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March 20, 2008

Wie war das mit der Datensicherung?

Naja, theoretisch wissen wir es ja alle.

Praktisch war sie lange, viel zu lange her. Und die headgecrashte Platte nicht mehr zu retten.

Zur Belohnung hat das MacBook jetzt eine größere Festplatte spendiert bekommen. Damit noch mehr Daten verloren sind, wenn sie nicht regelmäßig gesichert wurden...

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March 23, 2008

Osterspaziergang

Johann Wolfgang von Goethe

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
durch des Frühlings holden belebenden Blick,
im Tale grünet Hoffnungsglück;
der alte Winter, in seiner Schwäche,
zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmächtige Schauer körnigen Eises
in Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
überall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt's im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
nach der Stadt zurückzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
aus den Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
durch die Gärten und Felder zerschlägt,
wie der Fluß in Breit und Länge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

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March 24, 2008

Venezianische Impressionen (1)

Tag 1: Anreise

Rein in die 89, raus aus der 89, rein in die 76, raus aus der 76. Rein in den EC 370, der aus Wien kommt und bis nach Stralsund fährt. Die Wagen sind tschechisch, das Bordrestaurant auch – was erfahrungsgemäß eher ein Gewinn ist.

Canaletto-Blick
Canaletto-Blick
Die Ausfahrt aus Dresden ist immer wieder bezaubernd. Zuerst zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Neustadt die Elbüberquerung. In Fahrtrichtung nach rechts hat man nahezu den Blick, den der 1720 in Venedig geborene Bernado Belotto, genannt Canaletto, auf seinem großformatigen Bild festgehalten hat. „Canaletto-Blick“ heißt die Ansicht allgemein, und sie zeigt Dresdens Altstadt mit dem Panorama zwischen Synagoge (links hinten auf dem Bild), Brühlscher Terrasse mit der alles überragenden Frauenkirch-Kuppel, dem Ständehaus, der Hofkirche mit dem Hausmannturm dahinter, der Semperoper und dem Sächsischen Landtag sowie dem Erlweinspeicher und dem Congress-Centrum als rechten Bildabschluss. Freundlicherweise fährt die Bahn hier im Schneckentempo, obwohl doch die Marienbrücke erst vor wenigen Jahren erneuert wurde. So hat man wenigstens was von diesem Teilstück.

Fahrtrichtung rechts ist bei der Fahrt von Dresden nach Berlin sowieso die bessere: Schon bald nach Verlassen des Bahnhofs Neustadt lohnt sich ein erneuter Blick. Diesmal sind es die Weinberge von Radebeul, mit dem Spitzhaus und den hier recht steilen Hängen, an denen mittlerweile durchaus trinkenswerter Wein reift (das war nicht immer so, weil zu Zeiten des irreal existierenden Sozialismus Hobywinzer im Zusammenspiel mit einer eher disengagierten Winzergenossenschaft nicht immer das Beste aus den Reben machte. Dass sie aber überhaupt was draus machten, kann man andererseits nicht hoch genug einschätzen – wer weiß, was sonst aus dieser Kulturlandschaft geworden wäre!).

Auf etwa einem Drittel des Wegs hält der Zug in Elsterwerda. Warum er das tut, weiß ich nicht, aber es steigen hier immer wieder mal Leute ein. Aussteigen habe ich keinen gesehen, woraus zu schließen wäre: Da will man nicht hin, da will man nur weg! Das sehe nicht nur ich so, sondern auch Die Höheren Mächte: Sie ließen einen sanften Nebel auf die nicht mehr so aufregende Landschaft fallen, durch die der Zug immer noch eher langsam glitt. Zeit für ein Nickerchen.

Die drei Wunder von Berlin

Berlin! Hauptstadt der DDR, früher. Jetzt Hauptstadt für ganz Deutschland, mit großem Bahnhof. Der Zug fährt tief ein, wir steigen aus, es ist kalt – und für einen Hauptstadthauptbahnhof sehr unaufgeregt leer. Dafür erleben wir drei Berliner Wunder:

Erstens: Wir haben von den vielen Ausgängen den richtigen erwischt.

Zweitens: Trotz Streiks fahren Busse – bzw. unser TXL-Bus fährt (alle anderen interessieren uns nicht).

Drittens: Der Fahrer des dort stehenden Busses scheint Pause zu haben und ist dennoch bereit, das Fenster für eine Auskunft zu öffnen. Er weist nett darauf hin, wo der Kollege mit seinem Bus Richtung Tegel wartet. der Motor läuft bereits: Ab geht's.

Unser Blaues Wunder erleben wir dann knapp eine halbe Stunde später nach dem Einchecken: Wenn man mal eben ein Häppchen vernünftig essen will und dazu vielleicht auch noch ein Glaserl Wein trinken möchte, kostet das ein Vermögen. Vitello Tonnato im Restaurant war mal glatt doppelt so teuer wie bei unserem auch nicht gerade mit Cash-and-Carry Preisen aufwartendem Lieblingsitaliener. Und da wir mutmaßten, dass es wahrscheinlich nur halb so gut schmecken würde wie dort, zogen wir weiter und landeten bei Leysieffer. Die sind auch nicht gerade für Schnäppchenangebote berühmt, und so verloren wir für zwei Tunfischsalate und zwei Glas Weißwein 35 Euro.

