Die Werkstatt.
Auf den ersten Blick herrscht hier nur Chaos. Wer hier arbeitet oder lange genug beobachtet, erkennt die Ordnung und weiss genau, wo man etwas erwarten kann, oder wann eine Überraschung auftreten kann.
Die Werkstatt des Kunst-Restaurators ist ein Mikrokosmos und wirkt auch wie eine Zeit-Maschine. Alte Werke treffen sich mit modernsten Techniken.
Alles wird aufbewahrt, manchmal: je älter desto besser. Die Sachen lagern wie in geologischen Schichten. Über mehrere Generationen haben sich die Sachen angesammelt. Es gibt sogar Spuren, davon was vor den Kriegen und der Flucht gerettet worden ist.
Die Werkstatt ist das Zentrum des Lebens. Es ist wie ein Kuriositäten-Kabinett: Strandgut, gefundene Sachen, Eisennägel aus einem Kreuz des Mittelalters, Fossilien, einen Möwenschädel, Zeichnungsmappen, einen in Formol getunktes Ei, Gebrauchsanweisungen, Holz-, Metall- Porzellan- oder Glasproben, jede Menge rätselhafte Chemiemischungen, gebrauchte und neue Werkzeuge in allen Formen und Grössen.
Hier wird alles auseinandermontiert, gekratzt, unter die Lupe genommen, aufgelöst, gegen Würmer behandelt und wieder befestigt, geklebt, gebügelt, angeboltzt, geschliffen, vergoldet, wieder geschliffen und in jedem Stadium der Arbeit dokumentarisch fotografiert. Es ist nicht möglich mit der Arbeit aufzuhören, sonst würde das Leben auch aufhören.
Addendum/01.09.2008: "In der Werkstatt" ist jetzt also ein Buch, bei blurb.com erhaltbar.