| August 2007 | ||||||||
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Schulbildung schadet niemandem, sofern er sich später die Mühe macht, etwas Ordentliches zu lernen.
(Karel Soltan)
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„Du kommst in die 12. Klasse, aufgrund Deiner Zeugnisse können wir das machen.
Außerdem ist dies die letzte Klasse, in der noch Russisch unterrichtet wird. Es kommen ja keine Schüler aus der Ostzone nach.“
So wurde mir das gesagt.
„Hock Di naa…“ sagte er nach der Begrüßung zu mir. Da er dabei auf einen Stuhl deutete, schloß ich, daß dies eine Aufforderung zum Platz nehmen sein solle.
Auch er ließ sich meinen Hintergrund schildern, fragte dann nach meinen Sprachkenntnissen. „Was für Fremdsprachen kannst Du denn?“
Ich bekam ein Stipendium aus Mitteln des Bundesjugendplans, wurde als politischer Flüchtling anerkannt und erhielt den sogenannten C-Ausweis. Dieser hätte mir etwas genützt, wenn ich berufstätig gewesen wäre, denn er schloß irgendwelche Steuerermäßigungen ein. Als Schüler nützte mir dieses Dokument wenig, aufgehoben habe ich es bis heute.
In meiner Klasse war ich der Exot. Es gab noch 6 weitere ehemalige Ossis, die waren aber alle mit ihren Eltern in den Westen gekommen. Zusammen bildeten wir die Russischklasse. Da war ich nun zuversichtlich. Meine Russischkenntnisse waren gut, in der DDR war ich mit der Herdermedaille in Bronze bedacht worden. Die bekam ja nun nicht jeder.
Ein Mensch von der Jungen Union meldete sich bei mir. Ob ich nicht Lust hätte, über meine Flucht aus der kommunistischen Diktatur zu berichten und Fragen der Zuhörer zu beantworten. Sie würden einen Abend organisieren. Man müsse auch aufklären über die unmenschlichen Zustände in der Zone, sagte der junge Unionist. Selbst dort gewesen sei er aber noch nicht, sagte er. Deswegen sei es wichtig, mal eine authentische Stimme von dort zu hören. Ich sagte zu und am besagten Abend erzählte ich nun die Vorgeschichte und Geschichte unserer Flucht und beantwortete Fragen:
„Nein, Hunger leiden musste man in der DDR auch nicht“.
Einer hatte gehört, daß an einer solchen Schule, wie ich sie in der SBZ besucht hatte, nur Russisch gesprochen werden durfte.
Ich musste lachen. Bestimmte Unterrichtsfächer wurden dort zwar in russischer Sprache abgehalten, aber Umgangssprache war Russisch nun nicht. Außer den Russischlehrern, die in der Sowjetunion studiert hatten, hätten die anderen Lehrer wohl auch „alt“ ausgesehen, wenn wir mit ihnen russisch gesprochen hätten.
Nein, die Lehrer in der DDR waren keine Sadisten. Die meisten waren sogar nett und haben sich sehr um uns bemüht, z. B. meine Klassenlehrerin.
Natürlich gab es unter ihnen einige… wie sagte ich das nun am besten?… Holzköpfe, Betonköpfe, 150-Prozentige. Vor denen musste man auf der Hut sein. War das im Westen nicht genauso?
Ich merkte, daß jedesmal, wenn ich DDR sagte, die Irritation im Publikum wuchs. Im damaligen Sprachgebrauch war das verpönt, man sagte Zone, Ostzone, SBZ, Sowjetische Besatzungszone oder Mitteldeutschland.
Es machte sich auch eine gewisse Enttäuschung unter den Zuhörern breit. Man hatte nicht auf uns geschossen, es waren keine Minen detoniert bei unserer Flucht. Das war ja denn doch nicht ganz so interessant, wie man vielleicht gehofft hatte.
Ob es in meinem Russland-Internat eine Gruppe der „Jungen Gemeinde“ gegeben habe?
Das nun nicht, die hätte aber auch niemand vermißt.
Seltsame Vorstellungen hatten manche.
Der Jungfunktionär der Jungen Union zeigte sich im Anschluß enttäuscht.
Er hätte nicht erwartet, daß ein Flüchtling aus der Ostzone so offen kommunistische Propaganda betriebe. Ich hatte aus meinem eigenem Erleben berichtet, Fragen beantwortet, das sollte kommunistische Propaganda gewesen sein? „Du Arschloch“ - dachte ich so bei mir.
Mein Versuch, mir meinen Dialekt abzugewöhnen, zeitigte schon erste Erfolge.
Unnötig, zu erwähnen, daß ich nicht in die "Junge Union" hineingetreten bin ;-)
Wird fortgesetzt
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