Eine Runde Monopoli

Mohn und Oliven Schöne Städtenamen haben sie in Apulien: Über Ostuni haben wir ja schon sinniert, ob es nach einer Uni im Osten benannt sei, dann gibt es dort noch ein Torre Canne und ein Monopoli: Da wollen wir hin!

 Auf dem Weg nach Torre Canne kommen wir an einem gigantischen Mohnblumenfeld mit alten Olivenbäumen vorbei. Anhalten und über die Mauer klettern! Mohnblumen machen süchtig, sagt Sylke, und meint es rein fototechnisch. Steine liegen auf dem Feld und vereinzelt stehen uralte Olivenbäume herum. Das sieht so unorganisiert, so uneffizient aus - und doch (oder deswegen?) so schön!

Die Kraft der zwei Brillen Nach dem ausgiebigen Stopp geht es weiter nach Torre Canne. Der Ort erinnert an englische Küstenbadeorte: Nur erträglich, wenn viel los ist, und selbst dann eher unerträglich! Die unermüdliche Quelle fröhlichen Recherchierens, die Suchmaschiene von Google, scheint das ähnlich zu sehen und bietet kaum Wissenswertes zum Ort. Lediglich die Wikipedia vermeldet, dass sich hier ein vom rechten Weg abgekommener deutscher Polizeiobermeister im Herbst 1985 selbst richtete - die ganze Geschichte kann man ja nachlesen. Wir wussten davon nichts, liefen straßauf und -ab, lichteten den Namen gebenden Turm ab und tranken einen leidlich guten Weißwein in einem Restaurant über dem Meer, das zur Hochsaison sicher nicht erträglich ist, weil es dann dort von öligen Leibern nur so strotzt. So waren wir aber vorsaisonal fast allein, und die am Nebentisch Zeitung lesenden Italiener empfanden wir eher als sehr angenehm.

Himmelsblick Die Strandstraße nach Monopoli führt am Ort Savelletri vorbei, wo man überraschend gut die Mittagspause verbringen kann: im Ristorante "la risacca" gab es Meeresfrüchtesalat, Antipasti italienische Art und Weißwein für drei Euro den halben Liter. Der Wirt empfahl nachdrücklich, abends noch einmal vorbei zu kommen, weil seine Pizza wenn wahrscheinlich die beste der Welt, aber auf jeden Fall wenigstens die beste im Umkreis von zehn Metern sei. Okay, er hat es anders formuliert, aber es klang sehr begeistert.

Castello von Monopoli Mit aufziehenden Wolken erreichten wir Monopoli: Viele alte Häuser und Kirchen haben sie da, wobei sich manchmal der Eindruck aufdrängte, dass es mehr Kirchen als Häuser gab - aber das täuschte. Der alte Hafen ist pittoresk, aber der aktive Teil mit dem Fischfang sah nicht so überzeugend aus - ob wegen oder trotz der Tatsache, dass die abendliche Versteigerung die größte Fischauktion der Costa di Bari ist, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht waren ja auch nur zu falschen Zeit da - wer weiß?

Monopoli Die Steine der Häuser und Kirchen und Paläste in Monopoli haben schon viel gesehen, sie stammen teilweise aus dem 12. Jahrhundert. Der Name ist griechischen Ursprungs und beinhaltet so etwas wie einen Alleinvertretungsanspruch: ΜΟΝΟΠΟΛΗ, mono polis, die einzige Stadt - das war einmal. Mit knapp unter 50.000 Einwohnern ist Monopoli nicht mehr wirklich die einzige, wenn auch eine durchstreifenswerte Stadt in Apulien. Also streifen wir, planlos und es einfach nur schön findend, von Gasse zu Gasse, von Kirche zu Kirche, vom Hafen zur alten Kanone am Rande des Castello, die jetzt nur noch zwei sich Liebenden als Schmuserückhalt dient und ihr grafitti-verziertes Rohr sinnentleert auf einen einlaufenden Kutter richtet.

Polignano a Mare

Polignano Über Grotten liegt, etwa 25 Meter über dem Meer, die hübsch zurecht gemachte Stadt Polignano, in der ein spekatakulärer Anblick (bzw. Ausblick)den nächsten jagt. In der Weinbar haben wir für ein Glas mehr gezahlt als anderswo für einen halben Liter (nämlich 3 Euro 50) – aber die Qualität rechtfertigte das! Die nicht bestellten, aber von der Wirtin dazu gestellten und von uns nicht ungern gegessenen Oliven kosteten einen Euro, die Häppchen (ebenfalls nicht bestellt und ebenfalls auch gegessen) 4,50. Macht zusammen 12.50 – und das ist in der Summe zu viel, denn die Neppgrenze in der Gegend liegt bei 10 Euro ;-)

Was aber schlimmer war: Dem Himmel graute es ebenfalls, Wolken zogen auf - und wir ab...