Ein veritabler Nobelpreisträger, der sich für Esperanto engagiert hat, ist selten: Alfred Hermann Fried, der im Jahr 1911 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, hat an der Schwelle zum 20. Jahrhundert auch in der jungen Esperanto-Bewegung mitgemischt. Völlig zu Recht der Titel "Verdrängt und Vergessen" für die einzige aktuelle Biografie, die Walter Göhring 2006 veröffentlicht hat. Vor allem in der Esperanto-Welt ist wenig von Leben und Werk präsent. Der Abdruck eines Beitrags von Bernhard Tuider in Esperanto aktuell 4/2010 auf Seite 8 und 9 blieb ohne Resonanz.

Gut ein Drittel seines Lebens von 1884 bis 1903 hat Fried (11. 11. 1864 - 4. 5. 1921) in Berlin verbracht. Ganze 19 Jahre hat er in der deutschen Hauptstadt gelebt und gearbeitet: für seinen Lebensunterhalt, für den Frieden und für Esperanto.

Als Sohn jüdischer Einwanderer aus dem südlichen Ungarn hatte der kleine Alfred in Wien keine leichte Kindheit. Er mußte nicht nur seine Geschwister betreuen, sondern auch zum Unterhalt der Familie beitragen, und dabei kam die Schule zu kurz. Nach dem Abschluß einer Lehre als Buchhändler in Wien zog es ihn in die Stadt, die damals als die dynamischte Metropole Europas galt: Berlin.

In der unaufhörlich wachsenden Stadt konnte man es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, anders als in dem in Konventionen erstarrten Wien, unabhängig von Stand, Herkunft und Religion zu etwas bringen.

Fried beginnt als Buchhändler zu arbeiten und landet schließlich in der Verlagsbuchhandlung Freund & Jeckel in der Potsdamer Strasse 27. Heute steht hier der Neubau der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz (StaBi). Er versucht alles zu lesen, was ihm in der Buchhandlung in die Finger kommt und besucht in seiner Freizeit an der Humboldt-Universität Vorlesungen zu Literatur und Rechtswesen als Gasthörer.

Es wird Stammgast im "Café Kaiserhof" am Wilhelmsplatz 3/5 gegenüber der Reichskanzlei. Hier kann man, wie in unzähligen Cafés im Berlin-Mitte der damaligen Zeit, die lokale, überregionale und internationale Presse lesen und tauscht Informationen aus. Heute steht an dieser Stelle die Botschaft von Nordkorea.

Fried untersucht genau, welche Publikationen auf dem deutschen Markt Erfolg haben könnten und beginnt mit der Arbeit an seinem "Lexikon deutscher Zitate" - ohne Datenbank und Notebook, nur mit handschriftlichen Zetteln. Von Januar bis Juli 1887 wird er allerdings nach Österreich zum Wehrdienst eingezogen. Im November 1887 kann er die Buchhandlung kaufen, die als "A. Fried Verlag Berlin" ins Handelsregister eingetragen wird.

Der Verlag gibt ausgewählte Werke von Heinrich Heine heraus und macht Umsatz mit reißerischen Titeln wie "Heinrich Heine und die Frauen", "Die Physiologie der Liebe" oder "Die Kunst sich zu verheiraten" (beides von Paolo Mantegazza als Übersetzungen aus dem italienischen).

Aber er erwirbt auch die Rechte an einer "Geschichte der jüdischen Literatur" in 18 Lieferungen und für die Volksausgabe "Fürst Bismarcks gesammelte Werke, Briefe, Reden und Aktenstücke" von Bruno Walden. Der Umsatz steigt und der Verdienst von Fried erreicht im zweiten Jahr des Verlags 17.000 Mark. Ein Drittel davon geht an seine Familie in Wien. Doch es gibt Probleme mit den Teilhaber Jacques Gnadenfeld, dessen Schwester Gertrude Fried geheiratet hat. Man trennt sich und Fried muß die Umsatzbringer beim alten Verlag lassen. Sein Glück, denn Jacques Gnadenfeld wird 1892 wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften verurteilt.