Wein und Salat waren gut, der Salat wurde uns sogar frisch zubereitet und an den Tisch gebracht, abgeräumt wurde auch – da muss man für so einen hohen Preis einfach mal Verständnis haben.

Das Einchecken ist ja immer ein besonderes Vergnügen, wenn man ein wenig Technik dabei hat: Fotoapparat, Objektive und externe Festplatte im Fotorucksack, Stativ („was ist das für ein langes Ding an der Seite Ihres Koffers?“), Computer. Den musste ich nicht anmachen – wahrscheinlich hat der EEEPC nicht die Mindestmaße einer denkbaren Bombe. Dafür wurde ich gründlich abgetastet,mit „Machen Sie mal den Gürtel auf“ und Füße herzeigen. Und das, obwohl ich eigentlich auch nicht das Gardemaß eines potentiellen Bombenlegers habe.

Gleich nach der Leibesvisitation fällt man in Tegel im Abfertigungsteil D in die Karrikatur eines Duty-Free-Shops. Sehr sehr niedlich und so preiswert, wie man es gewohnt ist: gar nicht. Einen Buchshop gab's da oben nicht, wir sind ja schließlich in der Bundeshauptstadt und nicht in der Kulkturhauptstadt der Republik.

Das kostenlose WLAN allüberall erlaubt den Zugriff auf die Flughafenseiten, der Rest ist kostenpflichtig und wurde deswegen nicht genutzt. Dafür habe ich den Strom des Flughafenbetreibers aus der Dose gezogen, um dieses hier zu schreiben. Er wird es überleben.

Im Flieger kann man Glück haben und so sitzen, dass man viel sieht, etwas lesen oder Hörbuch lauschen kann. Oder man sitzt in Mitten einer Horde jugendlicher Weicheier, die ihre permanente Angst vor Beinbrüchen ob der eng gestellten Sitze mitteilen und sich am Ende des Flugs über die Reihen hinweg streiten, wann man denn nun klatschen soll. Die Möglichkeit nicht zu klatschen kam im Repertoire der gegebenen Antworten nicht vor.

In Venedig

Ein Bus der Linie 5 bringt uns dann ans Ziel: Venedig! Unser kleines Hotel liegt nur zwei Brücken vom Busbahnhof entfernt. Wir werden bereits von einem älteren Herrn erwartet – er steht in der Tür und begrüßt uns mit Namen: zwölf Zimmer hat das Hotel, Kategorie ein Stern – aber bestens gelegen, Das Zimmer ist in etwa so groß wie das Bett, jenes scheint aber eine Spezialanfertigung für dieses Zimmer zu sein, jedenfalls baumeln die Füße immer am unteren Rand des Abgrunds. Aber ansonsten ist alles in Ordnung: Saubere Dusche, ein netter alter Holzschrank mit ausreichend Ablage, auf der inneren Dachschräge ein aufgemalter Himmel, ein Beistelltisch und ein Fensterchen, das den Blick auf die Kirche San Nicolò da Tolentino freigibt, die morgens um acht dann auch wie erwartet den Wecker gibt und den Tag einglockt.

 

Rialtobrücke
Rialtobrücke
Aber so weit ist es noch nicht, denn wir müssen – es ist ja erst neun Uhr abends – erst mal die Gegend erkunden. Der Fußweg durch die malerischen Gassen führt über etliche Brücken nirgendwo hin und endet an der Rialto-Brücke. Das ist kein Zufall, denn die ist (wie auch der Markusplatz und – wichtig für unseren Rückweg! - der Piazzale Roma immer wieder ausgeschildert, so dass man schlendern kann ohne sich zu verlaufen.

 

Pane e Vino
Pane e Vino
Wer im Umfeld von Touristenattraktionen wie der Rialto-Brücke einkehrt, hat es nicht besser verdient. Wir haben etwas abseits eine Bar gefunden, in der es einfach und ordentlich mit vernünftigem Preis-Leistungsverhältnis zuging. "Pane e Vino" - Brot und Wein und jede Menge San Danielle Schinken gab's, was will man mehr? Den Absacker gab's im Restaurant gleich neben dem Hotel (morgens wird da auch gefrühstückt). Das „Ristorante Ribo“ muss einen bedeutenden Inhaber haben, jedenfalls guckt der einen von mindestens 20 großformatigen Bildern immer strahlemannlächend an. Ich sah ihn über Sylke vor mir an der Wand hängend, garniert mit zwei Hübschen, die sicher immer viel zu wenig essen. Das Restaurant ist, der Speisekarte und den Preisen nach zu urteilen, eher gehobene Mittelklasse, so dass unser Wunsch nur nach einem Glas Wein zuerst auf Verwunderung stieß. Wir bekamen dann eine angebrochene Flasche mit just der richtigen Menge Rotwein (und bezahlten später ein fairen Preis – erhielten allerdings keine Rechnung, was in Italien ungewöhnlich ist und Sylke zu der Überlegung brachte, dass der Kellner sich auf diese Art sicher ein großzügiges Trinkgeld verschafft hätte). Uns war's egal, und die Unterhaltung mit dem Mann aus Bangladesh, der vor Jahren auch schon in Mainz gelebt hat (aber Dresden nicht mal dem Namen nach kannte), war ein nettes Schmankerl am Rande.

