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October 26, 2008

Auf dem Malerweg (1)

Sonnenaufgang auf dem Papststein

Das Elbsandsteingebirge hat, seit es im 18. Jahrhundert von den beiden Schweizer Künstlern Adrian Zinng und Anton Graff für den Tourismus entdeckt wurde (sie prägten den Begriff "Sächsische Schweiz"), vor allem Maler begeistert: Die Stimmungen dort sind durch Licht und Felsen immer wieder anders, sie changieren zwischen kitschig-romantisch und verwegen-bedrohlich. Ein 112 Kilometer langer Wanderweg durchzieht dieses Gebiet - von Liebethal bei Pirna schlängelt er sich rechtselbisch durch den Nationalpark bis zur tschechischen Grenze, wechselt die Elbseite und führt zurück bis Pirna.

Und nun kommt's: Man muss die 112 Kilometer nicht an einem Tag abhecheln! Acht Touren schlagen die Malerweg-Organisatoren vor - für unsereins immer noch zuviel: da bleibt ja gar keine Zeit zum Fotografieren! Aber man kann sich die Häppchen noch kleiner schneiden: Wir versuchten es mit einem Besuch des Papststeins am Morgen und einem Rundgang (mit Besteigung) des Gohrisch.

Die Fotografin über dem Nebelmeer...
Die Fotografin über dem Nebelm…
Weil frühmorgens, wenn man Glück hat, die Nebel so schön durch die Täler wabern, sind wir quasi vor dem Aufstehen aus den Federn gekrochen und die 390 Holzbohlen-Natur-Stufen und 101 Treppenstufen zum 451 Meter hohen Papststein hoch gehechtet. Den letzten Tag der Sommerzeit nutzend, erwarteten wir gegen 7 Uhr 46 den Sonnenaufgang - und waren pünktlich um 7 Uhr 31 mit aufgebautem Stativ auf dem Plateau des Tafelbergs aufnahmebereit!

Die Täler rundherum waren mit Wattebäuschen ausgefüllt - im Dämmerungs-Grau-in-Grau schmiegten sich die Nebel nahezu unbeweglich an die Berge rundherum. Den Gohrisch gleich gegenüber erkennt man natürlich gut, je nach eigenem Standpunkt lugt manchmal links dahinter der Pfaffenstein mit der Barbarine hervor.

Raute fliegen
Raute fliegen
Richtung Osten kam Farbe ins Spiel: der Himmel wurde hell und blau, am Horizont tat sich ein orangener Streifen auf, der sich bald an einer Stelle beulte: Sonnenaufgang! Wie auf Bestellung düste der Jetset herbei und kondensierte Rauten in den Himmel: Was hätten die Maler vor zweihundert Jahren wohl daraus gemacht? Sie haben gegenüber uns Fotografen ja den Vorteil, Wunsch und Wirklichkeit geschickt vermischen zu können, sie können idealisieren und fantasieren, störende Vordergründe weglassen, fehlende ergänzen - der Kreativität und künstlerischen Entfaltung sind da keine Grenzen gesetzt. "Der Wanderer über dem Nebel" vom begnadeten CDF beispielsweise zeigt eindeutig den Zirkelstein - aber die "Felsengruppe vor diesem Berg stellt den Gamrig bei Rathen dar", wie die Wikipedia weiß. Eine schöne Animation zu diesem Bild fand ich übrigens hier - ganz unten auf der Seite. Einfach mal ansehen, lohnt sich!

Gohrisch
Gohrisch
Die Sonne verliert ihre morgendliche Schamesröte schnell, man mag nun gar nicht mehr direkt hinsehen - Zeit für einen Seitenwechsel: Den Blick gen Westen, auf den mit 448 Metern nahezu gleich hohen Nachbarn gerichtet - und auf die heute im allgemeinen Dunst eher zurückhaltende Festung Königstein weiter hinten. Rechter Hand lugt nur ein Zipfel des Lilienstein hervor - zwischen uns und diesem einzigen rechtselbischen Tafelberg liegt die Elbe - und dort treiben es die Nebel besonders dicke! 415 Meter hoch ist der Lilienstein - offensichtlich zu niedrig, um groß aus dem Wattebausch heraus zu lugen.

Rund um den Königstein wabert es eher diffus: Aus dem Bodennebel im Tal wird ein Hochnebel, der sich als allgemeiner Dunst gar nicht gut auf die Fernsicht auswirkt. Aber man kann ja nicht alles haben - und nächstes Jahr sind wieder Elbnebel, ganz sicher! Wir haben uns ein Datum im Kalender schon mal notiert...

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October 26, 2008

Auf dem Malerweg (2)

Auf dem Gohrisch

Der Gohrisch ist entweder 448 Meter hoch (so jedenfalls die Gravur auf der Bodenplatte der Wetterfahne, das offizielle Hinweisschild oben auf dem Plateau und die Malerweg-Info) oder nur 439,80 (Karte und Wikipedia) - aber in diesem sowieso nicht rekordverdächtigen Bereich spielt das vielleicht gar nicht so die große Rolle. So oder so ist der Gohrisch ein netter Tafelberg, der eine grandiose Rundumsicht bietet - wenn das Wetter mitspielt, natürlich nur. Wir wollten ihn, nach Sonnenaufgangsbeobachtungen auf dem gegenüber liegenden Papststein und Frühstück beim Rumpelt-Bäcker in Papstdorf besteigen und dann im weiten Rund ein Stück dem Malerweg folgend aus der Ferne würdigen.