Im Mai 1988 erreicht ein Brief des französichen Kriegsministers Boulanger den Verlag unter der Adresse "Unter den Linden 59 A". Das ist nicht gegenüber der Einmündung Schadowstrasse, wo heute die russische Botschaft ist, denn das ist aber die neue, 1936/37 eingeführte Nummerierung. Bis dahin begann die Nummerierung mit der 1 am Pariser Platz und lief an der Nordseite bis zur 38 und auf der Südseite zurück bis zu 78 an der Neuen Wilhelmstr. Allerdings gibt das Adressbuch keinen Hinweis auf Fried. Die Adresse hat an der Einmündung der Neustädter Kirchstr. gelegen.

Schon vor der Abreise zum Wehrdienst hatte Fried dem Verlag Phillip Reclam jun. in Leipzig sein "Lexikon deutschsprachiger Zitate" angeboten und Ende 1888 wird der Vertrag geschlossen. Bis in die 1920-er Jahre werden davon jährlich 5000 Stück verkauft, aber Fried erhält, wie damals üblich, nur ein pauschales Honorar, kann aber nicht von Folgeauflagen profitieren .

Friedenskämpfer und Pazifist

Anfang November 1891 saß Alfred Hermann Fried wie gewohnt im seinem Stammcafe im Hotel Kaiserhof und studierte die internationale Presse. Er las von den Aktivitäten einer Baronin von Suttner in Österreich. Später erinnerte er sich: "Wie, es gab also in Wien eine Gesellschaft, die sich die Bekämpfung des Krieges zur Aufgabe stellt, es gab also noch Menschen, die wie ich den Krieg al Übel ansahen, es gab also solche Menschen in verschiedenen Ländern, so dass sie sich zu einem internationalen Kongress vereinigen konnten? [....] Zu diesen Menschen gehöre ich, rief es in mir, an ihrer Arbeit mitwirken, ist meine Aufgabe! Zu ihnen!"

Sofort schrieb er einen Brief an Bertha von Suttner, indem er seine Sympathie für ihr Wirken zum Ausdruck brachte und seine Mitarbeit anbot. Bertha von Suttner hatte 1889 mit ihrem Roman "Die Waffen nieder" die Grausamkeit des Krieges vor Augen geführt, den Militarismus angeprangert und eine Zukunft jenseits nationaler Differenzen beschrieben.

Im Oktober 1891 hatte in Wien die Gründung einer "Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde" stattgefunden, deren Vorstand von hoch gestellten Personen gebildet wurde. Sie wählte sechs Delegierte für die III. Interparlamentarische Konferenz und den folgenden III. Weltfriedenskongress in Rom.

Ganz aus heiterem Himmel kam Frieds Idee nicht. In Wien hatte er die Ausstellung des Malers Wassili Wassiljewitsch Wereschtschagin mit Bildern aus dem Russisch-Türkischen Krieg 1877/78 besucht, die ihm, wie vielen anderen Besuchern die Barbarei und Sinnlosigkeit von Krieg deutlich gemacht hat. Bereits nach dem Besuch der Ausstellung, die später auch in Berlin gezeigt wurde, wollte er etwas für den Frieden tun. Jetzt schien der rechte Moment zu sein.

Frieds Vorschlag bestand darin, eine Zeitschrift mit dem eingeführten Titel "Die Waffen nieder" zu gründen. Er hatte sich von der renommierten Autorin einen Zuschuß für seinen notleidenden Verlag erhofft, die ebenfalls klamme Bertha von Suttner erwartete ihrerseits von Fried eine Honorierung ihrer Arbeit. Es spricht für die Ernsthaftigkeit von Frieds Engagement, daß sie zu einer Einigung kommen und die neue Zeitschrift ab dem 1. Februar 1892 in Wien und Berlin erscheint.

Fried setzt nun alle Hebeln in Bewegung um den Besuch Bertha von Suttners in Berlin zu einem Triumph der Friedensidee werden zu lassen und die Pflöcke für die Gründung einer "Deutschen Friedensgesellschaft" einzuschlagen. Am 16. März 1892 trifft die Schriftstellerin in Begleitung ihres Gatten Arthur um 23 Uhr am Anhalter Bahnhof an und wird im Hotel Bellevue am Potsdamer Platz untergebracht. Fried hat eine Lesung aus dem Roman organisiert und veranstaltet am dritten Tag ein festliches Bankett für 250 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Literatur und Presse. Es fand im renommierten Restaurant "Englischen Haus" in der Mohrenstr. 49 statt, in dem sich schon die literarische Gesellschaft Tunnel über der Spree getroffen hatte.

