Was für ein Tag.
Nachdenklich fängt mein Tag an. Ja geradezu grüblerisch starte ich in den Tag. Es geht schon beim Zähneputzen los. Ich denke so ziemlich über alles und nichts nach: Was habe ich geträumt, warum kamen meine Katzen in diesem Traum vor, warum bin ich hier (auf der Welt)...
Eben das volle Programm zwischen Philosophie und Banalität. Egal. Ich verlasse das Haus in Richtung Bahnhof.
Ich besteige werde in das Innere der gerade eingefahrenen Regionalbahn gequetscht. Vielen Dank liebe Mitbürger. Gerade habe ich noch einen Artikel gelesen in dem stand, dass die meisten Menschen netter sind, als man denkt...wo sind die nur alle am Morgen? Natürlich geht es mal wieder um das tägliche Gerangel in Sachen Restplätze. Denn der Regionalzug, mit welchem ich morgens beliebe zur Arbeit zu reisen, ist mit einem Reservierungssystem ausgestattet. Über den Sitzplätzen findet man eine grünlich leuchtende Anzeige, die dem Fahrgast verrrät, dass hier schon reserviert ist, oder eben nicht. Ich lehne solche Systeme auf Regionalstrecken auf ganzer Linie ab (auf ganzer Linie..hehe). Es sorgt nur für Unruhe und Verwirrung. Aber es passt auch gut in unsere Kleingartenbesitzer-Logik. Besonders amüsieren mich die guten Bekannten, welche sich morgens angeregt auf dem Bahnsteig unterhalten, nur um bei Einfahrt des Zuges ihr Gespräch abzubrechen. Denn jeder hat unterschiedlich Reserviert. Man zieht also einen garantierten Sitzplatz einem netten Gesprächspartner vor. Mein Nacken schmerzt schon wegen der andauernder Kopfschüttelei.
Heute kam es aufgrund der Reservierungsthematik (fast) zu einem Handgemenge. Ja, richtig! Jemand wurde wegen eines Sitzplatzes (für eine ca. zwanzigminütige Fahrt) handgreiflich. Und ich durfte diesem kötlichen Vergnügen beiwohnen. Kleines Kino am Morgen.
Eine bebrillte Dame, deren Leibesfülle schon in Richtung Adipositas Plus gereift ist, bleibt vor einem Doppel-Sitzeplatz stehen und schaut verärgert auf die dort sitzende ebenfalls ein wenig korpulente jüngere Dame. Neben Ihr sitzt Ihre Reisetasche und genau diese scheint das Hoheitsgebiet der guten Dame zu blockieren.
verärgerte Dame: Das ist mein Platz! Ich habe reserviert.
junge Dame: Warum darf ich hier nicht sitzen? Ich bin Urlauberin. Ich will verreisen.
vD: Weil ich den Platz reserviert habe. Ich will hier...
(Während sie spricht, verhärten sich ihre Gesichtszüge zu einer wütenden und entschlossenen Miene. Sie zerrt an der Tasche und versucht, sie in den Flur zu schleudern, was ihr aufgrund des hartnäckigen Widerstandes der anderen nicht gelingt.)
jD: Lassen Sie das. Ich bin Urlauberin! Ich darf hier sitzen. Was haben Sie gegen mich. Wo soll ich die Tasche denn hinstellen? Das stolpert doch sonst jemand drüber.
vD: Das ist mir egal. Das ist mein Platz!!!
Ich unterbreche hier mal. Das Ende vom Lied war, dass die junge Dame blieb wo sie war. Die genervte und gewaltbereite Inhaberin der Reservierungskarte nahm direkt gegenüber auf einem anderen reservierten Sitz platz. Aber nicht ohne zu sagen: "Wenn hier jemand mit Anspruch auf diesen Platz auftaucht, bestehe ich auf meinen Sitzplatz". Es wäre der komik nur abträglich gewesen, wenn man der Dame gesagt hätte, dass viele Plätze an diesem Morgen noch frei waren. Es ging ja nur um den EINEN. Auch hätte man der anderen Dame sagen können, dass sie trotzdem kein Anrecht auf Ihren Platz hat. Außerdem kann man die Reisetasche auch unter den Sitz schieben. Aber warum soll man zwei Zicken am Morgen belehren, wenn man sich auch unterhalten lassen kann. Das mit der Urlauberin muss ich mir unbedingt merken, falls ich mal wieder in eine Situation komme, in der mir die Argumente ausgehen. Zum Beispiel im Kino: "Ich bin Urlauber, ich darf hier sitzen! Ist mir egal, ob Sie Platzkarten haben!". Was für ein Spaß!
Vor dem Verlassen des Zuges musste die junge Dame der älteren Dame noch einen Vortrag über Unhöflichkeit halten. Die ältere verwies daraufhin auf die Ungezogenheit der jüngeren. Noch amüsanter!
Als ich dann zwanzig Minuten später die Straße vor dem Firmengebäude meines Arbeitgebers überqueerte und ein Wagen mit der Aufschrift "www.entlacken.com" an mir vorbei fuhr, war mein Montag gerettet. Gut das mich niemand gesehen hat. Die meisten gehen doch zum Lachen in den Keller, oder?
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OR_Upro says:
Ich darf das sagen, ich bin Urlauber! :P
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OR_Upro replies:
(oder war das jetzt zu böse???)
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Sven Schreier says:
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vegitill says:
patrickhh says:
"Meine Tasche sitzt schon hier, denn ich bin Urlauber"
"Ich bin Urlauber! Das ist MEINE Straße!"
"Lassen Sie mich vor! Ich bin Urlauber!"
"Dreizehn Euro fuffzich? Nö. Hier hamse nen Fünfer. Schließlich bin ich im Urlaub!"
etc.
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Knut Photos says:
Ich war bis vor ein paar Tagen "Urlauber"... in einem Hotel, welches viel kritisiert wurde.
Ich brauchte keine neues Hotel... nur neue Gäste in dem Hotel ;-)
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vegitill says:
patrickhh replies:
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Sanliaka says:
Grundsätzlich ist es doch so: "Wie man in den Wald rein ruft, so hallt es zurück!"... ob bei der Sitzplatzreservierung oder der Einkaufswagen der quer im engen Kaufhaus-Gang steht oder oder oder... ein freundliches:
"Darf ich Sie bitten... "... und in 95 % der Fälle (vage Schätzung) kommt kein Widerspruch sondern es folgt die Tat!
Eine schönen Tag!
Sanliaka edited this comment 9 months ago.
rob_visual replies:
Sanliaka replies:
Nicht nur das viele Ihre gute Kinderstube vergessen haben, schlimmer noch... viele haben es nie gelernt.
Nicht nur die Diskussionskultur im Internet (super wenn man Anonym ist kann man so richtig rein hauen mit aller Sprachgewalt), viel schlimmer sind diese hirnlosen Sendungen auf allen Privatsendern... da bleibt mir echt die Spucke weg!!! ... ich lag 3 Tage mit Grippe flach und bin durch den Doku-Soap-Dschungel geirrt... nur mit Kopfschütteln und "es-einfach-nicht-fassen-können" :-(
frankpro replies:
frankpro says: