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October 1st, 2008

Tonnen, Tote, Bombenmengen

Rolf-Dieter Müller
Rolf-Dieter Müller
Militärhistoriker sind nicht lustig - so wenig wie der Gegenstand, den sie untersuchen. Prof. Rolf-Dieter Müller, der der Dresdner Historikerkommission zur Ermittlung der Opferzahlen der Luftangriffe auf die Stadt Dresden am 13./14. Februar 1945 vorstand, weiß das wohl. Während des Historikertages stellte er - zusammen mit weiteren Mitgliedern der Kommission - einen Zwischenbericht vor (Erklärung als PDF), in dem es ("so ist das makabre Geschäft mit dem Tod") auch um Brandtemperaturen, Bombenmengen und die Relation von Toten pro Tonne Sprengkraft ging.

Die Kommission mit dem langen Namen war notwendig geworden, weil sehr unterschiedliche Zahlen über die Opfer kursierten: Je rechter die Quellen, desto größer die Opferzahlen - aber auch politisch weniger Verdächtige schienen den makabren Vergleich der Toten einer bombardierten Stadt zu strapazieren, um besonderes Augenmerk auf sich zu lenken.

Pressekonferenz
Pressekonferenz
Nun haben also Wissenschaftler festgestellt, was man seit Ende März 1945 hätte wissen können: Damals hieß es, dass bei den Angriffen der Alliierten auf Dresden am 13./14. Februar 22.000 Menschen umgekommen seien - und man fügte an, dass es wahrscheinlich auch bis zu 25.000 sein könnten. Das Ergebnis nun liest sich ähnlich, aber die Untersuchungen haben eine eigene Qualität in die Diskussion gebracht: Durch die Arbeit der Kommission erhalten die Opfer ein Gesicht und einen Namen. Bei 18.000 Opfern der Bombardierung sei dieses bislang gelungen - und die Kommission arbeitet weiter daran, diese Zahl zu vergrößern. Aber auch für sie ist die Zahl 25.000 die Obergrenze der Opfer.

Transparenz ist eins der Ziele der Kommission - um weiteren Spekulationen und damit verbundenen wilden Ausdeutungen vorzubeugen. Daher sollen die Ergebnisse nach Abschluss der Arbeiten im kommenden Jahr veröffentlich werden. Vielleicht dann auch lesbarer als in der oben verlinkten PDF: Die muss man nämlich ausdrucken und dann mühsam zusammensetzen, um die richtige Reihenfolge der Seiten zu erhalten...

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October 8, 2008

Vielfalt macht Spaß!

Die Idee entstand vor einiger Zeit bei der Zeitungslektüre: Schülerinnen und Schüler aus dem Westen, so stand zu lesen, haben Vorurteile gegenüber einem Studium in Dresden. Weil die Leute hier so merkwürdig sprechen (nu!), weil sie angeblich Ausländer nicht mögen.

Als jemand, der aus dem Westen kommt und seit 18 Jahren in Dresden lebt, merkt man da auf: Eigentlich reden die Menschen hier doch verständlich - verständlicher gar als manch andere (die ja auch schmunzelnd-selbstbewusst bekennen, alles zu können - außer hochdeutsch). Und Ausländer sind hier Kommilitonen, Partner und Freunde, auch wenn es schlagzeilenträchtige Ausnahmen gab.

Die Idee war: Ausländerfreundlichkeit zu zeigen. Ein Wort, dass es so kaum in den Zeitungen gibt (steht es eigentlich im Duden? Und warum nicht?). Mitstreiter waren schnell gefunden: Jens Bemme, während der Drehzeit zum Film im Marketing der TU Dresden beschäftigt. Juliane Terpe, Chefin des Kulturteams im akademischen Auslandsamt der TU Dresden als Kontaktfrau zu den ausländischen Studentinnen und Studenten, die im Film auftreten. Silke Scheerer, die mit mir zusammen die DFG-Science-TV-Filme für den SFB 528 gedreht hat. Und Robert Schymiczek aka Zorknemesis, der in der letzten Phase des Projekts als kreativer Filmemacher das Vorhaben mit dem nötigen Fertigungs-Schub versah.

Oh, und dann natürlich die Hauptpersonen im Film (Nebenrollen gab's keine ;-)! Vor und im Beyer-Bau spielten sie fast wie Profis ihre Rollen: In der Heimatsprache stellten sie sich vor, auf deutsch sagten sie, was sie an der TU Dresden umtreibt. Was die MItglieder des Laienteams von Profis unterschied: Sie waren herzerfrischend unkompliziert, wiederholten ihren Text für andere Kameraeinstellungen immer wieder - und sie lachten, lachten, lachten!

Ja: Es hat Spaß gemacht - und die bunte Vielfalt der Sprachen und Lebensbiographien kumulierte dann doch im italienisch-deutsch-englischen Mittagsvergnügen nach dem Dreh: Es gab Pizza und Gespräche!

