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June 17, 2009

Szenesprache für smexy Castingopfer, die voll abspacken!

couple / frankfurt
couple / frankfurt
Der SPIEGEL (immer schön groß schreiben) hat nun einen Artikel unter dem schönen Namen: "Üble Bankster und smexy Smoker" auf seiner Website veröffentlicht. In diesem Artikel geht es um eine neue Veröffentlichung eines Dudens in Sachen "Szenesprache".

Zitat: Das neue Wörterbuch solle Wörter erklären, "die breiten Kreisen der Sprachgemeinde wirklich neu sind".

Um diese "Szenesprache" auch in erschöpfender Detailtiefe zu präsentieren, haben unsere Freunde aus dem Dudenverlag eine Trendagentur und echte Kenner (Web-User) hinzugezogen und gleich noch ein "Wiki der Szenesprache" aus dem Boden gestampft:

"Die Community hilft begeistert - binnen weniger Wochen sind mehr als 1200 hippe Begriffe vorgeschlagen worden."

Was hippe Begriffe hier genau sein sollen, lassen wir einfach mal links liegen und widmen uns einigen im Artikel erwähnten Wortbeispielen:

  • Blogorhö (abgeleitet von Diarrhö) - unkontrollierte, durchfallartige Geschwätzigkeit im Internet
    Ich habe diese nette Wortschöpfung mal gegoogelt und gerade mal 2000 Treffer zu diesem Wort gefunden. Die meisten Artikel in der Ergebnisliste befassten sich mit der angeblichen Szenesprache aus dem oben erwähnten Wiki. Nicht sehr überzeugend.
  • Castingopfer - welche armen Würstchen hier gemeint sind, kann ich mir gut vorstellen
    Dieses Wort ist schon ganz in Ordnung. Das ist aber keine echte Wortschöpfung. Das Wort ist einfach nur schnell aus Casting und Opfer zusammengesetzt. Daher ist es mit Bindestrich auch oft bei google zu finden (naja...ca. 5000 Eintrage). Häufig wird es also nicht verwendet. Die Erklärung im Artikel finde ich da auch eher missverständlich: "Menschen, die zum "Fremdschämen" schlecht singen und sich trotzdem bei TV-Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" bewerben und blamieren". Warum diese Menschen aber deswegen gleich ein Opfer sein sollen, bleibt mir fern. Genau zu diesen Menschen passt dieses Wort nicht. Sie kommen ja dadurch nicht zu Schaden und sind freiwillig aufgetreten. Ein Casting-Opfer wäre für mich eine Person, welche nach einem erfolglosem Casting z.B. Selbstmord begeht. Auch wenn wenig später das Wort "Opfer" auch als Synonym für "mies" oder "schlecht" beschrieben wird, passt es einfach nicht.
  • Smirting - flirten unter Rauchern (was für ein Käse, ich fass mir an den Kopf)
    Auch hier zeigt google, dass fast nur über dieses geniale "Kofferwort" berichtet wird. Aber ich habe kaum Foreneinträge oder sonstige schriftliche Beläge gefunden, welche für eine hohe Verbreitung dieses Wortes sprechen würden (2500 Treffer). Dasselbe gilt auch für das Wort "Smexy".
  • Abspacken - muss ich dieses Wort noch erklären? Das habe ich schon vor über 15 Jahren benutzt und ist einfach ein "alter Hut" (19.000 Treffer). Außerdem finde ich die Bedeutung (ungelenk Bewegen) auch nicht gerade sehr treffend. Das steckt mehr hinter diesem Wort.

Natürlich findet man in dem Artikel auch witzige und halbwegs etablierte Wörter (Bionade-Biedermeier, twittern usw.). Aber trotzdem fragt man sich, wozu dieser ganze Aufwand getrieben wird. Wir haben doch den ganz normalen Duden. Dort kommt rein, was wirklich den Sprung in unseren Wortschatz geschafft hat. Wozu brauche ich ein Lexikon, in welchem Begriffe wie "Teppichporsche" oder "Fummelbunker" stehen? Ich kenne wirklich sehr viele Menschen aller Altersstufen. Aber viele dieser angeblich hippen Szenewörter höre (nein! lese) ich in diesem Artikel zum ersten Mal. Und das geht sicher nicht nur mir so. Es wird zwar im Wiki gesagt, dass hier auch mittels google-Suche und anderen Kriterien darüber entschieden werden soll, welches Wort es in die Publikation schaffen soll. Aber wozu das Ganze? Warum sollte ich mir so ein Buch kaufen. Die Reine Website hätte doch gereicht. Oder wie sieht der geneigte Mitleser die Sache?

Würde man eine Aktion zum Sammeln lustiger und fantasievoller Wörter ins Leben rufen, dann könnte ich den ganzen Quatsch ja noch verstehen...

Abschließend noch ein Zitat aus dem Artikel:
"Das zentrale Kriterium war, dass die etwa 700 bis tausend Wörter, die wir ins Buch aufnehmen, einerseits tatsächlich verbreitet sind, andererseits aber noch nicht in traditionellen Wörterbüchern verzeichnet sind", sagt Matthias Wermke, der Leiter der Duden-Redaktion."

Published at 09:30 / 5 comments / 327 visits
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