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February 1st, 2008

Gomerisches Tagebuch (14)

Übers Wetter

Valle Gran Rey
Valle Gran Rey
Dem Novembernebel entfliehen, um im November einen ganz eigenen Nebel zu erleben: das ist mutig! Gomerareisende sollten sich zu diesem Mut bekennen, denn eine Insel, die stolz auf den Nebelwald ist, hat eben nicht nur Wald! Auf den Bilderbuchpostkartenfotos sieht das so aus: Eine Straße windet sich durch die Landschaft, links und rechts frisches grün. Mittendrin ein Hauch von Wattebäuschen, das da so gemütlich vor sich hin wabert. Ein Sonnenstrahl gibt dem Idyll einen Hauch von Glücklichsein: ja, so wünschen wir uns den Urlauberregenwald!

Die Wirklichkeit gestaltet sich meist brutaler. Bei unserem ersten Gomerabesuch gab's (außer auf der Anreise) gar keinen richtigen Nebel, bei unserem zweiten an den ersten Tagen nur dicke Suppe: Leben in einer Wolke ist nur ein Achtel so romantisch wie leben auf Wolke sieben!

Im Nebelurwald
Im Nebelurwald
Was macht man da? Man versucht irgendwie, die Natur zu verstehen. Im Grunde genommen ist das nämlich Meteorologie für Anfänger: Überm warmen Meer fühlen sich die Tropfen aufgelöst sehr wohl, treiben aufs Land zu und sehen sich dort mit massiven Problemen in Form von Felsmassiven konfrontiert. Die ragen einfach mirnichtsdirnichts rund tausend Meter hoch auf und stehen damit den heiter gelösten Wassertröpfchen im Weg. Was tun die nun? Sie üben den Aufschwung, aber der ist kalt. Ein Grad pro hundert Meter, so die Faustregel. Wenn's aber kälter wird, können die Tropfen quasi das Wasser nicht mehr halten und machen einen auf Nebel, schlimmstenfalls geben sie gar die Regenwolke. Nun beginnt ein für Urlauber und sonnenhungrige Gomeros dummer Kreislauf: die Wolken verhindern, dass sich das Land erwärmt, weil die Sonne da nicht durchkommt. Also bleibt's unter den Wolken eher kühl, was den Nebel beflügelt. Im Sommer ist das alles anders: da brennt die Sonne dem Land so auf den Pelz, dass sich die Tröpfchen des Nebels schnell wieder auflösen. Da freuen sich dann Touris und Einheimische, weil sie früh zu ihrem Nebelbild kommen und später unter der Sonne sich einen Brand holen können. Aber das ist doch allemal besser als den Depri, oder?

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February 8, 2008

Gomerisches Tagebuch (15)

Kleiderordnung auf dem Golfplatz

Der gomerische Hai
Der gomerische Hai
Fred Olsen ist nicht einer von der – vor allem im Osten Deutschlands sehr beliebten – Olsen-Bande. Er ist vielmehr der Chef von La Gomera. Nicht offiziell, natürlich, aber wenn man sich die Olsen-Geschichte anhört, dann spielt der Name schon eine gewichtige Rolle. Wie so oft bei solchen Stories kann man das sehr nett erzählen – und dann wird der olle Olsen zum Wohltäter, weil Arbeitgeber. Man kann das natürlich auch anders, kritischer, deuten, wenn einer die (finanziellen) Schwächen der anderen ausnutzt und Ländereien aufkauft, bis er zum größten Grundbesitzer der Insel wird. Wer mag, kann ihn mannigfaltig unterstützen: Mit einer Fähre der Olsen-Line nach Gomera kommen; im Hotel Jardin Tecina – dem besten der Insel, natürlich! – wohnen und nebenan golfen; im Restaurant Las Rosas bei Agulo speisen...

Man kann es natürlich auch sein lassen, den Garajonay-Expres zur Überfahrt nutzen statt den Olsen-Hai, in privaten Apartementos wohnen und bei den Einheimischen essen gehen. Fred Olsen wird’s nicht merken.

