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January 2nd, 2008

Gomerisches Tagebuch (9)

Weißt du wieviel Treppen steigen...

La Calera
La Calera
Die Dörfer am unteren Ende des Valle Gran Rey sind alle (noch) eigenständig und mit sehr unterschiedlichem Charakter ausgestattet. La Calera gilt vielen als das schönste Dorf der Insel überhaupt (andere sagen, Agulo sei noch netter – was ich aber nicht finde). Borbalán hat irgendwie die Arschkarte, weil weder am Meer noch so nett am Hang gelegen wie La Calera. Dafür wohnt man dort aber echt preiswert und findet einen Laden, den zu besuchen sich lohnt, und eine Post haben sie auch dort. Vueltas ist der Ort mit dem Hafen: hier kommt an, wer den Garajonay-Expres gebucht hat. Auf dem Weg nach La Playa, dem Touristenparkhaus am anderen Ende der Talöffnung, kommt man durch La Puntilla und ist auch schon wieder raus, so klein ist das da.

Handwaschmaschine
Handwaschmaschine
La Calera
ist sehr sehr anstrengend. Es ist nämlich ein Treppendorf, was heißt: Man kann gar nicht so weit zählen wie man Stufen hoch und wieder runter läuft. Als Touri ist das sehr romantisch, mit dem täglichen Einkauf wahrscheinlich weniger. Selbst als an- oder abreisender Gast können die Treppen einem leid tun, wenn sie mit Flüchen bedacht werden, weil das Gepäck so schwer ist (jaja, wir wissen schon, warum wir im Urlaub gerne fußfreundlich direkt am Meer wohnen!). Von den vielen Treppen also einmal abgesehen ist es sehr schön im Treppendorf, zumal dort eben keine Autos und nicht einmal Mopeds die Luft verpesten. Ein ganz klein wenig sind Schicki und Micki bereits nach Calera gezogen, was es nicht unbedingt schöner macht, denn riesige Häuser mit trefflichen Zäunen drumrum und üppigen Dachgärten zerstören den ursprünglichen Stil des Dorfes, das sein Flair aus dem Arrangement eher einfacher und kleiner Häuser zieht. Vor einem Haus sahen wir sogar noch eine Handwaschmaschine – also ein Steinbecken mit Waschbrettbauch zum Rubbeln der Schlüpfer.

Treppen steigen
Treppen steigen
Die wichtigste aller Fragen bei Treppendörfern ist natürlich: Wie viele Stufen gibt es denn? Eine Antwort muss ich schuldig bleiben, denn immer, wenn ich so um die Gegend von 84 war, musste ich Luft holen oder ein Bild machen oder beides und habe darüber vergessen, exakt weiter zu zählen. Das ist peinlich, aber nicht zu ändern und wird sicher mit einem weiteren Aufenthalt auf La Gomera bestraft, bei dem streng gezählt und notiert wird.

Dokumentation muss sein
Dokumentation muss sein
La Calera hat jede Menge Unterkünfte, einige Restaurants und auch zwei tolle Saftbars. Die Unterkünfte haben wir gar nicht getestet, obwohl selbstverständlich ein „Casa Uli“ unsere natürliche Aufmerksamkeit aufs höchste erregte. Als Restauranttipp hatten wir das Orquidea empfohlen bekommen, weil dort die Portionen groß und die Aussicht auf die untergehende Sonne großartig sei. Derlei formulierte Empfehlungen senken die Erwartungshaltung – und das ist, wie man heutzutage formulieren würde, auch gut so. Oder, um es positiv zu formulieren: Der Sonnenuntergang ist wirklich grandios (zumindest wenn die Sonne im Meer und nicht in den Wolken versinkt). Und das Essen war nicht sooo schlecht, aber auch nicht einen zweiten Besuch wert. Wir hatten, um es mal auf den Punkt zu bringen, den Fisch frittiert und die Pulpos nicht so butterweich, wie sie frisch zubereitet hätten sein können. Aber die Behälter für mojo rojo und mojo verde waren schön!

Toller Saftladen
Toller Saftladen
Saft (frisch gepresst, natürlich) und Eis in etlichen Varianten gibt es unten direkt an der Straße bei Carlos. Man kann auch drinnen sitzen, aber wer macht denn sowas? Carlos selbst sitzt übrigens auch meistens draußen und palavert mit irgendwelchen anderen Männern. Wenn es gar nicht anders geht, kommt er auch zum Bedienen an den Tisch und ist dann auch ein ganz Netter, aber eigentlich delegiert er das lieber. Die Säfte und das Eis sind auf jeden Fall einen zweiten (dritten, vierten...) Besuch wert!

Gleich hinter dem Carlos sein Saftladen (ja, so sagt man das, wenn man ruhrgebietsdeutsch kann!) ist ein ganz berühmter Kreisverkehr. Dort gibt es nämlich erstens die Saftbar, zweitens den Taxistand, drittens die Bushaltestelle und viertens die Möglichkeit, sich zu entscheiden: rechts nach La Playa, links nach Borbalán, Vueltas und La Puntilla.

(lechts oder rings - die Auflösung in der nächsten Folge!)

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