Die konservative Presse spottete: "Wer zum Besten des Weltfriedens mitessen will, hat 6 Mark zu bezahlen, die Karten sind natürlich bei Fried zu haben, nach dem Souper wird die Weltfriedenspfeife geraucht".

Fried treibt die Gründung der "Deutschen Friedensgesellschaft" in Berlin weiter voran und am 9. November 1892 erfolgt die Konstituierung in der Weinstube des Hotels Kaiserhof.

Esperanto

Ab Mitte der 1890er Jahre beginnt sich Alfred Hermann Fried mit Esperanto zu beschäftigen. Bereits 1895 soll er er mit Gaston Moch (1859 - 1935) auch auf Esperanto korrespondiert haben. Beide kannten sich als Mitglieder im "Internationalen Friedensbüro" in Bern.

Fried nimmt Kontakt mir Ludwig Zamenhof auf und beschäftigt sich von da an internsiver mit der Sprache. Er stellt fest, daß es kein geeignetes Lehrbuch für den deutschen Sparachraum gibt. Er verabredet mit Adolf Schmidt, dem späteren Leiter des geomagnetischen Observatoriums in Potsdam, der bis 1902 als Lehrer in Gotha gearbeitet hat, ein Lehrbuch zu verfassen, das im Verlag von Fried erscheinen soll. Fried legt das, wie es seine Art ist, als umfassendes Medienprojekt an. Es sollten Wörterbücher, eine Grammatik, Übungs- und Lesebücher folgen. Da Schmidt in Gotha, wo er 1898 zum Professor ernannt worden war, nicht vorankommt, muß Fried die Sache selbst in die Hand nehmen.

Das Lehrbuch erscheint 1903 und erweist sich als recht erfolgreich. Es erscheint ab der 2. Auflage in der bekannten Franckh'schen Verlagsbuchhandlung und erreicht schon 1905 die vierte Auflage.

Im Vorwort zur 5. Auflage mokiert sich Fried über die konservativen Geister, die Esperanto keine Chance geben und vergleicht das mit den früheren Warnungen vor dem Dampfschiff, der Stenografie und dem Telefon.

Parallel zur Arbeit am Lehrbuch hat Fried den Aufbau einer Esperanto-Gruppe in Berlin vorangetrieben. Die Gründung findet in den Räumen des Verlags Möller & Borel in der Prinzenstraße 95 (Kreuzberg) statt. Gründungsmitglieder sind unter anderem der Schweizer Journalist Jean Borel, der Schulreformer Wilhelm Wetekamp und der inzwischen in Potsdam lebende Adolf Schmidt. Fried ist sauer, weil man ihn, der ja die ganze Vorarbeit geleistet hat, nicht in den Vorstand gewählt hat. Aber er hat schon im April 1903 seine Wohnung in der Grunewaldstr. 40 aufgegeben und beginnt sich in seiner Heimatstadt Wien einzurichten.

Er bleibt der Esperanto-Bewegung verbunden. 1905 ist er beim ersten Kongreß in Boulogne-sur-Mer zur Stelle. Dort wird er Mitglied der von Gaston Moch initiierten "Internacia Societo Esperantista por la Paco" Er ist auch unter den Teilnehmern der folgenden Kongesse in Genf (1906) und Cambridge (1907). Auch in seiner neuen Zeitschrift "Die Friedenswarte" berichtet er über internationale Esperanto-Veranstaltungen.

Fried befand sich mit seinem Interesse an Esperanto in guter Gesellschaft. Neben dem bereits erwähnten Gaston Moch, zähleten auch William Thomas Stead (1849–1912) und Henri La Fontaine zu den Esperantisten in der Friedensbewegung.

