie einfach lieben, die Dresdner!

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August 10, 2008

Villandry

Villandry
Villandry
Die schlechte Nachricht zuerst: Die Crème brûlée hat nachgelassen - wenn man mal großzügig Radebeul mit eingemeindet in den kulinarischen Großraum Dresden, würde ich die beste der Stadt dort vermuten und nicht mehr, wie jahrelang erprobt, im Villandry. Das war's aber auch schon an Gemeckere, der Rest ist bestens: Uwe Haufe in der Küche und Bernd Haufe im Service haben mit ihren Teams ein verlässlich gutes Restaurant in der Neustadt etabliert, das eine ganz eigene frische Atmosphäre ausstrahlt, in dem man in einer heiteren und unverkrampften Atmosphäre sitzt und verlässlich gut isst und zu symphatischen Preisen den passenden Wein genießen kann.

Das (bis auf ein paar Klassiker) täglich wechselnde Angebot ist sehr übersichtlich und wird auf einer Schiefertafel gereicht: Vier Vorspeisen, vier Hauptgerichte, vier Desserts. Aber eine Karte mit Aperitifs und Digestivs und eine mit den Weinen (plus Empfehlungen, auch auf einer Schiefertafel). Zu wenig? Nein, gerade richtig und gut so, denn erstens findet man wirklich immer was, kann vegetarisch essen, Fisch und Fleisch kombinieren und es sich sonstwie arrangieren - und zweitens wird hier nichts alt, sondern ist wirklich frisch.

Uwe Haufe kocht, ohne dass das modisch sein muss, gerne mit leicht asiatischen Geschmacksnuancen und stelt manchmal Dinge zusammen, die man freiwillig nicht zusammen auftischen würde. Unser Gast, nachdem er alles gegessen und wohlig geschnurrt hatte: "Das hätte ich vorher nicht gedacht! Als ich das las, hatte ich Bedenken - aber nun würde ich glatt nochmal anfangen!" Das hat er sein gelassen, weil die Portionen zwar nett angerichtet und nicht überladen sind, aber durchaus ausreichend, um gut satt zu werden.

Zum Dessert hatten wir, ohne auf die tafel zu gucken, die Crème brûllée bestellt und waren enttäuscht, weil sie (anders als in den Vorjahren) irgendwie liebloser schmeckte - das war nichts Warmes mehr dran, es war nicht so fein pikant im Geschmack wie in der Erinnerung. Aber eigentlich sind wir froh darüber: Gibt's doch nun die Chance, auch einmal die anderen Desserts zu probieren. Die klangen schon immer gut, sahen auf Nachbars Teller auch meist so aus. Aber wir hatten uns nie getraut aus Ärger, was zu verpassen....

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