Nach mehr als zwei Jahrzehnten habe ich geschafft, das legendäre ARKONES (ARtaj KONfrontoj en ESperanto) in Poznań zu besuchen. Poznań liegt in Berlin ja quasi vor der Haustür und jedes Jahr war eine relevante Zahl von Teilnehmer vertreten.

Der erste Eindruck vor Ort war erschütternd. Ein Kulturhaus, bei dem der Charme der sozialistischen Epoche unübersehbar war, das aber mit Elementen der postsozialistischen Zeit bestückt war. Da hatte die Firma Bombardier eine Aktie, vermutlich eher als Treffpunkt für Mitarbeiter, denn als Geschäftstelle. Die Verkabelung war auf Putz um Telefon und LAN ergänzt worden und teilweise wurde billige Wandverkleidung aus dem Baumarkt verklebt.

Das Erscheinugnsbild der Teilnehmer späten Nachmittag war sehr typisch für Esperanto-Veranstaltungen: schlechtgekleidete mürrisch blickende Senioren. Schon ein kurzer Blick auf die Teilnehmerliste, die ich mir noch am Abend vorher heruntergeladen hatte (nachahmenswerter Service, zumal die Daten ohnehin im Netz sind), zeigte die üblichen Verdächtigen: Korĵenkov, Gorecka, Koutny, Chmielik, Żelazny und so weiter. Aber auch einige Namen, die ich nur aus Mail oder Texten kannte, und schon gerne mal persönlich kennenlernen wollte.

Das Akzeptejo war gleichzeitig Libroservo. Auch hier der üblich Anblick. Auf der vorhandenen Fläche war alles mit Büchern vollgepflastert. Ohne Struktur. Nur möglichst alles zeigen, was man hat.

Das Check-In war unkompliziert, allerdings weitgehend ohne elektronische Hilfsmittel.

Etwas problematischer war die Suche nach dem Platz für die Übernachtung. Der Werbezettel des Hostels "Cinamon" war etwas undeutlich hinsichtlich der Lage und ich war nicht der einzige der herumirrte. Schließlich fanden wir gemeinsam das kleine Schild und nach einigen Wirren die richtige Tür.

Im Abendprogramm präsentierte Stefan McGill als neuer UEA-Vorstand das brennende Thema strategia plano. Ich habe versäumt zu fragen, ob die Präsentation auf Papierblättern anstatt mit dem Beamer schon den neuen Kurs demonstieren soll. Mir wurde klar, daß das Lehrerzimmer den Laden übernommen hatte. Edukado wurde ganz groß geschieben und die Querverbindung zum Lehrerverband ILEI ist unverkennbar. Aber edukado soll sich auf gängige Kulturtechniken beziehen: Wie organisiere ich einen Kurs, wie mache ich Pressearbeit.

Es war eine hübsche Überraschung, daß die Billigabsteige ein Frühstücksbuffet bot. Entweder continental (polnische Wurst und Käse, Marmelde) oder Müsli. Die Nachproduktion von Kaffee mit der Haushaltskaffemaschine lag in den Händen des Personals und nahm etwas Zeit in Anspruch.

Auch einen Platz an der Tafel zu ergattern war nicht ganz leicht. Leider dominierte eine lautstarke Diskussion zwischen Lu und Edward Kozyra die Runde. Es gelang mir einigen Polinen ein Gespräch aufzudrängen. Nicht über grundsätzliche Prebleme des Esperanto, sondern über Dinge des täglichen Lebens: Kochen, Restaurants usw.

Dann ging es wieder zum kongresejo. Ich hatte das Notebook eingepackt und wollte dort noch ein wenig an meiner Präsentation feilen. Aber oh Schreck. Die haben in Polen ganz andere Steckdosen, solche wie in Frankreich. Ich hatte mich auf die Angaben im Internet verlassen, die das Einpacken von Adaptern für unnötig erklärt hatten. Aber nach kurzem Schreck stellte sich heruas, daß zumindest die Computer-Netzteile schon darauf vorbereitet sind und ein passendes Loch haben.

So setzte ich mich schon mal den Raum Aniaro und baute das Notebook auf dem Tisch auf. Vorher hatte ich kontrolliert, ob es mit dem Beamer klarkommt. Alles fein.

Echt spannend war der Vortrag über Druidentum. Die historischen Tatsachen waren mir zwar bekannt, aber die neueren Entwicklungen, vor allem in England, waren mir so nicht präsent. Leider konnte ich mich mit dem Referenten, der selbst aussah wie Miraculix, nur stattlicher, nicht lange unterhalten. Sein Vortrag wäre es wert gewesen in eine Präsentation umgewandelt zu werden.

Zu meinem Vortrag kam leider nur eine Handvoll Leute.