Chat-Sprache im Visier der Wissenschaft (http://www.heise.de/newsticker/meldung/139425)
Dieser Artikel ist gearde bei Heise erschien. Er handelt vom letzten Treffen der Akademien der Wissenschaften mit dem Ziel, die Auswirkungen des Chattens auf die deutsche Sprache zu untersuchen. Den Artikel kann sich ja jeder kurz selber durchlesen (siehe Link). Interessanter ist mal wieder das Diskussionsforum zum Artikel. Dort lesen wir nämlich Beiträge, wie diesen hier:
> Sowieso Schwachsinn, daß für nen Telefon X ein extra Verb erfunden
> werden musste. Hab' noch nie jemanden gehört, der sagt "ich geh jetzt
> mercedesen", wenn er mit seinem Daimler rumfährt.
aber dafür sind alle nurnoch am "googlen" und suchen nichtsmehr :-/
und man schreibt auch keine Tagebücher mehr sondern "blogt"
Diese Seuche scheint sich wohl primär auf irgendwelche
hype-Tätigkeiten zu beziehen - da von der "Normalbevölkerung" keiner
eine Ahnung hat, was eigentlich gemeint ist, labert man die sinnlosen
Begriffe einfach solange nach, bis sie sich etabliert haben.
Es ging um den Begriff des "Skypens". Da regt sich der Vorredner darüber auf, dass man diese Tätigkeit doch nicht nach einem Produkt benennen könnte. Außerdem wäre es doch nur die Tätigkeit des Telefonierens, welche hier sprachlich einen falschen Hut aufgesetzt bekommen hat, oder?
Natürlich nicht. Denn Sykpe ist anders. Skype verknüpft P2P-Technologie mit Internet-Telefonie, Chat, einem Gateway in das Festnetz und diversen anderen Mehrwertdiensten. Zusammen ergibt es aber eine eigenständige Form der Kommunikation. Oder kann man während eines normalen Festnetz-Telefonates parallel über den selben Anbieter Chatten oder eine Datei an sein Gegenüber hochladen? Garantiert nicht. Daher empfinde ich es nicht als störend, wenn sich für diese Form der Kommunikation das Verb "skypen" durchsetzt.
Die Antwort auf das Ursprungsposting ist aber auch falsch. Ich kann nicht feststellen, dass immer mehr Leute "googlen" sagen, wenn sich einen Suchvorgang ohne Zuhilfenahme dieser Suchmaschine beschreiben wollen. Es kann aber schon sein, dass aufgrund der Einfachheit dieses Suchdienstes öfter gegoogled als herkömmlich im Brockhaus gesucht wird. Warum auch nicht. Aber vertauscht habe ich diese Wörter noch nie. Dasselbe gilt natürlich auch für das Bloggen. Ein Blog ist zwar eine Art Web-Tagebuch. Aber eben nicht nur. Ein Blog ist mehr als das. Und keiner käme auf die Idee folgendes zu sagen: "Wo ist denn mein Stift? Ich will noch kurz etwas in mein ledernes Tagebuch bloggen.". Was für ein Unsinn.
Und wenn man sich schon über den Niedergang der deutschen Sprache aufregt, dann sollte man doch gerade Wörter wie "hype-Tätigkeiten" lieber vermeiden. Auch wenn ich kein Problem mit solchen Wortkonstrukten habe. Aber für Nörgler sollte das doch Tabu sein, oder? ;-)
PS:
Natürlich plattert man Begriffe, welche einem gut und griffig erscheinen immer wieder nach. So entwickelt sich unsere Sprache eben. Wir sprechen ja auch nicht mehr im schillerischen Sing-Sang von damals.
Eine kleine google-Statistik der Begriffe:
Skypen = 51.000 Treffer
Telefonieren = 5.050.000 Treffer
Leider:
Keine Ergebnisse für "hype-tätigkeiten" gefunden.
Send a message
Search for members
OR_Upro says:
Ich jedenfalls, wenn ich morgens aus der Hybernation wieder hochfahre, google regelmässig nach meinen Socken, weil mein RAM jedesmal flushed wo ich die abendlich dropped hatte...
UNFUG!
"hype-tätigkeiten" ist aber eine schöne Wortkreation!
Und im Übigen meine ich, dass Kathargo zerstört werden sollte... :-)
U-schi says:
Ich störe mich eher daran daß wohl die Deutschen den Begriff "Handy" formten, ihn aber nicht "Händi" schreiben. Sieht doch schick aus! Oder weiß da jemand mehr?!
Die deutsche Sprache wird verstümmelt, ...aber das war noch nie anders.
Die Untersuchung, welchen Anteil das Chatten daran hat, finde ich interessant.
rob_visual replies:
Teeth of Lions Rule the Divine says:
Auch wenn ich zugeben muss, dass einige Auswüchse aus dem Chatterjargon mir die Haare zu Berge stehen lassen. Aber darüber kann ich auch hinwegsehen, ohne es gleich kommentieren zu müssen.
rob_visual replies:
ron says:
Und wer sich gelegentlich mit öffentlichen Verkehrsmitten fortbewegt, weiss sicherlich schlimmeres zum Thema Verfall der Sprache zu berichten!
Und wer Handies nicht mag kann ja auch Mobiltelefon sagen, vielleicht kommt das ja sogar irgendwann in Mode?
rob_visual replies:
PS: "Mercedesen" kommt hier wohl eher aus dem skandinavischen Raum. Daher die hohe Trefferquote. Stellt man google auf rein deutsche Seiten um, sind es nur noch um die 300 Treffer. Und da wird auch noch ständig ein Video referenziert. Du siehst also: die deutsche Sprache ist nicht wirklich in Gefahr :)
Mona Lisa says:
sprache entwickelt sich eben weiter, weil sie lebendig ist, und so lange man sie allgemein versteht, geht es ja noch. ... und wenn wir weniger neue wörter hätten, würde der gebrauch der alten auch nicht besser, imho. :-))
Teeth of Lions Rule the Divine replies:
rob_visual replies: