Mittendrin im Sprengel-Kiez, direkt gegenüber der Osterkirche, hat sich der „Intergalaktische Kulturverein“ im „Sprengel-Haus“ eingerichtet und bietet Theater (zum Zusehen und Mitmachen), Kampfkunst und Sprachkurse an. Zum Wedding-Seminar 2011 gab es am Sonntag, den 27. Oktober 2013 erstmals einen Workshop zu Esperanto, der den Auftakt zu einem regelmäßigen Kurs bilden sollte. Im Programm, das auch im Internet veröffentlicht wurde, hieß es:

Esperanto - intergalaktisch die erste Wahl als Sprache

Die Brüder und Schwestern im Kosmos werden ein Problem haben, wenn sie mit uns Erdlingen in Verbindung treten wollen. Mit welcher der vielen tausend Sprachen sollen sie es versuchen? Beiweitem nicht alle verstehen Englisch, Arabisch, Chinesisch oder Russisch. Nicht zu reden von Sprachen wie Haussa, Wolo oder Kurdisch.

Die faire Lösung wäre eine neue Sprache, die alle lernen müssen und leicht lernen können. Sie und wir. Keiner hätte einen Vorteil.<

Zum Glück wurde auf der Erde schon vorgesorgt. Die faire Sprache gibt es seit mehr als 100 Jahren und schon viele Millionen auf der ganzen Welt nutzen sie.

Damit auch Wedding für den Eintritt in die intergalaktische Epoche bereit ist, gibt es 2013 beim intergalaktischen Kulturverein die Möglichkeit die faire Sprache zu lernen. Beim Wedding Seminar werden die Grundzüge erklärt und es wäre schön, wenn Menschen mit verschiedener Muttersprache teilnehmen könnten, die sagen können, was ihnen bei Esperanto in der Grammatik oder beim Wortschatz vertraut vorkommt.

Zu den Vorteilen von Esperanto gehört, daß jeder Laut so gesprochen wird, wie er geschrieben wird und daß es keine Ausnahmen, wie unregelmäßige Verben, knifflige Zeiten, Idioms und dererlei Tücken gibt, die das vollständige Erlernen von natürlichen Sprachen so schwer machen.

Jeder kann Esperanto in kurzer Zeit lernen und auf Reisen oder im Internet sofort anwenden. Bei Twitter und Facebook findet man schnell Freunde auf der ganzen Welt, aber auch in Friedrichshain oder Prenzlauer Berg finden.

Esperanto ist ursprünglich dafür erfunden worden, damit Menschen miteinander sprechen, statt sich die Köpfe einzuschlagen. Das ist das mindeste, was unsere Brüder und Schwestern aus dem All von uns erwarten können, wenn sie irgendwann mal auftauchen sollten.

Zum Workshop hatten sich laut Veranstalter ein halbes Dutzend Leute schriftlich angemeldet, von denen aber keiner kam. Dafür kamen andere, die sich nicht angemeldet hatten. Vier Teilnehmer waren aufgrund der breit gestreuten Einladungen gekommen und hielten tapfer bis zum Ende durch. Alle hatten schon eine vage Vorstellung von Esperanto und wollten nun mehr erfahren.

Da völlig unklar war, mit welchen Vorkenntnissen und Erwartungen die Teilnehmer bei Wedding-Seminar kamen, mußte improvisiert werden. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde ging es mit einem Beispiel aus der neueren Esperanto-Musik los. Damit sollte gleich dem Vorurteil entgegengewirkt werden, daß Esperanto keine „richtige Sprache“ sein. Anhand von Geschirr aus der Puppenküche wurden am konkreten Objekt häufige Begriffe, wie telero, taso, forko erklärt und von den Teilnehmern gelernt. Es konnten einfach Sätze gebildet werden und Relativpronomina wie apud, en, sub am praktischen Beispiel gezeigt werden. Mit „dekstre“ und „maldekstre“ wurde ein wichtiges Strukturwort eingefüht.

Die Teilnehmer wußten die Tatsache zu schätzen, daß Esperanto keine Ausnahmen kennt und auch auf die Plage der unregelmäßige Verben völlig verzichten kann. Anhand von Bilderbüchern ("Ĉevalido transiras riveron" aus China) und dem Ferkelbuch (Kie ni povas trovi Dion? aus Deutschland, das 2011 von einem internationalen Team übersetzt worden war) konnte schon das Lesen geübt und die gelegentlich abweichende Aussprache von Vokalen und Konsonanten erklärt werden. Einige aktuellere Esperanto-Zeitschriften und Wörterbücher gaben einen Eindruck von der hinter dem Esperanto stehenden sozialen Bewegung. Es wäre sinnvoll gewesen, das durch Videos zu illustrieren, zumal das betagte Notebook (Thinkpad) von Lu zur Verfügung stand, das auch ohne externe Lautsprecher einen guten Klang hat. Musikbeispiele könnten durch die Texte zum Mitlesen deutlich an Wirkung gewinnen, insbesondere, wenn man bekannte Lieder auswählt.

Nachdem die verschiedenen Angebote für Esperanto-Kurse und Möglichkeiten zum Selbstlernen erläutert wurden waren, konzentrierte sich das Interesse auf einen Wochenend-Intensivkurs, am liebsten im Sprengelkiez.

Roland Schnell