Der Beitrag der Grünen zum Sommerloch ist der Vorschlag, einen vegetarischen Tag (neudeutsch: Veggie Day) in der Woche einzuführen. Die Wellen schlagen hoch.

Aber analysieren wir das doch mal ganz nüchtern: Angenommen, das Ziel, weniger Fleisch zu essen, wäre aus verschiedenen Gründen sinnvoll. Dann würden sich die Parteien nur beim Wie unterscheiden. Typische Vorschläge könnten dann so aussehen:

Die Grünen: Ein Tag in der Woche ist fleischfrei per Anordnung. Der Vorschlag ist praxisfern, im Effekt leistet er viel zu wenig, ist aber gute Symbolpolitik und die eigene Klientel jubelt.

CDU: Zuerst verweist man auf die 2000-jährige katholische Tradition, in der es den fleischfreien Tag längst gibt. Dann knickt man vor den mittelständischen Metzgern ein. Am Ende einigt man sich auf die Möglichkeit einer freiwilligen Selbstverpflichtung unter dem Vorbehalt einer entsprechenden EU-Richtlinie. Die CSU gibt ihr Minderheitenvotum zu Protokoll.

SPD: Zunächst wird die Initiative der Grünen begrüßt als Möglichkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst. Auf Intervention prominenter Currywurst-Esser hin wird der Gesetzesvorschlag dahingehend erweitert, dass bei gleichzeitigem Verzehr einer Portion Vollkorn-Pommes und mindestens eines nach Reinheitsgebot gebrauten Biers die Currywurst auch am vegetarischen Tag statthaft bleibt. Die öffentliche Diskussion darüber läuft noch, mit einer Einigung wird nicht vor 2025 gerechnet.

FDP: Die Intitiative der Grünen wird als Wahlkampfhilfe begrüßt. Das Recht, täglich Fleisch zu essen, wird in das Parteiprogramm aufgenommen. Durch Abschaffung der Subventionen für Fleischproduzenten wird Fleisch so verteuert, dass sich, wie früher, viele nur noch einmal in der Woche Fleisch leisten können.

Linke: Zunächst wird darauf verwiesen, dass eine eiweißreiche fleischhaltige Ernährung der Reproduktion der Ware Arbeitskraft diene und somit im Interesse des Kapitalisten liege. Der revolutionäre Impuls eines vegetarischen Tags wird betont. Daraufhin spaltet sich die Fraktion der Ketwurst-Nostalgiker ab und gründet eine eigene Partei.

NPD: Zunächst erinnert man sich im internen Kreis daran, dass Hitler Vegetarier war und ist peinlich berührt. Da man sich offiziell davon abgrenzen muss, beschließt man, eine alternative Gesetzesinitiative einzuführen, nach der alle ausländischen Mitbürger verpflichtet werden, einmal pro Woche Schweinefleisch zu verzehren.

Piraten: Die Piraten setzen sich für den freien, nicht NSA-überwachten Download von vegetarischen Kochrezepten ein. Eine Beschränkung auf bestimmte Wochentage lehnen sie ab. Stattdessen fordern sie die Veröffentlichung der Speisepläne aller öffentlichen Kantinen mit anschließender Internet-Abstimmung über deren Qualität.

Viel Spaß beim Wählen!

Stefan