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March 24, 2008

Venezianische Impressionen (2)

Canal Grande - San Marco - Dorsoduro

Venezianisches Panorama
Venezianisches Panorama
In einer Stadt mit rund 38 Kilometern Kanal ist der klassische Weg, sich dem historischen wie touristischen Zentrum zu nähern, der mit dem Boot. Die einfache Fahrt mutet mit 6,50 Euro teuer an, aber es gibt Tageskarten und solche für 36 oder 48 Stunden, und dann geht's: Wir hatten ausgerechnet, dass bei einer 36-Stunden-Karte das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für uns rauskommen würde und nutzten die Boote der ACTV spontan und freimütig. Und da das Geld (21 Euro/36h) einmal ausgegeben war, konnte es mit jeder Fahrt ja auch nur günstiger werden!

Gut im Bild (1)
Gut im Bild (1)
Die Linie 1 fährt durch den Canal Grande nach San Marco, hält mal am einen und mal am anderen Ufer und bietet so die Möglichkeit einer ersten Stadterkundung vom Wasser aus. Die Linie 2 tuckert übrigens den gleichen Weg, hält aber nicht so oft und ist deswegen schneller am Ziel. Außerdem, das sei schon mal vorweg genommen, fährt die gleiche Linie 2 in anderer Richtung auch nach San Marco, aber nicht durch den Canal Grande, sondern außen herum – wir nutzten diese Gelegenheit am dritten Tag, dazu also später mehr.

Die Boote sind in der Regel sehr voll, so dass man den Weg mindestens zweimal fahren sollte, um sich mal das eine und mal das andere Ufer anzusehen. Wer dabei fotografieren will, hat noch ein paar weitere Dinge wie den Sonnenstand und die viel zu hohe Geschwindigkeit der Boote zu beachten: Kaum hat man das Motiv erkannt, ist es auch schon aus dem Sucher verschwunden! Macht aber nichts, denn erstens kann man sich die Stellen ja merken und nochmal fahren und zweitens sollte man die Venezianischen Viertel nicht nur vom Boot aus erkunden, sondern auch zu Fuß.

Markusplatz
Markusplatz
Wobei die Viertel in Venedig nicht Viertel heißen, weil es derer sechs gibt. Also wohnt man dort in einem der Sechstel, oder, was viel besser klingt: Sestier. Das bekannteste ist San Marco, hier neppt die Touri-Falle aufs Allerfeinste. Aber einmal muss man da ja gewesen sein, um sich den Dogenpalast, die Basilica di San Marco und die Piazza San Marco anzusehen. Angeblich ist es verboten, auf dem Markusplatz Tauben zu füttern bzw. auch nur das Futter dafür zu verkaufen. Nicht verboten ist es, Georg Kreislers Lied vom Tauben vergiften im Park zu singen – aber weder an die Verbote noch an die Nicht-Verbote hält man sich hier.

Castello
Castello
Gleich hinterm Markusplatz lässt die Anzahl der Touristen rapide nach, und wenn man gar in eins der anderen sestieri kommt, kann das Flair richtig gemütlich italienisch werden. So gibt es in Castello, dem größten der sechs Stadtteile, nicht nur Nobelhotels und das Biennale-Gelände, sondern auch ruhige Gassen mit ganz normalem Leben (irgendwo müssen die etwa 65.000 Einwohner ihr Venedig ja auch für sich haben, und nicht alle wohnen in feinen Palästen).

Campo Santa Margherita
Campo Santa Margherita
Eine spannungsgeladene Mischung findet man im Dorsoduro: Studenten prägen einerseits das Bild, wovon vor allem abends auch Besucher profitieren, denn Studenten haben weltweit immer den Hang zu guten Kneipen! Tagsüber sieht man sie auch, und sie mischen das Bild, machen es jünger. Am Campo Santa Margherita treffen sich alle: Die Einwohner des Viertels, die besagten Studenten, aber auch Touristen. Der großzügige Platz lädt zum Verweilen ein, und die Restaurants drumherum schicken ihre Tourifänger aus. Sie rufen: „Kommen Sie näher, kommen sie ran, hier werden sie genau so beschissen wie nebenan!“

Naja, in Wirklichkeit drücken sie es anders aus, aber als Kellner verkleideten Anmachern, von denen einige wie die Berufskollegen auf St. Pauli aussehen, muss man eigentlich nicht wirklich zuhören und schon gar nicht glauben. Aber das Essen war dann doch ganz passabel, und die Bedienung (lauter Männer übrigens, wie so oft in Italien oder auch Spanien) kleidet sich adrett mit schwarzem Anzug mit weißem Hemd.

Eiskalte Verführer
Eiskalte Verführer
Auf den obligatorischen Dolce-Gang verzichteten wir, weil wir die Figur nicht über Gebühr strapazieren wollten, wurden aber gleich um die Ecke unserem guten Vorsatz untreu und kauften ein leckeres Eis – Baccio in der Waffel, ein Gedicht in 500 Kalorien.

