Entwurf für einen Aufruf zum 100. Gedenktag des Beginns des Ersten Weltkriegs.

Es naht der Sommer, in dem es 100 Jahre her ist, daß 1914 der Krieg begonnen wurde, der als "Erster Weltkrieg" in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Auch die Esperanto-Bewegung wurde von den scheinbar unvorhersehbaren Ausbruch der Feindseligkeiten und vom überbordenden Patriotismus überrollt.

Der Beginn des 20. Jahrhunderts war von einem geradezu euphorischen Fortschrittsglauben und einem Optimismus in die vernuftmäßige Umgestaltung der Welt und für ein friedliches Miteinander der Völker geprägt. Esperanto als internationale Hilfsprache war, wie Dampflokomotive, Automobil und Zeppelin ein Symbol dieser Epoche. Viele Intelektuelle bekannten sich dazu.

Es ist zu erwarten, daß die 100-jährige Wiederkehr dieser Ereignisse zu eine Fülle von Veranstaltungen, Ausstellungen und Veröffentlichung führen wird. Historiker werden sich damit auf höchster Wissenschaftlichen Ebene befassen, aber es wird auch unzählige populärwissenschaftliche Präsentationen geben.

Die Erfahrungen der letzten Jahre (Nobelpreis Fried 1911, Tod von William T. Stead mit der Titanic 1912, Schleyer 1912) zeigen, daß Esperanto in der Regel dabei nicht von selbst beachtet wird. Das ist kein böser Wille, sondern eine Folge davon, daß die Verknüpfung von Esperanto mit anderen sozialen und politischen Prozessen unzureichend kommuniziert wurde.



Die Esperanto-Bewegung hat sich viel mit sich selbst beschäftigt und sich dabei auf Themen und Personen konzentriert, die in der sonstigen Welt kein Begriff sind und somit keine Anknüpfungspunkte bieten. Das heißt, die Themen müssen erst etabliert werden. Das ist mit ein Grund, warum Esperanto-Themen von den Medien in aller Regel kaum übernommen werden.

Eine andere, vorteilhaftere Situation ergibt sich, wenn ein Thema, wie der Erste Weltkrieg, quasi vorgegeben ist und man leicht an andere Veranstaltungen, Konferenzen, Ausstellungen mit seinem speziellen Beitrag zum allgemeinen Thema andocken kann. Allerdings setzt das voraus, daß man sich rechtzeitig informiert und sich nicht erst in letzter Minute meldet.

Ein Esperanto-zentriertes Projekt kann nur international angelegt sein und die kriegsführenden Mächte in Europa umfassen. Aber durch den Streit um die Kolonien wird auch Afrika einbezogen und am Ende wurden auch Japan und die USA erfaßt.

Es ist von Vorteil, daß man das nicht als trockene und hochwissenschaftliche Arbeit anlegen muß, sondern auch interessierte Laien in vielfältiger Form mitwirken können. Dazu gehört die Aufarbeitung von Schicksalen in der eigenen Familie, am Wohnort oder in der Region und in der Esperanto-Gruppe. Es gibt ein breites Spektrum von Formen der Visualisierung, von der Ausstellung bis zum Video-Präsentation

Zwei Jahre vor dem Ereignis ist eigentlich eine viel zu kurze Zeit und es müßte dringend gehandelt werden.

Konkret könnte ich mir vorstellen, daß eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird, die sich in erster Linie mit dem "Event-Management" beschäftigt, sich also die Aufgabe stellt, die Esperanto-Aspekte in geeigneter Form an die Öffentlichkeit zu bringen.

Sie sollte sich auf einen Beirat stützen können, in dem verdiente Historiker, Bibliothekare und Archivare versammelt sind, die Hinweise auf interessante Quellen geben können und Zugang zu den Orginal-Dokumenten haben. Für die praktische Arbeit genügen Scans in guter Qualität. Orginale kann man in Einzelfällen ausstellen oder für Filmaufnahmen heranziehen.

Die Arbeitsgruppe sollte lokale Gruppen motivieren und vernetzen. (Auch wenn die Erfahrungen in diese Richtung bisher wenig faszinierend sind, das kann aber an den Leuten liegen.)

Es darf auf keinen Fall auf die üblichen drögen historischen Abhandlungen hinauslaufen, sondern es müssen die multimedialen Aspekte herausgekitzelt werden. Jedes Museum ist da schon weiter als die Esperanto-Bewegung, wo man sich damit begnügt, Fotos mit kleingedruckten Erläuterungen an Wände zu kleben.

Das Rahmenthema gibt weit mehr her: Musik, Film, Lesungen, Wettbewerbe, Videos, Podcasts. Ausflüge und Wanderungen. Essen, wie im Krieg,

Eines sollte allerdings vermieden werden: Die Illusion zu erzeugen, daß durch Esperanto alle Konflikte gelöst würden. Das kann man als Utopie der Vorkriegszeit darstellen.

Esperanto kann nur als Hilfsmittel zur Konfliktbearbeitung eingeführt werden. Ein Instrument, daß dazu beiträgt, daß sich Menschen individuell besser verstehen und befähigt werden ihre Konflikte auf friedlichem Weg auszustragen. Hier können durchaus praktische Versuche in diese Richung aus Gegenwart und Vergangenheit dargestellt werden. Eventuell kann sogar ein Zukunftsprojekt daraus entwickelt werden.