december 2007
  sun mon tue wed thu fri sat  
              1  
  2 3 4 5 6 7 8  
  9 10 11 12 13 14 15  
  16 17 18 19 20 21 22  
  23 24 25 26 27 28 29  
  30 31            

Archives

august 2008 (1)
june 2008 (2)
may 2008 (1)
february 2008 (3)
january 2008 (1)
december 2007 (5)
october 2007 (1)
september 2007 (1)
august 2007 (1)
july 2007 (3)

December 12, 07

Gute Kameraden oder "Die schönste Zeit meines Lebens"

1.

Der Obergefreite Graf, ein großer, kräftiger Kerl aus dem Ruhrgebiet, beinahe schwarze Haare, tief liegende, eng beieinander stehende Augen, kräftigen Schnurrbart, den Hinterkopf immer ein wenig hoch gestreckt und das Kinn zur Brust, konnte brillant den sterbenden Schwan. Meist hatte er dann schon reichlich Dosenbier und auch Schnäpse. Den sterbenden Schwan setzte er in der Regel mit einem Strip auf einem Stubentisch fort, um abschließend die Stube voll zu kotzen und selig lächelnd neben seinem Bett einzuschlafen.

Einmal im Sanitätsunterricht sollte er einen Abschnitt aus der Dienstvorschrift vorlesen. Ging aber nicht. Alle haben es gewusst, nur nicht der Sanitätsfeldwebel. Der wollte OG Graf auch nicht reinreiten. Hat es einfach nicht gemerkt. Also war Graf erst großkotzig: »Nö, son Scheiß les ich nicht!« Der Sani, ein wirklich netter Typ, trotz Einzelkämpferausbildung, irritiert, »na los, Graf, mach schon«. OG Graf konnte aber wirklich nicht und hat drei Mal gesagt: »Ne, mach ich nicht« und hätte dann fast angefangen zu heulen.
© Published at 10:54 / 0 comments / 196 visits
This post is public

December 13, 07

Gute Kameraden oder "Die schönste Zeit meines Lebens", Fortsetzung I

2.

Der Obergefreite Hanitsch konnte auch nicht lesen und schreiben. Untersetzt, kreisrundes Gesicht, Oberlippenbart, weit auseinander stehende Zähne, kleine Schweinsäuglein, aber unerschrocken und Springerschein. Weil er so kräftig war, durfte er das Maschinengewehr tragen. Getrunken hat er nie, aber alle mit seinem blöden Sprüchen genervt und mit seiner Zudringlichkeit gepaart mit fiesem Mundgeruch. Bei den Vorgesetzen hat er immer rumgeschleimt und dem Spieß die Aktentasche hinterher getragen.

Einmal nachts auf Übung. Wir Blau im Straßengraben, die Engländer Rot, kommen mit zwei Chieftain Panzern mit Tarnlicht. Hanitsch springt mitten auf die Straße und ballert mit dem MG los. Der ersten Engländer bekommt einen totalen Schreck und haut die Bremse rein. Der zweite sieht das natürlich nicht und knallt voll hinten drauf. Beide Panzer kaputt, müssen abgeschleppt werden. Millionenschaden. Zum Abschied hat unser Oberleutnant OG Hanitsch ein Buch über die Fallschirmjäger geschenkt. Da mussten wir alle sehr lachen.

© Published at 07:35 / 0 comments / 139 visits
This post is public

December 14, 07

Gute Kameraden oder "Die schönste Zeit meines Lebens", Fortsetzung II

3.

 

Der Pionier Dödelmeier, ein schmächtiges Bürschchen, Name Programm aber wirklich nett, hellbraunes dünnes Haar, schmales rotes Gesicht voller Akne und Narben, Oberlippenbart, war für alle der Prügelknabe. Gelernter Maler und Anstreicher aus Bünde, war er den Anfeindungen seiner Vorgesetzten und Kameraden ebenso hilflos ausgesetzt wie den Herausforderungen des Alltags. Dödelmeier hatte eine sehr junge und ebenso schmächtige und rotgesichtige Freundin, fuhr Opel Kadett aufgemotzt und kannte alle Bordelle der Umgebung.

Einmal, kurz vor der Führerscheinprüfung Klasse 2, hatte der Fahrlehrer hysterisch aus dem Fenster gezeigt: »Dödelmeier, weißt Du was das ist? Ein Fiat 124. Ich schlage vor, dass Du Dir so einen zulegst. Damit kannst Du wenigstens keinen Schaden anrichten«. Mit viel Mühe und mogeln hatte Dödelmeier die Bundeswehrfahrschule absolviert. Nach bestandener Prüfung kam er in die 126. Da durfte er dann bis zur Entlassung die Schwimmbrücke M2 Alligator führen, ein 14 Meter langes und 25 Tonnen schweres Ungetüm mit Überbreite.

© Published at 13:15 / 0 comments / 146 visits
This post is public

December 17, 07

Gute Kameraden oder "Die schönste Zeit meines Lebens", Fortsetzung III

4.

Der Gefreite Jäger, beinahe zwei Meter groß, kräftig, den zu dicken Bauch vorgestreckt, hängende Schultern mit runterhängenden Armen war ein dunkler Typ. Dunkle Haare, dunkle, tief liegende Augen, dunkle schief stehende Zähne, wirkte immer schmutzig und sehr verloren in seinem schmuddeligen Grünzeug. Meist hing er mit dem Gefreiten Siebler, einem verschlagenen schmierigen Typ zusammen. Gemeinsam hatten sie auch über Wochen von Bundeswehr und Kameraden Sprit geklaut, um abends nach Hause fahren zu können.

Einmal früh morgens, während der Torwache, hatte der Gefreite Jäger die Fahne falsch herum hoch gezogen. »Das Schwarze zuerst, das Gelbe am Schluss«, hatten uns die Wachhabenden eingeschärft und wir nur drüber gelacht und Schütze am Lautesten und dann hing der Adler kopfüber oben. Viel später, ist der Benzindiebstahl rausgekommen und Jäger saß am Kasernentorhäuschen im Bau. Sie haben ihn gefragt warum. Da hat er die Augen weit aufgerissen: »Wir brauchten doch Sprit, wir mussten doch nach Hause «.

© Published at 10:28 / 0 comments / 175 visits
This post is public

December 19, 07

Gute Kameraden oder "Die schönste Zeit meines Lebens", Fortsetzung IV

Der Gefreite Siebler, ein schmieriger Typ mit einer sehr prägnanten, gebogenen Nase, so wie hölzerne Kasperfiguren eine haben, etwa 1,70 Meter und kompakt, war nicht nur Jägers Stubengefährte, sondern stachelte seinen tumben Kameraden immer zu irgendwelchem Unsinn an, den der dann allein ausbaden konnte. Vermutlich hatte Siebler ihm damals auf Wache auch absichtlich das falsche Fahnenende in die Hand gegeben: »Los, zieh hoch, Jäger, heute muss gelb zuerst«. Ständig stichelte er und säte Zwietracht.

Einmal, wie sie mit Sieblers Ascona nach Hause fahren wollten und der Tank leer war, steuerten sie den T-Bereich an und weil niemand sie gesehen hatte, zapften sie Benzin vom Iltis des Kompaniechefs der Nachbarkompanie. Das ging so gut, dass sie den Vorgang noch häufig wiederholten und nach und nach auch die Parkplätze einbezogen, auf denen ihre Kameraden ihre Zivilautos abstellten. Das wäre wohl nie herausgekommen, wenn nicht plötzlich das Gewehr verschwunden wäre. Doch daran waren weder Jäger noch Siebler schuld.

© Published at 11:06 / 0 comments / 244 visits
This post is public

( 5 posts )