(PS: Im Marco Polo steht zu einem Bild vom Campo Santa Margherita: ein ganz untouristisches Venedig. Das ist großer Humbug, aber man kann ja schon mal hunderte von Touris übersehen. Ansonsten sind die Karten das Beste am Marco Polo Venedig, denn über Sätze wie den folgenden kann ich nicht mal mehr den Kopf schütteln: Die neue Hotel-Generation tuned herrschaftliche Häuser mit coolen Features (Seite 14, wer nachlesen möchte). Nicht mal ignorieren, kann ich da nur sagen!)

Cantine del Vino gia Schiavi
Cantine del Vino gia Schiavi
Vom Campo Santa Margherita gelangten wir eher unbeabsichtigt zu zwei Nettigkeiten: Gegenüber der Kirche San Trovaso gibt es Cichetti, also leckere Häppchen. Dazu trinkt man gerne auch etwas, vielleicht ein kleines Glas Wein ("Ombra", 0,1 l für einen Euro) oder einen "Spritz" (was dahinter steckt, verrate ich erst später, dazu ist es noch zu früh!). Die "Cantine del Vino Schiavi" ist eins dieser wunderbaren Lokale, wo es hervorragenden Wein an der Theke gibt. "Al banco" ist immer günstig (aber auf jeden Fall günstiger als sich sitzend bedienen zu lassen) und meistens etwas für Feinschmecker, egal ob früh am Tag mit einem Caffe oder eben später mit einem Wein. Wobei ich gerade schummele vor Begeisterung: Wir waren nämlich vom Essen und dem Rieseneis so pappsatt, dass wir vorüber gingen - nicht ohne uns die Adresse für den kommenden Tag zu merken!

Gondelwerft
Gondelwerft
Schräg gegenüber (also neben der Kirche...) befindet sich eine der letzten Gondelwerften Venedigs. Ein vorüber gleitender Gondoliere erzählte seinen Passagieren, es sei die älteste der Stadt, aber dafür habe ich keine Bestätigung gefunden. Wobei die Chancen gut stehen, denn so weit her ist's mit den Gondelwerften nicht mehr: Vier gibt es noch in Venedig. Die haben allerdings gut zu tun, denn eine Gondel muss regelmäßig überholt werden.

Accademia von Ponte
Accademia von Ponte
Die Galerie dell'Accademia lohnt sicher einen Besuch - aber so schlecht war das Wetter nicht, und wir wollten doch die Gassen und Kanäle von Venedig sehen. Als Schlechtwettervariante ist die weltweit größte Sammlung venezianischer Malerei von der Gotik bis zum Rokoko aber ganz sicher ein Tipp. Wir verpassten "L'ultimo Tiziano e la sensualità della pittura" als Sonderausstellung und gönnten uns statt dessen Außenansichten vor allem auf die Holzbrücke vor dem Museum. Die Brücke ist eine von dreien über den Canal Grande, und sie ist eigentlich ein Provisorium. Eins, das seit 1933 besteht - aber schön ist und wunderbare Aussichten offenbart (Fotografen haben allerdings für den schönen Blick auf die Salute-Kirche meist gemeines Gegenlicht).

Überquert man die Brücke, verlässt man den harten Rücken (Dorsoduro) der Stadt und kommt ins harte Zentrum des Tourismus: San Marco hat uns wieder - doch davon später mehr.

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March 25, 2008

Venezianische Impressionen (3)

San Marco

Accademia
Accademia
Die alte hölzerne Brücke an der Gallerie dell'Accademia ist eine von den derzeit drei Brücken über den etwa vier Kilometer langen Canal Grande (eine vierte Brücke entsteht gerade unweit des Bahnhofes am Busbahnhof und Parkplatz - dazu später mehr). Sie ist ein schönes Beispiel dafür, dass Provisorien am längsten halten - denn als Provisorium war die Brücke gedacht, als sie 1933 die vormals an dieser Stelle stehende Eisenbrücke ersetzte (den damals ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte übrigens eine Steinbrücke, aber ein Herr Miozzi durfte die Holzbrücke bauen - und zur gleichen Zeit noch zwei andere Brücken, die eine davon auch über den Canal Grande. Über den Ingeniere Miozzi habe ich erstaunlicherweise nichts gefunden - vielleicht konnte er zu gut mit Mussolini und bekam deswegen Aufträge zugeschustert - was den Heutigen natürlich peinlich wäre. Aber das muss ich noch recherchieren).

Palazzo Cavalli Franchetti
Palazzo Cavalli Franchetti
Von der Brücke hat man sehr schöne Blicke auf den Kanal - mit dem Palast Palazzo Cavalli Franchetti links und der berühmten Barockkirche Santa Maria della Salute rechts am Ende. Die Kuppel von Salute ist derzeit allerdings eingerüstet und macht so die Postkartenstimmung ein wenig kaputt. Dafür sieht es am anderen Ufer wieder ganz schön venezianisch romantisch aus. Der Palazzo wird heute vom Istituto Veneziano Scienze, Lettere ed Arti / CORILA genutzt - und man erkennt links neben ihm eine Rarität: einen der wenigen Privatgärten Venedigs! Und weißt du, wer hier 1836 starb? Ich wusste es auch nicht, aber es war Erzherzog Friedrich von Österreich.