Stead war Mitbegründer und Kassier der britischen Esperanto-Gesellschaft. Seine Privatsekretärin Eliza Ann Lawrence war Schriftführerin. ein Patensohn von Felix Mendelsohn-Bartholdy Felix Moscheles wurde Vorsitzender, der gleichzeitig auch Vorsitzender der 1880 gegründeten "International Arbitration and Peace Associaton" in London, der ersten Friedensgesellschaft der Europa war. Stead arbeitete als Journalist und unterstützte die Friedensbewegung finanziell. In seiner Monatszeitschrift Review of Reviews gab es stets eine Kolumne zu Esperanto. Er verschwand beim Untergang der Titanic auf dem Weg zu einem Friedenskongress nach New York, wo er in der Carnegie-Hall sprechen sollte.

La Fontaine war Jurist und Professor für internationales Recht an der Universität Brüssel. Er erhielt 1913 den Friedensnobelpreis. Von 1895 bis 1936 war er Mitglied des belgischen Senats. Er war Mitglied der 1905 von Gaston Moch (1895-1935) gegründeten Esperanto-Friedensvereinigung „Internacia Societo Esperantista por la Paco“ und Teilnehmer des 7. Esperanto-Weltkongresses 1911 in Antwerpen. Und er war Freimaurer.

In den Biografien der genannten wird Esperanto meist nur am Rande erwähnt. Es kann sein, daß sich bei internsiver Auswertung der Quellen weitere Persönlichkeiten mit Sympathien für Esperanto finden.

Dazu gehören beispielsweise der Jurist Heinrich Gustav Arnhold und sein Vater Georg Arnhold (1859-1926), der als Inhaber des Dresdener Bankhauses Arnhold zu den großen Mäzenen der Friedensbewegung und der Esperantobewegung gehörte. Auch Heinrich Gustav Arnhold förderte durch regelmäßige finanzielle Zuwendungen das Erscheinen der von Alfred Hermann Fried herausgegebenen und redigierten Zeitschrift „Die Friedens-Warte. Er nahm an Weltfriedenskongressen teil und war vor dem Ersten Weltkrieg Teilnehmer aller Esperanto-Weltkongresse.

Schwere Zeiten in Berlin

Die Jahre zwischen 1884 und 1903 in Berlin waren für Fried eine schwere Zeit. Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in seinen Verlagsprojekten kamen familiäre und persönliche Probleme.

Bei seiner ersten Ehe 1889 mit der Schwester seines Geschäftspartners Jaques Gnadenfels hatte er möglicherweise darauf spekuliert, daß ihm eine reiche Mitgift zufließen würde. Doch seine Frau bringt nur die Möbel in die Ehe mit. Er entwickelt sich zum Haustyrann und schließlich kommt es zur Scheidung.

Schon während seiner ersten Ehe hatte Fried den aufstrebenden Schriftsteller Felix Holländer kennengelernt, der sich mit der Not der Arbeiter und der Frauenfrage befaßt hatte. Seine Romane sind Gesprächsstoff in der Gesellschaft.

Er lernt 1896 dessen Schwester Martha kennen und heiratet sie im Juni. Doch Martha ist psychisch krank und muß immer wieder in ein "Asyl für Gemütskranke" nach Charlottenburg gebracht werden. Fried kann sich durch seine Reisen nicht in ausreichendem Maße um sie kümmern und ihre Familie macht ihn verantwortlich.

Schon während seiner ersten Ehe hatte Fried ein Verhältnis mit der Therese, der Schwester seiner Frau. Diese hatte noch im selben Jahr wie Fried seinen Freund Siegfried Frankl geheiratet und beide wohnten Tür an Tür mit Alfred Hermann Fried in Schöneberg in der Grunewaldstraße.

Siegfried verdrängt die Sache bis er die beiden in flagranti erwischt. Er verbietet seiner Frau den Umgang mit Fried, was nicht ganz leicht ist, da sich die beiden Haushalte einen Telefonanschluss teilen. Schliesslich schickt er sie nach Wien zu seinem Schwager. Von da an schreiben sich Alfred in Berlin und Therese in Wien täglich Liebesbriefe.

Beide hoffen auf eine Scheidung von ihren Ehepartnern, aber Siegfried Frankl will Therese nicht frei geben. Erst als seine Brüder, von Fried auf die Spur gebracht, ihn beim Besuch einer Prostitutuierten ertappen, gibt er nach. Als weitere Schwierigkeit kommt nun hinzu, daß Siegfried als "eingewandertet Ungar" kein österreichischer Staatsbürger ist und das Scheidungsverfahren in Pozony (Pressburg) stattfinden muss.