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October 15, 2008

Unterwegs im Bielatal

Mit über 3.400 Kletterwegen und 239 Gipfeln ist das Bielatal für Kletterer einfach spitze. Bei gutem Wetter klickt und klackt es vernehmlich von den Felsen herunter, und über allen Wipfeln sind hier Gipfel. Man muss aber nicht Kletterer sein, um es im Tal der Biela bzw. an den Hängen links und rechts des 18 Kilometer langen Nebenflusses der Elbe liebreizend, wild-romantisch, bizarr und überaus angenehm zu finden. Gut ausgeschilderte Wanderwege gibt es reichlich - wir probierten den eher gemütlichen (wundert das jemand?) Rundweg mit dem gelben Punkt.

Abstich-Gewölbe
Abstich-Gewölbe
Starten kann man, das haben Rundwege ja so an sich, eigentlich überall - wir begannen nach Anfahrt mit dem PKW an einem Parkplatz etwas vor dem immer bestens ausgeschilderten Rundweg (siehe Karte der Tour), um den alten Fußweg vom Hochofen Brausenstein bis zur Schweizer Mühle auszuprobieren. Nicht spektakulär aber nett und gleich am Anfang sogar lehrreich: man lernt etwas über Eisenerz-Verarbeitung in der Gegend. Als "Denkmal hießiger Produktionsgeschichte" (so das Schild) sieht man Reste des Hochofens.

Treppauf
Treppauf
Dann geht's aber erst mal 60 Meter hoch und dann zwischen Wald und Feld bzw. durch einen Wald entlang: Sehr ruhig, sehr schöne Luft, sehr weicher Boden, sehr sehr schön! Dann führt der Weg gleich wieder runter, und zwar zur Schweizer Mühle - einem Restaurant, zwei Bushaltestellen links und rechts in wenigen Minuten, einem Parkplatz (wenn man also hier anfangen will: auch gut!).

Wir lernen die Vorzüge eines Tals kennen: Auf der anderen Straßenseite müssen wir wieder hoch. Klingt anstrengend - ist es aber nicht wirklich, denn wir sind ja nicht in den Alpen: 354 m hoch ist der Parkplatz, dann rauf bis 400 Meter, dann wieder runter auf 354 und nun hoch auf 380. Geht also! Außerdem verordnet die Landschaft hier Zwangsaufstiegspausen en masse, man könnte zum Romantiker werden - aber die gab's ja schon früher hier.

Bielatal
Bielatal
Der Berthablick hat (nichts gegen alle Berthas dieser Welt) ja einen selten dämlichen Namen, möchte man meinen. Berthablick! Aber was muss ich lesen? Hier soll sich einst das hübsche Zimmermädchen Bertha in den Tod gestürzt haben, da der Mann ihrer Liebe, sich abwandte. Ist ja schröcklich! Wir also hin und ruff uff de Bertha - und wow! Der erste Rundblick runter ins Tal, in dem sich die Biela munter plätschernd in der Sonne spiegelt. Drüben die Berge sind gerade noch sonnenbeschienen, was die bunt gefärbten Bäume besonders nett aussehen lässt.

Rosengarten
Rosengarten
Diese Abstecher vom Rundweg machen die Tour übrigens länger als sie auf dem Plan aussieht - wegen der paar zusätzlichen Meter und der reichlich zusätzlichen Fotos! Gleich hinter Bertha lädt die "Kleine Bastei" zum erneuten Rundblick, aber außer dass man Bertha nun im Blick statt unter den Füßen hat, gibt's nichts Neues zu sehen. Anders beim Gedächtnishain und dem Rosengarten: Das sind zwei benachbarte Felskessel - der eine als 1890/91 als Andacht-Stelle für die Mutter des Fabrikanten Dölitzsch errichtet, der andere zur gleichen Zeit von Dr. Linke aus Dresden ausgestaltet als Ehrengarten - weil es der Lieblingsort seiner Mutter war. 1890/91 waren mutterfreundliche Zeiten!

Spitze
Spitze
Der Wanderweg hat sich ein wenig vom Tal entfernt, am Waldrand kann man auf ein weites Feld sehen. Hinterm Hügel lugt die Spitze eines Kirchturms hervor - es ist die von Rosenthal-Bielatal. Das ist ganz grob auch unsere Richtung - obwohl wir, nach gemütlicher Waldwegbummelei, an der Straße genau die andere Richtung einschlagen: Abwärts ins Tal! Das Wegeschild macht neugierig - es geht zur zerklüfteten Wand! Zum Bielablick! Zu den Herkulessäulen! Zur Felsengasse!

Treppen
Treppen
Habe ich schon gesagt, dass eine Wanderung durch das Bielatal wie das wirkliche Leben ist? Ein ewiges Auf und Ab! Nachdem wir die Straße (wenig Verkehr, also nicht schlimm!) herunter gegangen waren (und uns an den schmucken, meist super restaurierten Villen erfreut hatten), mussten wir natürlich wieder hoch. Wie immer geht das ein wenig auf die untrainierte Pumpe - aber oben angelangt hüpft das pochende Herz noch einmal doppelt, weil es bei so viel schönen Ausblicken gar nicht anders kann. Ein Turm gleich nebenan (bei dem ich nicht aufgeschrieben habe, was es für einer war - oder es stand kein Schild da, nicht mal das kann ich erinnern) ist über eine lawede Holzbrücke zu erreichen.