S.Vidal
S.Vidal
Am Ende der Brücke (wenn man sie bei der Accademia bestieg) liegt der Campo S. Vidal mit der ehemaligen Kirche, von der man, wenn man um die Ecke geht, ein schönes Portal mit einem eher profan wirkenden Haus dahinter sieht. Die Kirche wird für Ausstellungen genutzt. Die Häuser am Campo haben jenen diskreten Charme des schön vor sich hin kümmernden Venedigs, die diese Stadt so liebenswert machen. Man kann eben auch in Würde altern, auch als Haus!

Spiegelung
Spiegelung
Wir sind also wieder im Stadtsechstel San Marco - und prompt wird es voll, prompt werden viele (nicht alle!) Restaurants teurer und offensichtlich nicht wirklich besser dabei. Man kann, wenn man sich treiben lässt, viel verpassen - und dabei viel sehen, was so oder gar nicht in irgendwelchen Führern steht. Gab es da nicht so ein berühmtes Theater in Venedig? Wir haben es nicht gesehen. Wir waren, um das vorweg zu nehmen, auch nicht in allen Kirchen, in die man hätte gehen können! Denn es gibt auch in San Marco stille Gassen, lauschige Ecken, gute Trattorien. Es gibt kleine Brücken (über 400) über schmale Kanäle (insgesamt rund 150), an denen die Häuser eng an eng stehen und sich (richtiges Licht vorausgesetzt) aufs fotogenste im Wasser spiegeln.

Gondelstoß
Gondelstoß
Immer wieder begegnen einem auch Gondeln. Die meisten Gondolieres geben sich cool, sind es aber nicht wirklich. Ich habe keinen singen hören, was aber vielleicht durchaus als Vorteil bewertet werden kann.

Die Boote durch die engen Kanäle zu gondeln ist sicher nicht leicht, und ein Hauch von Eleganz vermittelt sich dem unbeteiligten Betrachter, wenn die Herren Gondolieri sich und ihre Gondel mit dem Fuß von der Wand (oder auch einer entgegen kommenden anderen Gondel) abstoßen, um dem Gefährt so den richtigen Drall zu verschaffen.

Gondelstau
Gondelstau
Eine Gondel kommt selten allein. Die Romantik kumuliert an den Hauptein- und -aussteigepunkten. Da jonglieren etliche der etwa 425 Männer mit den blauweiß quergestreiften Shirts heftig aneinander vorbei, und wenn sie jetzt zu singen begännen, dann sicherlich die Melodie des unvergesslichen Roy Black. "Du bist nicht allein..." Aber Gesang ist keine Sache der Berufsehre, sondern der Bezahlung. Und ganz ehrlich: Wenn ich so einen Gondelheld schon zum Singen animiere und dafür zahle, dann soll er es gefälligst auch da tun, wo es kein anderer hört!

Tauuuuben!
Tauuuuben!
Überhaupt gar nicht allein ist man auch auf dem Markusplatz. Denn neben einem sind noch einige hunderte anderer Touristen dort und über wie unter einem tausende von Tauben. Die Touristen haben es gerne, wenn ihnen die Tauben auf die Hand oder auf den Kopf steigen - einerseits. Andererseits sind Tauben, zumal in solchen Mengen, doch irgendwie igittigitt, so dass die Mädel kreischen und sich fürchten, während sie die Tauben füttern. Dabei lassen sie sich dann fotografieren und haben zu Hause 'ne Menge zu erzählen.

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March 26, 2008

Venezianische Impressionen (4)

Castello

Wenn Italien wie ein Stiefel aussieht (und darauf hat man sich ja mal geeinigt, dass dem so sei), dann sieht Venedig aus wie - ein Hühnerbein? Eine Stiefelette? Jedenfalls hat es unten auch so eine Hacke. Das ist, bis zum Knöchel hoch (haben Hühnerbeine Knöchel? Ich sehe, das Bild ist schief!), also bis zum Knöchel hoch ist es das Sestier Castello. Es beginnt famoserweise gleich hinter dem Markusdom, man muss nur einmal rechts um die Ecke und über eine Brücke gehen, schon ist man da. Wobei eine dieser Brücken zumindest früher nicht wirklich beliebt war: Die Seufzerbrücke führte vom Dogenpalast (Sestier San Marco) hinüber ins Gefängnis (Sestier Castello). Die anderen Brücken sind aber OK...

Gemüseladen in Castello
Gemüseladen in Castello
Und was soll ich sagen? Wenn man sich quasi durchs Bein vorarbeitet und nicht zum Fuß runter geht, ist alles gleich vom Tourismus befreit und mit echten richtigen Italienern, wahrscheinlich sogar Venezianern, belebt. Ein Traum! Zur Fußspitze hin ist Castello noch fest in fremder Hand: Nobelhotels wie das Danieli, die Uferpromenade Riva degli Schiavoni, das Biennale-Gelände, die alte Schiffswerft Arsenale: Muss man gesehen haben - oder auch nicht, wenn die Zeit nicht reicht. Und die Calle al Ponto de l'Anzolo, den Kanal an der Fondamenta Cavagnis oder den Gemüseladen im Hinterland des Ospedale muss man nicht gesehen haben - aber es ist schön, es zu sehen, wenn man sich dafür Zeit nimmt.