Hinter Gittern
Hinter Gittern
Das Hotel ist nett abgeschirmt, eine Schranke mit hübscher Wachfrau sorgt dafür, dass nicht Kreti und Pleti die Ruhe des schönen Ortes oberhalb von Playa Santiago stören. Auch die Golfer gehen hinter Gittern ihrem Vergnügen auf dem akkuraten Grün nach. Sollen sie, gomerisch sieht die künstliche Landschaft trotz Palmen und adretter Blütenpracht eh nicht aus. Jegliche eventuell aufkeimende Lust auf eine Platzrunde kann einem beim Anblick des Kleiderordnungs-Piktogramms sowieso vergehen. Es zeigt vier stilisierte Männlein, die bezeichnenderweise alle gesichtslos sind und nur einen unmarkanten Eierkopf haben. Die zwei Männer links haben oben rum nichts an, die beiden rechts, oha!, stehen unten ohne da. Je ein Männlein der beiden oben bzw. unten ohne Typen hat offenbar was Falsches an, denn so eine Art Parkverbotszeichen quer über dem stilisierten Kleidungsstück signalisiert ein „so nicht!“.

Mit Hosenstall und Kragen
Mit Hosenstall und Kragen
Das rechte Männlein trägt offensichtlich ein T-Shirt, was falsch ist: Es sollte schon ein Polo sein, das zwar auch nicht mehr zeigt oder verdeckt, aber immerhin so eine Art Kragen hat und wahrscheinlich auch noch Platz für ein Krokodil auf der Brust, obwohl man das auf dem Bild nicht sieht.

Aber was ist das bei den Hosen-Männern? Der Linke, der mit dem Parkverboten, trägt seine Hosen genau so lang wie der Ordentliche rechts daneben. Nur... der angeblich so Korrekte – hat der nicht sein Geschlechtsteil raushängen, während der Verbotene alles in der Hose behalten hat? Trägt man das jetzt so auf dem Golfplatz Tecina? Es würde natürlich erklären, warum die Herrschaften hinterm Zaun spielen und Gäste nicht allzu nahe rangelassen werden!

Oh, ich höre gerade, dass meine Bildinterpretation nicht stimmt. Was man da sieht, sei gar nichts Anstößiges, sondern die allenfalls etwas unglückliche Darstellung eines so genannten Hosenstalls. Aber bevor ich über dieses Wort weiter nachdenke, beende ich den Beitrag lieber!

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February 14, 2008

Gomerisches Tagebuch (16)

Von oben nach unten

Nebelparkplatz
Nebelparkplatz
Die Wander-Evangelisten vom Rother nennen das die Paradetour, und wenn man so etwas liest, will man das und genau das und nichts anderes natürlich auch machen: Vom Garajonay nach Hermigua! Der vorgeschlagene Weg vom Aalto de Contadero an der Hauptstraße durch den Lorbeerwald hinunter nach Hermigua erschien uns aber noch nicht parademäßig genug, so dass wir einen anderen Einstieg wählten: Vom Parkplatz Parajito, der den Vorteil hat, auch eine offizielle Bushaltestelle aufzuweisen (zurück wollten wir den Bus nehmen). Außerdem kann man so den elend langen Abstieg – 1.100 Meter! – ein wenig aufpeppen: Vom Parajito geht’s nämlich erst einmal etwas hoch, wobei etwas = 100 Meter ist, wozu es einen halben Kilometer Weges braucht. Da oben, auf halbem Weg zum höchsten Berg der Insel, ist es erstens neblig und zweitens kalt. Weit ist es zum Gipfel des Garajonay nicht mehr – aber warum soll man die 24 Meter Höhenunterschied noch erzwingen, wenn man sowieso nichts sieht? Wir wenden uns also auf 1463 m Höhe am Wegweiser „Garajonay links, Contadero rechts“ bergab und erwischen freundlicherweise hin und wieder schon einmal Wolkenfetzenlücken. Nach einer halben Stunde etwa ist man dann da, wo es hätte losgehen können: am Alto de Contadero.

Ohne Moos nix los
Ohne Moos nix los
Hier beginnt der schönste Teil dieser Tour: der Bosque del Cedro zeigt sich als Märchenwald, mit bemoosten Baumstämmen, Farnen und wild-romantischer Natur, wohin man auch schaut. Der Weg schlängelt sich beständig herab und gibt immer neue Blicke frei: nach unten auf einen dahin plätschernden Bach, nach links auf umgefallene Bäume, nach rechts auf eine Lücke im Wald, durch die der Roque de Agando lugt. Und dann gehst du einmal um die Kurve und stehst direkt gegenüber vom El Teide. Naja, eigentlich ist er weit weg, nicht mal auf La Gomera, sondern auf Teneriffa. Aber weil er der höchste Berg Spaniens ist, macht er sich mächtig breit und bietet eben auch von weiter weg einen eindrucksvollen Anblick.