Lawede, liebe Leserin und lieber Leser außerhalb Sachsens, ist eins der vielen schönen Worte der hier benutzten Umgangssprache. Nicht mehr ganz in Ordnung, aber auch noch nicht ganz kaputt ist diese Brücke also - aber wer hat denn soviel Zeit für so einen langen Ausdruck, wo man doch auch lawede sagen kann? Es sei das am meisten bedrohte Wort der sächsischen Sprache, befand eine Jury. Aber wir retten das schon im Rahmen unserer Aktion: Worte für den Duden (die wir mit dem ebenfalls viel zu selten benutzen Begriff Ausländerfreundlichkeit begannen). Der Turm ist auch nicht mehr, was er einmal war - mit ohne Dach steht er da malerisch herum, und Fenster hat er in der offensten Form. Aber dafür nette Spinnweben, Spitzbögen und Stufen mit viel Moos.

Suchscheinwerfer
Suchscheinwerfer
Der Hochwald hier steht dicht und lässt die Sonne nur blinzelnd durch - an nebelwabernden Morgen sicher ein schönes Bild für den Fotografen, aber das verpennen wir ja immer. Macht nichts, denn jetzt ist es auch nett anzusehen, außerdem ist es wärmer als in der Früh. Am Rande des Waldes dann wieder bemerkenswerte Ausblicke mit allen Farben des Herbstes. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich zugebe, dass zum Klicken der Kletterer das der Kameras kam...

Herbst-Bild
Herbst-Bild
Der Biela-Blick ist das nächste größere Ziel. Eigentlich nichts Besonderes - man steht, wie so oft, auf dem Felsen am Rande des Abgrunds, ruft der Gegend seine "Aaaahs" und "Ooooohs" entgegen, verbraucht mehrere Megabyte Pixel auf der Speicherkarte und erfreut sich erneut an den Reizen der Landschaft. Aber der Biela-Blick heißt auch Kaiser-W.-Feste, wobei ilhelm für das Schild zu lang war und deswegen statt des Punktes hinterm W zu ergänzen ist. Der Kaiser hat mit dem kleinen Viereckbau nichts zu tun, aber ein Baumeister aus Rosenthal hatte 1880, angeblich nach einer Stammtischwette, die glorreiche Idee, diese Bastion zu erbauen. Der Herr hieß Kaiser, J.G. Kaiser. Aus dem (auch offenen, das scheint hier Mode zu sein) Häusel kann man wunderbar rausgucken und hat für seine Bilder gleich einen (Fenster-)Rahmen, das ist doch praktisch!

Kletterin
Kletterin
Die Kletterspechte mit ihrem Klick Klick werden lauter, unterbrochen von anregenden Rufen wir "Kaffee ist fertig!" und "Kinder, hier gibt's Kuchen!" Den Geräuschen und einem Schild folgend landen wir an den Herkulessäulen, die in stoischer Ruhe das Gekraxel übender und könnender Kletterer über sich ergehen lassen. Am Fuß der Felsen: eine riesige Picknick-Landschaft gerade nicht kletternder Seilschaften. Wer klettert, scheint auch Kraft zum Kindermachen zu haben - unter zwei geht da offensichtlich nichts, und die Lütten hängen erstaunlich früh in den Seilen.

Herkulessäulen
Herkulessäulen
Klettern in der Sächsischen Schweiz ist hierzulande so etwas wie ein Volkssport. Einen eigenen Stil haben die Sachsen auch entwickelt: "Das Klettern in den Sandsteinklettergebieten Sachsens beruht seit 1910 auf dem Grundsatz des „freien Kletterns" ohne Verwendung künstlicher Hilfsmittel", steht in den Kletterregeln des Sächsischen Bergsteiger Bundes - und dem folgen offensichtlich alle beherzt. Es macht Spaß, da zuzusehen - auch wenn man angesichts eines Barfußkletterers doch stutzt - und von der eigenen Höhenangst und fehlender Schwindelfreiheit wollen wir jetzt mal lieber gar nicht anfangen...

Farbrausch
Farbrausch
Unsere durchschnittliche Wandergeschwindigkeit war angesichts der vielen Menschen, Felsen, Sensationen zusehends gesunken - wir gelobten, nun einmal ordentlich zuzuschreiten. Aber ach, wie denn? Hier ein Hinweisschild zum Schiefen Turm, da eins zum Kanzelturm, dort eins zum Dachsenstein. Aussichten, so unsere Einsicht, sind nicht zu vernachlässigende Punkte weitschweifiger Augenblicke. Nach so viel ungeplanter Pausen waren wir froh, mal wieder bergab zu laufen und im Ortsteil Ottomühle die Namen gebende Örtlichkeit ("Gasthof und Herberge seit 1548") aufsuchen zu können, denn nichts geht über ein Wanderbier zur rechten Zeit!