Gasse in Castello
Gasse in Castello
Castello hat kleine Gassen von der Art, dass man besser im Gänsemarsch durchmarschiert. Es gibt die bei uns so schmählich gemiedenen (und daher ausgestorbenen) Tante-Emma-Läden, die hier oft von Onkel Bruno betrieben werden. Natürlich waren wir auch hier wieder in einer dieser famosen Bars, wo man "al banco", also am Tresen stehend, alles bekommt, was einem Freude macht. Wir brauchten Caffé (Espresso, hier: doppio - doppelten) zum Wachwerden und genossen dazu einen typisch italienischen Streit zwischen Mama am Kaffeeautomaten und dem Chef (ihrem Mann). Es fehlten uns einige Vokabeln, aber ich glaube, es ging darum, dass sie das Zauberwort mit den beiden tt beherzigen möchte, also bitte etwas flott zu sein. Gut fünf Minuten ging das Hin und Her, und in der Zeit ging schon mal gar nichts flott. Aber dann kam der Espresso, serviert von einer strahlenden Bedienung (nicht Mama, eher ihre hüsche Tochter!), und alles war gut.

Gegenüber vom Hospedale haben die Venezier eine eigene Insel für die Toten. Ìsola di San Michele, laut Wikipedia "unbewohnt". Da auch wir um Mitternacht nicht da waren, lassen wir das mal so stehen.

Die nördliche Uferpromenade ist ganz im Gegensatz zum südlichen Prunkstück eher unauffällig, man kann bei gutem Wetter und richtigem Licht den ein oder anderen netten Blick auf St. Michele und Burano werfen. Aber, so im Vertrauen und unter uns: Wenn man den genießt, ist man schon nicht mehr in Castello, sondern im Sestier Cannaregio...



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March 28, 2008

Venezianische Impressionen (5)

Abends im Al Brindisi

Unser Reiseführer hatte das Restaurant Al Brindisi wärmstens empfohlen, und nicht nur wir waren offensichtlich deswegen dort – die Herrschaften am Nebentisch erwähnten ihn im trauten Zwiegespräch (ja, ich habe zugehört!) und zwei Tische weiter in die andere Richtung hatte die aufregend hübsch zurechtgemachte Freundin des auffallend unaufgeregt aussehenden Freundes ihn auch in der Hand – also den Reiseführer.

Die Herrschaften nebenan meckerten: Sie müssten dringend dem Herrn Marco Polo schreiben, wie schlecht es hier sei im Vergleich zum Preis, also quasi kein Leistungsverhältnis, das da! Und wenigstens warm hätte man das Essen servieren können - ein Punkt, der uns aufhorchen ließ, denn manche mögen's heiß. Da die Herrschaften nebenan aber irgendwie einen so nörgeligen Eindruck hinterließen, beschlossen wir, nicht spontan zu gehen, sondern zu bestellen: Zweimal das Dreigangmenü. Und das war gut so!

Es gab:

  • Venusmuscheln und Miesmuscheln in Weißweinsauce, mit dem Gewürz der Seligen.
  • Spaghetti in Tintenfischsauce
  • Gemischte Fischplatte

und

  • Sardine Saor
  • Spaghetti mit Meeresfrüchten
  • Kalbsleber venezianische Art

Sarde saór
Sarde saór
Spaghetti mit Meeresfrüchten
Spaghetti mit Meeresfrüchten
Leber Venezianische Art
Leber Venezianische Art

Alles warm, alles sehr fein, und der Preis von 25 Euro kann in Venedig als sensationell günstig bezeichnet werden - zumal der Chef in der Küche mit guten Zutaten nicht geizte. Während wir drinnen gemütlich saßen und aßen, tobte draußen ein heftiges Gewitter. Wir hatten schon Angst um unsere Frisuren, aber kaum hatte der Regen so richtig angefangen, stand draußen vor der Tür ein Schirmverkäufer. Endlich mal was Praktisches, dachte ich und fand, dass auch die heimischen Rosenverkäufer auf Handtaschenschirme umstellen sollten - ist doch bei unserem Wetter ein krisensicherer Job! Ich überlegte mir schon, wieviel ich für so einen drei-Euro-Schirm zu zahlen bereit wäre... Aber als wir fertig waren, hatte der Regen aufgehört und der Schirm-Inder ging wieder Rosen anpreisen, so dass wir den Preis nie erfahren haben...

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March 30, 2008

Venezianische Impressionen (6)

Cannaregio

Unverhofft kommt oft. Cannaregio, das Viertel hinterm Bahnhof, hatten wir uns - ähm: gar nicht vorgestellt. Auf dem Weg via Linea 2 von St. Marco kommend gab das spätnachmittagliche Spätwinterlicht sich allerdings alle Mühe, uns zu spontanem Handeln zu verleiten. Und was soll ich schreiben? Des Lichtes Mühen waren von Erfolg gekrönt!

Ponte degli Scalzi
Ponte degli Scalzi
Eine Station vor der angepeilten Stazione Maritima am Busbahnhof sahen Sylke und ich uns an, nickten und stiegen aus: Ferrovia, der Stop am Bahnhof, hatte immerhin eine Brücke - eine von dreien über den Canale Grande. Die aus istrischem Kalkstein gebaute Brücke ist die zweite, die der Ingenieur Miozzi Anfang der 30er Jahre realisierte - die andere ist die Ponte dell'Accademia. Auch diese Brücke ist (wie die Accademia) ein Ersatzbau für eine zuvor am gleichen Platz stehende Eisenbrücke.

San Geremia
San Geremia
Das Licht zieht uns ins Viertel, das von Anfang an wenig von typischen Bahnofsvierteln hat: Die Straße mit dem netten Namen Rio Terá Lista de Spagna wartet mit einer Menge eher normaler Läden auf, die allenfalls ein wenig Touri-neppig aussehen. Das "Rio" im Namen deutet darauf hin, dass hier mal ein Kanal war, der zugeschüttet wurde - kein Einzelschicksal in der Lagunenstadt! Keine 300 Meter von der Brücke entfernt öffnet sich die Straße zu einem Platz: Am Campo San Geremia sieht man rechter Hand die gleichnamige Kirche und linker Hand das von uns am Vorabend besuchte Restaurant "Da Brindisi". Die Kirche im Abendlicht ist ein Fotografentraum. Nebenbei bekommt man auch noch einen der ältesten Campaniles der Stadt mit aufs Bild - der Bau aus roten Ziegeln stammt, wie auch die Vorgängerbauten der Kirche, aus dem 12. Jahrhundert. Die jetzige Fassade der Kirche stammt aus dem Jahr 1871, falls das jemanden interessiert.

Gemüsestand
Gemüsestand
Geht man weiter, kommt man über die Ponte delle Guglie, die über den Canale de Cannaregio führt. Der zweitgrößte Kanal der Lagunenstadt (nach dem Canal Grande) war früher mal die Haupteinfallsstraße nach Venedig. Von der Brücke nach links geht es ins Jüdische Viertel, vorbei an der Brücke mit den drei Bögen - doch das ist ein eigener Spaziergang, dazu also später mehr). Geradeaus kommt die Einkaufsmeile, Abteilung Gemüsestände. Vor allem im abendlichen Gegenlicht auch ein optisches Vergnügen - und immer ein Grund zum Neidischwerden: So viel Leckereien, so frisch, so toll präsentiert!

Teatro Italia
Teatro Italia
Am Ende öffnet sich Rio Terra San Leonardo zu einem Platz, der wenigsten wegen zwei Dingen erwähnt werden muss. Rechter Hand liegt ein Schmeckleckerladen mit Suchtpotential. Hausgemachte Dolce, Schokolade, Mandorla, gebrannte Mandeln - das ganze Arsenal, das Zahnärzte in Verzückung versetzt, weil es so gut schmeckt, dass man alle Vorsichtsregeln vergisst. Beim ersten Bummel sind wir zufällig dran vorbeigekommen und konnten widerstehen, beim zweiten führte der Weg gezielt dorthin, und es war ein Traum! Schräg gegenüber ein sehenswertes Haus, zu dem ich bislang nichts gefunden habe: Teatro Italia steht an der Fassade. Was könnten diese Steine uns erzählen, wenn sie unsere Sprache beherrschten?

Cantina Vecia Carbonera
Cantina Vecia Carbonera
Wir bewegen uns heute nur auf zugeschütteten Flüssen: Am Ende der Rio Tera de la Maddelena gibt es (das wundert jetzt nicht wirklich jemanden, oder?) drei Dinge: Eine Brücke mit Kanalblick (romantisch), einen Platz umsäumt von verfallenen Häusern (so typisch) und die Cantina Vecia Carbonera, eine Weinbar. "Andar per ombre" - in den Schatten gehen, nennen die Venezianer ihre Ausflüge in die vielen sich anbietenden Gaststätten und Bars. Diese Cantina ist ein elendig langer Schlauch, wo es vorne an der Bar zum üblichen Spottpreis von 1 Euro den Schatten (ombra) gibt - trinkbarer Zechwein, weiß oder rot. Außerdem Spritz (Aperol, Weißwein, Prosecco, Kohlensäure) und natürlich Kleinigkeiten zu essen. "Cicheti" zum Reinsetzen, was - wörtlich genommen - unvernünftig wäre, denn dann landet man ja mit einer Gegend auf den Leckereien, die sie eigentlich erst viel später zu Gesicht bekommen sollten. Schinken, Tintenfische, die beliebten Sardinen mit Geschmack (Zwiebeln, Rosinen - wir hatten das schon!) - ach, das einfache Leben kann so nett sein!

Eau de Mief
Eau de Mief
Wir haben uns, ohne es zu wollen, immer in gehörigem Abstand zum Canal Grande bewegt, aber nahezu in paralleler Linienführung. Da der Canal ein Knick macht, macht es nach unserem Kantinenausflug (!) auch die Straße - hinter der Brücke geht's rechts ab auf die Strada Nova. Noch mehr Einkaufsstraße! Wieder Marktstände, dieses Mal von der erheiternden Seite: Parfum-Fakes und andere Dinge, die man auch für kleines Geld nicht braucht! Die Kreativität bei der beinahe-Namensvergabe hat aber was: Water Ovanoff - Jommy - Chen Number 5 - DIK - Jeep Nigh - und so weiter und so fort. Klar, als Originalparfumer würd' mir das stinken, aber so fand ich's eher belustigend (wenn auch nicht kaufanregend).

