Übers Wetter

Valle Gran Rey Dem Novembernebel entfliehen, um im November einen ganz eigenen Nebel zu erleben: das ist mutig! Gomerareisende sollten sich zu diesem Mut bekennen, denn eine Insel, die stolz auf den Nebelwald ist, hat eben nicht nur Wald! Auf den Bilderbuchpostkartenfotos sieht das so aus: Eine Straße windet sich durch die Landschaft, links und rechts frisches grün. Mittendrin ein Hauch von Wattebäuschen, das da so gemütlich vor sich hin wabert. Ein Sonnenstrahl gibt dem Idyll einen Hauch von Glücklichsein: ja, so wünschen wir uns den Urlauberregenwald!

Die Wirklichkeit gestaltet sich meist brutaler. Bei unserem ersten Gomerabesuch gab's (außer auf der Anreise) gar keinen richtigen Nebel, bei unserem zweiten an den ersten Tagen nur dicke Suppe: Leben in einer Wolke ist nur ein Achtel so romantisch wie leben auf Wolke sieben!

Im Nebelurwald Was macht man da? Man versucht irgendwie, die Natur zu verstehen. Im Grunde genommen ist das nämlich Meteorologie für Anfänger: Überm warmen Meer fühlen sich die Tropfen aufgelöst sehr wohl, treiben aufs Land zu und sehen sich dort mit massiven Problemen in Form von Felsmassiven konfrontiert. Die ragen einfach mirnichtsdirnichts rund tausend Meter hoch auf und stehen damit den heiter gelösten Wassertröpfchen im Weg. Was tun die nun? Sie üben den Aufschwung, aber der ist kalt. Ein Grad pro hundert Meter, so die Faustregel. Wenn's aber kälter wird, können die Tropfen quasi das Wasser nicht mehr halten und machen einen auf Nebel, schlimmstenfalls geben sie gar die Regenwolke. Nun beginnt ein für Urlauber und sonnenhungrige Gomeros dummer Kreislauf: die Wolken verhindern, dass sich das Land erwärmt, weil die Sonne da nicht durchkommt. Also bleibt's unter den Wolken eher kühl, was den Nebel beflügelt. Im Sommer ist das alles anders: da brennt die Sonne dem Land so auf den Pelz, dass sich die Tröpfchen des Nebels schnell wieder auflösen. Da freuen sich dann Touris und Einheimische, weil sie früh zu ihrem Nebelbild kommen und später unter der Sonne sich einen Brand holen können. Aber das ist doch allemal besser als den Depri, oder?