[Schilderungen des Rückwegs und des spektakulären Abendessens folgen in einem seperaten Bericht]

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October 16, 2008

Unterwegs im Bielatal - und auf dem Papststein

Fünf Kilometer nur sind es vom Parkplatz am Hochofen Brausenstein bis zum Rastplatz Ottomühle - aber wir haben elendig lange dafür gebraucht mit einer (sagt das moderne Teufelszeug in der Jackentasche) statistischen Durchschnittsgeschwindigkeit von unter zwei Stundenkilometern! Wir können damit ganz gut leben - weil ja jedes Bild seine Zeit braucht und viele Blicke nicht für den Fotoapparat sind, sondern fürs Herz, mit dem man bekanntlich am besten sieht.

Ottomühle außen
Ottomühle außen
Wir sitzen also in der Ottomühle und lassen es uns in der Herbstsonne gut ergehen. Neben uns ist noch ein Tisch frei - falls Besucher aus dem Weltall kommen, sollen die ja nach so einer langen Anreise nicht wegen Überfüllung abgewisen werden. Die Mühle ist 1548 erstmals erwähnt, hat also schon einiges erlebt. Sie wechselte im Laufe der Zeit mehrfach die Besitzer - 1850 gleich zwei Mal - da wüsste man gerne mehr! Mühlrad und alles andere, was außer dem Namen an eine Mühle erinnert, gibt es seit 1973 nicht mehr, was sicher schade ist. Dafür aber hat sich die Mühle, in der seit 1900 ein Gaststättenbetrieb untergebracht ist, seit 2002 wieder als ein Ort für preiswerte Übernachtungen etabliert, und essen kann man dort auch - aber das haben wir nicht probiert, weil der Plan ein besserer war (bleiben Sie dran!)

Großvaterstuhl
Großvaterstuhl
Nach dem Wanderbier sind wir erst mal in die falsche Richtung losmarschiert. Wanderkarten kaufen wir immer nur zur Förderung der lokalen Wirtschaft und lassen sie meist zu Hause liegen. Dieses Mal hatten wir zwar eine mit, aber warum sollten wir da reinsehen? Die sind doch danach immer so schwer zusammen zu falten! Außerdem sind kleine Abstecher meist sehr unterhaltsam und lehrreich - so auch dieses Mal: Auf der Suche nach dem gelben Punkt trafen wir eine ältere Dame und einen älteren Herrn. Beide hingen am Ende der Leine, die mit jeweils einem enorm kleinen Kläffer begann. Sylke fragte, ob hier irgendwo der Weg zur Schweizermühle abginge??? Bei Wanderungen im Sächsischen muss bei Wegeerkundungen immer die Sylke ran - wir hoffen, dass es so den Einheimischendialektbonus gibt, und mir nimmt ja trotz mutig dahingenuscheltem "nu!" kein Mensch den Eingeborenen ab.

Die beiden Alten gucken also erst sich, dann Sylke, dann wieder sich an. "Schweizermühle?" fragen sie, als ob sie das noch nie gehört hätten. Pause. "Nein, hier nicht!" Pause. Und dann etwas, was wir nicht so recht verstanden, aber - die Handbewegung war zwar nicht heftig, aber eindeutig - uns unmissverständlich klar machte: Wer hier ist und nach dem Weg zur Schweizermühle fragt, ist richtig falsch. Wir dankten artig (die gute Erziehung - eigentlich hätten wir ja ein ehrliches "Hals- und Beinbruch, olle Stiesel!" wünschen sollen) und nutzten die Gelegenheit, den sich in der Spätnachmittagsonne räkelnden Großvaterstuhl abzulichten. Der Großvaterstuhl ist ein Felsen (was sonst in dieser Gegend?), den zu besteigen sich wegen der hervorragenden Aussicht lohnt. Aber wir hatten ja noch einen Plan, und der ließ uns keine Zeit mehr für Großväterstühle.

Verfallen
Verfallen
Das Geknipse hat sich dennoch gelohnt, denn unsere beiden Hunde mit den Alten dran kamen nun proaktiv auf uns zu: Zur Schweizermühle wollten wir? Da müssten wir durchs Dorf, zuerst links die Baude, dann rechts - ah, da sei so ein altes verfallenes Haus... Wo hatten die nur plötzlich ihr Sabbelwasser her? Ah, wegen der Fotografiererei: "Das müssen Sie auch mal aufnehmen! Es lohnt sich!" Nur gut, dass wir sie nicht Stiesel genannt hatten, denn die neuerliche Beschreibung war gut und hilfreich, und einmal auf dem richtigen Pfad, war's dann auch wieder alles bestens! Der Kerbensteig sollte uns über Johanneswacht und Sachsenstein zur Schweizermühle führen - und tat das auch.

Licht aus - Spot an!
Licht aus - Spot an!
Die Vegetation auf dieser Seite des Tales war komplett anders: Moosgrüne Steine, Feuchtgebiete (für die Jugend bearbeitete Version, also nix mit Roches Phantasien), Sonnenstrahlen wie Spotbeleuchtung - ein Feenland mit ganz eigener Anmutung. Natürlich führte der Weg erst mal wieder vom Tal in die Höhe, aber daran hatten wir uns bereits gewöhnt. Um vier Uhr nachmittags wird's hier im Oktober schon dunkel, wenn man auf der linken Seite des Tals wandert - aber die gegenüberliegenden Steine, die wir auf dem Hinweg alle von Nahem gesehen hatten, bekamen noch Sonne ab und waren lieblich anzusehen - mit all dem Herbstlaub rundrum.