Ebenso schwierig ist die Annulierung der Ehe mit der psychisch kranken Martha. Nach österreichischem Recht gibt es in diesem Fall keine Scheidung. Letztlich wird die Ehe mit Zustimmung der Ehefrau am 23. Mai 1907 geschieden und als dann auch Therese frei ist, können die beiden am 17. Dezember 1907 heiraten. Fried läßt sich wieder in die jüdische Glaubensgemeinschaft eintragen und wird Freimaurer.

Es ärgert ihn, daß ihm seine Schwester Pauline, die in Wohlstand lebt, nicht hilft und Alfred und Therese zu zweit in einem Zimmer für 6 Personen leben müssen, das zweimal am Tag vermietet wird.

Der Erfinder

Fried ist ein Visionär, der großartige Ideen und Pläne hat, die oft seiner Zeit voraus sind und von seiner Umgebung nicht verstanden werden.

So entwirft er für die Weltausstellung in Paris ein Pavillion, in dem die Rüstungsausgaben im Vergleich zu den Ausgaben für Bildung plastisch gemacht werden sollen. Er will Millionen vorgefertigte Postkarten drucken lassen, die Besucher unterschreiben und damit ihren Wunsch nach Abrüstung kundtun sollen.

Er entwirft für die Zeitschrift "Friedenswarte" ein Logo aus ineinandergreifenden Rädern mit dem Motto "Organisiert die Welt".

Er hat so praktische Dinge, wie selbstklebende Briefumschläge erfunden und sich Gedanken um ein System zur Wiederverwertung von Abfallstoffen gemacht. Aber "Frieds hygienischer Müll- Sammel und Abführapparat" findet damals keine Anwendung.

Freimaurer

Wenn der Vorwurf, daß Esperanto die "Sprache der Juden und Freimaurer" sei, irgdeneine Berechtigung hat, dann bei Alfred Hermann Fried. Seine jüdische Herkunft ist unumstritten und auch nach der Rückkehr ins heimatliche Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollte er trotzder latent antisemitischen Stimmung in der Stadt nicht zum christlichen Glauben wechseln.

Auch seine Kontakte zur Freimaurerei begannen im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in Wien. Bei seiner Tätigkeit als Vortragsredner oder Korrespondent für Zeitungsverlage kommt er immer wieder mit Freimaurern Kontakt, insbesondere mit deren nichpolitischen Vorfeldorganisationen, wie der "Ethischen Gesellschaft" oder dem Verein "Allgemeine Nährpflicht". Auch Arthur, der Mann von Bertha von Suttner, ist Freimaurer. Fried beginnt ab 1906 damit Informationen zu sammeln und stellt fest, daß es bei aller Vaterlandsliebe den gleichen kosmopolitschen Ansatz gibt, der auch die Friedens- und die Esperanto-Bewegung auszeichnet. Fried schreibt "Unser eigenes, höchstes Heil liegt darin, wenn wir die Gewalt soweit als möglich ausschalten und aus den Beziehungen der Nationen und das Verhältnis von Mensch zu Mensch von Volk zu Volk auf Recht und Billigkeit, auf weisen Austausch unserer Pflichten basieren".

In einer Resolution am 18. Mai 1905 zur Feier des Friedensfesttages hatten die Freimaurer Postitionen verabschiedet, in denen sie sich zur Beseitigung von Steitigkeiten auf juristischem Weg bekannten und den Krieg als Verbrechen gegen die Zivilisation bezeichnet hatten.

Am 9. Februar 1908 wird Fried in die Loge "Sokrates" aufgenommen und ist fleißiger Besucher der Logenabende. Ein Jahr später spricht er über "Die hauptsächlichen Mißverständnisse über die Friedensbewegung" gefolgt von von einer so lebhaften Diskussion, daß auf die nächste Logenversammlung vertagt werden muß.

Der Nobelpreis

Der schwedische Industrielle Alfred Nobel ist seit 1892 Mitglied der österreichischen Friedensgesellschaft, die er auch finanziell unterstützt. Bertha von Suttner, die als seine Sekretäring gearbeitet hat, hatte ihn geworben und von ihr stammt der Vorschlag, neben Preisen für Kultur und Wissenschaft, auch einen für Frieden zu stiften.