Mitten im Wald droht dann ein großer Parkplatz für Autos an, dass hier das Ende der Romantik erreicht ist. Erfreulicherweise haben die Gomeros jedoch nur am Wochenende Zeit, diesen ruhigen Flecken zum Zentrum lustiger Grillparties zu machen – weswegen man diese Tour nur unter der Woche unternehmen sollte – es sei denn, man ist auf Grillfleisch scharf. Etwa eine Viertelstunde nach „Las Mimbreras“ taucht die nächste Partys-Location auf. Die kleine weiße Kapelle „Ermita de Nuestra Señora e Lourdes“ ist ebenfalls – wie viele Kapellen – ein beliebtes Ziel der Einheimischen, um den Alltag hinter sich zu lassen und ein wenig „en famille“ zu feiern.

Bald hinter der Kapelle ändert sich das Landschaftsbild – der Regenwald lichtet sich, bald kann man das Dorf El Cedro sehen (oder, wenn es nebelt: erahnen). Bei unserem ersten Besuch haben wir auf diesem Wegstück kaum die Hand vor Augen gesehen, bei der Wiederholung erkannte man dann sehr schön die Weite der Landschaft: Links sieht man in den Nebelwald zurück, gerade erheben sich Wald und Wiesen wie auf einer Alm, rechts das Dorf mit dem Mittagsziel der Wanderung: dem Campingplatz mit Restaurant La Vista. Weiter schweift der Blick nun in die Ferne, wo die Berge bis zum Meer herunter reichen. Mit etwas Glück gibt sich am Horizont wieder Teneriffa die Ehre.

Am Dorfeingang von El Cedro begrüßen Esel die Wanderer. Vielleicht dösen sie (die Esel) auch nur so vor sich hin, oder sie mampfen – was man als Esel halt so macht in der Freizeit. Wenn man es ihnen (den Eseln) gleich tun will, also ein wenig dösen/entspannnen und mampfen, dann lohnt sich der Aufstieg zum Restaurant La Vista. Ein Kamin brennt (wir waren im November dort!), aber die Leute sitzen doch lieber draußen. Man sitzt rustikal an Holztischen auf Holzbänken, und von den im Innenraum zentral gelagerten Kissen braucht man mindestens zwei, um dem Po einen Hauch von Bequemlichkeit zu verschaffen.

Aufgetischt
Aufgetischt
Das Essens-Angebot ist übersichtlich und gleichbleibend, es steht dreisprachig auf einer Tafel: spanisch und englisch in simulierter Handschrift, deutsch mit teutonisch anmutenden alten Buchstaben – ist sicher liebevoll gemeint, gibt aber dennoch zu denken. Wir haben dann also folgerichtig auf spanisch bestellt und können sehr empfehlen: Potaje de Berros (Wasserkressesuppe) für 3,20 EUR. Sie wird in einer Holzschüssel serviert, dazu gibt’s Gofio. Lecker und ein Sattmacher! Carne de Cabra, Ziegenfleisch, kostet 6 EUR und wird mit höllisch scharfer Mojo Rosso serviert. Dazu sollte man sich Papas arrugadas gönnen, die berühmten Runzelkartoffeln (vielleicht wird die Mojo auch dazu gereicht – wir haben ja alles zusammen bestellt). Eine Portion (3 EUR) besteht aus etwa neun mittelgroßen Kartoffeln: Hungrig muss man wirklich nicht diesen netten Platz verlassen! Die Preise waren übrigens 2006 und 2007 gleich – ein Vorteil des fertig gemalten Speisekarten-Schilds!

Perros no ni Golfos
Perros no ni Golfos
Wo wir gerade bei Schildern sind: Gut gefallen hat mir auch der Hinweis, dass man dort bitte nicht rauchen möchte und dass das Restaurant für Hunde und Golfer verboten ist!

Wir rasten ausgiebig und lesen ein wenig im kleinen roten Buch, das uns eine "luftige, häufig auch sehr steile" Wanderung nach Hermigua verspricht. Kann ja heiter werden!

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