Eng und steil
Eng und steil
Vom breiten Weg führen immer wieder mal Abstecher an den Felsrand - man sollte sie mitnehmen! Die Johanneswacht kann man gemütlich erklimmen, der Sachsenstein etwas später ist aber nicht für alle gedacht. Eine sehr steile Treppe führt hoch - schön gelb gestrichen, aber das hilft ja auch nchts, wenn man einen fetten Rucksack dabei hat. Vor allem auf dreiviertel der Höhe wird es - was man von unten nicht ahnt - richtig eng. Ich las irgendwo die sehr höfliche Umschreibung, dass man die Rucksäcke besser unten lassen solle - sie würden nicht durch die Felsspalte passen. Das Höfliche an dieser Umschreibung ist, dass viele den Rucksack als angeborenen Körperteil mit sich rumschleppen, wenn auch meist nicht hinten auf dem Buckel...

Als bekennend höhenängstlicher Mensch hatte ich eh nur das erste Drittel der Stufen erklommen - da wurde es schon vor der peinlichen Bauchstelle Zeit zum geordneten Rückzug. Sylke krabbelte behend hoch, sie ist schwindel- und bauchfrei und hatte sogar noch Platz für den Fotoapparat, so dass auch ich später in den Genuss des Rundumblicks kam!

Der Rest des Wegs ist unspektakulär: Irgendwann ist man wieder an der Schweizermühle, von dort geht es dieses Mal über die Straße zum Parkplatz: Wieder viele nette Häuschen linker Hand.

Der krönende Abschluss des Tages stand uns jedoch noch bevor: Wir fuhren die wenigen Kilometer bis zum Papststein (man sieht ihn mit seinem Gegenüber Gohrisch auf dem ersten Panorama dieser Tour). Der Papststein bietet sich an für Wahnsinnssonnenuntergänge und gutes Essen - denn das Ausflugslokal hält am Abend ein für Berglokale überdurchschnittlich leckeres Angebot parat.

Wir kamen kurz vor Sonnenuntergang am Parkplatz an und hechteten die Stufen auf den höchsten Tafelberg des Elbsandsteingebirges in atemberaubender Geschwindigkeit hoch. Später im Restaurant mussten wir freilich lesen, dass die Mitarbeiter des Restaurants es in ungefähr der halben Zeit schaffen, aber die werden ja auch dafür bezahlt! Erfreulich wenig los hier oben, und die Sonne stand noch über dem Gohrisch gegenüber - es hatte sich also gelohnt zu hetzen. Langsam senkte sie sich, tünchte die neblige Landschaft in sanftes Rot und verabschiedete sich dann hinterm Berg. Grandios.

Gohrisch
Gohrisch
Das Restaurant ist rustikal (alles andere wäre hier auch fehl am Platz) und mit einem großen grünen Kachelofen ausgestattet: Der war angemacht und strahlte eine wohlige Wärme aus. Im Sommer sitzt man auf der Terrasse und genießt den Sonenuntergang sozusagen open air - ein Grund, einmal in der wärmeren Jahreszeit zu kommen. Die Karte ist im Sommer üppiger als jetzt, aber was es gibt, sieht gut aus. Die Herrschaften nebenan hatten Knoblauchspaghetti mit Tomaten und Oliven, Parmesan bestellt und fielen fast in Ohnmacht, als sie sahen, wie viel für 8,20 da aufgetischt wurde. ER hatte seine Portion übrigens geschafft und sich, als SIE irgendwann passte, des Restes erbarmt. Und was soll ich sagen: Der Mensch war dünn! Ich habe wahrscheinlich nur vom Zusehen schon wieder zugenommmen.

Sonnenuntergang am Gohrisch
Sonnenuntergang am Gohrisch
Zwischendurch sind wir übrigens nochmal raus - einige herbstliche Nebel hatten sich bereit erklärt, übers Land zu wabern und so noch ein optisches i-Tüpfelchen zu präsentieren. Nach dem Essen war es dann aber Schluss mit sonnig - doch der Stufenweg runter zum Parkplatz ist beleuchtet. Außerdem war es knapp vorm Vollmond, was in dieser Gegend ja schon ganz Andere zu berühmten Bildern inspiriert hat...

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October 23, 2008

Apulische Augenblicke (17)

Vieste (2)

Vieste ist nicht wirklich groß, etwa 13.500 Einwohner. Aber im Gargano ist es die größte Stadt mit dem meisten Trubel und dem umfangreichsten touristischen Angeboten. Das kann schlimm sein, aber die Italiener kriegen das meistens so hin, dass es erträglich ist und eventuell sogar Spaß macht. Wir waren im Mai dort - und es war Vorsaison mit einem Hang zur anlaufenden Hauptsaison: ein idealer Zeitpunkt. Die Gaststätten haben bereits geöffnet, die Bedienungen und Köche sind nervlich noch nicht abgewrackt, auf dem Markt überwiegt die Zahl der Einheimischen, am Strand kann schon mal was los sein - aber wie die Sardinen muss man hier noch nicht liegen.