Man ging davon aus, daß sie eine sein würde, die mit diesem Preis ausgezeichnet wird, aber das erfolgte erst 1905. Auf ihren Vorschlag hin wird dann der Friedensnobelpries 1911 zu gleichen Teilen an Tobias Michael Carell Asser, Mitglied des Haager Gerichtshofs, und Alfred Hermann Fried verliehen.

Die offizielle Bekanntgabe erfolgte am 10. Dezember 1911 und der Preis war mit 90.000 österreichischen Kronen dotiert.

Nun ändert sich das Leben des Ehepaars Fried von Grund auf. Es kann eine Wohnung bezogen werden, in der zum Leben und Arbeiten Platz ist und es wird eine Sekretärin engagiert. Fried erhält auch eine feste Summe von der US-amerkikanischen Carnegie-Stiftung für Analysen zur Friedensbewegung in Europa.

Der revolutionäre Pacifismus

Fried hatte nun den materiellen Rückhalt und die Basis für die Verbreitung seiner Ideen. Nach dem Nobelpreis 1911 erhielt er 1913 den Titel eines Doctor honoris causa von der Universität Leiden. Er ging - wie viele seiner Zeitgenossen - davon aus, daß das Konzept der Nationalstaaten historisch überholt sei. Die modernen Verkehrs- und Kommunikationsmittel (Eisenbahn, Luftschiff, Telegraf, Telefon) brachten die Menschen über willkürliche Grenzen hinweg miteinander in Verbindung und schufen Wohlstand.

Es war klar, daß es auch auf höchster Ebene eine rationale, verstandesmäßig gestaltete Ordnung anstelle der archaischen und barbarischen Kriege zwischen den Nationen geben müsse. Ein Baustein dieser von Vernunft geleiteten Gestaltung der Welt war die Sprache und hier kam der Plansprache Esperanto der Vorzug gegen allen "gewachsenen" Nationalsprachen zu. So ist nachvollziehbar, daß Esperanto in den Kreisen der Friedensbewegung zumindest wohlwollend betrachtet wurde, wenn auch nicht sofort für den allgemeinen Gebrauch akzeptiert wurde.

Fried hat immer wieder die Plansprache Esperanto in eine Reihe mit dem technischen Erfindungen gestellt, als Mittel zum Zweck betrachtet. In Esperanto-Kreisen gibt es nach wie vor den naiven Glauben, daß eine gemeinsame Sprache allein die Menschen zu einem friedlichen Zusammenleben bringen könnte.

Umso tiefer der Schock, als 1914 ganz Europa von einem nationalen Taumel erfaßt wurde und völkische Ideen den Mord an Nachbarn legitimierten. Auch die Esperanto-Bewegung blieb davon nicht verschont.

Fried mußte aus Wien weg und versuchte aus der Schweiz die Fäden der Friedensbewegung zusammen zu halten. 1916 wird die "Friedenswarte" in Deutschland und Österreich verboten.

Die Organisationen der Freimauerer, denen Fried verbunden bleibt, beteiligen sich an der Organisation humanitärer Hilfe. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs bemüht sich Fried um die Rückkehr nach Wien, wo er aber nicht willkommen ist. Reaktionäre Kreise machen ihn als Repräsentanten des Pazifismus für den Ausgang des Krieges verantwortlich. Er hofft in der Münchner Räterepublik Fuß fassen zu können, doch wird auch hier von den Reaktionären vertrieben. Fried wird immer kränker und stirbt am 4. Mai1921 in München.



