Im Zipfelmützen-Land

Zipfelmützenarchitektur Eine Trulla ist, ich schreibe es offen und gerne unter Anweisung einer Zahlung von fünf Euro in die Chauvi-Kasse, eine dumme Kuh (Protest der Vereinigung Allgäuer Milchkuhzüchter, Abscheu und Entsetzen bei der Interessengemeinschaft „Emmanze e.V.“). Ein Trullo wäre demnach, wenn man es in Analogie von „ciao bella“ zu „ciao bello“ nimmt, ein Dämlack (Rücküberweisung der fünf Euro aus der Chauvi-Kasse wegen teuflischer Ausgewogenheit, kein Protest von niemand).

Gut ausgedacht, aber leider falsch (und daher keine Rücküberweisung der Chauvi-Taler): Ein Trullo ist ein Haus, das einer Zipfelmütze ähnlich sieht und das man in nennenswerter Anhäufung wundersamerweise nur im Valle d'Itria sieht. Rund 5.000 Trulli – so die Mehrzahl - soll es noch geben, davon über 1.000 allein in Alberobello. Die Trulli sind oben rum so rund, dass die meisten Autoren sich zum Begriff „kreisrund“ hinreißen lassen, was natürlich dumm ist, denn quadratrund geht ja nun mal gar nicht. Unten sind zumindest die neueren Trulli nach gelungener Quadratur des Kreises rechteckig, so dass man sie mit eckigem Mobiliar von IKEA und so bequemer einrichten kann.

Durch das Trulliland zu wandern, ist ein optisches Vergnügen, denn die kegelförmigen Dächer mit meist weißem Anstrich an der Spitze bieten einen ungewohnt heiteren Anblick. Es gibt auch alte, unsanierte steingraue Trulli – auch die sind als quasi-historische Reminiszenz ansehenswert.

Locorotondo

Eine erste intensivere Trulli-Begegnung fand ihren Start in Locorotondo. Der "runde Ort", beeilen sich meine Reiseführer zu erklären, sei tatsächlich rund. Da freuen wir uns aber und machen uns, nachdem das Auto mühsam einen Parkplatz gefunden hat, zu Fuß auf den Weg. Locorotondo liegt, das kennen wir ja schon, auf einem Hügel - also geht's etwas bergan. Die Häuser sind fast alle weiß, auch das ist nichts Neues. Die "runde Stadt" hat allerdings eine spitze Spezialität: Die Dächer haben recht steile Giebel - in dieser Gegend eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch heißt Locorotondo weder "weiße Stadt" noch "die mit den Giebeln pranzt": Locorotondo nennt sich aus gutem Grund "Città del vino bianco", die Stadt des Weißweins. 1929 wurde hier die erste Winzergenossenschaft Apuliens gegründet, und in der Cantina entstehen heute noch süffige Weißweine.

Locorotondo An der ersten Kirche herrscht großer Auftrieb - der Gottesdienst ist gerade vorbei, und die Menschen stehen auf dem Platz davor und schnattern wie wild herum. Gleich neben der Kirche ein Stadttor, dahinter "Pro Loco", die Touristeninformation - natürlich zu, als wir kamen! Den Bummel durch die Gassen kann man aber auch ohne Führer riskieren, und die Hauptkirche des Ortes, San Giorgio Martire, kann man eh nicht übersehen. Sie wurde zwischen 1790 und 1825 errichtet und ist nicht weiß. Man kann sie, sandsteinig wie sie die weißen Giebel überragt, auch von weitem hervorragend erkennen. Früher, als die Leute kein GPS und kein Navi hatten, kannten sie alle die Formen der Kirchen und wussten, wo es lang geht. Irgendwie symphatisch!

Vom Belvedere, dem Balkon mit der schönen Aussicht, machten wir uns zu Fuß auf in die nächste Stadt: nach Martina Franca.