Vieste
Vieste
Vieste liegt - wie viele andere Städte hier - auf einem Felssporn. Das macht die Städte besonders pittoresk, und zwar von nahezu jedem Standpunkt. Nähert man sich dem Ort auf der schmalen Küstenstraße, sieht man es immer wieder mal: Die Küste ist keineswegs begradigt, also ist es die Straße auch nicht. Mit etwas Wetterglück gibt das ein schönes abwechslungsreiches Lichterspiel zwischen blauem Himmel, der türkis-smaragd-blauen Reflexion im Wasser, den weißen Wolken und den weißen Schaumkrönchen auf den Wellen einerseits und dem satten Grün des Waldes und dem gelben Sand des Strandes andererseits. Ach ja, das Paradies hat viele Namen...

Arco San Felice
Arco San Felice
Wenn man - wie wir - sich Vieste an der Ostküste des Gargano nähert, also über Manfredonia und Mattinata kommt, mäandert die Straße gewaltig durch die Berge, bevor man bei Testa del Gargano wieder an die Küste kommt. Auch wenn's kurz vorm Ziel ist: Hier muss zwischengestoppt werden! Denn es erwartet den müden Reisenden (natürlich auch die hellwache Reisende!) der Arco San Felice - das berühmte Postkartenmotiv mit dem Felsentor. Zugegeben: Wir sind, weil beide müde und rechts spät dran, erst mal dran vorbeigefahren und haben es mit idealem Licht auch erst bei der Abreise im Morgenlicht richtig schön vor die Linse bekommen. Aber dort am Tor herumzustapfen ist auch ohne Fotolicht schön - und am aufregendsten ist es, wenn man eine Grottentour unternimmt und mit einem Touri-Schiff sich dem Bogen von der Wasserseite nähert. Jede Wette: Das machen wir später noch!

Spring!
Spring!
Den Felssporn mit der Altstadt von Vieste kann man sich täglich vornehmen und abends noch einmal: es gibt immer was zu entdecken! Die Gassen sind, wie es sich für süditalienische Städte gehört, eng und schattig. Die Ausblicke aufs Meer sind immer wieder überraschend und nicht selten atemberaubend schön. Die Gaststätten im Quartier sind auf Touristen ausgelegt - aber meistens gut bis sehr gut. Wir sind, eher zufällig, bei unserem ersten Stadtspaziergang auf der Terrasse von Ristorante e Pizzeria Saporo di Mare direkt über dem Meer hängen geblieben - und dort so herzlich bedient worden, dass wir dann noch zweimal da waren im Laufe der Woche. Da galten wir dann schon als Stammgäste, und das hat doch was!

Die Kultur in diesem Teil der Stadt könnte sein: Das Castello der Staufer (Firedrich II. - von wem denn auch sonst?) - aber das ist fest in Händen des Militärs und darf nur von außen angeguckt werden. Oder die Konventskirche San Francesco direkt an der Spitze des Felssporns - aber die wurde gerade renoviert und hatte geschlossen. Oder die Kathedrale Santa Maria Oreta, die man von weitem immer sieht, weil ihr Turm alles überragt. Was soll ich sagen: Zu war sie, aber wenn ich den schnattternden Führer einer Bildungsgruppe richtig verstanden habe, war das nicht weiter schlimm, denn so arg viel ist vom ursprünglich romanischen Innern aus dem 11. Jahrhundert nicht mehr erhalten.

Halten wir es also mit der Alltagskultur und erfreuen uns an spektakulär Unspektakulärem, an den liebevollen Details an den Häusern, den kleinen Gärten mit Zitronenbäumen und der Wäsche auf den Leinen vor den Fenstern. Erfreuen wir uns an den herumstehenden und miteinander redenden Alten, und ja - natürlich - an den Stühlen auf der Straße vor den kleinen Cafés und Bars.

Das Meer, das uns so romantisch erscheint, ist in Wirklichkeit ein gemeiner Typ, der dem Sporn immer wieder etwas vom Kalkfels klaut - was für die dort Wohnenden nicht wirklich lustig ist. Aber irgendwie scheinen die Menschen sich dort mit den Naturgewalten zu arrangieren. Gibt's halt einen Balkon mehr, wenn das Erdgeschoss weggespült wird...

[Vieste, Teil 1 | Alle Apulischen Augenblicke]

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October 26, 2008

Auf dem Malerweg (1)

Sonnenaufgang auf dem Papststein

Das Elbsandsteingebirge hat, seit es im 18. Jahrhundert von den beiden Schweizer Künstlern Adrian Zinng und Anton Graff für den Tourismus entdeckt wurde (sie prägten den Begriff "Sächsische Schweiz"), vor allem Maler begeistert: Die Stimmungen dort sind durch Licht und Felsen immer wieder anders, sie changieren zwischen kitschig-romantisch und verwegen-bedrohlich. Ein 112 Kilometer langer Wanderweg durchzieht dieses Gebiet - von Liebethal bei Pirna schlängelt er sich rechtselbisch durch den Nationalpark bis zur tschechischen Grenze, wechselt die Elbseite und führt zurück bis Pirna.