Die "Evangelische Kirche" im Viertel heißt tatsächlich so, es ist hier keine Übersetzung: Ein Hinweis auf die ehedem starke deutsche Kolonie in Venedig. Es gibt auch das Handelshaus der Deutschen (fondaco dei tedeschi) nahe der Rialtobrücke und eine Wohnung von H. Schmidt in San Marco - aber das scheint mir ein anderer als unser Altbundeskanzler zu sein...

La Cantina
La Cantina
Die Sonne ist mittlerweile untergegangen, aber andar par ombre ist sonnenunabhängig zu verstehen: La Cantina ist das begehrteste Ziel an der Strada Nova, viel ChiChi mit BussiBussi und nicht nur Cicheti, sondern auch größere Häppchen, die Mitbesitzer Francesco Zorzetto mit Wissen um die Effekte in der offenen Miniküche zubereitet. Wenn er den Schinken an der mannshohen Handkurbelmaschine schneidet, wiegt sich sein Körper wie in der Ballettstunde, wenn er die Pfanne schwenkt, singt und pfeift er munter dazu. Stammgäste (und das sind hier alle, außer uns Eintagesgästen, hatte ich den Eindruck) werden geherzt und betuddelt. Die Spezialität des unkonventionellen Cichetimachers sind seine Käseplatten, aber wer ihm zusieht und nahe des Passes sitzt, an dem die Gerichte den Küchenbereich verlassen, möchte am liebsten alles probieren. Da das an einem Abend nicht geht und auch das Probieren aller 150 Weine (davon 40 offen serviert) kurzfristig nicht so sinnvoll ist, kommen alle wieder: voilá: Alles Stammgäste, sag ich doch!

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March 30, 2008

Venezianische Impressionen (7)

S. Giorgio Maggiore

Der Klassiker
Der Klassiker
Es gibt schöne Tage und es gibt verregnete. Wir hatten das ausgesprochene Glück, beide zu erleben, und so war es uns vergönnt, die Serenissima auch einmal grau in grau zu erleben. Regen ist gut gegen Staub und harte Schlagschatten.

Unser erstes Ziel (zu erreichen mit Booten der Linie 2): Die Klosterinsel Isola die S. Giorgio Maggiore. Sie liegt gegenüber vom Markusplatz und dem Dogenpalast – aber da Wasser zwischen diesen übervölkerten touristischen Anziehungspunkten und der Kircheninsel liegt, ist es hier bezaubernd leer.

Ein früher Escher
Ein früher Escher
Dabei hat es die von Andrea Palladio entworfene (und erst nach seinem Tod gebaute) Kirche in sich: Unter anderem drei Bilder von Jacobo Tintoretto, wobei das "Abendmahl" dank der Privatführung durch einen zufällig anwesenden Priester unsere besondere Aufmerksamkeit erhielt. Wir lernten schöne Details durch ihn - zum Beispiel die Einmaligkeit, dass bei diesem Abendmahl auch Frauen auf dem Bild zu sehen sind. Oder dass der Fußboden nicht nur ein wenig an Bilder von M.C. Escher erinnert...

San Giorgio Maggiore
San Giorgio Maggiore
Der Geheimtipp auf S. Giorgio Maggiore schlechthin: Die Turmbesteigung. Erstens gibt’s keine Warteschlange (gegenüber auf dem Markusplatz steht man sich mindestens eine halbe Stunde die Füße platt). Zweitens kostet der Aufstieg (was heißt hier Aufstieg? Es geht per Fahrstuhl hoch!) nur drei Euro gegenüber acht am Campanile de San Marco. Und drittens: Von hier aus sieht man den Marcusplatz mit dem Campanile – wenn man den bestiegen hat, ist der ja schlechterdings unter einem und daher nicht wirklich sichtbar. (Das ist übrigens weltweit so ein Phänomen – Dresden-Besuchern rate ich deswegen auch von einer Besteigung der Frauenkirche ab und empfehle alternativ den Hausmannturm am Schloss: Preiswerter und weniger überlaufen ist's da und man sieht mehr! Obwohl es oben auf der Frauenkirche auch schön ist...)

Von der Klosterinsel empfiehlt sich ein wenig Inselhopping, das klassische Venedig immer im besten Fotografierlicht (Sonne im Rücken ist des Fotografen Entzücken): La Giudecca heißt die Insel mit le Zitelle (lohnt sich nicht wirklich) und Redentore. Die beiden Kirchen von San Giorgio Maggiore und Il Redentore haben übrigens mit Andrea Palladio den gleichen Baumeister. Hier könnte man rein (wir haben es nicht gemacht), hier könnte man auch ein wenig bummeln (haben wir auch sein gelassen, obwohl die Häuserreihe durchaus viel versprechend aussah). Was also haben wir gemacht? Wir sind mit der Linie 2 zurück aufs andere Ufer zur Station Záttere gefahren. Natürlich nicht ohne Grund, denn am Vortag sind wir hier ja an zwei Punkten vorbei gekommen, die einen ausführlicheren Besuch lohnen...

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