Weitere Informationen

http://www.llb-detmold.de/wir-ueber-uns/aus-unserer-arbeit/texte/2000-1.html


Ein Nachdruck des Novellenbandes erschien später unter dem Titel Unerfüllt bei Gnadenfeld & Co. in Berlin. Jacques Gnadenfeld hatte seinen Verlag im Februar 1891 gegründet.[129] Im Juni 1892 wurde er wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften gerichtlich verurteilt. Worauf sich die Verurteilung bezog, ist nicht ermittelt, doch gehörte die Übersetzung von Pierre Dufours Histoire de la prostitution chez tous les peuples du monde zu den Haupttiteln in Gnadenfelds Verlagsprogramm. Seit April 1892 firmierten der bisherige Teilhaber Sally Simon als Verlagsbesitzer und seine Frau Hermine geb. Gnadenfeld als Prokuristin. Sein Geld verdiente der Verlag hauptsächlich mit Nachdrucken älterer Belletristik, z.B. Werken von Ludwig Tieck, Adalbert Stifter, Gottfried Keller, Eduard Mörike, Otto Ludwig, Willibald Alexis und anderer, aber auch mit Übersetzungen moderner Klassiker vor allem aus dem Französischen (Balzac, Maupassant, Daudet, Zola etc.) und Russischen (Tolstoi, Tschechow, Gorki, Dostojewski). Der Verlag ist bis Mitte der 1920er Jahre nachweisbar.

fanden sich in der heute nicht mehr existierenden Gaststätte „Englisches Haus“ in der Berliner Mohrenstraße 49, einem traditionsreichen Treffpunkt von Künstlern und Literaten,

Aus den Memoiren von Bertha von Suttner zum Aufenthalt in Berlin

http://www.zeno.org/Literatur/M/Suttner,+Bertha+von/Autobiographisches/Memoiren/Siebenter+Teil+%281892-1898%29/34.+Aufenthalt+in+Berlin+und+Hamburg

und zur Gründung der Friedensgesellschaft

http://www.zeno.org/Literatur/M/Suttner,+Bertha+von/Autobiographisches/Memoiren/Siebenter+Teil+%281892-1898%29/39.+Entstehung+der+Deutschen+Friedensgesellschaft+in+Berlin



Walden, Bruno: Fürst Bismarcks gesammelte Werke : Briefe, Reden und Aktenstücke [2 Bde.] / von Bruno Walden, Fried & Cie Berlin [1890], ; fester Einband / hard cover

19 cm / Leinen / 376/416/399/399 S. / Text in Fraktur, 19 cm

Fried, Alfred H

.: Lehrbuch der Internationalen Hilfssprache "Esperanto". Mit Wörterbuch in Esperanto-Deutsch und Deutsch-Esperanto. Vierte verbesserte und vermehrte Auflage..

Stuttgart, Franckh, 1905. 91 Seiten, 2 n.n. Blätter, Ohln, 8° ( 18,5 x 12,5 cm ). ( Gewicht 200 Gramm )



The Esperanto Movement Googlebooks

Es ist bezeichnend, daß von Miss E. A. Lawrence keine Vornamen erwähnt werden sind, wie bei den Männern üblich

Recrouting the postcolonialists bei Googlebooks weiß mehr

Eliza Ann war ihr Name. Das 4. Kapitel lautet Postcolonialism in the Era of Esperanto und hat dort eine Menge interessanter Informationen zum sozialen Umfeld von Esperanto im UK. Autor Kaori Nagai

Heinrich Gustav Arnhold (1885-1935)

Heinrich Gustav Arnhold studierte Rechtswissenschaften und lernte inspiriert von Bertha von Suttner Esperanto. Er war Präsident der „Saksa Esperanto-Ligo“, der Sächsischen Esperanto-Vereinigung, und vor dem Ersten Weltkrieg Teilnehmer aller Esperanto-Weltkongresse. Sein Vater Georg Arnhold (1859-1926) gehörte als Inhaber des Dresdener Bankhauses Arnhold zu den großen Mäzenen der Friedensbewegung und der Esperantobewegung. Georg Arnhold, der ebenso wie sein Sohn Esperanto beherrschte, war Mitbegründer des „Saksa Esperanto-Instituto“, des Sächsischen Esperanto-Instituts, er gründete eine Friedensgesellschaft in Dresden und nahm vor dem Ersten Weltkrieg an mehreren Weltfriedenskongressen teil. Insbesondere förderte er die Friedensbewegung, indem er zwischen 1899 und 1911 durch regelmäßige finanzielle Zuwendungen das Erscheinen der von Alfred Hermann Fried herausgegebenen und redigierten Zeitschrift „Die Friedens-Warte“ ermöglichte.