Und nun kommt's: Man muss die 112 Kilometer nicht an einem Tag abhecheln! Acht Touren schlagen die Malerweg-Organisatoren vor - für unsereins immer noch zuviel: da bleibt ja gar keine Zeit zum Fotografieren! Aber man kann sich die Häppchen noch kleiner schneiden: Wir versuchten es mit einem Besuch des Papststeins am Morgen und einem Rundgang (mit Besteigung) des Gohrisch.

Die Fotografin über dem Nebelmeer...
Die Fotografin über dem Nebelm…
Weil frühmorgens, wenn man Glück hat, die Nebel so schön durch die Täler wabern, sind wir quasi vor dem Aufstehen aus den Federn gekrochen und die 390 Holzbohlen-Natur-Stufen und 101 Treppenstufen zum 451 Meter hohen Papststein hoch gehechtet. Den letzten Tag der Sommerzeit nutzend, erwarteten wir gegen 7 Uhr 46 den Sonnenaufgang - und waren pünktlich um 7 Uhr 31 mit aufgebautem Stativ auf dem Plateau des Tafelbergs aufnahmebereit!

Die Täler rundherum waren mit Wattebäuschen ausgefüllt - im Dämmerungs-Grau-in-Grau schmiegten sich die Nebel nahezu unbeweglich an die Berge rundherum. Den Gohrisch gleich gegenüber erkennt man natürlich gut, je nach eigenem Standpunkt lugt manchmal links dahinter der Pfaffenstein mit der Barbarine hervor.

Raute fliegen
Raute fliegen
Richtung Osten kam Farbe ins Spiel: der Himmel wurde hell und blau, am Horizont tat sich ein orangener Streifen auf, der sich bald an einer Stelle beulte: Sonnenaufgang! Wie auf Bestellung düste der Jetset herbei und kondensierte Rauten in den Himmel: Was hätten die Maler vor zweihundert Jahren wohl daraus gemacht? Sie haben gegenüber uns Fotografen ja den Vorteil, Wunsch und Wirklichkeit geschickt vermischen zu können, sie können idealisieren und fantasieren, störende Vordergründe weglassen, fehlende ergänzen - der Kreativität und künstlerischen Entfaltung sind da keine Grenzen gesetzt. "Der Wanderer über dem Nebel" vom begnadeten CDF beispielsweise zeigt eindeutig den Zirkelstein - aber die "Felsengruppe vor diesem Berg stellt den Gamrig bei Rathen dar", wie die Wikipedia weiß. Eine schöne Animation zu diesem Bild fand ich übrigens hier - ganz unten auf der Seite. Einfach mal ansehen, lohnt sich!

Gohrisch
Gohrisch
Die Sonne verliert ihre morgendliche Schamesröte schnell, man mag nun gar nicht mehr direkt hinsehen - Zeit für einen Seitenwechsel: Den Blick gen Westen, auf den mit 448 Metern nahezu gleich hohen Nachbarn gerichtet - und auf die heute im allgemeinen Dunst eher zurückhaltende Festung Königstein weiter hinten. Rechter Hand lugt nur ein Zipfel des Lilienstein hervor - zwischen uns und diesem einzigen rechtselbischen Tafelberg liegt die Elbe - und dort treiben es die Nebel besonders dicke! 415 Meter hoch ist der Lilienstein - offensichtlich zu niedrig, um groß aus dem Wattebausch heraus zu lugen.

Rund um den Königstein wabert es eher diffus: Aus dem Bodennebel im Tal wird ein Hochnebel, der sich als allgemeiner Dunst gar nicht gut auf die Fernsicht auswirkt. Aber man kann ja nicht alles haben - und nächstes Jahr sind wieder Elbnebel, ganz sicher! Wir haben uns ein Datum im Kalender schon mal notiert...

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October 26, 2008

Auf dem Malerweg (2)

Auf dem Gohrisch

Der Gohrisch ist entweder 448 Meter hoch (so jedenfalls die Gravur auf der Bodenplatte der Wetterfahne, das offizielle Hinweisschild oben auf dem Plateau und die Malerweg-Info) oder nur 439,80 (Karte und Wikipedia) - aber in diesem sowieso nicht rekordverdächtigen Bereich spielt das vielleicht gar nicht so die große Rolle. So oder so ist der Gohrisch ein netter Tafelberg, der eine grandiose Rundumsicht bietet - wenn das Wetter mitspielt, natürlich nur. Wir wollten ihn, nach Sonnenaufgangsbeobachtungen auf dem gegenüber liegenden Papststein und Frühstück beim Rumpelt-Bäcker in Papstdorf besteigen und dann im weiten Rund ein Stück dem Malerweg folgend aus der Ferne würdigen.