Bäckerei Rumpelt
Bäckerei Rumpelt
Der Bäcker hat auch ein Café - aber so eins, wie es in kleinen Dörfern häufig anzutreffen ist: Kleine Ladentheke, nicht sonderlich überbordend. Nebenan ein Raum mit Rattanstühlen an Marmortischen - moderne Rustikale, sozusagen. Besonders einladend wirkt das nicht, aber eine nette Bedienung (ich denke mal: die Chefin) macht das wieder wett. Na klar könnten wir frühstücken, sagt sie - es ist halb zehn, das ist für hiesige Verhältnisse schon spät: das Café öffnet um sieben. Süß oder deftig? Ähm: erst deftig, dann süß, bitte. Und je einen Pott Kaffee! Die Brötchen suchen wir uns selber aus, den Rest bekommen wir: Ausreichend, mit einem halben Stück Butter - da können sich viele Hotels und Pensionen mal ein Beispiel nehmen. Der Kaffee schmeckt gut, ist aber leider etwas lau statt heiß. Aber ansonsten gefällt es uns, und beim süßen Nachschlag gibt's sogar noch Mandelgebäck kostenlos obendrauf: "Das ist übrig geblieben - war zuviel für die konfektionierten Tüten!"

Zwischen Papstdorf und Gohrisch
Zwischen Papstdorf und Gohrisc…
Am Rande des Dorfes parken wir das Auto und gehen eine Birkenallee entlang Richtung Gohrisch. Das Waldstück, in dem der Pfad parallel zur Straße führt, hatten wir uns überhaupt nicht spektakulär vorgestellt - aber wir hatten nicht mit der Sonne gerechnet, die sich durch den auflösenden Nebel strahlt und hinter jedem Baum neue Lichterspiele veranstaltet. Wir sind auf dem Malerweg - wenn auch nur auf einem Teil des modernen, von der Tourismusindustrie gestalteten: Der alte, originale Malerweg verlief nur rechtselbisch und kennzeichnete die Tour, auf die die Maler die Sächsische Schweiz erkunden wollten. So ganz exakt hat man ihn nicht nachempfunden - es fehlt das Stück rüber nach Tschechien zum Prebischtor, und statt dessen gibt es linkselbisch einen Rückweg nach Pirna - auf einem Teil davon befinden wir uns hier seit dem Papststein.

Strahlungen (1)
Strahlungen (1)
Irgendwann ist dann plötzlich Schluss mit lustig - die Bäume hören auf, der Fels beginnt. Ein Schild unten hatte zur Vorsicht gemahnt: Die Aufstiege seien mit Holzleitern versehen und erforderten unbedingte Tritttsicherheit. Sowas ficht mich nicht weiter an - solange der Spalt zwischen den Felsen meinem Astralkörper und dem Fotorucksack ausreichend Platz bietet und es nicht schwindel erregend bergab geht, mache ich das gerne mit und werde obendrein mit wohlwollenden Worten meiner Begleitung motiviert. Das Gekraxel hielt sich in Grenzen und schuppdiwupp hastenichtgesehen waren wir oben.

Eine Schutzhütte steht da und lädt zum Ausruhen ein, leider war sie schon besetzt. Wir also weiter auf dem Plateau des Gohrisch bis zur Wettterfahne. Sie stammt aus dem Jahr 1985 und trägt die Inschrift "Berg Heil", was mir unwillkürlich bedenklich vorkam in dieser Gegend, die ja unselige Heilsjünger gerne in örtliche und regionale Parlamente wählt. Aber die Wikipedia belehrte mich eines Besseren: "Unter Bergsteigern ist die Formel Berg Heil! geläufig, die insbesondere dann angewandt wird, wenn Bergsteiger einen Gipfel erklommen haben." Und auf dem Gipfel steht die Wetterfahne ja!

Blick zum Pfaffenstein
Blick zum Pfaffenstein
Die Aussicht ist hier in der Tat faszinierend, und da fragt man sich doch, wieso der Gohrisch erst 1886 als einer der letzten Tafelberge der Gegend für den Tourismus fit gemacht wurde. Emil Grünewald, der bei diesem Namen ja gar nichts anders als Königlicher Oberförster werden konnte, hat für Treppen und Stufen gesorgt, so dass man da oben rauf und auch wieder runter kommt. Der hiesige Gebirgsverein hat dem Mann zu seinem 100. Todestag 1992 eine Bank errichtet mit Widmung in Stein, so dass man sich jetzt vor dem Auf- oder nach dem Abstieg ausruhend dankbar setzen kann.

Der Malerweg, auf den man nun wieder nach dem Abstecher auf den Stein stößt, führt zur Stadt Gohrisch - die wir jedoch nicht erreichen, weil wir vorher links abbiegen in den Balzpfad. Warum der so heißt? Keine Ahnung. Pfade haben nun mal ihre Namen, und dieser ist eben der von der Balz. Ein Hochstand mit laveder unterer Stufe ist ansonsten stabil genug, zwei hungrigen Wanderern ein erhabener Rastplatz zu sein. Was sehe ich da auf der Lichtung? Ein Trog. Die Herren Jäger machen es sich ganz schön leicht...

[Folge 1]

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