Bäckerei Rumpelt
Bäckerei Rumpelt
Der Bäcker hat auch ein Café - aber so eins, wie es in kleinen Dörfern häufig anzutreffen ist: Kleine Ladentheke, nicht sonderlich überbordend. Nebenan ein Raum mit Rattanstühlen an Marmortischen - moderne Rustikale, sozusagen. Besonders einladend wirkt das nicht, aber eine nette Bedienung (ich denke mal: die Chefin) macht das wieder wett. Na klar könnten wir frühstücken, sagt sie - es ist halb zehn, das ist für hiesige Verhältnisse schon spät: das Café öffnet um sieben. Süß oder deftig? Ähm: erst deftig, dann süß, bitte. Und je einen Pott Kaffee! Die Brötchen suchen wir uns selber aus, den Rest bekommen wir: Ausreichend, mit einem halben Stück Butter - da können sich viele Hotels und Pensionen mal ein Beispiel nehmen. Der Kaffee schmeckt gut, ist aber leider etwas lau statt heiß. Aber ansonsten gefällt es uns, und beim süßen Nachschlag gibt's sogar noch Mandelgebäck kostenlos obendrauf: "Das ist übrig geblieben - war zuviel für die konfektionierten Tüten!"

Zwischen Papstdorf und Gohrisch
Zwischen Papstdorf und Gohrisc…
Am Rande des Dorfes parken wir das Auto und gehen eine Birkenallee entlang Richtung Gohrisch. Das Waldstück, in dem der Pfad parallel zur Straße führt, hatten wir uns überhaupt nicht spektakulär vorgestellt - aber wir hatten nicht mit der Sonne gerechnet, die sich durch den auflösenden Nebel strahlt und hinter jedem Baum neue Lichterspiele veranstaltet. Wir sind auf dem Malerweg - wenn auch nur auf einem Teil des modernen, von der Tourismusindustrie gestalteten: Der alte, originale Malerweg verlief nur rechtselbisch und kennzeichnete die Tour, auf die die Maler die Sächsische Schweiz erkunden wollten. So ganz exakt hat man ihn nicht nachempfunden - es fehlt das Stück rüber nach Tschechien zum Prebischtor, und statt dessen gibt es linkselbisch einen Rückweg nach Pirna - auf einem Teil davon befinden wir uns hier seit dem Papststein.

Strahlungen (1)
Strahlungen (1)
Irgendwann ist dann plötzlich Schluss mit lustig - die Bäume hören auf, der Fels beginnt. Ein Schild unten hatte zur Vorsicht gemahnt: Die Aufstiege seien mit Holzleitern versehen und erforderten unbedingte Tritttsicherheit. Sowas ficht mich nicht weiter an - solange der Spalt zwischen den Felsen meinem Astralkörper und dem Fotorucksack ausreichend Platz bietet und es nicht schwindel erregend bergab geht, mache ich das gerne mit und werde obendrein mit wohlwollenden Worten meiner Begleitung motiviert. Das Gekraxel hielt sich in Grenzen und schuppdiwupp hastenichtgesehen waren wir oben.

Eine Schutzhütte steht da und lädt zum Ausruhen ein, leider war sie schon besetzt. Wir also weiter auf dem Plateau des Gohrisch bis zur Wettterfahne. Sie stammt aus dem Jahr 1985 und trägt die Inschrift "Berg Heil", was mir unwillkürlich bedenklich vorkam in dieser Gegend, die ja unselige Heilsjünger gerne in örtliche und regionale Parlamente wählt. Aber die Wikipedia belehrte mich eines Besseren: "Unter Bergsteigern ist die Formel Berg Heil! geläufig, die insbesondere dann angewandt wird, wenn Bergsteiger einen Gipfel erklommen haben." Und auf dem Gipfel steht die Wetterfahne ja!

Blick zum Pfaffenstein
Blick zum Pfaffenstein
Die Aussicht ist hier in der Tat faszinierend, und da fragt man sich doch, wieso der Gohrisch erst 1886 als einer der letzten Tafelberge der Gegend für den Tourismus fit gemacht wurde. Emil Grünewald, der bei diesem Namen ja gar nichts anders als Königlicher Oberförster werden konnte, hat für Treppen und Stufen gesorgt, so dass man da oben rauf und auch wieder runter kommt. Der hiesige Gebirgsverein hat dem Mann zu seinem 100. Todestag 1992 eine Bank errichtet mit Widmung in Stein, so dass man sich jetzt vor dem Auf- oder nach dem Abstieg ausruhend dankbar setzen kann.

Der Malerweg, auf den man nun wieder nach dem Abstecher auf den Stein stößt, führt zur Stadt Gohrisch - die wir jedoch nicht erreichen, weil wir vorher links abbiegen in den Balzpfad. Warum der so heißt? Keine Ahnung. Pfade haben nun mal ihre Namen, und dieser ist eben der von der Balz. Ein Hochstand mit laveder unterer Stufe ist ansonsten stabil genug, zwei hungrigen Wanderern ein erhabener Rastplatz zu sein. Was sehe ich da auf der Lichtung? Ein Trog. Die Herren Jäger machen es sich ganz schön leicht...

[Folge 1]

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